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Predigten

 

 

 

Impulse zu den Lesungstexten vom 19. Sonntag im Jahreskreis am 9. August 2020

von Diakon Christian Karmann

 

Diese Geschichte enthält viel innere Kraft; sie kann viel Trost spenden. Jesus ermutigt uns zu unmittelbarem, blindem Gottvertrauen. Jesus geht auf dem See. „Wasser" ist Symbol für Lebenskraft und Leben; der See gilt aber auch als Sitz der Dämonen, der auch Angst machen kann, lebensgefährlich sein kann.

Jesus wird getragen vom Wasser; er geht und steht auf dem Wasser; er „be-geht" und „be-steht" das Wasser. Er ist so leicht, dass er auf dem Wasser stehen kann; der Auftrieb ist so stark, dass ihn das Wasser trägt.
Jesus hat alles Böse überwunden; er steht über allen dämonischen Mächten. Er ist der Herr, dem sich alles unterordnet. Die Kraft Gottes ist bei Jesus so stark, dass sie ihn leicht macht und trägt.

Vielleicht ist die Geschichte eine vorgezogene Ostergeschichte; manches weist darauf hin:
Die Jünger erschrecken und erkennen Jesus zunächst noch nicht. Jesus muss sie ansprechen und bewirken, dass sie ihn erkennen als den, der ganz von Gott getragen ist. Gleichzeitig ermutigt Jesus zum Vertrauen.

Die Jünger im Schiff werden eigentlich auch getragen vom Wasser.
Das Schiff ist nur ein Instrument, eine „Institution", eine „Einrichtung", damit der Auftrieb des Wassers alle trägt, die sich ohne Schiff auf dem Wasser nicht gut aufhalten können.
Das Schiff galt und gilt schon immer als Symbol für die Institution Kirche.

Petrus erkennt Jesus und schaut auf ihn; er ist begeistert und will auf dem schnellsten Weg auch unmittelbar auf dem Wasser zu Jesus kommen. Und Jesus sagt: „Komm!". Petrus vertraut und steigt mit Blick auf Jesus aus. Jesus bewirkt, dass das Wasser auch ihn unmittelbar trägt.
Als aber Petrus nicht mehr auf Jesus schaut, sondern auf den Sturm, verlässt ihn das Vertrauen, und die Angst überfällt ihn. Aber jetzt schreit er nicht nach dem Schiff - nach der Institution -, sondern nach Jesus. Und dieser nimmt ihn sofort bei der Hand und rettet ihn.

Durch die Tragik des Lebens, durch meine Schuld und die Schuld anderer, kann ich in Situationen kommen, die nirgendwo einzuordnen sind. Vielleicht finde keinen Platz mehr im Schiff, innerhalb der Institution oder innerhalb gesellschaftlicher Lebensvollzüge, bei denen ich nicht mehr mitmachen will oder kann. Vielleicht hat mich sogar der Blick auf Jesus dahin geführt.

Dann gibt es auch Schicksalsschläge, schweres Leid, die mich so treffen können, dass ich mich überhaupt nicht mehr zurechtfinde im Leben und in dem, was man normalerweise vom Leben erwarten darf. Warum gerade ich?
Warum hilft mir niemand und nichts mehr? Nichts mehr trägt und hält in meinem Leben. Hier hilft nur mehr der „Ausstieg" aus allem, worauf ich mich bislang verlassen habe und verlassen konnte.

Jedes Leben ist so individuell und hält so unterschiedliche Entwicklungs- und Lernaufgaben bereit: da ist alles möglich und man muss besonders andere, vielleicht auch ungewöhnliche Lebenswege und Lebensentscheidungen dabei nicht bewerten oder gar verurteilen. Sondern es eher wie Jesus machen: den anderen so annehmen wie er ist und ihn zum Blick auf Jesus ermuntern und ermutigen.

Denn im Blick auf Jesus kann ich ganz und gar und unmittelbar, ohne jedes Wenn und Aber, auf Gott vertrauen. Im Hinblick auf die äußeren Umstände bekomme ich Angst und muss untergehen. Und auch wenn sich die Lebenssituation wie Untergehen anfühlt und die Wellen des Lebens über mir zusammenzuschlagen drohen, auch wenn die Lage aussichtlos erscheint, bei Jesus darf ich die Gewissheit haben: er lässt mein Leben nicht los. Er trägt mein Leben durch alle Schwere und durch die größte Schwere, den Tod hindurch ins Leben. In dem Maße wie wir immer wieder und immer öfter und irgendwann dauernd den Blick auf Jesus richten, wird jeder von uns gott-leicht. Dann wird es sich entwickeln und jedem von uns geschenkt werden, dass Gott uns unsere Lebens-Leichtigkeit ermöglicht, dass wir für immer und ewig auf dem Wasser des Lebens stehen und gehen dürfen.   

Christian Karmann

 

 

 

Predigt zu den Lesungstexten vom 18. Sonntag im Jahreskreis am 2. August 2020
von  Pfarrer Johannes Streitberger

 

Liebe Schwestern und Brüder,

bei Ausgrabungen in Israel wurden alte Sichelklingen, die wohl zum Schneiden von Weizen und Gerste verwendet wurden, entdeckt. Kleine Mörser und flache Steine belegen, dass dort bereits vor 20.000 Jahren Brot gebacken wurde.
Brot gehört fest zum menschlichen Leben. Das ist auch Jesus bewusst, der die Menschen mit seiner Sprache, seinen Taten und seiner Person an sich gezogen hat und begeistern konnte. Jesus hat nicht in Luftschlössern gedacht, sondern stand fest, eben ganz wahrer Mensch, auf dem Boden der Wirklichkeit.
Davon zeugt auch das heutige Evangelium. Die Brotvermehrung gehört zu den bekanntesten Geschichten. Häufig steht das Wunder im Vordergrund – und die Diskussion, ob das, was dort überliefert wird, so passiert sein kann.
Doch dabei übersieht man viele kleine Aspekte, die dieses Evangelium ausmachen.
Schon zu Beginn hören wir von einem einschneidenden Ereignis. Johannes der Täufer, der Vorläufer Jesu, der mit seiner Botschaft auch Jesus berührt haben muss, wurde enthauptet. Johannes forderte eine Umkehr angesichts des nahenden Gerichts. Er kritisierte König Herodes für seine fehlende Beachtung der Gebote Gottes – und bezahlte wohl mit dem Leben dafür.
Jesus zieht sich daraufhin von der Menge der Menschen zurück. Wohl aus Trauer um einen ihm eng verbundenen Menschen. Wohl aus der Vermutung heraus, dass auch Jesu Weg und Botschaft ihm das Leben kosten wird.
Aber gerade die Menschen, die Johannes als Orientierung verloren haben, wollen nun zu Jesus. Sie haben die Nähe von Johannes gesucht, weil sie ihn für einen Mann Gottes gehalten haben. Nun wenden sie sich an Jesus, den Johannes würdiger als sich selbst gefunden hat.
Und wie reagiert Jesus auf die Menschen, die zu ihm kommen, obwohl er Einkehr und Abstand sucht? Er hat Mitleid. Er lässt sie zu sich kommen und seine Nähe erfahren. Für uns als Kirche, als gläubige Menschen, ist das ein wichtiger Auftrag: Nehmen wir die Menschen auf, die sich an uns wenden. Auch wenn der Moment vielleicht nicht passen mag – zeigen wir unser Mitgefühl, öffnen wir ihnen unser Herz.
Die Erzählung geht weiter mit einem organisatorischen Problem. Die Jünger sehen, dass es immer später wird. Sie wollen die Versammlung auflösen. Doch Jesus möchte das nicht. Die Jünger erwidern, dass sie die Menschenmenge nicht versorgen können. Auch hier erkennen wir ein bekanntes Muster. Die Jünger sind zwar die engsten Begleiter von Jesus – aber auch sie können ihn in seiner ganzen Offenheit und seiner Liebe zu den Menschen nicht begreifen.
Sie hätten, wenn sie Jesus ganz begriffen hätten, verstehen können: Das Wenige, was sie dabei haben, wird reichen. Ob es nun um den echten Hunger oder unseren Hunger nach mehr im Leben geht – beides erfasst Jesus. Für beides wird Jesus sorgen.

Jesus vollzieht dann eine Handlung, die uns im Abendmahl oder beim Mahl mit den Emmaus-Jüngern begegnet. Beim Brechen des Brotes spricht er ein Gebet. Jesus betet und zeigt damit seine innige und einzigartige Beziehung zum Vater. Gott ist mit ihm.
Er ist es aber nicht, der die Brote verteilt. Es sind die Jünger. Wir können hier leicht die Verbindung zur Eucharistie herstellen – und erneut für uns erkennen:
Stillen wir den Hunger der Menschen. Die Sehnsucht nach Gott wird in der Eucharistie, im gemeinsamen Gebet und dem Teilen der Kommunion gestillt. Nicht für immer – aber für einen Moment, aus dem heraus wir wieder mit mehr Zuversicht leben können, erst recht in Krankheit und Not. Das Brot des Lebens ist die Zusage Gottes an jeden Menschen.

Liebe Schwestern und Brüder, im Kommunionvers des heutigen Sonntages heißt es nach Johannes, Kapitel 6, Vers 35:
So spricht der Herr:
Ich bin das Brot des Lebens,
wer zu mir kommt, wird nicht mehr hungern,
und wer an mich glaubt, wird nicht mehr Durst haben.

Aus diesem Überfluss heraus können wir leben – aber nicht nur für uns selbst.
Geben wir jenen, die Hunger leiden.
Geben wir jenen, die hungern nach Gott.

Wir brauchen keine Angst haben, dass wir zu wenig haben. Am Ende werden volle Körbe zurückkommen.


Amen.

 

 

 

 

Impuls zum 17. Sonntag im Jahreskreis am 19. Juli 2020
von Pastoralreferentin Christina Hoesch

 

Liebe Schwestern und Brüder!

Jesus ist ein begnadeter Geschichtenerzähler. Mit einem einzigen Vers vermag er mich in den Bann zu ziehen. Mit drei Sätzen bringt er mich ins Nachdenken über das, was sein Herzensanliegen ist:

Mit dem Himmelreich ist es wie mit einem Schatz, der in einem Acker vergraben war. Ein Mann entdeckte ihn, grub ihn aber wieder ein. Und in seiner Freude verkaufte er alles, was er besaß, und kaufte den Acker. (Mt 13, 44)

Dieses kurze Gleichnis aus dem Matthäusevangelium regt immer wieder meine Phantasie an.

  • Das liegt zum einen sicherlich am Bild des Schatzes. Ähnlich wie beim Grimm’schen Märchen vom „Goldenen Schlüssel“ bleibt ja auch hier offen, was genau der Mann gefunden hat, um was für einen Schatz es sich hier eigentlich handelt.
  • Es liegt aber auch an der ungeheuren Spannung, die für mich darin begründet liegt, das Himmelreich ausgerechnet mit einem Schatz im Ackerboden zu vergleichen – diese Verknüpfung vom Himmelreich, vom Ort der Sehnsucht, dem Bild der Fülle ausgerechnet mit - wenn auch fruchtbarer – Erde, ist für mich immer wieder herausfordernd. Oder anders ausgedrückt: Sie holt auf den Boden der Tatsachen zurück.
  • Die Frage, die ich mir immer wieder stelle: Was bewegt diesen Mann, im fremden Ackerboden zu graben? Ist es schlicht und einfach seine Arbeit? Findet er diesen kostbaren Schatz im aller alltäglichsten Tun, bei schweißtreibender und anstrengender Lohnarbeit? Oder was treibt ihn sonst, sich nicht zu scheuen, sich die Hände schmutzig zu machen, in die Tiefe zu gehen an einem Ort, der nicht zu seinem eigenen Bereich gehört?
  • Und wie kann es sein, dass ein anderer einen so wertvollen Schatz zu eigen hat und nicht darum weiß, so dass er ihn aus lauter Unwissenheit um Geld verkauft? Der, dem er gehört, hat keine Ahnung, einem anderen fällt dieser Schatz zu … Ist das fair? Und ist es fair, dass der Mann seinen Fund wieder vergräbt, so dass der rechtmäßige Besitzer um den Wert seines Ackers nicht weiß?
  • Und dann ist es immer wieder die Freude, die mich anspricht und auch anfragt: Der Mann freut sich so gewaltig über seinen Fund, dass alles andere, was er hat, plötzlich unwichtig geworden ist. Er kann es leicht hergeben, wenn er dafür den Acker mit diesem Schatz sein eigen nennen darf. Ich frage mich manchmal, was ich finden müsste, um mich so freuen zu können, und damit diese Freude so viel „Loslassen“ mobilisieren könnte …


So kann es also mit dem Reich Gottes, dem Himmelreich gehen:

  • Es kann verborgen sein in den Tiefen des alltäglichen Tuns.
  • Es kann entdeckt werden, es lässt sich finden.
  • Es ist für den Finder überaus kostbar und löst große Freude aus.
  • Und es weckt den Wunsch, es sich zu eigen zu machen, koste es was es wolle.
  • Manche besitzen es, ohne es zu wissen und ohne sich darüber freue zu können. Für sie bleibt es verborgen.
  • Man kann es leichtfertig verlieren, indem man es verkauft, ohne um seinen Wert zu wissen …


Jesus erzählt Geschichten, damit seine Zuhörerinnen und Zuhörer sich darin wiederfinden können. Er lädt dazu ein, sich zu identifizieren. Sich einzulassen und selbst einen Platz in der Erzählung zu finden. Wer bin ich – wer sind Sie in diesem Gleichnis?

Vor ein paar Jahren ist mir zu dieser kurzen Geschichte ein Text von dem Holländischen Theologen und Poeten Huub Oosterhuis, in die Hände gefallen. Er hat diese kurze Geschichte verfremdet – oder auch brillant verstanden. Sein Text öffnet eine weitere Perspektive auf das Gleichnis vom Schatz im Acker, die mich sehr anrührt:

Der Schatz

Gott lief über den Weltenraum.

Alle Sonnensysteme und Sternenhimmel
waren wie ein Acker
unter seinen Füßen.

Da fand er einen Schatz
in dem Acker verborgen.
Es war diese Erde
mit einem Menschen darauf.

Und in seiner Freude
verkaufte er alles, was er besaß,
seine Allmacht und sein allsehend Auge,
seinen Himmel und seine Hölle
und kaufte diese Erde.


Christine Hoesch, Pastoralreferentin

 

 

Impuls zum 16. Sonntag im Jahreskreis am 19. Juli 2020

von Pastoralreferent Florian Wolters

Evangelium Mt 13,24-43

Alle sind eingeladen zum Aufbau des Gottesreiches

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn.

„Alles verkommen“ rief mein Opa, als er, zurück aus einem dreitägigen Kurzurlaub, auf das sattgrüne Rasenstück in seinem Garten sah und die zarte Blüte eines winzig kleinen Gänseblümchens erblickte.
Und dann bückte er sich sofort, um dieses auszureissen, nein auszustechen, um dann noch ein wenig Gift nachzusprühen, nur zur Sicherheit, man weiß ja nie, ob vielleicht schon ein winzig kleiner Samen ins Erdreich eingedrungen ist, der schnell den ganzen Garten verschandelt. Sie werden vielleicht schmunzeln, doch meinem Opa war sein Garten heilig und er liebte es ordentlich. Und Unkraut konnte er partout nicht ausstehen. Was hätte dieser Mann wohl zu meinem Garten gesagt, in dem das Gras vor lauter Klee, den Löwenzahn dazwischen nicht zu vergessen, kaum mehr zu entdecken ist und in dessen Beeten neben allerlei Stauden auch immer wieder das ein oder andere Beikraut auftaucht.
Wahrscheinlich, Sie werden, es schon ahnen: „Alles verkommen“. So sinniere ich, während ich, die Spitzhacke in der linken Hand, mit der rechten die lange Wurzel einer Gierschpflanze aus der Erde herauszupuhlen versuche. Denn auch ich, es muss wohl in den Genen liegen, kann Unkraut nicht leiden. Nur habe ich den Kampf, im Gegensatz zu meinem Opa, schon fast aufgegeben.

Apropos Unkraut. Das war ja wohl schon zu Zeiten Jesu ein Problem, wie wir im heutigen Evangelium lesen. Lolitum Temultum, Taumelloch sieht aber auch Weizen so verdammt ähnlich und wenn man nicht aufpasst, hat man an Stelle des Unkrautes schnell seine ganze Ernte vernichtet. Überhaupt kann man, wenn man gartentechnisch ein Laie ist, so wie ich, da vieles falsch machen, erweist sich doch manch anfänglich hässlicher Stängel später als wunderschöne Blume oder wird zu einem großen starken Baum.

Vielleicht ist das auch ein Bild für unser Zusammenleben. Wir Menschen sind ja manchmal sehr vorschnell in unserer Beurteilung über einander. Und wenn uns einer nicht passt, dann wird er schnell aussortiert. Dann wollen wir häufig mit ihm oder ihr nichts mehr zu tun haben. Dies geschieht oftmals, ohne, dass wir uns die Zeit nehmen, einander richtig kennenzulernen und dies gilt auch in unserer Kirche. Denn gerade da liebt man es ja allgemein eher ordentlich und geordnet. Und dann kann es dir all zu schnell passieren, dass du aus dem Pfarrgarten hinauskatapultiert wirst, bloß weil du dich anders verhältst, als es die anderen tun. Und mancher findet hier erst gar keinen Platz, weil seine oder ihre Lebensform die falsche ist oder weil er oder sie sich zum zweiten Mal mit einer anderen Pflanze verbunden hat. Die Folge ist Gleichartigkeit, die allzu oft zu Langweile führt. Im Übrigen haben es Monokulturen schwer in einer immer schneller veränderten Wirklichkeit, das zeigt nicht nur der Blick auf den deutschen Wald, sondern auch auf unsere Kirche, die an vieler Stelle kränkelt. Die hohen Austrittszahlen sind dafür nur ein Indiz.

Der Gärtner Jesus dagegen setzt auf Vielfalt. Auf seinen Feldern haben alle Platz, nicht nur die religiös Etablierten. Seine Zuwendung gerade zu den angeblichen Sündern, den Zöllnern, Heiden und all denen, die am Rande der Gesellschaft stehen, ist eine Einladung an uns alle, einander in Milde, Güte und Freundlichkeit zu begegnen und die Tore des Kirchgartens weit offen zu halten. Denn alle sind eingeladen in die Gemeinschaft Jesu Christi. Alle sollen und dürfen, mit ihren Wünschen und Anliegen, ihren Charismen und Talenten, die in jedem Menschen mannigfaltig vorhanden sind, zum Aufbau des Gottesreiches beitragen. Im Übrigen, das zeigt der Blick, in den eigenen Garten, ist es da am Lebendigsten, wo wir Vielfalt zulassen und ermöglichen.

Zuzulassen, dass Menschen in unseren Gemeinden so sein dürfen, wie sie sind, das setzt den Glauben voraus, dass in jedem Menschen etwas Gutes steckt, weil er oder sie ein Kind Gottes, sein Ebenbild ist. Es bedeutet aber auch Zutrauen in Gottes Wirken und seine Liebe und Güte. Gott lässt jedem seine Wege. Er lässt den Weizen wachsen und das Unkraut. Erst am Tag der Ernte werden wir wissen, was das Eine oder das Andere ist. Vielleicht wird dann die Überraschung groß sein.

 Amen

Ihr Pastoralreferent Florian Wolters

 

 

 Impuls zum 15. Sonntag im Jahreskreis am 12. Juli 2020  von Pastoralreferentin Christina Hoesch

 Optimistisch das Wort verkünden -  mit Jesus

 Evangelium Mt 13, 1–23

 

Liebe Schwestern und Brüder!
Jesus war ein begabter Lehrer. Und seine wichtigsten Lehrmethoden bestanden in Tat und Wort. Sein Handeln war Beispiel, Vorbild. Es machte seine Worte glaubwürdig und erfahrbar. Seine Botschaft war nie trockene Theologie. Er hat keine Dogmen festgeschrieben. Oft hat er in Gleichnissen gelehrt – mit Geschichten, die auch über die Zeit nicht an Lebendigkeit verloren haben. Seine Bilder und Vergleiche sind dabei so reichhaltig, dass sie aus immer neuer Perspektive betrachtet und meditiert werden können. Immer wieder lässt sich Neues für das eigene Leben entdecken.
Seine Beispiele stammen aus dem Alltag, aus dem konkreten Leben der Menschen – ohne große Erklärungen wird damit schon deutlich: Die Botschaft Jesu von Gottes Gegenwart hat etwas mit meinem Leben und meinem Alltag zu tun!
Im Evangelium heute hören wir das erste von insgesamt sieben Gleichnissen, die um das gleiche Thema kreisen. Es geht um das Himmelreich. Oder anders ausgedrückt: Um die Königsherrschaft Gottes. Für Jesus ist dieses Reich, diese neue Zeit ganz wesentlich. Sie nimmt mit ihm ihren Anfang. Klein, noch unscheinbar, aber mit großem Potential. Er erzählt von seiner Ausbreitung, seinem Wachsen in dieser Welt.
Und als erstes Beispiel wählt Jesus eine banale Alltagserfahrung aus:
„Ein Sämann ging hinaus um zu säen …“ Nichts Besonderes. Was sollte ein Sämann auch sonst tun? Das ist seine Aufgabe, das macht seine Identität aus.
Wenn ich das Tun des Sämanns näher betrachte und darüber nachdenke, entsteht bei mir der Eindruck, dass er trotz aller Widrigkeiten, die er durchaus kennt, mit Gelassenheit und auch mit einem Gefühl von Sinn seine Arbeit verrichtet.
Er geht aufs Feld. Er hat es sich vermutlich nicht selbst ausgesucht. Vielleicht ist es ihm zuggefallen oder zugedacht gewesen. Die Qualität des Bodens lässt zu wünschen übrig: Sofort wird erzählt, dass es harte und unfruchtbare Stellen gibt. Es ist von vornherein klar, dass viel Mühe vergeblich bleiben wird. Auf diesem Feld gibt es Dornen, Gestrüpp, Steine, an manchen Stellen zu dünnes Erdreich … vieles wird nicht gelingen.
Dennoch wird nichts davon gesagt, dass der Sämann neidisch auf andere, vielleicht benachbarte Felder blickt, die ihm besser gefallen würden, weil sie vielleicht leichter zu bearbeiten wären oder jedenfalls mehr Ertrag bringen würden.
Nein. Er bearbeitet sein Feld. Die Disteln und Steine machen ihm nichts aus. Denn genau dieses Feld ist Seins.
Jesus stellt uns mit diesem Gleichnis vom Reich Gottes einen Sämann vor Augen, der Ja sagt: Zu seiner Aufgabe und zu dem Ort, an den er gestellt ist. Und Gleichnisse laden – damals wie heute - sofort dazu ein, Vergleiche zum eigenen Leben zu ziehen.
Vielleicht nehmen auch Sie, wie ich, diese Einladung an. Und Sie sehen den Acker des eigenen Lebens vor Ihrem inneren Auge. Jede und jeder von uns hat ja den eigenen Ort, das eigene Leben, wo die Saat ausgesät wird. Wo Energie und Engagement investiert werden: Die Familie und wichtige Beziehungen, die Arbeit, das eigene Leben, die eigene Persönlichkeit.
Ob es uns, wie diesem Sämann im Gleichnis vom Himmelreich gelingt, Ja zu sagen zu den Verhältnissen und Aufgaben, die uns zugefallen und übertragen sind? Hat in genau diesem Acker, der unser Leben ist, das Reich Gottes die Chance Wurzeln zu schlagen und zu wachsen?

„Ein Sämann ging hinaus um zu säen...“
Jesus deutet mit dem Gleichnis vom Sämann seine eigene Aufgabe. Er selber sieht sich als der Sämann, der ganz selbstverständlich und mit unerschütterlichem Optimismus das Wort der Verkündigung in diese Welt streut. Er spricht den Menschen das Wort der Liebe Gottes zu, die Botschaft von Seiner Gegenwart inmitten unseres Alltags. Und er vertraut darauf, dass dieses Wort, dass diese Botschaft zur rechten Zeit Frucht hervorbringen wird.

Natürlich stellt Jesus mit diesem Gleichnis seinen Zuhörerinnen und Zuhörern   also auch uns   die Frage, auf welchen Boden das Wort der Verkündigung bei uns fällt. Wir sollen uns selber fragen, ob wir verschlossener, trockener Boden sind. Ob Gestrüpp und Dornen das Wort ersticken. Oder ob wir offenes und fruchtbares Erdreich sind, auf dem das Wort sich einwurzeln und entfalten kann und Frucht bringt.
Aber Jesus spricht uns auch Mut zu. Wie bei dem Sämann genügt es, wenn wir unsere Aufgabe erfüllen, wenn wir die Saat, die uns zur Verfügung steht, nutzen und ausstreuen - auf dem Boden, der nun einmal unser Leben ist und zu unserem Leben gehört. Alles andere dürfen wir getrost dem Herrn der Ernte überlassen und darauf vertrauen, dass etwas von all unserem Mühen Frucht bringen wird: dreißigfach, sechzigfach oder gar hundertfach.

 


Amen 

Pastoralreferentin Christina Hoesch

Predigtgedanken inspiriert durch mein theologisches und pastorales Vorbild Harald Fischer, Kassel

 

 

 

Predigt zu den Lesungstexten vom 14. Sonntag im Jahreskreis am 14. Juni 2020
von  Pfarrer Johannes Streitberger

 

Liebe Schwestern und Brüder im Pfarrverband,

„Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken.“

Welche wunderbaren Worte haben wir heute von Jesus im Evangelium gehört. Es ist eine Einladung voller Wärme und Güte, voller Kenntnis für die menschlichen Nöte.

Leider wirkt der Kontrast zwischen der Einladung Jesu und den Einschränkungen und Begrenzungen gerade an diesem Wochenende besonders deutlich. Wie gerne hätten wir alle im Pfarrverband das Patrozinium von St. Ulrich würdig und festlich gefeiert – mit einer vollen Kirche, mit einem gefüllten Kirchplatz und mit Begegnungen in Freundschaft.

Wir als Kirche folgen Christus, unserem Herrn – und deshalb laden wir die Menschen zu uns ein. Wir wollen ihnen Hoffnung schenken, Orientierung und Gemeinschaft in unübersichtlichen Zeiten und gemeinsam Gott suchen, ihn loben, über ihn nachdenken, auf ihn setzen.
Dass wir diesem Auftrag derzeit nur in begrenztem Maße und nur unter Beachtung von Vorschriften nachkommen können, bleibt für uns schmerzlich. Auch wenn für manche in unserer schnelllebigen Gesellschaft alles schon wieder normal ist, die Umstände Normalität geworden sind, ist es wichtig, sich daran zu erinnern:
Wir wünschen uns, wieder mehr als maximal 50 oder 60 Personen in unseren Kirchen willkommen heißen zu dürfen. Wir freuen uns auf ein Pfarrfest. Wir sehnen uns danach, an Christi Leib teilzuhaben, ohne auf Abstand oder Maske Rücksicht nehmen zu müssen.
Liebe Schwestern und Brüder,
diese angesprochene Freude ist Ausdruck über das Geschenk des Glaubens, das wir alle erhalten haben. Durch ihr Engagement, durch das Anhören von Podcasts, den Besuch unserer Kirchen oder das gemeinsame Feiern der Gottesdienste zeigen so viele Menschen bei uns im Pfarrverband, wie wichtig ihnen dieses Geschenk ist.
Als Leiter des Pfarrverbandes möchte ich das fest halten - gerade in dieser Woche, da wir wieder von den Austrittszahlen gehört haben und sich erneut Melancholie und Resignation über das Bild der Kirche legen.
Im Namen des gesamten Seelsorgsteams möchte ich mich bei Ihnen allen bedanken, die Sie hier bei uns Ihre Zeit Gott widmen. Denn letztlich ist die Kirche nur zeitliches Werkzeug für die Begegnung der Menschen mit Gott – so hat es auch das Zweite Vatikanische Konzil festgehalten.
Leere Kirchen schmerzen. Aber viel mehr schmerzt, wenn das geistige Gebäude der Kirche leer geworden ist.

Liebe Schwestern und Brüder,
Ihr Engagement, Ihr Gebet, Ihr Glaube füllt die Kirche. Als Getaufte sind Sie der Einladung Christi gefolgt – aus den unterschiedlichsten Gründen. Als Getaufte sind Sie aber auch Werkzeug. Geben Sie die Einladung Christi weiter. Rufen Sie jenen zu, die der Kirche durch bewusste Entscheidung oder Gewohnheit den Rücken gekehrt haben: Kehrt Gott nicht den Rücken!
Denn er ist es, auf den wir Menschen vertrauen können.
Ja, er stellt uns vor große Rätsel. Er bleibt für uns stets mehr verborgen als offenbar. Aber er schenkt uns die Hoffnung und die Zuversicht, dass unser Leben, wenn wir es in Demut und Liebe vor ihn bringen, angenommen ist. Gott sichert uns mit Christus zu: Ihr findet Ruhe für eure Seele – jetzt und wenn ihr eingeht in die ewige Liebe Gottes.


Amen.

 

 

Pfarrer Johannes Streitberger

 

 

Impuls zu den Lesungstexten vom 13. Sonntag im Jahreskreis am 28. Juni 2020 
von Pastoralreferent Florian Wolters

 


Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,


in den Geschichten der Heiligen wird Berufung häufig als konkretes Ereignis und Bruch zum bisherigen Leben dargestellt. So ändert etwa der Heilige Franz plötzlich sein Lebensziel als reicher Tuchhändler und Lebemann, als ihm auf dem Weg in den Krieg im Traum Gott erscheint und ihm befiehlt, Ihm zu dienen und seine Kirche, „das Haus, das verfallen ist, wieder aufzubauen“. Der Heilige Martin änderte sein Leben als römischer Offizier und wurde ein Soldat Christi, als er ihn einem Bettler am Wegesrand, dem er die Hälfte seines Mantels schenkte –sie alle kennen die Geschichte- das Antlitz Jesu Christi erkannte. Auch in der Bibel beruft Jesus seine Jünger hinaus aus ihrem bisherigen Leben als Fischer und Tagelöhner hinein in seine Nachfolge.

Bei mir dagegen lief Berufung anders: Sie war und ist vielmehr verbunden mit dem stetigen Kennenlernen von Gemeinde als Gemeinschaft von Getauften, die hier so sein dürfen, wie sie sind und die sich mit ihren verschieden Talenten, ihrer Freude und Hoffnung, Trauer und Angst in dieser Gemeinschaft einbringen, ein immer tieferer Prozess des sich in den Dienst nehmen lassen. Dieser Vorgang ist immer noch nicht abgeschlossen. Meine Erkrankung, vor allem aber die Beziehung zu guten Seelsorger*innen, die mich stützten und mir etwas zutrauten, waren wichtige Stationen auf diesem Prozess. Ich weiß nicht, wie Ihre Berufungsgeschichte war, aber es lohnt sich, einmal darüber nachzudenken.

Berufung ist auch das Thema des heutigen Evangeliums, wenn auch nicht auf den ersten Blick. Er stammt aus den Abschiedsreden unseres Herrn und Meister, in denen Jesus den Jüngern nicht nur von seinem nahen Tod erzählt, sondern sie auch zu einem Leben in seiner Nachfolge ermutigen will. Der heutige Text, in dem es um die Ausgestaltung der Berufung geht, hat für mich allerdings zunächst nur wenig Ermutigendes. Er stößt mir an einigen Stellen sogar sauer auf. Dürfen mir Vater und Mutter etwa nicht wichtig sein, darf ich meine kleine Tochter, die mir unendlich am Herzen liegt, nicht lieben, wenn ich ein Jünger Jesu Christi sein will? Vor allem bei der Sache mit dem Kreuz dreht sich mir, angesichts meiner Nierenerkrankung der Magen um. „Wer sein Kreuz nicht aufnimmt und mir nachfolgt ist meiner nicht wert.“, wie häufig ist dieser Satz missbraucht worden, in einseitigen Verklärung von Leid. Dabei will Gott nicht, dass wir traurig sind und Schmerzen haben. Er will vielmehr, dass wir glücklich sind, heil werden, nennen wir Theologen das, indem wir ein Leben führen, dass das unsere ist.

Glücklich werden, indem wir ein Leben führen, dass das unsere ist, dies ist vielleicht ein Schlüssel zur Auslegung des heutigen Evangeliums und zum Verständnis der beiden Sätze, die mir anfänglich so schwierig erscheinen. Nachfolge heißt nämlich keineswegs einen vollkommenden Rückzug aus der Welt. Es geht allerdings um die richtige Hierarchie der Werte.

Wir Menschen leben in einer Welt, in der wir häufig unsere Träume, unsere Wünsche und Ziele an dem orientieren, was auch die anderen wollen bzw. was gerade „in“ ist. Wir meinen uns das Glück kaufen zu können, durch beispielsweise den großartigsten Urlaub, das schönste Haus, die hübscheste Frau oder die tollsten und bravsten Kinder. Wir sind aber dann enttäuscht, wenn sich das Ganze nicht erfüllt. Hier kommt Jesus und das heutige Evangelium ins Spiel. Mit den Worten „wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen“, lädt er uns gewissermaßen zu einem Kontrastprogramm ein. Glück hängt eben nicht von der Vielzahl von guten Sachen oder von einer glorreichen Zukunft ab. Wer sich ganz auf Gott verlässt, wird anders, zufriedener leben, weil er oder sie spüren kann, dass da jemand ist, der ihn liebt, auch wenn nach den Maßstäben dieser Welt scheinbar nichts hat  Dies kann ermutigen zu einem Weg der Liebe, einem Weg des Dienens, einem Weg der Vergebung und der Barmherzigkeit, indem es vor allem darum geht, den anderen glücklich zu machen. Und dann, es geschieht manchmal unverhofft, werden wir auch selber glücklich, durch das Lachen des anderen, durch einen freundlichen oder dankbaren Blick oder, wie in der Lesung im alten Testament, durch das Geschenk eines Kindes.

Wer sagt, dies kann er nicht, weil ich selbst nur so wenig habe, der schaue auf das bekannte Gleichnis von den Talenten, auf das Zutrauen und die Liebe Gottes zu jedem einzelnen von uns, aber auch auf das Leben der Heiligen. Es geht darum, das was ich kann, nicht zu vergraben und verkümmern zu lassen, sondern zu nutzen für andere und für mich, um heil, heilig, ja glücklich zu werden.

 

Amen



 Pastoralreferent Florian Wolters

 

 

Impulse zu den Lesungstexten vom 12. Sonntag im Jahreskreis am 21. Juni 2020

von Diakon Christian Karmann

 

 

Liebe Christen von St. Ulrich und St. Korbinian!

 

Fürchte Dich nicht, hab keine Angst! Wie gut tut uns das, wenn uns das jemand, dem wir das glauben können, in einer schwierigen Situation zusagt. Und wenn wir uns in diesem Moment von dieser Person getragen fühlen, fällt es uns leichter, uns fallen zu lassen, gibt es uns Mut der Angst oder der Furcht ins Gesicht zu schauen. Und oft verliert sie dadurch schon an Schrecken.

Und wenn dieser jemand Jesus ist, der sagt: „Fürchte Dich nicht", dann will er unsere Furcht ablenken von allem, was Angst macht, und auf sich lenken, um uns von ihr zu befreien. Deshalb möchte ich immer mehr in die absolute Liebe Gottes hineinwachsen, sie in meinem Leben immer mehr entdecken, ihn immer mehr entdecken, ihn ehr-fürchten lernen.

 

Das Wissen, in ihm unverlierbar geborgen und gehalten zu sein, will mich aus meinen „fürchterlichen" Abhängigkeiten in meinem Leben befreien, z.B. aus der Furcht vor anderen Menschen, aus der Furcht in Krankheit, aus der Furcht vor dem Tod. Meine Abhängigkeit von Gott befreit mich aus allen anderen Abhängigkeiten in dem Maße wie es mir gelingt und geschenkt wird, ihn in mir groß sein und ihn mich erfüllen zu lassen. Das nimmt mir Furcht, wenn ich von etwas total abhängig und machtlos geworden bin. Das nimmt mir Angst, wenn ich total in die Enge getrieben worden bin, keinen Ausweg mehr sehe.

 

Gott ist immer da, geht alle Wege mit, auch wenn ich abstürze. Leidet mit, ist mir nahe, tröstet mich durch seine Gegenwart in mir oder durch andere Menschen. Gerade in den Krisen meines Lebens, darf ich ganz genau hinhören, wenn er mir das Versprechen gibt: du bist mir so wertvoll, dass sogar die Haare auf deinem Kopf gezählt sind. Ich weiß alles von dir. Ich liebe dich. Ich will, dass du weißt, dass ich dir Leben für immer schenken werde.  Dieses Wissen er-leichtert mich, gibt meinem Leben, meiner Krise jetzt Tiefe.

 


Gott steht immer zu uns: durch Jesus Christus hat er uns das gezeigt. Und durch Jesus Christus stehen wir vor Gott und erlangen seine bedingungslose Liebe. Damit das für uns erfahrbar und bewusst wird, sollen wir uns zu Jesus bekennen. In der Beziehung und Liebe zu ihm erkennen wir, was er für uns getan hat, damit wir unseren eigenen Weg zu Gott finden, erkennen wir, wie sehr er uns in sein entfaltetes Leben hereingeholt hat. Sich zu Jesus zu bekennen bedeutet, nicht nur von ihm zu reden. Mein Bekenntnis soll sich im ganzen Leben, in allen Lebensbereichen zeigen, in der Liebe zu mir selbst und anderen Menschen, in der Liebe zur Natur, in der Liebe zu Gott. In einer Liebe, die Leben fördert und stärkt.
Wenn wir bewusst zu Gott stehen, wird uns wiederum bewusst, dass er immer zu uns steht. Das Wissen um seine Zuwendung, die wir nie verlieren können, gibt uns die Kraft des Vertrauens, das uns von aller Angst befreit.



Amen.


Christian Karmann, Diakon

 

 

Predigt zu den Lesungstexten vom 11. Sonntag im Jahreskreis am 14. Juni 2020
von  Pfarrer Johannes Streitberger

Tu Gutes - im Vertrauen auf Gott

 

 Liebe Schwestern und Brüder,

Erich Kästners Gedicht „Moral“ besteht nur aus zwei kurzen Versen:


„Es gibt nichts Gutes
Außer: Man tut es.“

 

Es steckt Enttäuschung in der Aussage. Und man kann es nachvollziehen, besonders in den Zeiten, in denen Kästner gelebt hat. Aber auch eine Ermutigung ist vorhanden – jede und jeder von uns kann Gutes in der Welt bewirken.


Als Christen können wir aus Glaubensüberzeugung dem ersten Teil nicht zustimmen. Es gibt auch ohne unser Tun Gutes – wir haben es im letzten Vers des Evangeliums gehört:
Umsonst habt ihr empfangen“ – ein so unscheinbarer Satz, der aber so bahnbrechend in der Geschichte der Menschheit ist. Er dreht das Gottesbild der damaligen Zeit um. Der jüdische Tempelbetrieb war geprägt vom Gedanken, dass Nähe zu Gott durch Reinheit möglich ist.
Erinnern wir uns dagegen an Weihnachten: Gott sendet den Menschen seinen Sohn. Nicht weil wir das verdient hätten, sondern weil Gott überbordende Liebe ist. Unsere Beziehung zu Gott, unser Glaube, ist Geschenk, nicht Verdienst.


Jesus formuliert daraus dann die Konsequenz:
„Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben.“
So sendet er seine Jünger aus, um Gutes zu tun.


Beistand in Krankheit, Ausgestoßene vollständig integrieren, Auferweckung der Toten, das Böse vertreiben – ein sportliches" Programm.
Wir sollten heute nicht glauben, dass für die Jünger dieser Auftrag leichter geklungen hat als für uns. Entscheidend ist dabei aber: Jesus hat ihnen die Kraft dazu gegeben, das Gute zu tun.

Der Grund dafür ist keine Machtdemonstration, sondern sein Mitleid für die Menschen, denn: Sie sind müde und erschöpft. Um hier die bleibende Gültigkeit der Botschaft Jesu zu entdecken, braucht es keine Fantasie.
Burnout, Depression, das Gefühl der Kraft-, Sinn-, und Orientierungslosigkeit – leider begegnet uns das heute viel zu häufig.

Laut Deutscher Depressionshilfe sind in Deutschland etwa 10 Prozent der Menschen im Lauf eines Jahres an einer depressiven Störung erkrankt – und das sind nur diagnostizierte Fälle. Es dürften noch mehr sein, die aus Furcht vor dem Bekanntwerden oder anderen Gründen nicht Hilfe suchen – oder die in Alten- und Pflegeheimen sich mit ihrem Schicksal abgefunden haben. Hinzu kommen noch viel mehr Menschen, denen Perspektive fehlt, die unglücklich mit ihren Lebensentscheidungen sind und deren Lebensläufe von Schicksalsschlägen geprägt sind.

Jesu Mitleid gilt diesen Menschen. Es ist daher der Auftrag der Kirche – und damit für uns alle, den Menschen zu helfen. Nähe und Trost spenden, Zuversicht schenken und dem ansonsten grassierenden Egoismus etwas entgegensetzen – so lautet unser Auftrag heute.
Die Kraft dazu hat uns Jesus Christus verliehen. In der Taufe und in der Eucharistie findet diese Zusicherung ihre Symbole. Sie sind Gottes Geschenke an uns. Es ist an uns, jeden Tag in Erinnerung an diese Gaben zu begehen.


Liebe Schwestern und Brüder,
Jesu Auftrag, Gutes zu tun, ist keine Überforderung, aber eine Herausforderung. Unser Glaube fordert uns heraus. Dabei müssen wir aber nicht im Sinne Kästners fürchten, nur auf uns gestellt Gutes tun zu müssen. Wir Christen können im Vertrauen auf Gott leben. Wo wir zu kurz kommen, kann er vollenden. Wo wir an unserem Anspruch gescheitert sind, richtet er uns wieder auf.


Und so würde die christliche Ergänzung zu Kästner lauten:


Es gibt Gutes.
Tut es – im Vertrauen auf Gott.

 

Amen.

Pfarrer Johannes Streitberger

 

 

Impuls zu den Lesungstexten des Festes Fronleichnam
am 11. Juni 2020  von Pastoralreferent Florian Wolters

 Gott in den Gaben von Brot und Wein lebendig gegenwärtig

 

 

Liebe Schwestern und Brüder im Herrn,

waren Sie schon einmal auf einer Demonstration? Mir wurde das Ganze gewissermaßen in die Wiege gelegt. Bereits im zarten Alter von sechs Monaten war ich im Oktober 1981, gemeinsam mit meinen Eltern, auf meiner ersten Kundgebung. Zusammen mit fast einer Millionen Menschen setzten wir uns damals in Bonn für den Frieden und gegen die Aufstellung von atomaren Langstreckenraketen in Deutschland ein. So ist es kein Wunder, dass ich es wichtig finde, dass sich Menschen von Zeit zu Zeit auf der Straße versammeln und ihre Meinung für oder gegen etwas kundtun, obgleich ich von diesem wichtigen Grundrecht unserer Demokratie schon länger nicht mehr Gebrauch gemacht habe.

Eine Demonstration unseres Glaubens ist das heutige Fronleichnamsfest. Wenn wir normalerweise in einer feierlichen Prozession das, in einer Monstranz befindliche, Allerheiligste durch die festlich geschmückten Straßen unserer Stadt begleiten, dann zeigen wir damit, was uns in unserem Leben wichtig ist. Wir outen uns vor der ganzen Welt als Christen und bringen zum Ausdruck, dass wir vrone lichnam, d.h. zum Herrn Jesus Christus gehörend sind. Gleichzeitig bekennen wir als Kirche, dass wir auf unserer gemeinsamen Pilgerreise ganz auf ihn, Jesus Christus ausgerichtet sind. Wir brauchen die Begegnung mit ihm in seinem Wort, vor allem aber in den eucharistischen Speisen von Brot und Wein. Schon die alttestamentliche Lesung erzählt davon, dass das Volk Israel in den 40 Jahren, in denen es in der Wüste unterwegs war, nur überleben konnte, weil es sich ganz auf Gott verlässt, der es mit Manna vom Himmel speist und mit sprudelndem Wasser tränkt. Doch nur wer sein Fleisch isst und sein Blut trinkt, wird ewig leben.

Jesus Christus essen und trinken, das klingt seltsam und hat schon, wie das heutige Evangelium zeigt, bei den Juden seiner Zeit für viel Widerspruch gesorgt. Es hat auch nur einen Sinn, wenn wir das Ganze vom Osterfest her verstehen. So wie Christus nicht im Tod bleibt, sondern aufersteht, werden auch wir nicht sterben. Im Empfang des eucharistischen Mahls haben wir Anteil an ihm und damit am ewigen Leben und sind auf diese Weise bereits erlöst. Doch ist mit dem Essen und Trinken kein Automatismus für das ewige Leben verbunden. Voraussetzung ist vielmehr, dass wir glauben, dass Jesus wahrhaft in den eucharistischen Gaben gegenwärtig ist. Diese bleiben nach außen Brot und Wein, dem Wesen nach schenkt sich aber Jesus Christus darin. Das ist es, was die sogenannte Transsubstantiationslehre, die kurz vor Einführung des Festes Fronleichnam im 13. Jahrhundert zum Dogma erhoben wurde, ausdrückt. Nur von dieser macht das Fest einen Sinn, dass aller Welt zeigen will, dass unser Gott ein lebendiger ist, der in den Gaben von Brot und Wein gegenwärtig ist.

 

In diesem Jahr können wir aufgrund der momentanen Gegebenheiten nicht durch unsere Straßen ziehen. Viele verzichten sogar auf einen eucharistischen Empfang. Und doch können wir mit ihm in Beziehung treten im persönlichen Gebet, vielleicht sogar in der Anbetung des Allerheiligsten. Wir können auch anderen, unseren Freunden und Nachbarn erzählen, was uns trägt und wichtig ist und allen unseren Glauben zeigen. Dann kann das diesjährige Fronleichnamsfest, trotz aller Umstände ein gelungenes Fest werden.

Amen

 Pastoralreferent Florian Wolters

 


 

 

Predigt zu den Lesungstexten vom Dreifaltigkeitssonntag am 7. Juni 2020
von  Pfarrer Johannes Streitberger


Mit Zuversicht Gott suchen

 

Liebe Schwestern und Brüder im Pfarrverband Unterschleißheim St. Ulrich und St. Korbinian,

der Theologe und Philosoph Ulrich Lüke erzählt zu Beginn seines Buches  „Das Glaubensbekenntnis vor den Anfragen der Gegenwart“ von einer Begegnung mit einem ihm bekannten Ehepaar.
Das Ehepaar ist schon sehr betagt. Der Mann ist bettlägerig und stark pflegebedürftig. Die Frau sieht nur noch sehr schlecht, kümmert sich aber hingebungsvoll um ihren Mann. Als Lüke sie wieder einmal besucht, freuen sie sich sehr darüber, ihn zu sehen. Lüke fragt sie, wie sie ihre Tage verbringen.

Man kann diese Frage verstehen – gerade in einer Zeit, in der Jugendlichkeit, Aktivität und Dynamik oberste Lebensziele sind und Gebrechlichkeit und Pflegebedürftigkeit Horrorszenarien darstellen, die man so weit wie möglich wegschieben möchte.

Nun: Was gibt den beiden den Halt im Leben?
Die Antwort hat Lüke überrascht. Sie erzählen ihm, sie würden gemeinsam das Gloria, das Sanctus oder auch das Credo singen – auf Lateinisch.
Der Glaube hat den beiden Zuversicht gegeben. Obwohl die beiden keine Altphilologen sind, also kein Latein sprechen, haben sie die Glaubensformeln verinnerlicht und diese stiften Sinn in einem Leben, vor dem sich wohl jeder Mensch fürchtet.

Liebe Schwestern und Brüder,
gerade am heutigen Dreifaltigkeitssonntag hoffe ich, dass diese Geschichte Sie so bewegt wie mich. Im Zentrum unseres Glaubensbekenntnisses, das dem Ehepaar Trost und Zuversicht spendet, steht die Dreifaltigkeit. Es ist eine Erwähnung wert, da der Glaube an den dreifaltigen Gott heutzutage alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist.
Umfragen sind ja immer mit Vorsicht zu genießen. Dennoch ist der Befund eindeutig: Allensbach hat vor drei Jahren eine Umfrage veröffentlicht, laut der nur noch ein Viertel der Menschen in Westdeutschland bejahten, dass der Glaube an den dreifaltigen Gott für sie Inhalt ihres Glaubens ist.
Die Diskrepanz ist deutlich: Von den etwa 50 bis 60 Prozent der Deutschen, die noch Teil der Kirche sind, bekennt sich also mit Sicherheit die Hälfte nicht mehr zum dreifaltigen Gott – dabei ist die Dreifaltigkeit nicht irgendein Glaubenssatz, sondern die entscheidende Gottesvorstellung des Christentums.
Ohne Trinität kein Christentum. Das ist eine banale, aber anscheinend notwendige Erkenntnis. Die theologischen Streitigkeiten um die Trinität, die selbst Theologen häufig nicht in allen unterschiedlichen Facetten erläutern können, tragen heute wohl nicht zur Attraktivität bei.

Dabei ist es umso wichtiger, festzuhalten: Die Trinität ist nicht an einer Universität erdacht worden. Ausgangspunkt des Glaubens an die Dreieinigkeit sind Erfahrungen mit Gott. Die in der Antike begonnenen Debatten zur Dreifaltigkeit sind dabei aber keine Haarspalterei gewesen, sondern es geht dabei stets darum, was der Inhalt unseres Glaubens ist.
Natürlich gibt es heute wohl genügend Menschen, die sagen, es spiele doch keine Rolle, was jemand genauer glaubt. Ich möchte an einem kleinen Beispiel verdeutlichen, warum gerade wir als Christen nicht aufhören sollten, auf der Suche nach Gott und seinem Wesen zu bleiben.


Ob Jesus von Nazareth wahrer Gott und wahrer Mensch ist, ist für uns als einzelnen Menschen wichtig.

Wenn Jesus Christus nur Mensch ist, kann er nicht Christus sein. Jesus wäre dann zwar eine bemerkenswerte Person gewesen. Aber unser Gebet, in dem wir „durch Christus, unseren Herrn“ bitten, wäre inhaltsleer. Unsere Hoffnung auf Christus, auf seine bleibende Gemeinschaft in der Eucharistie, wäre leer.
Wenn Jesus Christus nur Gott gewesen ist, ist das Geschehen am Karfreitag und Ostern nur ein innergöttliches Ereignis und hat nichts mit uns Menschen zu tun. Gerade weil Gott aber nicht teilnahmslos zusieht, sondern die ganze Niedrigkeit des menschlichen Lebens annimmt, haben auch wir Hoffnung auf die Auferstehung, auf die Überwindung von Krankheit, Leid und Tod.

Liebe Schwestern und Brüder,
der christliche Glaube steht stets unter Spannung. Einfach nur glauben – das widerspricht unserer Vernunft. Nur der Vernunft zu vertrauen – hier widerspricht die Erfahrung angesichts unzähliger menschlicher Schwächen.

Der Streit unter Corona-Wissenschaftlern zeigt, dass die Suche nach der Wahrheit eine Wanderung im Nebel ist. Man hofft darauf, das Ziel zu erreichen. Aber sehen kann man es leider nicht.
Auf dieser Wanderung helfen uns aber die großen Orientierungspunkte des überlieferten Glaubens der Kirche.

Ich wünsche uns allen auf der Suche nach Gott und seinem Wesen die Zuversicht, die das zu Beginn erwähnte ältere Ehepaar im gemeinsamen Singen von Gloria, Sanctus und Credo gefunden hat.
Der dreifaltige Gott ist Quell dieser Hoffnung. Mögen Sie alle stets von ihr erfüllt sein.

Amen.

 

Pfarrer Johannes Streitberger