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Predigten

 

Die Predigt zu den Lesungen des 12. Sonntags im Jahreskreis (20. Juni 2021)

von Pastoralreferent Florian Wolters:

 

Erleben, wo Gottes Geist weht

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

welche Gedanken, Bilder und Assoziationen kommen Ihnen, wenn Sie an Wind denken? Ich denke, typisch für den Sommer, an ein warmes Lüftchen, welches mir sanft in den Nacken bläst, oder an den heftigen Gegenwind, der mich am vergangenen Sonntag, als ich vom Badesee zurückfuhr, beim Fahrradfahren behinderte. Ebenso kommen mir kraftvolle Stürme mit Hagel, Blitz und Donner in den Sinn, die ganz plötzlich aufziehen und bei denen nicht nur Gegenstände durch die Luft fliegen, sondern denen wir Menschen und die Tiere hilflos ausgeliefert sind.


Von einem solchen Sturm berichtet uns die Bibel im heutigen Evangelium. Die Jünger sind mit ihrem Meister hinaus auf das Wasser des Sees Genezareth gefahren, als plötzlich, charakteristisch für die bergigen Landschaften in unseren Gefilden, aber eben auch in Israel, ein Sturm aufzieht. Regen prasselt herab. Ein starker Wind lässt das Segel reißen und knickt den Mast, wie ein Streichholz, ein. Hohe Wellen schwappen über die Reling des kleinen Fischerbootes und drohen es schnell zu füllen, so dass es zu sinken droht. Gestandene Männer schreien vor Angst. Es ist eine Szene, die an Dramatik nicht zu überbieten ist. Und doch scheint es einen nicht zu interessieren: Jesus, so berichtet uns die Erzählung, liegt einfach da, ruhig schlafend. Erst auf das Drängen seiner Freunde wird er wach, steht auf und spricht. Und Wind, Wasser und Regen gehorchen ihm und ziehen sich zurück. Was für ein Wunder, was für ein Zeichen zu unserer Zeit! Sie ist eine Epoche, in der die Menschen Naturphänomenen, wenn sie sie nicht sogar vergöttlichen, hilflos ausgesetzt sind. Jesus erweist sich als Sohn des einzigartigen, großen Gottes, der, wie wir in der Lesung des heutigen Tages erfahren, Himmel, Erde, Wind und Wasser und alle Naturgewalten erschaffen hat. Wie dieser kann Jesus diese beherrschen zum Wohle des Menschen, gegen seine Angst. Es ist eine Angst auch vor uns selbst, vor der Depression und allem, was uns daran hindert glücklich zu werden. Was da unter dem Wasser liegt sind zugleich die unbewussten Kräfte in uns selbst, die uns manchmal, viele von uns kennen es, wie Naturgewalten, hin und her reißen können.

 

Auch das Boot der Kirche ist momentan in einen schweren Sturm geraten. Da ist die immer noch nicht befriedigende Aufarbeitung sexualisierter Gewalt an Kindern und Jugendlichen durch kirchliche Mitarbeiter. Da sind die klerikalen Machtstrukturen, die Ausgrenzung von Menschen aufgrund des Geschlechtes oder ihrer sexuellen Neigung oder die Behinderung von längst überfälligen Reformbewegungen durch kirchliche Würdenträger. Da ist aber auch eine Institution, die nur um sich selbst zu kreisen scheint, ohne sich wirklich für die ihr Anvertrauten zu interessieren. Dies alles treibt die Menschen in Scharen aus dem scheinbar sinkenden Schiff und lässt selbst einen bekannten Bischof an Rücktritt denken und mit den Worten, „die Kirche sei an einem toten Punkt angelangt“, begründen. Ich weiß nicht, ob dies der richtige Schritt ist, und ich bin froh, dass der Rücktritt unseres Kardinals nicht angenommen wurde.


Ich selbst kann mich jedenfalls nicht zu einem Austritt durchringen, obgleich auch mich momentan Vieles stört und ich ernsthaft diesen Schritt erwogen habe. Doch auf der anderen Seite ist da so viel Gutes, was ich mit und durch die Institution Kirche erlebt habe. Da sind meine biographischen Erfahrungen, die Begegnung auch mit Vertretern der Institution, die mich in ihrer Euphorie und Freude für den Glauben begeistert haben. Wie gerne denke ich an die Zeit in meiner Heimatpfarrei bei den Ministranten zurück, an die wunderbaren Fahrten etwa zum Weltjugendtag 1997 nach Paris, an den Jugendchor und die großartigen Gottesdienste. Das alles lässt mein Herz höher schlagen, wenn ich daran denke, und erfüllt mich immer noch mit tiefer Freude und Dankbarkeit, auch Gott gegenüber. Und schließlich hat mir der Glaube in der Zeit meiner schweren Erkrankung, gerade dank der in der Institution Kirche verwurzelten Personen, Halt und Kraft gegeben. Dieser Glaube an den einen liebenden Gott, der in Jesus Christus Mensch geworden ist, für jeden einzelnen von uns, für dich und für mich, trägt mich bis heute.


Er ist es, der mich dem Sturm in meinem Herzen zurufen lässt, schweig, wenn ich wieder einmal an meiner Kirche verzweifele. Stattdessen lädt er mich ein, auf das Gute zu sehen und darauf zu schauen, wo Gottes Geist weht, gerade in meinem näheren Umfeld, hier in beiden Gemeinden in unserem Pfarrverband. Immer wieder erlebe ich hier in Unterschleißheim Menschen, die sich mit Begeisterung und Freude für den Glauben einsetzen. Sei es im Pfarrgemeinderat, in der Jugendarbeit, im Besuchsdienst im Seniorenheim, im Chor und in vielen Gremien und Gruppierungen mehr, die sich für andere engagieren. Und ich merke, dass mich Menschen brauchen. Als mir etwa der kleine Junge im Supermarkt, den ich aus einem unserer Kindergärten kenne, zuruft: „Bist du nicht der Mann vom lieben Gott? Ich freue mich, wenn ich dich wieder beim Gottesdienst sehe“, da kann ich es wieder einmal spüren, wie wichtig Glauben, wie wichtig Kirche für das Leben der Menschen ist. An dieser Kirche möchte ich festhalten und ich möchte daran mitwirken, dass sie (wieder neu) zu einem Ort wird, an dem Menschen merken, wie wertvoll sie sind und der ihr Leben gelingen lässt. An so einem Ort möchte ich mit meiner Arbeit als Pastoralreferent mitwirken. Dabei müssen wir nicht alles allein schaffen. Wir dürfen auf Jesus Christus vertrauen, der das Ruder seines Bootes fest in der Hand hält. Er lenkt und leitet das Schiff seiner Kirche und führt sie durch Stürme und unbekannte Wasser hinein in das Land des Lebens.


Amen.


 

 

 

 

Die Predigt zu den Lesungen des 11. Sonntag im Jahreskreis   (13. Juni 2021)

von
Pastoralreferent Florian Wolters:

 

An Gottes Schöpfung freuen, ihn loben und preisen

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

genießen Sie es auch so im Garten zu arbeiten, wie ich? In diesem Jahr habe ich sogar versucht, selbst Gemüsepflanzen aus Samen zu ziehen. Schon früh im Februar, wahrscheinlich viel zu früh, habe ich die kleinen Keimlinge in die Erde gesetzt. Einiges ist mir wieder eingegangen. Doch vieles ist, mit ein bisschen Pflege, mit Gießen, Düngen und regelmäßigem Umtopfen, gewachsen und ich freue mich auf die Ernte, von Tomaten, Gurken, Zucchini und vielem mehr. Und einige kleine Radieschen und so manchen Salat durfte ich sogar jetzt schon genießen.

Wachsen, reifen und ernten, das ist auch das Thema der Lesungen des heutigen Sonntags. Da zeigt sich Gott als Gärtner. Im Text des Alten Testaments pflanzt er einen Setzling. Er macht Israel, welches nach der Katastrophe von 587 v. Chr. am Boden liegt -Tempel und Land sind zerstört, die Bevölkerung ins Exil nach Babylonien verschleppt-  zu einem blühenden Baum auf einem Berg. Mit Gottes Hilfe erwächst sein Volk zu neuer Größe. Ein Hoffnungsbild für Menschen, die am Boden liegen, die sich klein und mutlos fühlen.  
Auch im Neuen Testament lässt Gott es wachsen und reifen. Heimlich über Nacht entsteht aus dem kleinsten Korn ein mächtiger Baum als Hoffnungszeichen. Ein Bild für den Glauben der Menschen, aber eben auch das Reich Gottes, das mitten unter uns ist und gedeiht, obgleich wir es nicht immer wahrnehmen können.

Immer wieder muss ich bei der Arbeit in meinem Garten die Erfahrung machen, dass manche Pflanze, die ich monatelang liebevoll gehegt und gepflegt habe, eingeht. Ich kann nur hilflos danebenstehen, weil ich gar weiß, warum dies geschehen ist. Auf der anderen Seite wächst und sprießt es manchmal ganz ohne mein Zutun und so manches für Unkraut gehaltene Kraut, entpuppt sich als wunderschöne Blume, wenn ich sie gedeihen lasse, anstatt sie auszurupfen.  

Ist es nicht so ähnlich auch in unserem Leben? Immer wieder machen wir  die Erfahrungen, dass sich Pläne, Wünsche und Ziele nicht erfüllen und das, obwohl wir uns mühen und viel Zeit, Arbeit und Kraft investieren: Der verpasste Aufstieg im Job, das nicht erreichte Wahlamt und sogar lange Beziehungen können scheitern. Dann sind wir zurecht traurig und enttäuscht und manchmal sogar am Boden zerstört. Allerdings geschieht dies mitunter, weil wir Ziele falsch setzen, oder weil wir so fixiert auf diese sind, dass wir gar nicht merken, wo Gott im Spiel ist. Wo es an anderer Stelle in unserem Leben wächst und blüht. Wo wir Anerkennung, Erfolg und Liebe bekommen, manchmal sogar ganz unerwartet.  

Mir persönlich fällt es oftmals schwer, Erfolge in meinem Leben zu sehen, nehme ich doch vieles Schöne häufig als zu selbstverständlich. Dann brauche ich einen Wegweiser oder eine Führerin durch meinen Lebensgarten, jemand der mich auf die blühenden Stellen hinweist, aber auch das Tote und Verdorrte nicht ausspart.  

Erst gestern hatte ich so eine Begegnung. Es war ein geschenkter Moment der Gnade, bei dem ich spüren konnte, dass Gott im Spiel ist. Als mich die alte Frau durch den Garten unseres Seniorenheims führte. Mit Begeisterung zeigte sie mir die vielen großen Pflanzen, die jetzt in schönster Blüte standen. Immer wieder wies sie mich aber auch auf vieles Kleine hin, was ich vielleicht beim schnellen Vorbeigehen gar nicht beachtet hätte, weil ich es für Unkraut gehalten hätte, was sich aber in der Freude und im Entzücken der Dame als wunderbar erwies. Es war eine Einladung, auch auf das scheinbar Unscheinbare in meinem Leben zu schauen und Gott zu danken, für alles, was wächst, auch in der Natur. Momentan kann ich mich gerade so unglaublich an Gottes Schöpfung freuen und möchte ihm loben und preisen, heute und alle Tage meines Lebens.

Amen

 

 

 

Predigt zu den Lesungen des  10. Sonntag im Jahreskreis (6. Juni 2021)
von Pfarrer Johannes Streitberger:

 

Seit Bonifatius: Anlaufpunkte für Glauben  und Lebensfragen schaffen

 

Liebe Schwestern und Brüder,

am 5. Juni gedenkt die Kirche des heiligen Bonifatius. Er ist bekannt als Glaubensbote, Märtyrer und wird auch seit dem 16. Jahrhundert als Apostel der Deutschen verehrt.
Kann man deshalb sagen, ohne Bonifatius gäbe es kein Christentum in Deutschland? Wohl kaum. Bonifatius hat aber viele Strukturen angelegt, die auch heute die katholische Kirche in Deutschland prägen. In Würzburg und Eichstätt hat er Bischofssitze eingerichtet – sie bestehen bis heute.
Die besondere Bedeutung der Stiftung des Klosters Fulda durch Bonifatius, aus dem dann das Bistum Fulda erwuchs, ist auch daran zu erkennen, dass die deutsche Bischofskonferenz früher Fuldaer Bischofskonferenz genannt wurde.
Es gibt noch viele weitere Vermächtnisse von Bonifatius‘ Wirken, die uns heute nicht mehr bewusst sind, aber auf die wir stoßen können, wenn wir uns näher mit der Geschichte unseres Glaubens und der Geschichte unserer Kirche befassen.
Diese Perspektive soll aber nicht im Fokus der Gedanken zum heutigen Gedenktag stehen. Vielmehr möchte ich einen Blick auf den Mann des Glaubens werfen, der uns auch heute vielleicht etwas zeigen kann – auch wenn er aus einer Zeit stammt, die uns aufgrund ihrer seltsamen Praktiken, ihrer Grausamkeit und anderen Vorstellungen völlig fremd ist.
An Bonifatius ist nicht nur seine Statur von damals überragenden ca. 1,90 beachtenswert gewesen. Der nach seiner Geburt in England Winfrid genannte Mann hat nach seiner Ausbildung im Kloster ein Ziel gehabt: Das Evangelium zu verkünden und den Glauben an Christus auf dem europäischen Festland zu festigen.
Dafür verließ Bonifatius seine Heimat. Er versuchte, Klöster zu gründen, denn die Mission verlief damals nicht mehr wie in Zeiten des Paulus, als christliche Prediger Synagogen aufsuchten und in Städten ein Angebot des Glaubens machen konnten.
Die Mönche suchten sich einen Flecken Erde, den sie bewirtschafteten und kultivierten. Klöster wurden dann zu einem Anziehungspunkt für wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und für kulturellen Austausch. Was die Mönche hier im Namen Christi leisteten, hatte für die benachbarten Menschen Attraktivität – sie sahen die christliche Kultur und ihre in alle Richtungen wirkenden Leistungen und übernahmen dann Schritt für Schritt ihre Kultur – und den Glauben.
Religion funktionierte damals als Integrationsmotor. Das machte Bonifatius auch für die Politik attraktiv – die positiven und negativen Seiten so einer Nähe hat er immer wieder erlebt. So war er auch vom bayerischen Herzog Odilo mit der Neuorganisation der Bistümer in Regensburg, Passau und Freising betraut. Aufgrund höfischer Intrigen ist die Leistung des Bonifatius zur damaligen Zeit aber nicht anerkannt worden.
Seinen Tod fand Bonifatius mit wohl über 80 Jahren bei Dokkum in Friesland. Man geht heute davon aus, dass er das Martyrium anstrebte, als er mit seinen Brüdern auf Mission zu den Friesen ging. Es dürfte sich weniger um einen Raubmord als um einen politisch motivierten Mord gehandelt haben, denn die Friesen kannten den Ruf des Bonifatius – sie wussten, wen sie töten und welche Botschaft dieser Akt sendet.

Liebe Schwestern und Brüder,
das Bestreben des heiligen Bonifatius, Gottes frohe Botschaft zu verkünden, ist beispielhaft. Er hat sich dieser Aufgabe ganz und gar verschrieben und ihr sein Leben gewidmet.
Von persönlichen Rückschlägen hat er sich nicht entmutigen lassen. Er wusste, dass ganz im Sinne des Gleichnisses vom Sämann manche Saat aufgeht und wächst, manche Saat aber vergebens ausgeworfen wird.
Bonifatius mag ein Mann gewesen sein – aber ohne seine Helfer und Helferinnen hätte sein Wirken keinen Effekt gehabt. Stellvertretend für die Frauen, die so viel für den Glauben und die Kirche im Namen des Bonifatius getan haben, sei hier kurz die heilige Lioba erwähnt, die in Tauberbischofsheim Äbtissin eines Klosters wurde, das eine breite Wirkung hatte. Bonifatius hat auf viele Menschen gesetzt, die gemeinsam gewirkt haben – in unterschiedlichen Rollen und auf unterschiedliche Weise.
Und zuletzt: Bei allem Glauben wusste Bonifatius, dass es ohne eine gut organisierte Struktur kaum eine Chance auf Nachhaltigkeit im Glauben geben könne. Für ihn brauchte es einen verlässlichen Anlaufpunkt für die Menschen, an dem sie Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartner für den Glauben finden konnten. Beistand, Trost – und auch Rat in Glaubensfragen und Lebensfragen.


Liebe Schwestern und Brüder unseres Pfarrverbandes,
nicht alles, was wir in den vergangenen fünf Jahren unserer Pfarrverbandes angedacht haben, ist gelungen. Wir befinden uns auf einem Weg, zusammenzuwachsen. Es dauert. Es braucht Zeit, bis sich Strukturen und Gewohnheiten wandeln können.

Nein, unser Ort ist nicht das zu christianisierende Germanien des Bonifatius. Aber dennoch dürfen wir, neben dem Diözesan- und Gemeindepatron Korbinian und dem Gemeindepatron Ulrich auch den heiligen Bonifatius um Fürsprache bitten. Fürsprache für einen Geist des Miteinanders in Christus. Auf dass das, was wir zusammen im Vertrauen auf Christus tun, Frucht bringt für die Menschen, die Kirche brauchen – auf welche Weise auch immer.

 

Amen.

 

Die Predigt am Vorabend des Hochfest des Leibes und Blutes Christi (2. Juni 2021)
von Diakon i.A. Matthias Schmidt

 

 

Liebe Kumpane,

das lateinische
cum pane" bedeutet wörtlich übersetzt „mit Brot“. Paulus sagt im ersten Korintherbrief, dass wir mit dem Brot, das wir gemeinsam brechen, Teilhabe am Leib Christi haben. Der Leib Christi, ist es, den wir morgen an Fron, der Herr, und lichnam, der Leib, zusammen feiern.


Jesus sagt im Evangelium: „Das ist mein Leib", eigentlich sagt er: „Das ist mein ich" oder „ich bin es". Er will damit sagen, dass er nicht nur das Brot hingibt, sondern sich selbst.
Dazu ein wenig Bibelauslegung - die Bedeutung von Leib im Hebräischen hat nicht die Bedeutung einer Sache, sprich hier des menschlichen Körpers, sondern meint die ganze Person.
Jetzt hat dieser Jesus Christus auch noch gesagt, dass wenn zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind, ist er mitten unter ihnen.  

Der Sohn Gottes, unser Kirchenstifter, sagt also im Evangelium, dass er sich selbstpersönlich für seine Jünger hingibt. Er gibt ferner bekannt, dass er mitten unter jenen ist, die sich in seinem Namen versammeln. Das Brot wird nicht nur zum Symbol für den Leib, die ganze Person Jesu, der für uns hingegeben wird, er ist wirklich für uns da. 

Es geht um die Realpräsenz, liebe Schwestern und Brüder, meine lieben Kumpane. Die Analogie zu den Eltern, die ihre Kinder in den Arm nehmen und ihnen ganz nahe sein wollen, um ihnen zu zeigen, wie lieb sie sie haben, ist sehr charmant. Wir als Kinder Gottes falten die Hände und er gibt sich uns im gewandelten Brot höchstpersönlich als „Nahrung“ für das ewige Leben. Als gläubige Christen suchen wir seine Nähe und er hat uns aufgetragen, wie wir ihm nahe sein können.
Ich sprach gerade von einer analogen Rede, was bedeutet, dass ich mich mit meinen Worten nur vorsichtig an Gottes Größe und Werke annähern kann. Kein menschliches Wort, kein Gedanke, den wir uns mache, ist in der Lage, dem allgegenwärtigen,  unsichtbaren Gott gerecht zu werden.

In Jesus Christus ist das Wort Gottes Fleisch, sprich leibhaftig, geworden und hat uns mit Gleichnissen das Himmelreich erklärt.
Er hat uns in die Gemeinschaft gerufen, er hat aus theologischer Sicht sehr deutlich gemacht, dass wir Christen keine EigenBRÖTLER sein sollten.
Jesus hat gesagt, dass seine Kirche eine Communio, eine Gemeinschaft, ist. Wo wir in seinem Namen versammelt sind, ist er mitten unter uns. Versammeln kann man sich nicht alleine. Christen sind also keine Eigenbrötler, sondern MitBRÖTLER.
Im gewandelten Wein und Brot ist Jesus real präsent, die Form verändert sich nicht, man spricht von Akzidenzien, aber dennoch glauben wir Katholiken daran, dass Jesus selbst gegenwärtig ist. Es würde nach unserer Vorstellung dem Auftrag und den Worten Jesu, „Das IST mein Leib“ und „Das IST mein Blut“ nicht gerecht werden, hier nur von einer symbolischen Wandlung zu sprechen.
Es ist eine schöne Vorstellung, seine Nähe so persönlich und privat in der Gemeinschaft mit Ihnen allen spüren zu können und nicht „nur“ einem symbolischen Ritus nachzueifern.
Diesen gemeinsamen Glauben zeigen wir der Öffentlichkeit für gewöhnlich in der Prozession, die wir hoffentlich bald wieder miteinander erleben können.

Letzten Endes ist es unser ganz intimes Verhältnis zu Gott, das in uns stattfindet, wie wir seine Präsenz empfinden und glauben.

Im Ergebnis sollte nach Jesu Gebot die Überzeugung stehen, dass seine Weisungen bis heute für uns gültig sind, wir die Aufgabe haben, gemeinsam an einer vernünftigen Welt zu arbeiten und er immer für uns da ist.


Amen.

 

Predigt zu den Lesungen des  Dreifaltigkeitssonntag (30. Mai 2021)
von Pfarrer Johannes Streitberger:

 

Geben wir Gott Raum in unserem Leben!

 

Liebe Schwestern und Brüder,

wo rüber können wir uns am heutigen Dreifaltigkeitssonntag freuen? Was ist die Grundlage dieses Festes? Theologische Fachdebatten sind es nicht. 

Es sind auch nicht die heftigen Streitereien und Auseinandersetzungen der Kirchenväter um die Dreifaltigkeit.
Vielmehr können wir heute unseren Glauben an den dreifaltigen Gott feiern. Wir können uns darüber freuen, dass Gottes Fülle unerschöpflich ist. Dass er uns seine Gnade schenkt, diese Fülle mit uns zu teilen.
Dafür steht die Dreifaltigkeit. Sie steht für Gottes Bereitschaft, sich immer wieder den Menschen mitzuteilen, sich an ihre Seite zu begeben, bei ihnen zu sein – aber auch dafür, uns anzustoßen, unsere Beziehung zu Gott nicht versteinern zu lassen. 

Schon der Schöpfungsakt ist ein Geschehen der Liebe Gottes. Er teilt seine Fülle mit der Welt, indem er sie frei und unabhängig von ihm entstehen lässt. Wir Menschen sind das freie und unabhängige Gegenüber Gottes in dieser Welt. Aber Gott belässt es nicht dabei, den Menschen in Ruhe zu lassen. Immer wieder treibt er uns an, ihn zu suchen. Immer wieder offenbart er sich Menschen. Das ist das, was im Christentum Heilsgeschichte genannt wird. Dieser lebendige Gott, der die Beziehung zu den Menschen sucht, hält Abraham dazu an, aufzubrechen. Er entzündet in Mose das Feuer der Freiheit. Er beruft die Propheten dazu, das Volk Gottes zurück an die Seite Gottes zu führen. In Jesus Christus offenbart und verschenkt sich Gott selbst – so wie wir es immer wieder in den Evangelien nach Johannes gehört haben. Und auch danach hat er Personen wie Benedikt von Nursia, Franz von Assisi, Teresa von Avila, Ignatius von Loyola oder auch Karolina Gerhardinger Mut und Kraft gegeben, neue Impulse für das Volk Gottes zu senden – als Christen glauben wir daran, dass der Heilige Geist es ist, der in diesen besonderen Personen gewirkt hat.

 


Liebe Schwestern und Brüder,
dieser kurze Abriss durch mehrere Jahrtausende unserer Geschichte mit Gott soll zeigen: Wenn wir Gott Raum lassen, wird er ihn füllen. 

Ich glaube, das ist ein ganz wichtiger Punkt in unserem Glauben, um ihn nachhaltig lebendig und auch bedeutsam für unser Leben zu gestalten. Wenn wir uns Gott vorstellen, brauchen wir die Demut, ihm für sein Wirken Raum zu lassen, sich von ihm überraschen zu lassen. Dass das nicht so einfach ist, merken wir jeden Tag. Wie viele der Gebete werden doch nicht erhört? Wie viele Menschen erheben den Anspruch, Gottes Wirken zu kennen – und liegen dann doch völlig daneben mit ihrem Reden und Handeln? 

Sich aufgrund dieser Erfahrungen nicht von Gott abzuwenden, sondern auch weiterhin an ihm festzuhalten, mag manchem töricht erscheinen. Aber da befinden wir uns in guter Gesellschaft.

Ein Hauptkritikpunkt antiker Philosophen am Christentum war dessen Idee, dass das höchste Wesen sich verändert, indem der Sohn in der Welt ist – als wahrer Mensch und wahrer Gott. Für die antiken Philosophen war das höchste Wesen unveränderlich. Es war für sie eine Dummheit, sich Gott als dynamisches, am einzelnen menschlichen Schicksal anteilnehmendes Du vorzustellen. So hat sich die Welt für sie einfach nicht dargestellt.
Christen sind dieser Kritik nur zum Teil mit philosophischen Argumenten entgegengetreten. Manche mehr, manche weniger erfolgreich. Die Mehrheit der Christen hat sich für eine andere, erfolgreichere Antwort entschieden. Sie haben gehandelt. Sie haben in einer Gesellschaft, in der das einzelne Individuum in feste Kategorien eingeteilt war, den Menschen zum geliebten Kind Gottes gemacht. Woher nahmen sie die Kraft dazu, sich dieser harten Welt entgegenzustellen? Woher nehmen Christen in allen brutalen Zeiten die Kraft dazu, sich der Härte mit bedingungsloser Liebe entgegenzustellen? 

 

Der emeritierte Papst Benedikt XVI. hat in einer Predigt zum Dreifaltigkeitssonntag im Jahre 2009 gesagt: 
„Gott lebt nicht in glanzvoller Einsamkeit, sondern ist vielmehr unerschöpflicher Quell des Lebens, das sich unaufhörlich hin schenkt und mitteilt.“

Das ist diese Quelle, die die Christen zum Handeln antreibt. 
Sie kann auch uns Hoffnung schenken an diesem Dreifaltigkeitssonntag. 
Achten wir darauf, was uns der dreifaltige Gott schenkt. Was er uns mitteilt. Vielleicht werden wir nicht da fündig, wo wir es vermuten. Aber so begegnet Gott den Menschen schon immer. Der Prophet Elija hat auf ein Zeichen Gottes gewartet – es kam nicht im Sturm, nicht im Erdbeben, nicht im Feuer – sondern es war ein ganz leises Säuseln des Windes. Es hat Elija neuen Mut und Kraft gegeben, seinen Auftrag zu erfüllen. 

Geben wir dem dreieinen Gott Raum in unserem Leben. 
Er wird ihn füllen. 

Amen.

 

Die Predigt zu den Lesungen des  Pfingstmontag  (24. Mai 2021)
von Diakon i.A. Matthias Schmidt

 

Die Wahrheit und der Heilige Geist

 

Liebe Schwestern und Brüder,

„ich weiß, dass ich nichts weiß“ sagte der Philosoph Sokrates einst. Welch tiefgreifende Erkenntnis, mit Blick auf die tägliche Berichterstattung in allen möglichen und unmöglichen Medien. Ich frage mich, kann ich die echten Tatsachen von den persönlichen Meinungen einzelner Redakteure noch unterscheiden.
Sind wir in der Lage die Zusammenhänge der Welt noch zu begreifen? Ich denke nicht! Wir haben es mit selbst- und offiziell ernannten Experten zu tun, mit Zweiflern, Skeptikern, Kritikern, die ihre Meinung als die einzige Wahrheit verkaufen. Ja, verkaufen, es geht um Macht, Interesse oder Geld, womöglich auch alles miteinander. Ist das jetzt etwas Neues?
„Was ist Wahrheit?“, fragte schon Pontius Pilatus im Prozess gegen Jesus einst. Auch er hatte es mit Sichtweisen verschiedener Interessenvertreter zu tun und jeder machte seine zur Wahrheit.
Nichts neues also, das Ganze ist nur umfangreicher und schneller geworden. Die Nutzung sogenannter alternativer Fakten, ein beliebtes Mittel, Menschen nach persönlichen Vorstellungen zu lenken.


Was hat das mit Glauben und Kirche zu tun, werden sie sich jetzt fragen. Auch als glaubender Mensch sieht man sich diesen zahllosen Informationen gegenüber. Die Freiheit zu glauben was man möchte, ermöglicht auch zu behaupten, was man will. Die einen haben ein Buch gelesen, in dem alle vermeintlichen Fakten stehen, andere haben gründlich gegoogelt. Sicher hat unsere Kirche durch Missbrauch und Fehler einstiger Autoritäten an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Plötzlich findet man sich als Christ in einer Diskussion wieder, die man nie führen wollte.

Aber, ich bin auch froh darüber, dass man alles hinterfragen und überprüfen kann, ohne dafür belangt zu werden. Diese Freiheit gibt mir das Recht und die Verantwortung, nicht jede Kröte schlucken zu müssen, die mir serviert wird.
Jesus bezeichnet seine Jünger als glücklich, weil sie sehen und hören, was Propheten und Könige vor ihnen gerne gesehen und gehört hätten, aber nicht sehen und hören konnten. Die Jüngerinnen und Jünger von Jesus waren meist einfache Leute ohne besondere Schulbildung. Sie waren auf der Suche nach Menschen, die ihnen einen Halt gaben, vielleicht den Sinn des Lebens erschließen konnten.

Einer dieser Leute war Johannes der Täufer, ein anderer Jesus von Nazareth. Durch Jesus haben sie gelernt, die alten Überlieferungen zu hinterfragen und tiefer zu verstehen. In seinen Predigten und durch sein Beispiel erschloss er ihnen den Sinn und den Geist der alten Schriften und Gebräuche.
Wir sind auch in der Lage die Wahrheit des christlichen Glaubens zu erschließen und den Geist zu erfassen. Es steht in unserer Freiheit Glaubensmeinungen und Glaubensdogmen zu hinterfragen und an dem zu bemessen was uns glaubwürdige Zeugen vorleben.
Wir können anerkannte Wissenschaften bemühen und ein großartiges Sammelsurium an Werken für uns nutzen, um die alten Überlieferungen zu analysieren und zu begreifen.

Jesus hat seinen Jüngern nach seiner Auferstehung den Heiligen Geist zugesprochen, er traut ihnen zu, aus ihm heraus die richtigen Antworten zu finden. Weil wir Christinnen und Christen allesamt in seiner Nachfolge stehen, traut er uns zu im Geist Gottes die Antworten zu finden auf die Fragen, die das Leben uns stellt.
 
Für alle diejenigen die jetzt denken, dass das wunderbar sei, denn damit ist meine Meinung als frommer Christ immer die richtige, muss ich Sie leider gleich enttäuschen.
Jesus selbst hat das Fundament der alten Glaubensüberlieferungen nicht verlassen. Er hat sie nach ihrem Geist und Sinn hinterfragt. Mit deren Weisheit ist er seinen eigenen Weg gegangen. Wie wir alle aus der Fastenzeit wissen, verlief das nicht ohne Auseinandersetzungen mit anderen Positionen und Auffassungen. Allerding wird der tiefere Gehalt der alten Überlieferungen erst durch die Auseinandersetzungen sichtbar.
Mit diesem reichen Schatz der Glaubensüberlieferung sind auch wir befähigt, unser Leben aus dem Geist Gottes heraus zu gestalten und in der Vielfalt der Meinungen den richtigen Weg zu finden.
Dabei brauchen wir Auseinandersetzungen weder zu fürchten noch zu scheuen. Durch aufrichtiges Diskutieren und Hinterfragen trennt sich oft erst der Spreu vom Weizen, werden zweifelhafte Motive wie Machtausübung, Rechthaberei oder persönliche Eitelkeiten sichtbar. Der von Jesus zugesagte Heilige Geist gibt uns Zuversicht, dass wir auf diesem Weg besser verstehen, zu welcher Hoffnung wir berufen sind, und welchen Reichtum uns die Herrlichkeit seines Erbes schenkt.
Der indische Jesuit Anthony de Mello sagte: „Spiritualität bedeutet, nie der Willkür eines bestimmten Geschehens, einer Sache oder eines Menschen ausgeliefert zu sein.“

Am Ostermontag habe ich über meinen Kollegen, den Agnostiker Martin erzählt, wer da war kann sich vielleicht erinnern. Es ging darum, dass es uns gut steht, andere Meinungen zu akzeptieren und einzubeziehen, ebenso dürfen wir jedoch auch einfordern, dass die Gesprächspartner unsere Position gleichwohl tolerieren.
Was Jesus den „Kleinen und Unmündigen" zugesprochen hat versuchte der Apostel Paulus den Christen in Ephesus bewusst zu machen. Der zugesagte Heilige Geist gibt uns Gelassenheit und Zuversicht. Auf dieses Erbe und die Zusage Jesu können wir uns auch heute verlassen. Das ist unser Glaube, zu dem wir ganz beherzt stehen dürfen, denn es ist nicht peinlich, getaufter Christ zu sein.

Amen.    

 

Predigt zu den Lesungen des Pfingstsonntags  (23. Mai 2021)
von Diakon Christian Karmann

 

Welcher Geist, leitet mich, treibt mich an?

 

 

Ist nicht erstaunlich, dass die Wirtschaft zugrunde geht, wenn die Menschheit 8 Wochen lang sich nur das kauft, was sie wirklich braucht? Ist doch arg, oder? 8 Wochen lang nur Lebensmittel gekauft und was man ganz dringend braucht und die Wirtschaft geht zugrunde."  So der Kabarettist Michael Niavarani

Was treibt die Wirtschaft wirklich an? Die Regierungen rund um die Welt versuchen, die ins Stocken geratene Wirtschaft mit unvorstellbaren Geldsummen wieder in Bewegung zu bringen. Koste es, was es wolle! Abgesehen davon, dass das in Aussicht gestellte Geld nicht so rasch fließt wie versprochen, greifen nach und nach Zweifel um sich, ob sich auf diese Weise der Wirtschaftsmotor wieder so einfach starten lässt.

Wir haben in der Summe viele Wochen unfreiwillige Nachdenkzeit hinnehmen müssen. Man wird sie nicht ungeschehen machen können; auch nicht, wenn alle Einschränkungen aufgehoben sind. Niemand kann die Folgen abschätzen.
In den Lesungen haben wir vom Pfingsterlebnis der Anhänger Jesu gehört. Sie waren in einen unfreiwilligen Lockdown hineingeraten. „Aus Furcht vor den Juden" haben sie sich eingesperrt. Die Furcht vor den Juden war es nicht allein. Auch allgemeine Ratlosigkeit hat das Ihre dazu beigetragen. Abwarten und beten… Viel mehr an Möglichkeiten eröffneten sich zunächst nicht. Fünfzig Tage Lockdown.

Wenn wir auf die biblischen Erzählungen genauer hinschauen, passierte in dieser Zeit des Rückzugs doch einiges mehr: die Jünger begannen sich neu zu ordnen. Sie wählten einen Ersatz für Judas, damit die Zwölfzahl wieder vollständig war. Sie tauschten ihre Erfahrungen aus und begriffen nach und nach, dass Jesus lebt und weiterwirkt; allerdings anders als sie es bis dahin gewohnt waren und sie gerne fortgesetzt hätten. Die 50 Tage des biblischen Lockdown veränderten ihr Bewusstsein. Die Angst begann zu weichen, ihre alten messianischen Phantasien und Rollen, die sie sich im Reich des Messias erträumten, waren Makulatur. Ein neues Selbstbewusstsein und Selbstvertrauen begann zu wachsen. Wie ihr Landsmann Jesus begannen die Provinzler aus Galiläa in Jerusalem, der Welthauptstadt der Religion „Gottes große Taten zu verkünden". Die große Überraschung: Die Leute verstehen, was sie zu sagen haben. Sie werden gehört und von vielen ernst genommen. Das Wunder ist perfekt.

Was ist geschehen? Ein neuer Geist treibt sie an. Oder ist es doch der schon bekannte Geist Jesu? Was da geschehen ist, lässt sich nur mit Symbolen beschreiben; mit einem Sturmwind, mit Feuerflammen und Feuerzungen.
Das Pfingstfest konfrontiert uns mit der Frage, was treibt uns heute an? Was motiviert uns heute? Welcher Geist bewegt uns? Wessen Geistes Kinder sind wir?
Die Coronakrise und der Lockdown stellen in Frage, was wir gesellschaftlich bisher als normal betrachtet haben: Wachstum, wirtschaftlichen Erfolg, Wohlstand, materielle Werte, Sicherheit, Freiheit… Reicht das für ein gutes Leben aller? Braucht es nicht auch eine neue Lebenseinstellung? Ein neues Verhältnis zur Natur? Als Menschen sind wir Teil der Natur, nicht Herren der Schöpfung. Ein neues Verhältnis zum Schöpfer, bzw. zur geistigen Dimension allen Lebens, darin könnten wir wachsen.

Die Krise hat uns gezeigt, dass geistige Ressourcen in der Gesellschaft in einem viel stärkeren Ausmaß vorhanden sind, als viele unserer Zeit zutrauten: Bereitschaft zu Solidarität, Wertschätzung des Lebens – auch der Menschen, die nicht mehr produktiv sein können, Bereitschaft zur Mitverantwortung. Wie können diese geistigen Kräfte unserer Gesellschaft gepflegt und weiter entfaltet werden?

Und im kirchlichen Bereich? Das kirchliche Leben befindet sich in meiner Wahrnehmung schon längere Zeit in einem Lockdown; länger als uns lieb sein kann. Wir haben uns in vielfacher Hinsicht selbst gefesselt durch starres Festhalten an alten Formen, Regeln und theologischen Formeln. Von den anderen Krisen möchte ich noch gar nicht reden.
Gleichzeitig beobachten wir hohe Wertschätzung des caritativen Engagements der Kirchen, ihres Einsatzes für Menschenwürde, Menschenrechte, soziale Gerechtigkeit. Die Kirche verfügt aus ihren geistigen Grundlagen heraus über einen reichen Schatz an Erfahrungen und Lebensweisheit. Als Kirche stützen wir uns auf die Zusage Jesu, dass er mit seinem Heiligen Geist immer bei uns ist und in uns und durch uns wirkt. Doch wieviel Raum geben wir dem Heiligen Geist? Lassen wir uns von ihm antreiben oder treiben andere Interessen unser kirchliches Handeln? Bewusster werden und Fantasie sind hier gefragt.

Aber auch persönlich ist jeder/jede von uns mit der Frage konfrontiert: Von welchem Geist, von welchen Motiven lasse ich mich leiten und antreiben? Braucht es erst einen persönlichen Lockdown in Form einer persönlichen Krise, einem Burnout oder einer schweren Krankheit, dass ich zum Nachdenken komme? Wie nachhaltig und wie krisenfest sind meine persönlichen Lebensziele und Lebensvollzüge? Von welchen Werten lasse ich mich leiten? Man kann sich dem Heiligen Geist auch öffnen, ohne dass man durch eine Krise dazu genötigt wird.

Die Tradition zählt sieben Gaben des Heiligen Geistes auf: Weisheit, Einsicht, Rat, Erkenntnis, Stärke, Frömmigkeit und Gottesfurcht. Wie kann ich sie besser entdecken und schätzen? Pfingsten ist Anlass, den Heiligen Geist darum zu bitten, und Einladung, seine Gaben für mein persönliches Leben fruchtbar zu machen. Und Pfingsten ist Anlass, meine Wahrnehmung, mein Wollen und mein Tun dorthin auszurichten. Bewusster werden und Fantasie sind auch hier gefragt.
 

 

 

Predigt zu den Lesungen des 7. Sonntags der Osterzeit (16. Mai 2021)
von Pfarrer Johannes Streitberger

 

Als Kirche mit Jesus Christus den Weg in die Welt finden

 

 

Liebe Schwestern und Brüder,


eine Woche vor dem Pfingstfest sind die Texte der Lesungen und des Evangeliums ganz auf die Zukunft der jungen Kirche, auf die Zukunft der Gemeinschaft um Christus fokussiert.


Es geht dabei um folgende Fragen:
Wie geht es weiter mit der Gemeinschaft, die Jesus gestiftet hat?
Welchen Personen kann man vertrauen, dass sie Verantwortung für die junge Gemeinschaft übernehmen und die Botschaft Christi glaubhaft weitertragen können?
Und letztlich: Wie geht die Gemeinschaft damit um, dass Christus sie verlassen und die Schwestern und Brüder in der Welt zurückgelassen hat?

Obwohl das Pfingstereignis noch nicht stattgefunden hat, ist schon klar, dass sich die Gemeinschaft den anderen Menschen und der Welt zuwendet. Was Jesus begonnen hat, sollen und wollen die Freunde Jesu fortsetzen.
Jesus sagt im Evangelium: „Wie du mich in die Welt gesandt hast, so habe auch ich sie in die Welt gesandt.“ Es kann also keinen Zweifel daran geben, die Türen aufzumachen und die frohe Botschaft zu verkünden. Der Auftrag Jesu endet nicht mit Kreuz, Auferstehung und Himmelfahrt, sondern geht weiter durch die, die bei ihm waren und Zeugnis für ihn ablegen können.
Das ist die Antwort auf die zweite Frage, welchen Personen man vertrauen kann, Vorbild und Orientierung zu sein. Nach dem Verrat und dem Selbstmord des Judas ist ein Platz unter den 12 frei. Wie wir eben festgehalten haben: Den Jüngern ist klar, die Sache Jesu muss weitergehen. Deshalb soll der 12. Platz im Kreis schnell gefüllt werden. Zur Erinnerung: Die Zahl 12 ist eine sehr symbolische Zahl. Sie spiegelt vor allem die Sammlung des Volkes Israel wider, die Jesus beabsichtigt hat. Wenn sich der Kreis also dafür entscheidet, den freien Platz nachzubesetzen, knüpfen sie an das an, was zuvor passiert ist. Ein Bruch zwischen dem, was vor und nach Ostern ist, soll also nicht passieren. Nun stellt sich die Frage, welche Qualifikation der Nachrücker haben soll. Das entscheidende Kriterium hierbei ist: Er muss von Anfang mit Jesus dabei gewesen sein, um glaubhaft Zeugnis geben zu können. Für die Jünger ist das der höchste Grad an Verlässlichkeit, dass das, was die junge Gemeinschaft verkündet, auch wirklich das ist, was Jesus sie gelehrt hat.
Die Beantwortung der dritten Frage, wie die Gemeinschaft mit der Abwesenheit Christi umgeht, ist in allen drei Texten gegeben. Die Apostelgeschichte besagt, dass die Gemeinschaft in Jesus Christus den Weg in die Welt findet – begleitet von ihm, denn es ist sein Geist, der die junge Gemeinschaft antreibt und so viele neue Schwestern und Brüder gewinnt. Der Brief des Johannes versichert, dass die Liebe innerhalb der Gemeinde die stärkste Versicherung des Beistandes ist. Wer in der Liebe Jesu lebt, der erfährt den dreifaltigen Gott. Das Evangelium bestärkt uns darin: Jesus liebt seine Freunde, seine Schwestern und Brüder. Er betet für sie – seine Bindung an Gott soll auf sie übergehen. Und damit ist klar: Einen stärkeren Beistand kann es nicht geben.


Liebe Schwestern und Brüder,
nach diesen Texten des heutigen Sonntags ist deutlich: Es ist alles bereit für den Schritt der Kirche in die Welt, für das Pfingstfest nächste Woche. Im Griechischen bedeutet Kirche „ekklesia“ – was wörtlich übersetzt „Herausrufung“ bedeuten kann. Wir alle sind als lebendige Steine, als Mitglieder der Kirche, als Jünger Jesu von Gott herausgerufen. Ich finde diesen Gedanken immer wieder ermutigend – gerade eine Woche vor Pfingsten in diesen nun bereits 15 Monaten andauernden Pandemiezeiten.
Auch wenn fast 2000 Jahre Geschichte der Kirche hinter uns liegen, so ist die Zukunft der Gemeinschaft der von Gott Herausgerufenen genauso offen wie damals nach der Wahl des Matthias. Welchen Weg geht die Gemeinschaft?
Wenn wir von Gott herausgerufen sind, dann kann die Antwort sein: Zu den Menschen, hinein in die Welt. Das Vertrauen auf Gott, auf seine Liebe zu den Menschen, ist dabei immer der Antrieb. Dabei spielt das Amt, die Herkunft, das Geschlecht überhaupt keine Rolle. Wer sich nach Gott sehnt, wer eine Lücke in seinem Herzen spürt, wer Beistand nötig hat, den die Welt nicht bieten kann – dem ist es egal, wer ihm von den Gott Herausgerufenen begegnet.


Es wäre wichtig, wenn wir über aller Kritik am Zustand der Kirche das nicht vergessen. Kirche mag ein Begriff für eine Institution sein – die von Gott hervorgerufene Versammlung ist aber viel mehr. Leben wir so. Glauben wir so.

Amen.

 

Die Predigt zu den Lesungen des 6. Sonntags der Osterzeit  (9. Mai 2021)
von Diakon Christian Karmann

 

Gott ist die Liebe. Die Frucht der Liebe ist die Freude

Was ist die größte und intensivste Freude, die Sie in Ihrem Leben erlebt haben. Überlegen Sie mal: vielleicht war es die Hochzeit mit der Liebe Ihres Lebens, oder als Ihr Kind auf die Welt kam, vielleicht ein besonders Naturerlebnis auf dem Gipfel eines Berges. Überlegen Sie das einmal für sich. Die größte Freude.

Wenn man diese Freude spürt, wenn man gepackt ist von diesem Glück, möchte man das am Liebsten festhalten, dass dieser Moment niemals vorübergeht. Aber wir wissen alle: Das geht nicht, das Glück lässt sich nicht festhalten. Es wird immer wieder andere Tage geben, an denen man überhaupt keine Freude in sich spürt, wenn einen das Leben so richtig hineintaucht und niederdrückt. Und wir haben den Eindruck, dass das die weitaus überwiegende Zeit unseres Lebens betrifft, dass wir nicht voll von Freude, voll von Glück sind.

Jetzt verspricht uns Jesus im Evangelium: Dies habe ich euch gesagt, damit meine Freude in euch ist und damit eure Freude vollkommen ist.

Vollkommene Freude: können Sie sich das vorstellen, wie das dann sein müsste, wie sich das anfühlen würde: vollkommene Freude, nicht ein bisschen Freude, sondern vollkommene Freude, Freude bis zum Platzen vor lauter Glück. Und das nicht nur für einen kurzen Augenblick. Das kann man sich fast nicht vorstellen, wie so etwas schon in diesem Leben möglich sein soll. Und außerdem: wie soll man herauskommen aus der oft so freudlosen Mittelmäßigkeit des eigenen Lebens.

Die Antwort Jesu:


  1. Der Grund für die vollkommene Freude ist die vollkommene Liebe Gottes

  2. Wir sind in dieser Liebe, umgeben von allen Seiten. Bleibt in meiner Liebe, sagt er. Seine Liebe umgibt uns vollkommen, weil seine Liebe vollkommen ist.

  3. Und jetzt, Du, Mensch, reagiere auf meine Liebe. Lass meine Liebe in dir zu. Gib deiner Sehnsucht nach Freude und Glück nach, indem du an der richtigen Stelle in deinem Leben danach suchts, bei mir.

  4. Und dann finde die Freude, die in dir immer mehr wachsen wird, bei mir. Wenn ich ganz in deinem Leben angekommen bin, ankommen durfte, wirst du voll sein von meiner Freude, dann wird deine Freude vollkommen sein.



Jetzt werden Sie vielleicht denken:

schöne Worte und wünschen würde ich mir das schon, aber sehe einfach keinen Weg dahin: ich nehme Gott in meinem Leben wichtig und versuche einigermaßen christlich zu leben, schätze das Leben, habe meine kleinen Freuden im Alltag. Und doch: von dieser Erfahrung dieser Freude bin ich meilenweit weg.


Einige Impulse dazu:

Zunächst einmal ist es für mich sehr wichtig, mich für die Freude immer wieder aktiv zu entscheiden, sonst komme ich, wenn ich kein ausgesprochener Sonnenmensch bin, leicht in die Gegenbewegung hinein. Zu dieser Entscheidung gehört auch, nach Dingen die mir Freude machen könnten, bewusst und aktiv Ausschau zu halten – und wenn es nur der Sonnenstrahl ist, der mir durch den wolkenverhangenen Himmel hindurch geschenkt wird, und wenn es nur ein Lächeln ist, das mir jemand geschenkt hat. Freue ich mich daran, dass das Glas halb voll ist oder ärgere ich mich darüber, dass es halb leer ist? Eine Entscheidung! Und jede Entwicklung beginnt mit ganz kleinen Dingen.

Zum zweiten: Ein wichtiger Gradmesser für das Glück des Menschen, sind die Beziehungen, in denen er lebt. Menschen sind in der Regel dann am glücklichsten, wenn ihre Beziehungen glücken. Dabei fällt das Glück auf Dauer nicht einfach vom Himmel. Liebe, die über die Jahre wachsen will, braucht nicht nur die Entscheidung des Anfangs, wo der Himmel vielleicht voller Glocken hängt. Sie braucht Entscheidung, die immer wieder neu für den anderen getroffen wird, sie braucht immer wieder die Entscheidung, mit dem Partner zu ringen und zu wachsen, mit ihm die Liebe zu leben und sich dem anderen immer wieder zu schenken. Liebe, die immer wieder so Antwort bekommt, hat ein großes Potential, in einer Freude zu wachsen, die dann die tiefe Verbundenheit und Einheit zwischen Menschen auszudrücken vermag.

 

Und drittens: Mit Gott ist es nichts anderes. Er ermuntert mich, mein Leben ihm hinzuhalten, Tag für Tag, jeden Tag ein bisschen mehr … und da dranzubleiben. Und es braucht auch mit ihm immer wieder meine Entscheidung und mein Hinwenden zu ihm. Ich darf auf ihn vertrauen, dass er das Beste mit mir vorhat. Ich kann es deshalb wagen, so oft wie ich es will, in die Beziehung zu ihm einzutauchen, ihn zu einem zentralen Ansprech- und Beziehungspartner für mich werden zu lassen. Im Evangelium haben wir gelesen, dass wenn wir uns für ihn entscheiden, uns aufmachen und entsprechend zu leben versuchen, uns Gott alles geben wird, was wir im Namen Jesu erbitten und was unserem Weg und den Menschen dient.

 

Dein Wille geschehe. Wenn wir einen solchen Entwicklungsprozess auf Gott hin in uns zulassen und aktiv das unsere dazu tun, dann werden wir erfahren, dass wir keine Angst zu haben brauchen vor seinem Willen. Ganz im Gegenteil: dann werden wir es erleben, wie uns der Weg mit ihm befreien wird und die Freude aus der täglichen Begegnung mit ihm in uns immer mehr zu wachsen beginnt. Diese Freude wird auch hinein bis in unsere menschlichen Beziehungen und die Dinge des alltäglichen Lebens reichen und wachsen, bis die Freude eines Tages vollkommen sein wird.

 

Nur wer liebt ist glücklich. Nur wer den unendlichen Gott liebt, kann auch unendlich glücklich sein. Deshalb ist es gut, seine Gebote, das Gebot der Liebe zu lernen, zu leben und darin zu wachsen.

Christian Karmann, Diakon

 

 

 

Predigt zu den Lesungen des 4. Sonntags der Osterzeit (25.April 2021)
von Pfarrer Johannes Streitberger

 

 

Jesus, der gute Hirte, richtet uns auf

 

Liebe Schwestern und Brüder,
Georg Friedrich Händels Meisterwerk „Der Messias“ ist vielen von uns bekannt – zumindest das „Halleluja“ ist populär und weit über Kirchen hinaus berühmt. Der „Messias“ ist zunächst auf Englisch verfasst worden und später aufgrund seiner herrlichen Musik und des großen Erfolgs in viele Sprachen übersetzt worden.
Im „Messias“ können wir auch die wunderbare Arie „Er weidet seine Herde“ hören. Sie ist angereichert von Texten aus Jesaja und dem Matthäus-Evangelium, die Händels Freund Charles Jennens zusammengestellt hat.

Sie bietet einen etwas anderen Zugang zum guten Hirten, dem wir uns besonders an diesem Hirtensonntag anvertrauen dürfen.
Im Johannes-Evangelium, das wir heute gehört haben, geht es auch um die Gefährdung der Herde, es geht um den Kampf um die Herde und auch um Macht.
Der gute Hirte im Verständnis des „Messias“ von Händel ist rücksichtsvoll und behutsam.
Dort heißt es: „Er weidet seine Herde und heget seine Lämmer so sanft in seinem Arm.“
Er spendet Trost und kümmert sich besonders um die, die traurig sind.
Am Ende gibt uns der Hirte so viel Kraft, dass wir selbst uns aufrichten können, um sein Joch mitzutragen, um wie er andere liebevoll zu stützen.

Liebe Schwestern und Brüder,
der gute Hirte ist eine wesentliche Vorstellung in unserem Glauben und unserem Vertrauen in Gott. Wir wenden uns an ihn, wenn wir beladen sind mit Sorgen und Gram.
Angesichts der Corona-Pandemie, die derzeit nur das sichtbarste Zeichen ist, wie zerbrechlich unsere Welt ist, angesichts der Lage der Kirche und den in ihr bestehenden Konflikten ist die Frage schon erlaubt:
Weidet er wirklich seine Herde? Lassen die Umstände nicht eher vermuten, dass Verzweiflung und Gleichgültigkeit vorherrschen?
Diese Frage hätten sich genauso Händels Zeitgenossen stellen können. Im London des mittleren 18. Jahrhunderts gehörten Krankheit, Verbrechen und Seuchen zum Alltag. Die Schönheit und das Gute in der Welt, das Händel auch selbst mit seiner Musik geschaffen hat, haben ihm eine andere Perspektive verliehen. Das Gute und Schöne dieser Welt, wozu sein Glaube, seine Musik und sein Gefühl für die Bedürfnisse der Menschen nach Harmonie und Sehnsucht gehörten, haben ihn vertrauen lassen. Sie haben ihn getragen, sodass von ihm das Zitat überliefert ist:
„Mag schwinden das Leben, mag nahen der Tod. Wir können nicht sinken, denn der Helfer ist Gott.“
Wir können uns an solchem Glauben aufrichten. Wir können aus solcher Schönheit Zuversicht gewinnen. Wir können aus solchem Glauben Kraft ziehen, um wie der gute Hirte andere zu tragen, die in Not sind. Ob sie nun in materiellen oder seelischen Nöten leiden, es ist an uns, sie wie der gute Hirte sanft zu tragen.
Als Christen sind wir eben keine passive Schafsherde – dieses Bild von Kirche ist zum Glück veraltet. Im Gegenteil: Als vom guten Hirten begleitete Menschen stehen wir in der Verantwortung, Geschenk und Gnade der Nähe Gottes jeden Tag als Antrieb und Ansporn zu sehen. Nicht um unserer selbst willen, sondern um den Nächsten aufzurichten.
Auch wir können wie der gute Hirte dem verlorenen Schaf nachgehen, ja, wir sollen es sogar. Sollten wir uns auf dem Weg verlieren, wissen wir, dass er uns nicht aus den Augen lassen wird – und dass wir von ihm zurückgeführt werden.

Liebe Schwestern und Brüder,
aus solchem Vertrauen wächst Stärke und Kraft – auch in ganz schwierigen Zeiten. Es gibt unzählige Studien, die belegen, dass Kinder, deren Eltern ihnen von Anfang an Vertrauen geschenkt haben und dieses Vertrauen durch Worte und Taten bestärkten, dass diese Kinder ausgeglichener, offener und weniger gefährdet sind, in große Schwierigkeiten zu geraten.
Wir können daran lernen: Der Mensch ist für das Vertrauen gemacht. Auch das ist für mich ein Beleg dafür, dass mehr hinter dieser Welt steckt. Eine Welt, in der es so wundervolle Schönheit wie in der Musik gibt, eine Welt, in der der Glaube zu Versöhnung, menschlicher Größe und Nächstenliebe ermutigt, kann uns zeigen, dass sie einen guten Grund hat.
Als Geschöpfe Gottes können wir jeden Tag zur Neuschöpfung der Welt beitragen. Gerade in der Osterzeit können wir dies im Vertrauen tun, dass Gott uns, wenn uns die Kräfte ausgehen, sanft in seinen Armen behütet.

Amen.

 

 

 

 

Die Predigt zu den Lesungen des 3. Sonntags der Osterzeit  (18. April 2021)

von
Pastoralreferent Florian Wolters:

 

Jesus: Ich bin es selbst."  Du kannst mir vertrauen!

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

„fang mich auf, Papa!“ ruft meine kleine Tochter. Und schon springt sie mit einem Juchzen vom Klettergerüst in meine weit geöffneten Arme. „Nochmal“, ruft sie, denn sie spielt gerne dieses Spiel, bei dem sie für einen kurzen Moment das Kribbeln im Bauch des freien Falls genießen kann, ehe sie in die schützende Obhut ihres Vaters eintaucht. Es zeugt von einem unbändigen Vertrauen in uns Eltern. Als Kind ist sie noch der Meinung, so lange wir da sind, könne ihr nichts passieren. Ein Vertrauen, das noch nichts in der Welt erschüttern kann.

 

Während ich die Zeilen des heutigen Evangeliums lese und meine Predigt vorbereite, erinnere ich mich an das Spiel meiner kleinen Tochter. Es kann für uns alle eine Einladung sein, darüber nachzudenken, wem ich in meinem Leben vertraue bzw. vertraut habe. Ich möchte Ihnen heute von meiner Vertrauens- und Glaubensgeschichte erzählen. Denn Vertrauen ist das Thema des heutigen Evangeliums, ja gleichsam aller Ostergeschichten. Es geht darum zu glauben, dass es wirklich wahr ist, dass es nicht nur ein Gerücht ist: Er, Jesus Christus lebt und er zeigt sich seinen Freundinnen und Freunden. Er lässt sich von ihnen berühren und isst mit ihnen. Vielleicht ist das Miteinanderessen das Erkennungszeichen des Auferstandenen, hat er doch so viele Mal mit den Jüngerinnen und Jüngern gegessen, als er noch mitten unter ihnen war. Jetzt tut er es wieder und seine Freundinnen und Freunde dürfen vertrauen, dürfen ihm wieder glauben, weil er sich schon vor seinem Tod in ihrem Leben als wahr erwiesen hat. Was für eine Freude, was für eine Stärkung für ihren Weg und für alles, was da noch kommen mag.

Moment mal, jetzt bin ich aber ein wenig abgewichen. Ich wollte doch von meiner Vertrauens- und Glaubensgeschichte erzählen: Auch bei mir waren und sind es meine Eltern, die den Urgrund für meinen Glauben gelegt haben. Sie haben mir jenes Grundvertrauen vermittelt, als das Gefühl, geliebt zu werden, ganz gleich, wer ich bin, was ich kann und leiste. Weil sie mich lieben und für mich da sind, egal was passiert. Und weil da noch jemand ist, der mich liebt und der mit mir geht, wohin ich mich auch wende und der mich nie aus seiner Hand fallen lässt. Ich kann mich gut erinnern, dass das Grundgefühl, ein geliebtes Kind Gottes zu sein, mich lange getragen hat, in meiner Kindheit und dass trotz vieler Krisen und Schwierigkeiten, die ich in den ersten Jahren meines Lebens erleben musste. Meine Krankheit und auch das Erleben überall der Kleinste und Schwächste zu sein, haben mir lange Zeit nichts ausgemacht, habe ich mich doch Dank der Liebe meiner Eltern, die ich, umso älter ich wurde, mit der Liebe Gottes in Verbindung brachte, stark und groß gefühlt.

Vielleicht trägt sie mich sogar immer noch, obgleich ich oftmals in meinem Leben meinte, mein Grundvertrauen verloren zu haben. Allzu oft geht es mir, angesichts der vielen selbst- und miterlebten Schicksalsschläge und der unterschiedlichen kleinen und großen Ungerechtigkeiten in der Welt, so wie den Jüngerinnen und Jüngern nach Jesu Tod: Ich fühle mich verzweifelt, mut- und hoffnungslos und meine, ich könne mich auf niemanden mehr verlassen, auch oder gerade nicht auf mich selbst. Dann brauche