Predigten



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Predigt zum 4. Sonntag im Jahreskreis, Pfarrer Franz Muck
   (29. Jan. 2012, Mk 1, 21 - 28)

Jesus tritt auf - mit Vollmacht


Wer am 8. Januar im Neujahrs-Konzert 2012 von St. Ulrich war und das Weihnachtsoratorium von Bach gehört hat oder wer das Weihnachtsoratorium von anderen Aufführungen kennt, weiß, dass die Ouvertüre den Hörer sofort in den Bann zieht. Das Leitmotiv zieht jeden in den Bann.
Das Leitmotiv ist gleich zu Beginn ein Höhepunkt, es ist unverwechselbar und eindringlich. Bach bringt verdichtet zum Klingen, was sich dann im ganzen Stück entfaltet.

In diesem Sinn können wir jetzt fragen, mit welchem Leitmotiv startet Markus sein Evangelium und wie stellt er Jesus in den Mittelpunkt? Der Mittelpunkt heißt: Jesus tritt auf - mit Vollmacht -. Dieses Reden und Handeln Jesu - mit Vollmacht - zieht sich durch das ganze Markus-Evangelium, das uns heuer im Lesejahr B begleitet. Markus beginnt zwar bekanntlich mit der Taufe Jesu sein Evangelium und dann berichtet er von der Berufung der Apostel. Dies ist die Hinführung zum Reden und Handeln Jesu.

Im heutigen Abschnitt seines Evangeliums schildert er den ersten öffentlich wirksamen Auftritt von Jesus aus Nazareth. Nazareth, ein kleines unbedeutendes Dorf, nicht sehr bekannt. Einmal heißt es sogar in der Bibel: „Kann denn aus Nazareth etwas Gutes kommen“?

Heute erleben Reisende ins Hl. Land Nazareth mit der Verkündigungskirche, einen monumentalen Bau, eher einen Eindruck von einer pulsierenden Stadt, während die Ausgrabungen in Kafarnaum zum stillen Betrachten und Nachsinnen einladen mit dem gezeigten Überresten des vermutlichen Petrus-Hauses, der Synagoge und den beeindruckenden Ruinen aus der Zeit Jesu. Kafarnaum war im Gegensatz zu Nazareth zurzeit Jesu ein Kulturzentrum. Für Jesus wurde dieser Ort ein Mittelpunkt seiner Verkündigung.

Heute hörten wir im Evangelium von seinem frühen öffentlichen Auftreten in dieser Stadt. Markus schildert es sehr deutlich und sagt: „ Er tritt mit Vollmacht auf „und „ Jesus lässt die Menschen aufhorchen“.

Was können wir uns unter Vollmacht vorstellen?
Die Rede von der Vollmacht hat oft dazu verleitet, das Jesusbild so zu zeichnen, dass die Göttlichkeit über Gebühr betont wird und kein Platz mehr blieb für die Tatsache, dass Jesus wie jeder Mensch mit seinen Füßen auf dieser Erde steht und Mensch ist. Denn einen mit Vollmacht ausgestatteten stellt man sich allmächtig vor, als Wunderheiler, als einen, der alle anzieht.
Das ist jedoch nicht das Bild der Evangelien über Jesus. Die Evangelien beschreiben Jesus auch als einen, der viel Ablehnung erfährt und Verkennung und der dann den Weg in die Passion gehen muss. Er selber wurde ein Mensch, der sich Begrenzungen unterwarf. Wir können und müssen feststellen: Jesus konnte nicht alle heilen, konnte nicht der ganzen Welt seine Lehre verkünden.

Ich denke, was die Menschen bei Jesus erlebten, war die Erfahrung: Hier verkündet einer nichts Angelerntes, sondern hat Mut zu einer eigenen Position. Die Menschen erlebten: Hier steht einer aufrecht und nicht geduckt, hier ist einer authentisch, weil er das was er sagt, auch mit seinem himmlischen Vater, mit Gott durchbetet hat.

Er schöpft aus der Kraft Gottes und kann deshalb kraftvoll reden. Reden wäre aber zu wenig, Jesus deckt sein Reden ab durch entsprechende Taten.

Wenn z.B. die heutige Stelle aus dem Evangelium auch von einer Austreibung von Geistern berichtet, dann geht es nicht darum, Jesus Zauberkräfte anzudichten, nein es geht darum, dass sein Reden bestätigt wird durch heilendes Handeln.

Ottmar Fuchs, ein Theologe unserer Zeit, schreibt dazu passend:
„Jesus leistet sich keine Rede von Gott außerhalb heilenden und befreienden Handelns.“

Es war im Evangelium auch von unreinen Geistern die Rede und vielleicht sagen dann einige: Die gibt es ja heute nicht mehr.

Welche Art von unreinen Geistern können wir uns heute vorstellen?
Welche Art von Ungeist gibt es denn auch in unserer Zeit?
  • Es gibt den Ungeist der Angst, abgelehnt zu werden
  • Es gibt den Ungeist der Angst, innerlich verletzt zu werden
  • Es gibt den Ungeist der Angst, nur über Leistung, Geld und Ansehen definiert zu werden
Damit sei angedeutet, in welche Richtung wir denken können, wenn wir vom „Ungeist“ in unserer Zeit reden. Jesus will mit seiner frohmachenden Botschaft diese Ängste überwinden helfen. Er schenkt Mut und Kraft. Er tut auch dies mit Vollmacht.

Leitmotiv und die Ouvertüre des Markus-Evangeliums, können wir in die Worte fassen:
Jesus ist Heiland, Jesus ist der, der heilen möchte und Heil bringt. Er möchte es tun in all seiner Vollmacht.

Ich möchte schließen mit einem Satz von Lothar Zenetti, einem Dichter und Pfarrer unserer Zeit, der einmal auf die Frage, wer Jesus für ihn ist, gesagt hat:
„Jesus ist einer, der für mich ist.“

Amen.

zum Anfang der Predigt um 4. Sonntag im Jahreskreis 2012
(Bezug: L: Dtn 18, 15-20 Ev: Mk 1.21 - 28)







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Predigt zum 3. Sonntag im Jahreskreis, Diakon Christian Karmann
   (22. Jan. 2012, Mk 1, 14-20)

Zu einer freien und geglückten Vernetzung


Heute im Evangelium wird das Bild des Fischers verwendet, um eine Grundbefindlichkeit, ein Grundbedürfnis, eine Grundsehnsucht und eine Grundberufung des Menschen auszudrücken. Sie gründet sich jeweils darauf, dass der Mensch zutiefst ein Beziehungswesen ist und ohne sein System von Beziehungen, in das er eingebunden ist, schlichtweg nicht existieren kann.

Diese Bezüge sind zunächst ganz trivial: Ohne Beziehung zur Atemluft kann ich nicht atmen. Ohne Beziehung zum Boden, auf dem ich stehe, kann ich mich nicht auf ihm fortbewegen. Ohne Beziehung zur Nahrung verhungere ich.
Oder im psychosozialen Bereich: ohne Beziehungen zu Menschen verkümmere ich. Ohne Beziehung zu mir selbst verliere ich meine Individualität. Ich stehe zu meinem Lebensraum, zu dem im übrigen auch mein Körper gehört, in lebensabhängiger Beziehung.

Das wichtigste Werkzeug eines Fischers ist das Netz. Das Besondere eines Netzes liegt darin, dass es aus vielen Knoten besteht, die untereinander verbunden sind. Durch die Art und Kompliziertheit der Verknüpfungen untereinander erhält das Netz seine individuelle Funktion und seine Form. Im einfachsten Fall: ein Netz mit weiten Maschen kann andere Fische fangen als ein Netz mit engen Maschen.

Heutzutage sind wir Menschen auf die vielfältigste Art und Weise vernetzt: in der Familie, im Freundeskreis, im Verein (- heute sind die Böllerschützen an ihrem Jahrtag bei uns), im Beruf, in sozialen Netzwerken wie Facebook, über das Internet. Im Zuge der fortschreitenden Globalisierung werden die Netz- und Vernetzungsstrukturen auf unserem Planeten immer dichter und komplexer.
Alle diese Netze und Verknüpfungen sollen letztlich Leben ermöglichen, bereichern, erleichtern, erweitern: zumindest ist das unser Bedürfnis. Wir investieren viel Zeit und Geld dafür, dass das geschehen kann. Denken Sie dabei besonders an die sozialen Netzwerke wie eben Facebook, wo fast unbeschränkte Kontakt- und Kommunikationsmöglichkeiten entstanden sind und besonders Jugendliche enorm viel Zeit mit ihnen verbringen. Nehmen Sie einem Jugendlichen diese Möglichkeit und er versinkt fast ins Koma.

Also: uns zu vernetzen, ist ein Grundbedürfnis, weil wir als Menschen zutiefst Beziehungswesen sind und uns auch darüber weitgehend definieren. Dabei möchte ich in meiner Grundfreiheit bestimmen, auf welche Art ich ein Knoten in diesem Netz sein möchte und mit welchen anderen Knoten, Kommunikationspartnern ich vernetzt sein möchte. Womit ich vernetzt bin, soll mir zur Freude, zur Selbstverwirklichung, soll mir zum Leben dienen. Wir haben in unserer modernen Zeit unglaublich viele Möglichkeiten, uns nach allen Richtungen auszustrecken, uns auf die vielfältigste Weise zu vernetzen, zu verwirklichen. Mir sind meine Netze, in die ich integriert bin wertvoll und teuer, aber existentiell tragen sie mich nur sehr unzureichend. Ich finde in ihnen keine Antworten auf meine in der Tiefe meines Menschseins verankerten Fragen nach dem woher und wohin, nach dem Sinn des Lebens, Fragen, die ich nicht nur theoretisch oder oberflächlich beantwortet haben will, sondern durch das Leben und seine spürbare Wirklichkeit in mir. Alle diese Netzwerke und Lebensbezüge dieser Welt erreichen aber irgendwie nicht mein tiefstes Inneres, dort wo ich mit mir allein bin, wo meine tiefste Sehnsucht nach Leben, nach Vollkommenheit, nach Liebe eingebettet ist.

Ich könnte mich in dieser unerfüllten Sehnsucht dann schon mal so fühlen wie ein isolierter Knoten, der auf dieser Lebensebene, keine oder zuwenig Verbindungen hat, weil er sich nicht oder zuwenig darum gekümmert hat oder nicht wollte, sie nicht trainiert und verzweigt hat.
In der Tat ist diese Sehnsucht des Menschen nach Leben, Vollkommenheit und einer Liebe, die trägt und erfüllt, die eigentliche Motivation, diese Antworten auf ganz neue Art und Weise zu suchen, in einer ganz anderen Richtung als zuvor - sich zu vernetzen in die Dimension Gottes hinein.

Wer diesen Weg beginnt und auf ihm voranschreitet vernetzt sich bewusst und frei mit der Quelle selbst, aus der letztlich alles kommt, aus der letztlich alles hervorgeht, er vernetzt sich mit dem Leben selbst, mit Gott. Gott bietet mir Vernetzungsmöglichkeiten in die Unendlichkeit an, die ich in Ewigkeit nicht ausloten kann, wo sich mir eine ganz neue und überraschende Fülle der Wirklichkeit zeigen wird. Er bietet mir das Leben selbst, die Freiheit selbst, die Liebe selbst an.

Geschehen kann das, wenn ich mich am Hauptknoten dieses Netzes festmache, an Christus, meine Verbindungsfühler nach ihm ausstrecke, mich darin allmählich verankere und mich in möglichst vielen Minuten des Lebens Schritt für Schritt in diese Beziehung hinein und vorwärts taste - durch die Art wie ich lebe, dadurch dass ich Gott in mir suche, dadurch, dass ich mir bewusst werde, das er in allen und allem immer präsent ist.

Dieser Weg geht nur begrenzt allein. Bei diesen Wegen braucht es Menschen, die sich gegenseitig begleiten, sich auf ihrem individuellen Weg unterstützen. Dazu braucht es Menschenfischer, die mich nicht ein fangen wollen, sondern mir dabei helfen, mich als einmaligen, unendlich wertvollen, unverlierbar geliebten Netzknoten in das unendliche Netzwerk des Lebens besser zu integrieren, meine inneren Verbindungen immer öfter, immer bewusster, immer intensiver auf Gott und die Unendlichkeit des Lebens auszurichten. Andere können mir dabei helfen, meinen Platz in diesem Netz zu entdecken und mich darin zu verankern. Und ich kann anderen dabei helfen.

Alle Netzwerke und Beziehungen dieser Welt, in und aus denen ich lebe, sind letztlich in das eine große Netz der Unendlichkeit Gottes hineingewoben, das alles umfasst. Es ist meine Entscheidung, ob ich mich mit dem bisschen, was ich direkt gestalten und wahrnehmen kann begnüge oder ob ich meinen Weg in die Unendlichkeit des Lebens und der Freude beginne, weil ich mich dafür bewusst entscheide und dafür auch etwas tue, z.B. indem ich mich auf die Suche mache nach meinem Himmel.
Denn meine größte Sehnsucht, der Himmel ist die unbegrenzte, freie und geglückte Vernetzung von allem, was ist, mit allem was ist. Alles ist letztlich durch Gott und in Gott miteinander vernetzt, im großen Netz der Unendlichkeit, der Ewigkeit und des Lebens. Und Sie gehören dazu.

zum Anfang der Predigt um 3. Sonntag im Jahreskreis 2012
(Bezug: L: Jona 3,1-5.10; Ev: Mk 1,14 - 20)







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Predigt zum Fest Taufe des Herrn, Diakon Christian Karmann
   (8. Jan. 2012, Mk 1, 7-11)

Aus dem Glauben neu geboren werden


Johannes tauft "nur" mit Wasser. Wasser ist bei ihm vor allem Symbol der Reinigung. Der Mensch braucht Umkehr, Buße und Erneuerung, wenn es anders und besser werden soll im Leben. Er muss sich trennen von der Herrschaft seiner angeborenen und anerzogenen egoistischen, materialistischen und rationalistischen Denk- und Handlungsprinzipien. Um ein neuer Mensch zu werden, muss ich mich vom alten Menschen, von meinem Ego-Ich verabschieden. Um ein neuer Mensch zu werden, muss ich heraustreten aus meinem ununterbrochenen Kreisen um mich selbst.

Die Bußtaufe ist zunächst Symbol der Ablösung und Trennung. Nur wenn in mir der "alte Mensch" abnimmt, kann der "neue Mensch" zunehmen.
Mit der Taufe Jesu verändert sich nun aber etwas: Jesus taucht in das Taufwasser des Johannes. Er bereichert und verwandelt das normale Wasser:
  • Das Wasser der Buße wird durch sein "Einsteigen" in das Bußgeschehen zum Wasser des Lebens.

Indem Jesus sich taufen lässt, verbindet er sich in seiner ganzen Person, mit seiner ganzen Liebe mit dem Taufwasser aller folgender Generationen. Jesus wird so selbst zum neuen Täufer, der mit der Feuerkraft des Hl. Geistes taufen wird. Bei jeder Taufe, bei der das gesegnete Wasser übergegossen wird, verbindet sich Jesus im Symbol des Wassers mit dem getauften Menschen und schenkt ihm eine Neugeburt für die Ewigkeit. Sie alle sind als Getaufte Neugeburten für die Ewigkeit.

Wenn wir alle aber durch die Taufe neues Leben haben, das zutiefst mit Jesus verbunden ist durch die Taufe, warum gelingt es uns dann so wenig als neue Menschen zu leben? Warum gelingt es uns so selten, unsere Umgebung, unser Leben, unsere Beziehungen aus diesem Geist der Taufe zu durchstrahlen. Hat sich dieser Geist der Taufe, der Geist Jesu in unserem Leben etwa noch nicht so richtig gegen den alten Menschen in uns durchsetzen können

Im Gespräch mit Nikodemus sagt Jesus den fundamentalen Satz:
"Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen" (Joh 3,3). Mit anderen Worten:
Wir behalten unsere gewohnten irdischen Denk- und Lebensprinzipien bei, auch gegenüber Gott und können ihn nicht wahrnehmen. Ich meine so irdische Prinzipien wie
  • Leistungsdenken: ich muss vor Gott etwas leisten, damit er mich annimmt,
  • Lohn-Strafe-Denken: ich werde für meine guten Taten belohnt, für die Schlechten bestraft, ich muss also fürchten
  • Vergeltungsdenken: wenn ich Schuld auf mich lade, rächt sich Gott an mir, ich muss also Angst haben, usw.
Was passiert dabei mit unserem Bild, das wir von Gott haben? Wir projizieren unser angeborenes Leistungs- und Lohn-Strafe-Denken, unser Vergeltungs- und Rachedenken in Gott hinein So entstehen die falschen und verzerrten Gottesbilder: vom strafenden, beleidigten und zornigen Gott in uns…. und wir können Gott nicht sehen und erkennen.

Wenn wir Gott sehen wollen, muss die Neugeburt in uns, die Geburt aus der Taufe, das neue Leben Oberhand gewinnen. Das "alte", angeborene Denken wird durch das neugeborene Denken nicht ausgeschaltet oder verdrängt, sondern überformt und verwandelt. Wenn wir also Gott sehen wollen, muss unser Denken, unser ganzes Lebensprinzip neu geboren werden - nicht aus dem "Fleisch", aus dem Irdischen, sondern durch den Glauben an Jesus und an die in ihm verkörperte absolute Liebe, die allen alles immer verzeiht.
Aus dem Glauben sollen wir neu geboren werden, "aus Gott", damit wir nun als "Kinder Gottes", als "neue" Menschen "gottartig" leben, weil Gott in jedem von uns lebt: "Wir sind Tempel des lebendigen Gottes".
Das ist viel Kraft im Spiel, bei dieser Neugeburt. Die neue Lebenskraft kommt aus dem Bewusstsein, mit ewiger Liebe unverlierbar geliebt zu sein. Seien Sie sich dessen ganz bewusst: Gott liebt Sie mit seiner ewigen Liebe, die Sie nie verlieren können. Sie stehen mitten drin in seiner Liebe und wenn Sie das erkennen, gibt das Kraft und Freude.

Sein Beweis für diese Liebe? An Weihnachten haben wir diese Wirklichkeit gefeiert. Er schenkt sich Ihnen und mir in seinem Sohn Jesus Christus, der Mensch gewordenen Liebe, die uns begegnet: im Wasser der Taufe, heute in der Eucharistie und überall sonst, wo immer Sie sein mögen.

zum Anfang der Predigt Taufe des Herrn 2012
(Bezug: L: Jes 55, 1-11 Ev: Mk 1,7 - 11)







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Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag 2011, Diakon Christian Karmann
   (26. Dez. 2011, Mt 10, 17-22)

Jesu Botschaft der Freiheit ist gefährlich


Was ist an dem Glauben Jesu Christi derart gefährlich und aufrührerisch, dass man seine Anhänger überallhin verfolgt und dem Tode ausliefert? Jeder, der sich zum Christus bekennt, muss damit rechnen, sein Schicksal zu teilen. Es wird Zwietracht geben im Reich, im Glauben, sogar im Privaten, bis hinein in die Familien.
Da muss man sich doch fragen, woran es liegt, dass die Botschaft der Liebe als aller erstes nicht Zustimmung, sondern Hass, die Botschaft der Freiheit zunächst nicht Anerkennung, sondern Unterdrückung, das Sprechen von Gott als erstes nicht eine tiefere Frömmigkeit, sondern eine noch größere Härte der Gesetzlichkeit hervorruft?

Jesus selber drückte es ganz am Anfang seiner Botschaft schon einmal aus: was er zu sagen habe, sei so neu wie Wein, denen man unmöglich in alte Schläuche gießen dürfe, weil er sie sonst zerreißen würde.
Und darin liegt auch schon das gesamte Problem. Natürlich sehnen wir uns von innen her nach alledem, was in Jesus lebt, nach der Liebe, nach der Freiheit und, als deren Hintergrund, nach Gott. Aber wenn es darum geht, das konkret leben zu wollen, wenn es darum geht, diese innere Haltung konkret werden zu lassen, dann entstehen Spannungen mit den alten Denk- und Verhaltensmustern, gelten doch andere Interessen, die im Vordergrund stehen: Egoismus, der Dünkel des Geldes, Einfluss und Intrigen der Macht. Immer scheinen sie stärker als die Leidenschaft einzelner, die wir die Liebe nennen. Jesus wollte Partei ergreifen für diese einzelnen, für ihre Not, für ihr Suchen, für ihr Wissen um die Liebe. Deshalb ist und bleibt seine Botschaft gefährlich, quer durch die Jahrhunderte.
Jemand, der zur Zeit Jesu in Fragen des Glaubens abwich vor den Anschauungen der Menge, galt augenblicklich als ein Volksverräter und Staatsfeind. So war das damals und so ist das in manchen Gegenden der Welt heute auch noch. Jesus lag die Freiheit der Menschen in all ihren Schattierungen am Herzen. Er lehnte es zutiefst ab, wenn ein Mensch sich vor den anderen hinstellt, um zu sagen und durchzusetzen: ich bin deine Autorität, ich verkörpere das System, ich also bin die objektive Wahrheit. Dass ein Mensch über den anderen herrschen will, ist heute so aktuell wie vor 2000 Jahren. Im Kleinen wie im Großen.
Viele Systeme und damit die Menschen in den Systemen haben ein Interesse daran, auf welche Art auch immer, Macht auszuüben, den Menschen in das System einzupassen, das Denken oder zumindest gewisse Denkmuster gleich zu schalten. Am markantesten war vielleicht das System des Kommunismus. In gewisser Weise trifft das genauso auf die Religion zu, wenn sie fundamentalistisch wird oder den Menschen beherrschen will.
Gelebte und überzeugte Freiheit dagegen hat immer die Tendenz und die Bestrebungen das aufzubrechen. Sie zerreißt die alten Schläuche, stellt sie zumindest auf den Prüfstand, ob sie noch halten, ob sie der Würde und der Freiheit, die dem Menschen von Gott zukommen, entgegenstehen oder sie fördern. Das gibt Konflikte, das gibt Zündstoff, weil Vieles, was zuvor sicher und tragfähig schien, in Frage, in die Frage gestellt wird. (Stephanus hat mit seinen Worten das alte System in Frage gestellt und musste deshalb sterben.)

Im Übrigen betrifft diese Problematik genauso auch unsere Kirche in ihrer Ausgestaltung und Beschaffenheit, betrifft das auch die Inhalte unseres Glaubenssystems und seine rituellen Vollzüge. Jeder einzelne Christ ist immer aufgefordert, an seinen eigenen Glaubensinhalten zu arbeiten, über sie zu meditieren und immer wieder in sich nachzuforschen, in welchen Gedankengefängnissen er noch sitzt. Dabei ist es keineswegs leicht, fest gefahrene und unfreie Denk- und Glaubensstrukturen zuerst als solche zu entlarven und dann noch ihre vermeintliche Sicherheit zu verlassen. Das ist eine Zu-mutung.
Jesu Anliegen war es, dass wir unsere Freiheit als Grundlage des Glaubens und des Lebens zu leben lernen und an sie zu glauben als ein außerordentlich kostbares Gut.
Frei zu sein bedeutet, zu wissen und zu leben, dass wir letztlich nur von Gott abhängen und ihn deshalb in uns wissen und uns in ihm wissen. Gerade jetzt an Weihnachten ein wichtiges Thema, wo wir von der Geburt Christi in jedem von uns wissen.
Freiheit, das heißt auch, nichts einfach ungeprüft übernehmen, nur weil es andere sagen oder gesagt haben, vielleicht als wir noch sehr klein waren. Das bedeutet, dem eigenen Denken genauso zu folgen wie dem Herzenswissen. Es ist nicht leicht, dabei die eigene innere Wahrhaftigkeit zu finden, zu bewahren, in der Balance zu halten. Gerade mein Glaube soll aber diesem Anspruch der Wahrhaftigkeit und Freiheit genügen: was ich glaube, muss sich irgendwann im Leben auch mal im Inneren zeigen. Letztlich kann ich langfristig nur in dem Maße und auf die Weise glauben, wie ich die Wirklichkeit des Glaubens, stimmig in meinem Inneren und in meinem Leben wahrnehme, also für wahr nehme. Die Liebe und das Denken in Freiheit und Wahrhaftigkeit machen aus der gesamten Religion etwas völlig Neues. Religion ist nun nicht mehr eine feierliche Veranstaltung, von außen gestützt und aus Tradition beglaubigt, sondern sie zeigt einen Gott, der unmittelbar eine Kraft in uns selber ist. Das ist das Ende von jeder Art der Außenlenkung, der Verfügung durch Dritte in unserem Leben, es ist der Beginn wirklich geistigen Existierens.
Seit Jesus gibt es etwas Stärkeres als Zwang, Befehl und die scheinbare Allmacht der Angst; Jesus ermunter alle, dass sie beginnen sollen, im Vollsinn Mensch zu sein, weil sie sich ihrer Würde und Freiheit vor Gott bewusst werden und sie umsetzen , weil sie fähig sind, in und aus der Beziehung zu Gott zu leben und das in Ihrem Leben erkennen, auch wenn sie womöglich im Widerspruch mit allem und allen rings um sie herum leben.

zum Anfang der Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag 2011 (Bezug: L: Apg 6, 8-10; 7, 54-60 Ev: Mt 10, 17-22 )







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Predigt zur Firmung am 26. Nov. 2011 (Bezug: Joh 14, 15-17), Domkapitular Wolfgang Huber

Das macht Dich als jungen Christen aus


Liebe Firmlinge, liebe Eltern und Paten unserer Firmlinge,
liebe Schwestern und Brüder,

Umrisse, die das Gesicht von Euch darstellen, sollen ganz klar das Profil eines Menschen das Profil einer Person darstellen. Eine Linie markiert den Umriss und der Betrachter sollte sofort erkennen, um wen es sich handelt. Für eine erste Annäherung mag dies vielleicht genügen, aber wenn es um das tatsächliche Profil von uns Menschen geht, denke ich ist das zu wenig.
Zum Profil unseres menschlichen Lebens, zum Weg den ihr vor allem auch als junge Christen gehen wollt, reicht eine so einfache Schematisierung sicher nicht aus und denke, dass auch ihr liebe Firmlinge euch nicht so einfach nur auf die Umrisse von Äußerlichkeiten festlegen lassen wollt.

Zu dem was euch als junge Christen ausmacht gehört viel mehr. Da ist die Familie in der ihr groß geworden seid, da sind die Freunde und Klassenkameraden mit denen ihr euch zusammen gefunden habt, da sind die Lehrer und sonstigen Begleiter auf eurem Lebensweg, die Firmhelfer und die Firmpaten alles hilfreiche Menschen und vielleicht gibt es noch einige andere mehr die beigetragen haben, dies bis zum heutigen Tag und hoffentlich darüber hinaus auch tun, dass ihr den in der Taufe und der Erstkommunion begonnen Weg des christlichen Profils weiter entwickeln könnt. Dieser große Festtag, auf den ihr euch gut vorbereitet habt legt noch einmal ein starkes Gewicht darauf, dass es auch an Euch liegt dieses Profil deutlich zu machen und zwar nicht nur in Konturen, sondern in der Tiefe des eigenen Herzens. Das aufnehmen zu können und sich zu eigen machen, was Jesus Christus uns vorgelebt hat fordert euch als junge Christen und uns alle, die wir gekommen sind diesen Tag zu feiern immer aufs neue heraus. Da geht es zunächst einmal darum hinzuhören, was meint er wenn er uns sagt: „Wenn ihr mich liebt werdet ihr meine Gebote halten.“ Es geht darum eine Beziehung aufzubauen zu ihm, ihn kennen zulernen, sich mit in Verbindung zu setzen, ihm zu vertrauen und auch einiges anzuvertrauen, sich für ihn einzusetzen und sich von ihm stärken zu lassen. Das ist der erste Teil „Wenn ihr mich liebt!“ Da zeigt sich in einem ersten Teil die Neugierde, was hat er gemacht, was erzählen uns die Evangelien über sein leben, mit wem kann ich darüber reden? Da dürft ihr ohne weiteres, Eure Wegbegleiter in Anspruch nehmen, in der Pfarrgemeinde nachfragen und Euch mit den engagierten Christen auseinandersetzen. Das Kennen lernen allein entwickelt aber noch kein Profil. Dies erwächst aus der Beziehung. Sie lebt davon, dass konkrete Begegnungen euer Leben prägen. Da ist das Gebet, das Gespräch mit Gott über die Dinge die euch bewegen für die ihr dankbar sein dürft oder für die ihr bitten wollt ein wichtiger Pfeiler. Die Feier der Eucharistie am Sonntag, die Möglichkeit Versöhnung in der Beichte zu erleben, Gott zu erfahren in einer Beziehung all das gehört dazu. Dazu sind die Menschen um euch herum wichtig, die dies auch vorleben und freudig davon erzählen können.
Dann könnt ihr auch die Gebote von denen Johannes im Evangelium spricht tatsächlich als Gebote und nicht als einengende Verbote sehen. Im Alten Testament eröffnet der Satz : „Ich bin Jahwe, dein Gott, der dich aus Ägypten geführt hat, aus dem Sklavenhaus.“ die Aufzählung dessen was Gott für das menschliche Zusammenleben für unabdingbar hält, es geht im also darum den Menschen die Freiheit zu verschaffen und sie allen gleich im Respekt voreinander zu kommen zu lassen.
Da kommt dann auch das Vertrauen ins Spiel, das ihr auf Gott, auf die entstandene Beziehung zu Jesus Christus entwickeln könnt. Wenn ich weiß, der steht zu mir, ganz egal wie mein Leben sich entwickelt, wenn ich darauf vertraue, dass er mir hilft und mir beisteht, wenn ich Schwierigkeiten in meinem Leben habe und wenn ich schließlich sehe, dass er mir auch noch eine Perspektive gibt, die über dieses momentane Dasein hinausreicht, dann kann mein Leben immer mehr an eigenem christlichen Profil gewinnen.

Liebe junge Christen, liebe Schwestern und Brüder, dieser festliche Tag und die Feier Eurer Firmung soll Euch darin bestärken, dass ihr diesen Weg erstens nicht alleine gehen müsst und dass vor allem Gott stärkt und durch die Zusage, dass der Heilige Geist bei euch und in euch sein wird ein Profil verleiht das euch von innen her beflügelt. Dies wird auch in der heutigen Feier deutlich: Euch wird der Geist Gottes zugesprochen, weil ihr darum bittet euer Leben auch tatsächlich an Jesus Christus auszurichten. In der Nennung eures Namens bei der Firmspendung kann sich jeder noch einmal bewusst werden, dass es um ihn oder sie geht die der Herr beim Namen gerufen hat. Die Herabrufung des Hl. Geist wird besiegelt durch die Salbung mit dem Chrisam. Mit dem „Amen“ das ihr darauf antwortet kommt zum Ausdruck, dass ihr bereit seid Gott und seine Botschaft in Euch aufzunehmen. Und weil ihr damit ganz zu ihm gehört, darf ich euch im Namen Gottes, des Absenders, den Frieden entbieten. Ein Gruß, den der Herr immer denen die sich mit ihm auf den Weg gemacht haben entboten hat. In dieser feierlichen Handlung könnt ihr entdecken, dass Gott ein Interesse an euch hat, dass er euch seine Begleitung auf eurem Lebensweg zu sagt und dass ihr als die Angesprochenen eine wichtige Verantwortung dabei habt.

So könnt und dürft ihr gestärkt als Christen diese Welt mitgestalten und ich wünsche Euch, dass Euch dies unter der Führung des Hl. Geistes nicht nur Konturen, sondern auch eine starke eigene Persönlichkeit verleiht. Die Kirche lebt in Ihrer Jugend und wir bauen und vertrauen da auf Euch. So darf ich Euch jetzt das Sakrament der Firmung spenden.

Amen.

zum Anfang der Predigt zur Firmung am 26. Nov. 2011 (Bezug: Joh 14, 15-17)

3 Bilder und Fürbitten von der Firmung 2011






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Predigt am 32. Sonntag im Jahreskreis, Diakon Christian Karmann
   (6. Nov. 2011, Mt 25,1-13)

Für das Evangelium entscheiden und es umsetzen


Wie stehen Sie zu ihrem Glauben, wie haben Sie sich entschieden, Ihren Glauben glaubhaft und konsequent zu leben? Was bedeutet Ihnen Ihr Glaube?

Eine Standardantwort auf diese Fragen, wie man sie oft zu hören bekommt:
An Gott glaube ich schon.
Aber für mein Leben hat der Glaube eigentlich keine besondere Bedeutung.

Und wenn man weiter fragt:
Ich hoffe, dass ich schon so christlich lebe, ein so guter und positiver Mensch bin, dass ich am Ende meines Lebens gerade noch so über das Fegfeuer in den Himmel rutschen kann. Fegfeuer würde ich akzeptieren, aber in den Himmel kommen möchte ich schon. Und wenn ich am Ende meines Lebens noch beichten kann, wird mir der liebe Gott, weil er gütig und barmherzig ist meine Sünden ja eh' verzeihen und dann steht mir der Himmel sowieso offen. Also brauche ich mich im Augenblick nicht besonders anstrengen mit dem Glauben. Wenn ich einmal sterbe, sorgt der liebe Gott sowieso dann für mich, es regelt sich dann alles schon ganz von allein. Dann wird es mir schon gut gehen.

Zugegeben, sie klingen ein bisschen platt, diese Aussagen, die mir im Laufe der Zeit untergekommen sind. Sie sind aber durchaus realistisch und jeweils mehr oder weniger eloquent und intelligent verpackt.
Ist Gott ein harmloser Lieber-Gott, ein Heile-Welt-Gott, ein Schmusegott? Ein sich überschlagender und überaus zuvorkommender Alles-und-immer-Verzeih-Gott? Muss ich als Mensch nur am Ende meines Lebens kommen, ihn kurz um Verzeihung bitten und alles ist gut, egal wie ich mein Leben gelebt habe? Könnte ich mir dann nicht den ganzen Aufwand sparen als Christ zu leben? Ist Gott also harmlos und kuschelweich? Wenn ja, würde ich mich schwer tun, ihn ernst zu nehmen und ich hätte auch nicht das Gefühl, von diesem Gott in meiner Freiheit ernst genommen zu werden.

Die Jungfrauen im Evangelium als Symbol für die getauften Christen, die auf den Bräutigam, Gott, gewartet haben, haben den Bräutigam schon sehr entschieden erlebt. Ich kenne euch nicht, sagt der Bräutigam zu denen, die kein Öl haben. Das Öl ist in dem Bild von den Jungfrauen und dem Bräutigam das Symbol für die Entscheidung für Gott. Und das Öl ist das Symbol für die Liebe und die guten Taten der Menschen.
Ich habe mich früher immer gefragt, warum geben die klugen Jungfrauen den anderen nicht doch etwas ab von ihrem Öl, das wäre doch die Nächstenliebe, die Jesus fordert. In diesem Zusammenhang funktioniert das aber nicht. Die klugen Jungfrauen können den anderen nichts von ihrem Öl abgeben, weil jeder selbst für das eigene Leben ganz frei entscheidet und handelt. Andere können das nicht für mich tun.

So wie ich mich im Leben entscheide und danach handle, das gilt für alle Bereiche des Lebens, so werde ich als Person werden und sein. Es ist eine alte Weisheit. An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen heißt es. Und diese Früchte wachsen aus Entscheidung und Handeln des Menschen.
So werde ich mit meinen Lebensfrüchten, die mich geprägt haben, im Tod vor Gott stehen. Und das nimmt Gott sehr wohl ganz ernst. Gott nimmt mich in meiner Identität, so wie ich mein Leben gelebt habe, ganz ernst. Er lässt mir im Leben alle Freiheiten, im guten wie im schlechten. Meine im Alltag gewachsenen Lebensentscheidungen auf ihn hin oder von ihm weg sind frei und sehr ernst.

Kein Thema: Gott verzeiht, auch den törichten Jungfrauen. Gott verzeiht mit der ganzen Kraft seiner Liebe, voller Lichtkraft, ganz und gar frei und ernst, und voll Freude.

Warum verzeiht der Bräutigam dann nicht im Evangelium?
Wenn Sie von jemandem wissen, der kann mich überhaupt nicht ausstehen, der hat etwas gegen mich. Selbst wenn Sie ihn grüßen, kommt ihnen eisige Ablehnung entgegen, dann ärgern Sie sich vielleicht. Vielleicht entscheiden Sie sich: beim nächsten Mal grüße ich den auch nicht mehr. Wenn Sie da aber über diesem Konflikt drüber stehen können, reagieren Sie vielleicht folgendermaßen: es tut mir zwar irgendwo weh, dass wir nicht miteinander können. Aber ich akzeptiere deine Haltung, dass du mit mir nichts zu tun haben willst und ich respektiere, wenn du es willst, dass wir uns gegenseitig nicht kennen. Dann kennen und grüßen wir uns halt nicht, wenn du dich so entschieden hast. Dann schlage ich dir halt die Tür vor der Nase zu, wenn du es so willst.

Wenn die Lebens-Öllampe eines Menschen gott- und liebesleer ist, weil dieser Mensch sich in seinem Leben immer wieder gegen Gott entschieden hat, akzeptiert Gott diese Entscheidung. Aber eben nicht Gott schlägt die Türe in letzter Konsequenz zu, sondern der Mensch, der sich gegen Gott entschieden hat reagiert so.
Deshalb sagt der Bräutigam im Evangelium: Ich kenne euch nicht.

Die törichten Jungfrauen sagen zwar: ja diesen Gott gibt es schon. Ab im Grunde genommen wollen sie ihn nicht wirklich kennen und lehnen ihn ab.

Die klugen Jungfrauen sind die Menschen, die sich dem Öl der Liebe Gottes öffnen, es in sich hineinfließen lassen, es in sich aufsaugen. Und Menschen, die so nach dem Evangelium leben, die können diese göttliche Liebe nicht in sich festhalten. Diese Liebe muss wieder raus. Sie muss weitergeschenkt werden, das geht gar nicht anders. Diese Liebe muss zu den anderen hingeschenkt werden. Die Öllampen des Lebens und der Liebe sollen brennen.

Wo die Liebe gelebt wird ist diese göttliche Freude spürbar. Für diese Menschen, die das so versuchen, für die ist ein Stück Himmel schon jetzt vorweggenommen.

Und wer von uns kann das leben? Wir alle, wenn wir uns jeden Tag neu für das Evangelium entscheiden und es umsetzen. Wenn wir versuchen, gemeinsam zu lernen, wie die klugen Jungfrauen zu sein, tun wir uns alle viel leichter. Die klugen Jungfrauen sind auch als Gruppe unterwegs und nicht allein. Wir können uns gegenseitig auf die Sprünge helfen, liebevoll miteinander umgehen, uns liebevoll-konstruktiv korrigieren, wenn 's mal daneben geht, gemeinsam können wir Gott im Alltag suchen, wo immer wir sind. Und je mehr Menschen aus unserer Gemeinde da mitmachen, desto mehr Freude wir es in unserem Leben, miteinander und untereinander geben. Denn unser Glaube hat viel mit Freude zu tun, weil wir von einem Gott gesegnet und begleitet sind, der Licht und Freude für uns ist.
zum Anfang der Predigt am 32. Sonntag im Jahreskreis 2011 (Bezug: L: 1Thess 4,13-18 Ev: Mt 25,1-13)







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Predigt an Allerheiligen, Diakon Christian Karmann
   (1. Nov. 2011, Mt 5,1-12a, 1 Joh 3,1-3)

Heilige? Christen, die mitten im Lebensalltag Profil zeigen


Ich denke, Heilige waren zuerst: ganz normale Menschen, "wie Du und ich" sozusagen: Grübler, Pingelige, Zweifler, Aufbrausende, manchmal schwierige Zeitgenossen. Sie waren auch nicht von Geburt an heilig, weil kein Mensch außer Jesus von Geburt an heilig sein kann. Sie wurden es erst in einem oft langen Lernprozess im Laufe ihres Lebens. Manchmal erkannte man auch erst viel später, dass dieser oder jener Mensch "heilig" war, "heiligmäßig" gelebt hatte.

Das Wort "heilig" hat mit dem Wort heil, heilen, heilend, geheilt, zu tun. Es bedeutet soviel: Dieser Mensch ist ganz, gesund und authentisch. Heilige sind Menschen, die ganz sind, nicht zwiespältig, mal so, mal so (so reden und so handeln), sondern ganz, ungeteilt, konsequent, die sich - "wie jener" Christus - ganz auf Gott stellen in ihrem Glauben und Leben, die wissen, dass der Glaube Konsequenzen hat, und bereit sind, sie zu ziehen. Sie sind keine moralischen Kraftmeister und keine frommen Superstars, sondern "normal".
Vor allem sind sie von Jesus und der Freundschaft zu ihm getroffen und ergriffen. Etwas hat sie total erfasst. Ihr Leben ist auf einen einzigen Punkt fixiert, an den sie ihr Leben, ihre Kraft und ihre Liebe verschwenden. Franziskus ist von der Armut - er nennt sie seine "Braut" - fasziniert und betroffen. Elisabeth von Thüringen sieht wirklich in jedem Notleidenden den verborgenen Jesus, und Franz von Sales versucht Humanität und Humor als Zeichen eines menschlich ausgereiften Christseins zum Leuchten zu bringen.
Heilige sind Menschen, deren Leben um eine Mitte kreist: die Botschaft Jesu von Nazaret als Botschaft von der Liebe Gottes. Sie spiegeln diese Botschaft in vielen bunten Farben wider. Das weiße Licht des Evangeliums bricht sich in ihren originellen Lebensformen. Sie leben ganz dicht am Evangelium als die erklingende Melodie, während das Evangelium die Partitur ist (so sagte es Franz von Sales). Erfasst von der Botschaft Jesu zeigen sie, dass das Leben mit seinen Begabungen und Begrenzungen, mit Belastungen und seelischen Störungen gelingen kann.

Der Blick auf die Heiligen kann uns helfen, die Seligpreisungen neu zu bedenken. Sie sind ja keine Appelle, besondere Anstrengungen zu machen, sondern grundlegende Aussagen für die, die von der Botschaft des Evangeliums bewegt werden sollen.
Etwa:
  • Selig die, denen wirklich aufgegangen ist, dass sie vor Gott mit leeren Händen stehen und alles von ihm erwarten dürfen.
  • Selig die, die an der Ungerechtigkeit der Welt leiden und mit ihrer kleinen Kraft helfen wollen, diese zu beseitigen.
  • Selig die, die traurig sind, dass sie sich zu wenig von Gottes Geist durchdringen lassen und so Gottes Güte kaum aufstrahlen lassen können.
  • Selig die, die trotz Widerstand ihrem Gewissen folgen und sich nicht beirren lassen.
  • Heilige sind Menschen, die von Gottes Geist erfasst sind und auf andere deswegen heilsam wirken können.
Menschen, die auf diese Weise Christen sind, gehören - Gott sei Dank - nicht der Vergangenheit an.
Einige Beispiele, wo das beginnen kann:
  • Bei den Eltern, die mit ihrem Kind abends beten
  • In der Familie, die ihren bettlägerigen Vater zu Hause pflegt
  • Bei dem Christen, der Sonntag für Sonntag den Gottesdienst seiner Gemeinde mitfeiert und sich in seiner Gemeinde für andere einsetzt
  • beim Religionslehrer, der nicht nur vom Glauben redet, sondern ihn authentisch lebt
  • bei der Caritasarbeiterin, die der Liebe Christi ihr eigenes Gesicht gibt ...
Sie alle sind lebendiges Evangelium und strahlen aus.

Unsere Mitmenschen erwarten keine frommen Ansprachen. Gefragt ist ein glaubwürdiges, persönliches Wort von Mensch zu Mensch:
  • Woraus lebe ich?
  • Was lässt mich hoffen?
  • Warum bin ich Christ, warum bleibe ich es?
Dort, wo ein Christ jemanden in sein Leben, in sein Herz schauen lässt, geschehen auch heute noch Wunder. Christen, die mitten im Lebensalltag Profil zeigen - unaufdringlich, aber erkennbar; selbstbewusst, aber demütig; solche Christen lassen auch heute noch aufhorchen. Auch wir dürfen dem Evangelium unsere Gestalt und unser Gesicht geben:
  • Sieht man uns an, dass der Weg des Glaubens das Leben nicht verdirbt und verkümmern lässt, sondern Kräfte freisetzt und reich macht?
  • Sind wir im Glauben so froh, dass es uns drängt, ihn weiterzusagen - wie wenn wir jemandem einen wichtigen Tipp zum Leben geben?
  • Sind unsere Gemeinden Lernorte des Christwerdens aus Einsicht und Entscheidung?
Wir schulden der Welt das Evangelium von der Liebe Gottes zu uns, nicht mehr und nicht weniger.
zum Anfang der Predigt an Allerheiligen 2011 (Bezug: L: Offb 7, 2-4.9-14 Ev: Mt 5, 1-12a)







v v zu den Predigten in St. Ulrich v v


 
Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis, Diakon Christian Karmann
   (9. Okt. 2011, Mt 22,1-14)

Achtsam mit seiner Einladung umgehen


Es ist ein schwieriges Gleichnis, das wir gerade gehört haben. Der zürnende Gott, der den Eingeladenen in die äußerste Finsternis wirft, das kann doch nicht der Vater Jesu Christi sein. Weil uns das Gleichnis quer im Magen liegt, läßt es uns nicht in Ruhe, will es einen Überlegungs- und Umdenkungsprozess in Gang bringen, die innere Verwandlung, die unsere Sichtweise vom Leben, unser Bild von Gott, unser Bild vom Menschen wandeln möchte.

Aber nun zum Gleichnis: mit den ursprünglich eingeladenen Gästen sind die Menschen gemeint, die dem Ruf des Glaubens, dem Ruf Gottes nicht folgen, weil ihnen andere Dinge wichtiger sind: der Besitz, das Geschäft, der Erfolg.
Nun schickt der König seine Diener nochmals aus, dass sie zu jedem Menschen gehen und alle einladen, Gute und Böse. Es gibt also keine soziale oder moralische Bedingung, um in das Himmelreich einzutreten. Alle sind eingeladen. Gott unterscheidet nicht zwischen Guten und Bösen. Für ihn gilt nur, wer kommt oder nicht kommt. Nur wir teilen ein in Gut und Böse in Verkennung der Tatsache, dass jeder Mensch mehr oder weniger gut und böse zugleich ist.
Doch dann kommt der Kontrast, der viele ärgert: Der König sieht die Gäste an. Einer hatte kein Hochzeitsgewand bzw. er hatte sein Gewand nicht gesäubert. Er ist das Symbol für den Störenfried der Hochzeit, dem all das nicht passt, was der König veranstaltet. Er muss hinaus. Der König läßt sich die Hochzeit mit Guten und Bösen nicht stören. Diese Stelle ist keine "Beweis" für eine ewige Verdammnis, sondern dafür, dass ein Unbarmherziger beim Fest des allbarmherzigen Gottes solange keinen Platz hat, solange er sich nicht zur Barmherzigkeit und für die Lebensart Gottes entscheidet. Nur wer sich entscheidet, auf die Einladung Gottes durch sein Leben, durch seine ganze Existenz zu antworten und sich nach seinen Möglichkeiten bemüht, das seine zum Geschenk der Gnade Gottes dazuzutun, wir letztlich fähig, bei und in Gott zu sein. Es geht eben auch um Reifung, Entfaltung, Entwicklung in diesem Leben, es geht um Entscheidung, es geht um Freiheit darin.

Deshalb kann man das Gleichnis auch als Weg der Menschwerdung des Einzelnen auslegen, als Bild für den inneren Weg des Menschen zu Gott.
Die Hochzeit kann man auch als eine geistliche Hochzeit verstehen. Die geistliche Hochzeit ist die Gemeinschaft, die Einheit Gottes mit dem Menschen. Gott ist der Bräutigam, der Mensch, die Seele, die Braut. Der Geist Gottes verbindet sich mit dem Menschen. Durch diese Verbindung empfängt der Mensch Unsterblichkeit und Leben.

Das Gleichnis beschreibt so den inneren Weg der Selbstwerdung und der Einswerdung mit Gott. Ich bin als Mensch unendlich glücklich, wenn ich der werde, der ich bin, wenn ich fähig werde, alles an Positivem zu leben und zu entfalten, was in mir steckt - und das in der intimsten, umfassensten Verbindung in Gott, die möglich ist. Mehr noch: die Einheit mit Gott verhilft mir dazu. Das ist Gnade, Gratia, gratis, also Geschenk, aber ich muss das meine dazu tun, dieses Geschenk durch mein Leben, meine Art zu leben, durch die Richtung, die ich meinem Leben gebe, annehmen und wertschätzen.

Anselm Grün hat dazu folgende Gedanken: "Das Ziel unseres Lebens ist die Selbstwerdung, in der wir eins werden mit unserem göttlichen Kern. Doch oft genug gehen wir achtlos mit dieser Einladung um, wir kümmern uns nicht darum. Das erste Mal überhören wir die Einladung, die in den leisen Impulsen unseres Herzens ergeht. Wir ahnen, dass unsere eigentliche Berufung darin besteht, uns in Gott hinein fallen zu lassen, mit Gott eins zu werden. Aber Gottes einladende Stimme ist so leise, dass sie nicht eindringt in unser Bewusstsein. Oder aber -so beschreibt es die zweite Einladung - wir haben wichtigere Dinge im Sinn: die Mehrung des Besitzes und das Streben nach Erfolg, die Geschäfte des Alltags. Ja, manchmal töten wir die inneren Impulse einfach ab. Sie sind uns unangenehm. Sie lassen uns keine Ruhe. Also betäuben wir sie mit Aktivitäten oder töten sie, indem wir sie mundtot machen.

Es ist das Ego, das die Diener des Königs tötet. Das Ego will sich nicht stören lassen in seinem egozentrischen Streben. Doch der König sendet seine Diener nochmals aus. Alles in uns wird eingeladen. Die, die an den Straßen herumstehen, das sind die Armen. Das Arme in uns ist offener für Gott als das Erfolgreiche. Die Diener sollen das ganze Reich durchstreifen und dorthin gehen, wo die Straßen enden. Alle Bereiche unserer Seele, unsere gesamte Lebensgeschichte, auch die Randzonen unseres Unbewussten, alles in uns ist eingeladen, mit Gott eins zu werden. Nichts wird ausgeschlossen, auch das Böse nicht. Das ist eine tröstliche Botschaft. Die einzige Bedingung, die Gott uns stellt, besteht darin, dass wir achtsam mit seiner Einladung umgehen, und dass wir alles, was in uns ist, in Beziehung zu ihm bringen. Das Hochzeitsgewand bedeutet für mich, dass ich den einladenden König achte, dass ich das, was ich habe, auch wenn es noch so arm und zerrissen ist, sorgfältig behandle und es in Beziehung bringe zur Hochzeit. Es geht um Achtsamkeit und Behutsamkeit. Ich muss das Böse nicht aus mir tilgen, aber ich muss es wahrnehmen und es umkleiden mit dem Gewand der Liebe. Ich muss auf alles, was in mir ist, mit einem liebevollen Blick schauen, es Gott hinhalten. Dann darf ich teilnehmen am Hochzeitsmahl. Dann kann alles in mir eins werden mit Gott.

Wenn ich jedoch achtlos umgehe mit dem, was ich habe und bin, dann werde ich herausgeworfen aus dem Mahl, dann falle ich aus meiner Mitte und gerate innerlich in Finsternis. Das Übersehene wird zu einer Dunkelheit, die mich verschlingt. Es wird mich innerlich zerreißen. Das ist mit Heulen und Zähneknirschen gemeint. Wenn ich nicht bereit bin, meine Wahrheit anzuschauen und Gott hinzuhalten, wird sie mich zermahlen, zerknirschen." Soweit Anselm Grün.

Das Evangelium mahnt uns, bewusst wahrzunehmen, was in uns ist, und darüber das Kleid zu ziehen, das Gott uns anbietet, das Kleid bedingungsloser Liebe, die uns annimmt, wie wir sind. Nur dann können wir uns auch selbst annehmen und bedingungslos ja sagen zu all den Ecken und Kanten, Lebensbrüchen und Lieblosigkeiten des Lebens. Nur dann werden wir neue gute Wege finden und gehen können. Und auch nur dann kann all das heilen, was uns im Leben zu schaffen macht. Es ist eine Zu-mutung und eine Herausforderung, zu lernen, mich selbst im Licht der Liebe zu betrachten und anzunehmen und immer wieder zu vergeben, barmherzig mit mir selbst umzugehen. Alles, was im liebenden Blick ist, kann ganz werden, weil es dann hineingenommen ist in das unendliche Licht, das Gott ist, ICH SELBST eins in und mit Gott. Denn jeder ist gerufen.

zum Anfang der Predigt am 28. Sonntag im Jahreskreis 2011 (Bezug: Ev: Mt 22,1-14)







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Predigt am 22. Sonntag im Jahreskreis, Diakon Christian Karmann
   (28. Aug. 2011, Mt 16,21-27 Röm 12,1-12)

Der Weg Jesu ist anders


Menschen denken anders als Gott. Wir Menschen nehmen die Wirklichkeit durch den Filter unserer Bedürfnisse, Konditionierungen, Ängste, Wünsche, durch unser Ego wahr, sehr auf unseren eigenen Punkt fixiert und sehr einseitig wahr. Wir haben den Eindruck, dass wir wüssten, was gut und richtig ist und dem Wohl aller dient. Je stärker dabei unser Gefühl des Selbstbewusstseins ist, desto sicherer sind wir uns. Und oft genug liegen wir daneben.

Auch Petrus denkt und spricht nach bestem Wissen und Gewissen.
Deshalb prallen Gegensätze aufeinander. Petrus versteht Jesus nicht. Er versteht nicht, dass der Weg Jesu ein anderer sein muss, ein Weg, der in seiner Art und seiner Wirkung allumfassend allen Menschen und darüber hinaus der ganzen Schöpfung zum Leben dienen soll.
Petrus hat noch nicht gelernt, von Gott her zu denken und zu leben. Er steckt noch fest in seinen konditionierten, irdischen Denkmustern und weiß nicht: Jesus kreatürlich, rein menschlich zu retten wäre ein Verlust für die ganze Menschheit, wenn dadurch der Weg in die Auferstehung und Erlösung gestört würde.

Und prompt kassiert Petrus für sein diesseitsbehaftetes, materiell vordergründiges Denken von Jesus die Schelte ein. Jesus nennt ihn Satan.
Jesus weiß, dass seine Jünger - im Übrigen wie wir alle - noch viel Lernbedarf haben, um aus dem vordergründigen, angeborenen egoistischen Denken und Streben zu einer inneren Grundhaltung zu finden, die uns ermöglicht, die Mission des Christus zu verstehen und ihm nachzufolgen.
Aber Gott zwingt nicht; er kann unser Denken umformen, wenn wir bereit sind, das Weltdenken aufzugeben. Und auch nur dann, wenn wir die Beziehung zu ihm suchen, d.h., wenn wir bereit werden, aus der Beziehung zu ihm heraus zu leben und uns ihm hinhalten, damit sich unser Leben von ihm her verändern, transformieren kann. Das ist Glaube.

Jesus verlangt dazu von seinen Jüngern "Selbstverleugnung". "Selbstverleugnung" ist der Verzicht, das angeborene Ego absolut zu setzen; der Verzicht, dass ich immer recht haben muss; der Verzicht, dass meine irdisch geprägten Ansichten immer die richtigen sind; der Verzicht, dass ich immer alles, sogar Gott, bestimmen möchte. Der Mensch kann aber nur sein Ego begrenzen, wenn er weiß, wer er wirklich jenseits dieses Egos ist, wenn er sich seines Selbsts bewusst ist, wer er als Mensch ist vor Gott und von Gott her. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer: die meisten Menschen sehen sich und ihr Leben eben nicht von Gott her. Sie erleben und verstehen sich ganz anders, eben von den begrenzten und einseitigen Sichtweisen der Welt her und nicht von Gott her, der der unendliche Boden unseres Lebens ist. Deshalb ist es begreiflich: viele Menschen wollen das nicht sein, wie sie sich wahrnehmen, wer sie zu sein scheinen; darum sind sie immer auf der Flucht vor sich selbst. Uns geht es in vielen Belangen des Leben und unseres Selbst's ganz genauso.
Aber erstens ist es für keinen einfach, sich so mit Gott vertraut zu machen, so aus der Beziehung mit ihm zu leben, dass ich fähig werde, mich selbst von Gott her anschauen zu können oder zumindest einen solchen Eindruck zu bekommen. Dann würde es mir nämlich von innen her total gut gehen und ich könnte mich immer über mich freuen und mich selbst als schönstes Geschenk Gottes begreifen, als vom Egoismus befreites Selbst. Dann wäre die Grunderfahrung meines Lebens: ich lebe aus dem Ursprung meines Lebens, meiner Selbst, aus Gott, der sich mir jede Sekunde meines Lebens schenkt, der mich mir selbst jede Sekunde meines Lebens schenkt. Gott ist es, der sich mir gibt, indem er mich mir gibt.
Zweites: es ist für keinen Menschen einfach, sich so anzunehmen wie man eben ist, mit allen Unzulänglichkeiten und Schwächen, die man bei sich so entdeckt. Das Problem dabei ist, dass ich die meisten schwierigen Dinge an mir und in meinem Leben deshalb nicht annehmen kann oder will, weil ich ihnen den Stempel schwierig, hässlich, unzumutbar aufgedrückt habe. Das mache ich dauernd und oft unbewusst. Und dann will oder kann ich natürlich nicht.

Wenn ich als Mensch allerdings lerne, zu dem Ja zu sagen, was jetzt gerade ist, wie ich jetzt gerade bin und einfach nur ohne Bewertung mich selbst, die Situation anzuschauen, wahrzunehmen versuche, das wahrzunehmen lerne und dann von diesem Punkt aus mein Leben weiter bewusst entscheide, gestalte und das mit dem Blick auf die Wirklichkeit hinter und in meinem Leben, auf Gott, dann habe ich eine Chance aus der Ego-Spirale herauszukommen. Dann lebe ich Hingabe, dann trage ich mein Kreuz.
Unsere Empfindung ist dagegen oft: das eigene Kreuz, sich selbst zu tragen, ist meist die größte Zumutung im Leben, denn allzu oft würde man in der Tat am liebsten vor sich selbst oder der Situation davon laufen oder man gleitet ins Materielle ab und versucht sein Glück aus den Vordergründigkeiten unserer Kultur zu schöpfen. Das betäubt so schön und gibt unter Umständen wenigstens die Illusion von Glück.

Wer aber dem eigenen Leben, dem eigenen So-Sein davon läuft, sieht nicht, dass sein Leben ganz und gar aus Gott kommt und außerhalb von Gott auch nicht wirklich existiert. Deshalb dort die Illusion von Glück. Deshalb gibt es dort nur den Anschein von Selbstverwirklichung.

Was nützt es, wenn wir mit unserem Weltdenken die ganze Welt gewinnen, aber unser wahres Selbst verlieren? Der nur irdisch, "satanisch" eingestellte Mensch betrügt sich selbst: Sein Gewinn ist eigentlich Verlust, und sein Verlust wäre eigentlich sein Gewinn; sein Wunsch-Ich ist gar nicht sein eigentliches Ich, und alle Bemühungen um Selbstwerdung, Selbstfindung und Selbsterfahrung bewirken das Gegenteil: Selbstbetrug und Selbstverlust. Ich bin eben nicht der Ursprung meines Ichs. Und darum kann ich mich nicht selbst verwirklichen, ohne dass ich auf den Ursprung meines Ichs komme: auf Gott. Nur im Glauben an die absolute Liebe erfahre ich mich als ewig geliebt, aus Liebe zur Liebe erschaffen.
Wer Jesus nachfolgt, findet Gott und sich selbst zugleich. Die Frage "Wer bin ich?" ist verbunden mit der Frage nach dem eigenen Ursprung. Wer Gott als Ursprung seiner selbst gefunden hat, braucht sich selbst nicht mehr so wichtig nehmen und ist von vielen Zwängen befreit.
Und das ist sehr entlastend.
zum Anfang der Predigt am 22. Sonntag im Jahreskreis 2011 (Bezug: Ev: Mt 16,21-27 L1: Röm 12,1-12)







v v zu den Predigten in St. Ulrich v v


  Das Abendmahl ist die Mitte der Kirche
Blumenteppich an Fronleichnam in St. Ulrich  Pfarrer und Dekan Franz Muck predigte an Fronleichnam am 23. Juni 11 in St. Ulrich zu den beiden Gemeinden St. Korbinian und St. Ulrich.
( Kirche in der Mitte - Mitte der Kirche?
Im Geschehen des Abendmahls bündelt sich alles, was wir für uns erleben und was die Gemeinde für ihr Leben braucht. Hier ist die Mitte.
Lesung : 1 Kor 11,23-26 Evangelium Lk. 22, 14-20 )

Fronleichnam 2011

Liebe Schwestern und Brüder,

durch das heutige Fronleichnamsfest kommt in vielen Gemeinden und Städten die Kirche in den Mittelpunkt, bekommt die Kirche vor Ort besondere Aufmerksamkeit. Kirche ist öfters im Mittelpunkt, auch in Unterschleißheim. In diesem Jahr begeht St. Ulrich mit dem Pfarrfest am 3. Juli sein 25jähriges Bestehen als Pfarrei und am Kirchweihsonntag, feiert St. Korbinian sein 60jähriges Bestehen und Pfarrer Braun feiert am nächsten Mittwoch, am Fest Peter und Paul, sein 20jähriges Priesterjubiläum.
Zum 60jährigen Volksfest und zum 10jährigen Schützenkompanie-Jubiläum am Pfingstsamstag waren nicht nur die Gäste aus Südtirol von der Kirche angetan. Mit dem Wort "Kirche" war der Ökumenische Gottesdienst gemeint, der hier in St. Ulrich gefeiert wurde. Im Dekanat feiert die Pfarrei Peter und Paul in Feldmoching am Kirchweihsonntag ihr 1200 jähriges Bestehen mit großem Festprogramm.

In der Erzdiözese hat der Prozess "Dem Glauben Zukunft geben" mal stärkere, mal schwächere Resonanz in der Presse gefunden. Kirche vor Ort oder in der Welt wird in der Öffentlichkeit unterschiedlich beachtet. Mit Interesse verfolgen viele, was in Rom entschieden und nicht entschieden wird. Wir können feststellen: Die Kirche steht oft in der Mitte, zuweilen auch in der Mitte der Kritik. Kirche möchte und muss in der Mitte stehen, wenn es darum geht, dass Menschen in Lebensfragen und Glaubensfragen Antworten suchen.

Eine ganz andere Frage: Was steht aber in der Mitte der Kirche? Was macht die Kirche aus? Die Mitte der Kirche ist Jesus Christus. Jesus Christus, so sagen wir, ist das Haupt der Kirche.
Es gibt keine Stelle in der Hl. Schrift, die genau sagen würde: Hier hat Christus die Kirche gegründet. Es gibt kein Dokument und keine Urkunde, es wird im Heiligen Land niemanden ein Ort gezeigt, zum Thema Kirchengründung. Aber es gibt eine Stelle in der Heiligen Schrift, die deutlich einlädt, als Kirche zu handeln, wenn Jesus sagt: "Tut dies zu meinem Gedächtnis". Ja, das ist es, was wir Christen, was die Welt als Vermächtnis bekommen hat: zu tun, was er getan hat.

Vor seinem Leiden hat er, wie wir eben im Evangelium gehört haben, den Aposteln und somit auch uns erläutert "das ist mein Leib, das ist mein Blut". Er hat hier vorweg genommen, was dann vor Aller Augen sichtbar am Kreuz geschah. Er hat seinen Leib und sein Blut für die Welt dahingegeben. Beim letzten Abendmahl war es erlebbar für einige Auserwählte, am Kreuz sichtbar für die ganze Welt. Der Auftrag Jesu, zu seinem Gedächtnis, das Herrenmahl zu feiern, ist der entscheidende und kirchenstiftende Akt. Dementsprechend wird Kirche in jeder Feier der Eucharistie zum Ereignis. Im Geschehen des Abendmahls bündelt sich alles, was wir für uns erleben und was die Gemeinde für ihr Leben braucht. Hier ist die Mitte.

Bei einem Familiengottesdienst am Palmsonntag hier in St. Ulrich hat ein Kind über das Abendmahl sagen dürfen: "Er hat dann seltsame Worte gesprochen, dass Brot und Wein sein Leib und Blut seien; das habe ich nicht verstanden." Vielleicht geht es manchem Erwachsenen auch so, dass er sich eingestehen muss: Ich verstehe so manches nicht ganz. Mit Verstehen allein kommen wir hier nicht weiter. Es geht um den Glauben. Glaube aber entzieht sich unserer Wahrnehmungsfähigkeit. Glaube ist und bleibt ein Geheimnis. Mit Recht sagt der Priester oder der Diakon nach den Wandlungsworten: " Geheimnis des Glaubens" und alle Mitfeiernden antworten: "deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit". Dieses Geheimnis des Glaubens, das wir mit den Lippen bekennen, mündet dann in die Einladung, Christus auch in Gestalt von Brot und Wein zu empfangen.

Das Essen und Trinken ist in einer besonderen Weise ein gemeinschaftsstiftendes Ereignis, das wir auch aus unserem Alltag kennen. Denn auch dort erleben wir, dass gemeinsames Essen und Trinken im Familienkreis bei besonderen Anlässen, wie z.B. Erstkommunion, Jubiläen oder Hochzeiten und selbst bei Beerdigungen, uns zusammenführt und verbindet. Viel tiefer gehend will das Mahl sein, das wir in der Eucharistie mit Christus feiern.
Der Bezug Gottes zu uns und unser Bezug zu Gott wird an einer Stelle der Hl. Messe in ganz kurzen Worten besonders deutlich. In der sogenannten Doxologie, im Gebet zum Abschluss des Hochgebetes. Es beginnt mit "durch ihn und mit ihm und in ihm" und endet damit, dass dem dreifaltigen Gott alle Ehre und Herrlichkeit zuteilwird.

Wenn wir in der ersten Aussage beten "durch ihn" bekennen wir, dass wir es alleine nicht schaffen, sondern nur durch ihn, nur durch die Vermittlung Jesu zum dreifaltigen Gott vordringen können. Wir brauchen zum dreifaltigen Gott zweitens nicht allein zu gehen, darum heißt es "mit ihm", d.h. er nimmt uns gleichsam an der Hand, führt uns. Dies scheint noch zu wenig zu sein "durch ihn und mit ihm". Er lädt uns drittens ein, uns ganz auf ihn einzulassen und daher heißt es "in ihm", in Einheit mit Jesus Christus kommen wir zum dreifaltigen Gott, in dem alle Herrlichkeit und Ehre wohnt -ohne Ende- bis in Ewigkeit.

In der Lesung haben wir bereits davon gehört, dass die ersten Christen Eucharistie gefeiert haben. Die Feier der Eucharistie hat offensichtlich die Kirche lebendig sein lassen durch alle Zeiten der Kirchengeschichte und selbst in Verfolgungszeiten wurde Eucharistie gefeiert in Katakomben und Konzentrationslagern, in Wüsten und Gefängnissen. Die Kirche hat durch den Auftrag Jesu "tut dies zu meinem Gedächtnis" eine Sicherheit bekommen, die bis zum heutigen Tag lebendig ist. Sie ist sehr wichtig, um in Zeiten der Unsicherheit, die die Kirche in diesen Tagen erlebt, Sicherheit zu bekommen.

Wir Christen zeigen heute Christus in der Gestalt des Brotes und gehen, dort, wo das Wetter es zulässt, auf die Straße. In der Monstranz hier in St. Ulrich, die ein Künstler in Form eines Schiffes gestaltet hat, ist Christus gleichsam im Segel des Schiffes die Mitte. Er ist es, der das Schiff Kirche auch in unseren Tagen steuert und wir dürfen hoffen, dass wir diese Mitte, die Jesus Christus ist, immer besser erkennen und dass wir uns von ihm leiten lassen.
Amen






^^ zu den Predigten in St. Ulrich ^^


 
Predigt am Pfingstmontag 2011
von Pfarrerin Karin Kittlaus

Mit Freude sich in und für die Kirche engagieren


Liebe Pfingstgemeinde,

„niemals könnte ich mich entschließen, einer der bekannten Kirchen beizutreten. Keine von ihnen ist vollkommen“, sagte ein Zuhörer nach dem Vortrag eines Londoner Predigers. „Tja, mein lieber Freund“, antwortete dieser, „sollten Sie jemals eine vollkommene Kirche finden, wird sie sich weigern, Sie aufzunehmen, denn sobald Sie aufgenommen wären, hörte sie auf vollkommen zu sein.“

Zunächst einmal werden wir mit dieser kleinen Geschichte daran erinnert, welch hohe Erwartungen Menschen an die Kirche haben. Kirche muss vollkommen sein! Sie muss ein hohes Ideal erfüllen. Sie darf keine Schwächen zeigen. Sie muss durch und durch ideal sein und gut. Die Menschen, die in ihr arbeiten müssen Vorbilder sein im Denken, Handeln und mit ihrem Leben. Es wäre natürlich schön, wenn es so wäre.

Aber hat nicht schon Jesus diesen Anspruch zurück gewiesen? „Was nennst du mich gut? sagt er zum reichen Jüngling. Niemand ist gut, denn Gott allein!“

Eine vollkommene Kirche in einer unvollkommenen Welt – wie soll das zugehen? So ist die Antwort des Londoner Predigers auch nachzuvollziehen: „sollten Sie jemals eine vollkommene Kirche finden, wird sie sich weigern, Sie aufzunehmen, denn sobald Sie aufgenommen wären, hörte sie auf vollkommen zu sein.“
Vergegenwärtigen wir uns doch auch, dass jede Kirche aus einer Vielzahl von Menschen besteht. Jeder und jede dieser vielen Menschen ist anders und einzigartig. Jeder hat seine ganz persönlichen Stärken, aber eben auch Schwächen. Jeder von uns kann gut und manchmal auch schwierig sein. Niemand ist vollkommen! Wir machen Fehler: in unseren Beziehungen, im Beruf, in der Erziehung, in unserer Lebensführung, in so vielen Dingen des Lebens.
Es kann also keine vollkommene Kirche geben, weil sich Kirche immer in unvollkommenen Menschen darstellt. So ist es im Grunde unfair, wenn wir unsere eigene Unvollkommenheit übersehen, aber eine ideale Kirche erwarten, ja verlangen.

Könnte es nicht vielleicht sogar so sein, dass ein unvollkommener Mensch zu einer unvollkommenen Kirche passt? Fühlt sich ein Mensch mit Stärken und Schwächen nicht eher akzeptiert, wenn die Messlatte nicht unerreichbar hoch legt? Auch, wenn wir dem zustimmen, bleibt doch die Frage, wie wir beides zusammen bringen: den Menschen mit der Kirche.

Vielleicht hilft uns eine Kindergeschichte der Antwort näher zu kommen:

Es ist Samstagnachmittag. Freizeit für alle Jungen, außer Tom Sawyer, der dazu verurteilt ist, einen dreißig Meter langen, neun Fuß hohen Zaun zu streichen. Das Leben scheint ihm öde, das Dasein eine Last. Es ist nicht nur die Arbeit, die er unerträglich findet, sondern besonders der Gedanke an alle Jungen, die vorbeikommen und ihn auslachen werden, weil er zu arbeiten hat. In diesem dunklen, hoffnungslosen Moment, erklärt Mark Twain, kommt Tom eine Eingebung. Eine große, herrliche Eingebung! Und kurz darauf schon nähert sich ein Junge, Ben, dessen Spott er von allen am meisten gefürchtet hatte:
„Hallo, alter Knabe, Strafarbeit, ja?“
„Ach, du bist‘s, Ben, ich hab‘ gar nicht aufgepasst!“
„Hör, du, ich geh schwimmen, willst du vielleicht mit? Aber gelt, du arbeitest lieber, natürlich, du bleibst viel lieber da, gelt?“
Tom maß ihn erstaunt von oben bis unten.
„Was nennst du eigentlich arbeiten?“
„W-was? Ist das keine Arbeit?“
Tom tauchte seinen Pinsel wieder ein und bemerkte gleichgültig: „Vielleicht – vielleicht auch nicht! Ich weiß nur so viel, dass es dem Tom Sawyer passt.“
„Na, du willst mir doch nicht weismachen, dass du’s zum Vergnügen tust?“
Der Pinsel strich und strich.
„Zum Vergnügen? Na, ich seh‘ nicht ein, warum nicht. Kann unsereiner denn alle Tage einen Zaun streichen?“
Das warf ein neues Licht auf die Sache. Ben überlegte und knabberte an seinem Apfel. Tom fuhr sachte mit dem Pinsel hin und her, um die Wirkung zu prüfen, besserte hier und da noch etwas nach, prüfte wieder, alles ohne sich im Geringsten um Ben zu kümmern. Dieser verfolgte jede Bewegung eifriger und eifriger mit steigendem Interesse. Plötzlich sagte er:
„Du, Tom, lass mich ein bisschen streichen!“
Gegen Mitte des Nachmittags hat der Zaun drei Lagen Tünche, und Tom schwimmt im Reichtum: Für das Privileg, einen Teil des Zauns streichen zu dürfen, hat sich ein Junge nach dem anderen von seinen Kostbarkeiten getrennt. Es ist Tom gelungen, harte Arbeit als Vergnügen darzustellen und seine Freunde haben wie ein Mann diese Umdefinierung der Wirklichkeit angenommen.


Um es nun auf den Punkt zu bringen: Könnten wir Kirche nicht auch mit dem Streichen eines Zauns vergleichen?
Wenigstens gefühlsmäßig lässt sich sagen, dass Kirche bei manchen Menschen ein ähnliches Gefühl erzeugt, wie bei Tom Sawyer, der sich geradezu verurteilt fühlt, diese Streicharbeit erledigen zu müssen. Mit Freude und Vergnügen bringen wir Menschen Kirche nicht unbedingt als erstes in Verbindung. Schon eher mit der Verpflichtung Gutes zu tun – auch, wenn es dann doch hoffentlich auch Freude macht.
Ich weiß auch von Menschen, die bei Freunden oder im beruflichen Umfeld lieber nicht davon erzählen, dass sie in der Kirchengemeinde engagiert sind, weil sie schnell in die Lage kommen, sich rechtfertigen zu müssen – für das eigene Engagement, für ihren Glauben oder gar für die Fehler, die Kirche in all den Jahrhunderten ihres Bestehens gemacht hat.

Aber Tom Sawyer hat seine glänzende Idee! Mit seiner Bemerkung „Kann unsereins denn alle Tage einen Zaun streichen?“ verändert sich mit einem Mal die ganze Bewertung dessen, was er tut. Sein Tun wird zu etwas ganz Besonderem. Und plötzlich möchte jeder seiner Freunde auch tun, was Tom tut.
Wenn uns das gelänge, was Tom gelungen ist, nämlich die Kirche als etwas Besonderes, geradezu Einmaliges zu zeigen, dann würde diese unvollkommene Kirche wie ein neu zu streichender Zaun erscheinen und wir würden vielleicht die Helfer gar nicht mehr zählen können, die an diesem Zaun mit streichen wollen.
Plötzlich würde es Freude machen und es wäre viel mehr Menschen etwas wert, sich für diese Kirche zu engagieren. Mit einem Mal wären Menschen bereit, Zeit und Kostbarkeiten für das Dabeisein, das Mitmachen, das Anteilhaben hinzugeben. Es wäre eine Freude und eine Lust mitwirken zu können. Und die Gemeinschaft, die dabei entsteht, würde ihre Ausstrahlung nicht verbergen können.

Sehen wir Kirche wie sie ist, doch auch einmal unter diesem Gesichtspunkt des Besonderen: Können wir denn alle Tage einen ökumenischen Gottesdienst feiern? Oder: können wir alle Tage das Angenommensein in und trotz unserer eigenen Unvollkommenheit spüren? Oder: können wir denn alle Tage Gott mit dem, was wir tun eine Freude machen?
Ich denke, dass wir alle, die wir hier sind, auch immer wieder das Besondere und Einzigartige an der Kirche und an unserem Glauben spüren und dass es auch nach außen ausstrahlt. Trotzdem kann es vielleicht noch ein wenig mehr Strahlkraft gewinnen:

Ich träume von einer Kirche, die sich in Bewegung setzt auf Jesus Christus zu.
Ich träume von einer Kirche, die offene Ohren und Augen hat, für das, was in der Welt und in den Herzen der Menschen vorgeht.
Ich träume von einer Kirche, in der sich Menschen spontan ausdrücken können, die die Sprache der Menschen spricht.
Ich träume von einer Kirche, die keine Türen kennt und schon gar keine verschlossenen.
Ich träume von einer Kirche, die niemanden aussperrt, in der verschiedene Denkweisen, Glaubensrichtungen und Lebensstile ihren Platz nebeneinander haben können.
Ich träume von einer prophetischen Kirche, die unerschrocken die Wahrheit verkündet, auch gegenüber den Mächtigen, im Bewusstsein, dass die Wahrheit freimachen wird, wie Jesus im Johannesevangelium sagt.
Ich träume von einer Kirche, die Hoffnung hat und Liebe, und die Hoffnung macht.

Amen.






^^ zu den Predigten in St. Ulrich ^^
  Predigt am Pfingstfest, Diakon Christian Karmann (12. Juni 2011, Joh 20,19-23, Apg 2,1-11)

Kraft für uns Menschen


Am Pfingsttag begegnet Gott in seiner Kraft den Menschen. Die Freunde Jesu, die kraftlos, deprimiert und voller Angst beisammen sitzen, begegnen völlig überraschend dem Geist Gottes, der alles verändert. Aus Kraftlosigkeit wird mitreißende Energie, aus Depression wird Lebensfreude, aus der Angst hinter verschlossenen Türen, aus den verschlossenen Herzen wird die Weite eines neuen Aufbruchs in ein neues Zeitalter hinein. Alle, die im Haus sind, das ganze Haus.... und darüber hinaus ... wird vom Geist Gottes erfasst.

Der Heilige Geist durchdringt, durchflutet Alle und Alles - die Kraft Gottes, ewige Energie, die alles in allem und alles in allen bewirkt; die Kraft Gottes, in der Gott als Person wirkt, so dass wir auch zu seinem Geist "Du" sagen können.

In vielen Bildern und Symbolen des AT und NT wird uns diese Kraft auf ganz unterschiedliche Art und Weise verdeutlicht:
  • Sturm: unsichtbare, starke Kraft;
  • Säuseln des Windes: sanfte, schmeichelnde Kraft;
  • Atem: lebenspendende Kraft;
  • Feuer: verwandelnde Kraft, Energie;
  • Zungen: Kraft, die Verstehen, Dialog und Kommunikation bewirkt;
  • Quellwasser: die einende Lebenskraft im Kosmos, die Kraft zum alltäglichen Leben; Kraft, die "ausgegossen" wird und eingegossen in unsere Herzen (vgl. Taufe).
Heute begegnet uns in der Lesung der Heilige Geist im Zeichen der unsichtbaren und starken Kraft des Sturmes: Wenn es in unserem Leben stürmt, macht das fast immer Angst. Und die meisten Stürme wirken nicht so, als ob da der Heilige Geist am Werke wäre. Was ist, wenn so ein Lebenssturm Teile unseres Lebenshauses, in dem wir uns sicher und behaglich eingerichtet haben, einstürzen lässt oder wegreißt, wenn das Unvermutete oder Unvorstellbare geschieht? Bleibe ich dann als Opfer am Boden liegen? Oder entscheide ich mich, mein Leben trotzdem nach vorne zu gestalten? Versuche ich, mich wieder aufzurichten und darauf zu vertrauen, mit der inneren Haltung zu leben, dass trotz des zerstörerischen Lebenssturmes der Heilige Geist nie aufhört, in meinem Leben da zu sein, um mich zu einem neuen Aufbruch zu bewegen? Denken Sie dabei an die Jünger, deren Lebenssturm im Tod Jesu gipfelte und die jetzt an Pfingsten vom Heiligen Geist neu ins Leben gebracht wurden.

Wer das Leben kennt, weiß: das einzig Konstante im Leben ist die Veränderung. Im Geist kann die Veränderung, auch wenn sie als schwer oder schmerzlich erfahren wird, zu einem neuen Aufbruch werden, der weiter führt. Ich darf also, besonders wenn es wie bei den Freunden Jesu schwierig oder auswegslos wird, auf den Heiligen Geist, auf den Sturm hinter oder manchmal im äußerlichen Lebenssturm setzen, der mich weiter bringt und mir neue Perspektiven öffnet. Im Symbol der Flammen zeigt sich der Geist deshalb als die verwandelnde Energie, die das Leben in eine oft überraschende Richtung entfaltet.

Oder: Jesus haucht den Jüngern die göttliche Lebenskraft ein und macht ihnen bewusst: Gott ist die Kraft deines Lebens. Nur innerhalb der Lebenskraft Gottes gibt es überhaupt Leben und nur mit dieser Kraft kannst du etwas bewirken, für dich, für andere. Und dafür hast du als Christ, als Mensch auch den Auftrag.
Die Apostel wissen jetzt: wir brauchen die Kraft Gottes, den Heiligen Geist absolut lebensnotwendig. Nur er kann Leben wirken und be-wirken.

Die Kräfte, die wir zum Leben brauchen, können wir nicht selbst aus uns heraus erzeugen. Wir sind zu diesen Kräften fähig, aber sie müssen in uns "angeregt", "entfacht", "entzündet" werden. Solche Urkraft der Anregung, der Entfachung, der Entzündung müssen wir empfangen. Andererseits ist dieser Geist schon immer in uns da und muss nicht von außen auf uns zukommen. Jeder von uns kann jetzt in diesem Moment aus der Kraft des Geistes leben, wenn er sich, sein Leben uneingeschränkt dem Geist entgegenhält und öffnet, um "angeregt", "entfacht", "entzündet" zu werden.

Diese Einsicht ist die Voraussetzung, dass ich den Heiligen Geist empfangen oder besser aus ihm leben kann. Wer meint, dass er alles selbst machen kann im Leben, wird immer scheitern. Diese Einsicht gibt meinem Leben die Grundeinstellung zum Empfangen: Bitten und Danken. "Bittet, und ihr werdet empfangen, damit eure Freude vollkommen ist"

Die vielen Kräfte, die der Geist erzeugt, bewirken alle die unzerstörbare Freude, das Glück des Menschen schon hier auf Erden.
Das Glück des Menschen ist kein Verdienst. Das Glück ist auch nicht machbar, aber es verlangt vom Menschen einen Beitrag: den Dienst am Leben, den Dienst an der Liebe, das Bestreben, aus der eigenen Mitte heraus, die Gott ist, zu leben. So gesehen findet der Mensch dieses Glück immer in sich, in Gott. Deshalb ist auch kein anderer Mensch für mein Glück verantwortlich, das bin ausschließlich ich selbst. Nur ich selbst kann diesen Weg, diese Ausrichtung auf Gott, diese Lebens-Haltung für mich entscheiden und darin wachsen und voran kommen. Kein anderer Mensch kann das für mich tun.

Menschen, die in und aus der Bindung an den Geist leben, beginnen aus der Fülle des Geistes Gottes in sich zu leben, sie beginnen Gott auszustrahlen und von überall kommt ihnen wiederum der Geist Gottes entgegen: aus der Natur, aus dem Menschen, der mir gegenübersteht, aus ihnen selbst - und dieser Geist wird zur Bedingung für Leben, Glück und Frieden.

Genau dieses Glück und die Krafterfahrung Gottes wünsche ich uns allen von ganzem Herzen, damit wir die Kraft Gottes, die Kraft des Lebens, die Kraft der Lebensfreude und der Liebe in unserem Leben und Alltag spüren und lernen, uns von ihr durchströmen zu lassen - und dann aus dem Geist leben und glücklich sind. Dann werden wir fähig, den Christus in uns im Geist Gottes, zur Welt und in die Welt zu bringen, um die Welt zu verändern, um uns selbst auf Gott hin zu verändern und zu entfalten.


zum Anfang der Predigt am Pfingstfest (Bezug: Joh 20,19-23, Apg 2,1-11)







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Predigt zum Requiem Friedrich Spängler, 
Pfarrer Franz Muck (18. März 11, Ev.: Lk 23,44-46; 24,1-5)

Der am Kreuz Hingerichtete steht auf zum ewigen Leben.


Feldkreuz Liebe Frau Spängler, liebe Fanny,
Lieber Hein, Bernhard, Herbert und Peter mit Familien,
Liebe Verwandte und Freunde, liebe Trauergemeinde,

seit dem Aschermittwoch sind wir Christen in besonderer Weise eingeladen unser Leben vor Gott zu bedenken. In letzter Zeit kam für unseren Verstorbenen eine besondere Form des Nachdenkens über sein Leben. Seine Ärztin hat ihm auf sein Drängen hin, er wolle die Wahrheit wissen, in einem einfühlsamen Gespräch eröffnet: "Herr Spängler, der Krebs hat gesiegt." Für mich persönlich war in den letzten Wochen beeindruckend, als er bei einem meiner Besuche mir von dem Kreuz erzählte, das er auf dem Bild haben wollte, das jeder heute beim Gottesdienst als Erinnerung bekommen wird. Das abgebildete Kreuz steht auf dem Weg nach Riedmoos neben dem Stein, der an die Flurbereinigung erinnert, bei der er ja auch maßgeblich beteiligt war. Er hat dieses Kreuz geliebt, verehrt. Aus einem Eichenholz musste der Stamm sein, an dem der Herrgott hängt. Herrgott nennen viele den am Kreuz hängenden Christus. Diesem Herrgott ist er jetzt in einmaliger Form nach einem erfüllten Leben in seinen Tod begegnet.
Die Länge und Breite, die Höhen und Tiefen des Lebens, die Situationen, in einem guten Sinn gemeint, in denen er die Finger im Spiel hatte, sind in einer Predigt nicht zu erfassen. Er hatte mit vielen Menschen, wie auch der Besuch hier heute zeigt, in vielfältiger Weise Kontakt. Ausgewichen ist er wohl kaum einem, so wurde mir berichtet, doch in allem hatte er immer im Blick gehabt, dass jede Begegnung mit einzelnen oder mit Gruppen einen guten, vor allem auch einen gerechten Ausgang genommen hat. Gerechtigkeit war für ihn eines der höchsten Güter, das haben mir seine Frau Fanny und alle, die beim Gespräch nach seinem Tod dabei waren, bestätigt. Nicht nur seine jahrelange, immer wieder neue Berufung als Beisitzer bei Gerichtsverhandlungen ist dafür ein Beweis.

Sein Leben begann in sehr einfachen Verhältnissen, in einer großen Familie. In seiner Kindheit war Kriegszeit. In seiner Jugend erlebte er die Veränderungen in der kleinen Ortschaft Unterschleißheim und brachte sich mit all seinem Können und mit seiner Energie ein, wo dies sinnvoll war. Er hat seine Frau Fanny kennengelernt und in deren Anwesen eingeheiratet. Goldene Hochzeit durfte er mit ihr feiern Mit ihr hat er den Hof aufgebaut. Er sollte nicht nur für seine vier Söhne eine Heimat sein, sondern auch für Hilde, die mit fünf Jahren wie ein eigenes Kind aufgenommen wurde. Der Spängler Hof, eigentlich Zitzelbergerhof wurde vor allem sonntags Treffpunkt für die Freunde der Söhne und für die Feuerwehrjugend. Die Arbeit auf dem Hof machte ihm und vor allem auch Dir, Fanny viel Freude. Rückschläge wie ein Hagelunwetter haben ihn nicht entmutigt. Fritz war dem Fortschritt sehr offen gegenüber gestanden.
In vielen Bereichen hat er sich engagiert, an vielen Stellen Verantwortung übernommen und Probleme zu lösen versucht, nicht zuletzt auch oft mit seinem unverwechselbaren Humor oder mit besonders guten Ideen, Menschen zueinander zu bringen zum Beispiel mit einem Kesselfleischessen.

Sein Interesse ging immer über den eigenen Tellerrand hinaus und viele Stichworte stehen dafür. Die Stocker-Siedlung, die Großmarkthalle, Raiffeisen und Baywa, die Feuerwehr, hier vor allem die Jugend-Feuerwehr, um nur einige Stichpunkte zu nennen. Von seinem öffentlichen Wirken in der Gemeinde und Stadt und über deren Grenzen hinaus wird später die Rede sein. Die Fahnenabordnungen hier in der Kirche zeigen, dass er ein sehr enges Verhältnis zu sehr vielen Vereinen hatte; auch, dass er seinem Hobby, der Jagd, sehr gerne nachging. Ich kenne viele, die hier in der Kirche sind, die passender und länger von all den Aktivitäten berichten könnten, die mit dem Verstorbenen zusammenhängen.

Eine Aktivität, die mir zusteht, ist die Pfarrei St. Ulrich und darüber hinaus seine vielen Hilfen im kirchlichen Bereich, nicht zuletzt in St. Korbinian, im Sehbehinderten- und Blindenzentrum und beim Männerfürsorgeverein in Mittenheim. In unserer Pfarrei liebt er die alte Kirche. Doch sehr bald hat er auch den Blick nach vorne gerichtet und war bei allen Planungen und Durchführungen des Aufbaus der Pfarrei St. Ulrich beteiligt. Er überlegte mit, erhob Einspruch, er unterstützte neue Wege, die gegangen wurden. Pfarrer Hans Krämmer, der hier mit am Altar steht, könnte natürlich viele Dinge noch markanter erzählen. Auch hier nur einige Stichpunkte: Das Suchen nach einem geeigneten Platz zunächst für die Holzkirche und dann für das neue Pfarrzentrum. Er hat sich mit eingesetzt, dass die Kirche auch einen Turm bekam und dazu die 3 Glocken bis hin zur Befürwortung einer neuen Orgel in dieser Kirche, die ich im Jahre 2001 im 1. Jahr meines Pfarrerseins hier einweihen durfte. Ich habe ihn erlebt in der Kirchenverwaltung und bei allen Gremien, in denen er für das kämpfte, wovon er überzeugt war. Er stützte sich oft auf seine christliche Grundhaltung und machte daraus kein Hehl, auch in Kreisen, in denen Kirche nicht an oberster Stelle steht. Seine Gläubigkeit trug ihn durch viele Situationen seines Lebens, nicht zuletzt auch jetzt durch die Zeit seiner Krankheit, da er gegen den Krebs ankämpfte. Er gab die Hoffnung nicht auf und ahnte doch schon das Ende.

Ich möchte noch einmal auf das Kreuz zu sprechen kommen. Ich durfte es nach der Renovierung im Kreis der Familie Spängler und von Freunden in einer kleinen Feier vor einigen Jahren segnen. Fritz war überglücklich. Es war nicht nur ein äußeres Zeichen, es war gleichsam ein Bild für seine tiefe gläubige Überzeugung. Ist doch im Kreuz für uns Christen genau das Zeichen angedeutet, das uns im Querbalken umarmen möchte und im Balken der nach oben weist, auf Gott hinweist. Dieses Hinweisen auf Gott hat dem Verstorbenen wohl in vielen, auch schweren Situationen seines Lebens letztlich immer die letzte Kraft gegeben. Im Evangelium, das ich für heute ausgewählt habe, hörten wir Worte der Hoffnung und Zuversicht. Die Osterkerze hier steht für Christus, den Auferstandenen, dem Licht der Welt. Der am Kreuz Hingerichtete steht auf zum ewigen Leben. Diese Auferstehung Jesu ist das Fest zu dem wir nicht erst seit dem Aschermittwoch unterwegs sind, sondern das unser ganzes Leben erfassen möchte.
Amen.
zum Anfang der Predigt zum Requiem Friedrich Spängler am 18. Mrz. 2011 ( Lesung: 2. Kor. 5 1,6 - 9 Ev. Lk 23,44-46; 24,1-5 ; Am Grab: Röm. 14, 7-9)
(Traueranzeige)






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  Predigt am 9. Sonntag im JK, Diakon Christian Karmann (6. Mrz. 2011, Mt 7,21-27 Röm 3,21-25a.28)

Felsenfest ist Gott in mir immer da


Das heutige Evangelium steht am Ende der Bergpredigt Jesu. Die Worte, die Jesus in der Bergpredigt spricht, die Wirklichkeiten und Forderungen, die er da zur Sprache bringt, wie die Menschen leben sollen, wie sie mit sich selbst, dem anderen und besonders mit Gott umgehen sollen, sind die tragende Grundlage, damit ein Leben glückt.

Der Felsengrund, der alles trägt, ist die erbarmende und überreiche Liebe Gottes. Die Liebe Gottes kann mein Haus, meine Existenz, nur tragen, wenn ich auf Gott baue und ganz auf ihn vertraue. Glaube, Freiheit und Liebe gehören untrennbar zusammen. Man kann schließlich Liebe nicht erzwingen so nach dem Motto: "Jetzt liebe mich gefälligst!" Das tut auch Gott nicht. Ihm ist die Freiheit des Menschen heilig. Deshalb existiert der Glaube auch nur in Freiheit. Das bedeutet natürlich wie oben gesagt: die Liebe Gottes kann mein Haus, meine Existenz, nur tragen, wenn ich auf Gott baue und auf ihn in aller Freiheit vertraue.

Wenn man ein Haus baut, kann man noch so gute Ziegel nehmen: wenn das Fundament aus Sand oder Lehm besteht, genügt ein bisschen Wasser und alles fällt in sich zusammen. Man kann sein Leben noch so gut durchorganisieren und durchplanen, sich dem Reiz des Machbaren, des Genießbaren, des Wissbaren ganz intensiv hingeben und sich auch daran freuen. Wenn dann aber das Unerwartete, Unkalkulierbare mir den Boden unter den Füßen wegspült, weil es im Leben stürmt - jeder hat da so seine Erfahrungen - , dann habe ich in diesen Dingen keinen Halt mehr. Manchmal bleibt als einziger Halt dieser Gott in mir, der ICH BIN DA in mir. Er ist das einzige Beständige in meinem Leben, alles andere ist dem Werden und Vergehen unterworfen. Allein deshalb kann nur Gott dem Menschen Fundament werden und sein.

Auf Gott bauen heißt, dass ich die tragende Kraft des Fundaments in meinen Bau weiterleiten muss mit meinem "Baumaterial", das ich in meinen Begabungen und Entfaltungsmöglichkeiten besitze und in der Freiheit, die Liebe in meinem Leben anzunehmen und weiter zu geben. Was nützt auch das beste Fundament, wenn schlecht gebaut wird, wenn ich das meine nicht einsetze? Jeder Baustein muss die Kraft des Felsengrundes aufnehmen und weitergeben an den nächsten Stein.

Die vergebende und umfassende Liebe Gottes kann mich nur aufbauen, wenn ich sie weitergebe. Und da Gott in seiner Liebe durch mich wirkt, kann ich die Liebe nur durch mich weitergeben, indem ich mich selbst einsetzte so wie Jesus, aber auf meine Weise.

Jesus sagt: nur, wer den Willen des Vaters im Himmel erfüllt, kommt in das Himmelreich hinein.
Was ich bisher gesagt habe klingt vielleicht logisch, sinnvoll, gut. Und doch: spätestens jetzt kommt bei vielen Christen die Angst ins Spiel.

Was ist, wenn ich den Willen Gottes nicht erkenne? Gott spricht ja in der Regel nicht Klartext, damit ich ihn direkt verstehen oder wahrnehmen kann, sondern immer irgendwie im Verborgenen oder verschlüsselt. Und selbst, wenn ich den Willen Gottes oder das, was ich für seinen Willen halte, erkannt habe, vielleicht will er etwas von mir, was ich überhaupt nicht will. Zählt das, was ich will dann überhaupt nicht?
Wenn ich als Mensch so denke, dann baut sich in mir unwillkürlich ein starker Druck auf. Denn wenn ich so denke, spiele ich mit dem ewigen Leben, weil ich mich unter Umständen bewusst oder unbewusst nicht für das feste Fundament entscheiden könnte, auf dem mein Leben steht. Ich habe Angst, etwas falsch zu machen. Und so sitzt so mancher wie das Kaninchen vor der Schlange und fühlt sich verunsichert oder sogar innerlich gelähmt, weil er nicht weiß, ob er auf der sicheren Seite ist oder nicht, ob er das Richtige tut oder nicht, ob er würdig für den Himmel ist oder nicht. Das Leben aussitzen in der Hoffnung, dass bald der Himmel kommt.
Bei dieser Position sind wir schon gefährlich nahe beim Gesetzesdenken, gegen das sich Jesus immer vehement gewehrt hat: ich kann mir quasi den Himmel verdienen, indem ich den königlichen, unverrückbaren, ewigen Willen Gottes erkenne und befolge.

Wie ist das also mit dem Willen Gottes? Vielleicht so:
Der Wille des Vaters besteht darin, sich ganz und gar, ohne etwas von seinem Ego und seiner Person zurückzuhalten, auf die tragende Kraft des Lebens einzulassen. Der Wille Gottes besteht darin, sich von der Kraft des Fundamentes, das Gott ist, tragen zu lassen. Dazu soll der Mensch das eigene Leben in Gott hinein loszulassen und lernen, aus einer inneren Gelassenheit zu leben. Es geht wieder mal um die Globalthemen Vertrauen und Loslassen, was uns immer enorm schwer fällt. Aber im dem Maße, in dem das gelingt, wird der Blick auf Gott, die Erfahrung seiner Realität in meinem Leben immer klarer. Und aus dem immer innerlicher werdenden Blick auf Gott hin wird es uns vielleicht gelingen, die vielen konkreten Einzelheiten des Alltags, die vielen Begegnungen und allmählich das ganze Leben aus dieser Quelle heraus zu gestalten.
Der Wille Gottes hat also damit zu tun: Gott, dem Leben zu vertrauen, das Leben auf sich zukommen lassen, weil man es nicht mit zu vielen eigenen Erwartungen, dass Dinge genau so oder so laufen müssen, festzurrt, sondern man dem Leben Raum lässt, sich auch überraschend zu präsentieren, mir überraschend entgegen zu kommen. Vielleicht hat der Wille Gottes etwas damit zu tun, aus der innerlich zusammengekrümmten Haltung des Sollens, des Müssens, einer übertriebenen Pflicht herauszufinden in eine Art spielerische Weite hinein, in der ich Leben auch ausprobieren und lernen darf, wo ich auch danebenhauen darf, wo mein Leben wieder inneren Freiraum bekommt, um sich zu entfalten, um durchzuatmen. Wenn ihr werdet wie die Kinder, dann gehört euch der Himmel, dann entdeckt ihr den Himmel.

Uns allen gelingt das nur sehr unvollkommen, deshalb fühlen wir uns sooft gar nicht wie im Himmel. Umso wichtiger ist es, zunächst das Bewusstsein für diesen Weg zu entwickeln, sich dann zu entscheiden diesen Weg zu gehen und ihn in allen Situationen des Lebens immer in dem Augenblick, der gerade dran ist, der gerade jetzt ist, wirklich auch real zu gehen. Immer im Blick auf Gott.
Es hilft mir sehr, mich immer in diesem liebenden Blick zu wissen. Und es hilft mir sehr, zu wissen, dass Gott als tiefster Grund meines Lebens in mir immer da ist, ob ich es spüre oder nicht. Deshalb ist das Reich Gottes, der Himmel immer im Menschen, es geht "nur" darum, den Himmel in mir freizulegen, damit er die erfahrene Realität meines Lebens werden kann, die mich glücklich macht und mein Leben gelingen lässt für immer und ewig.
zum Anfang der Predigt am 9. Sonntag im Jahreskreis 2011 (Bezug: Ev: Mt 7,21-27 L1: Röm 3,21-25a.28)







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  Predigt zum 7. Sonntag im JK, Pfarrer Franz Muck (19. /20. Feb. 2011, Ev: Mt 5,38-48)

Auge für Auge und Zahn für Zahn - außer Kraft?


Das ist ein geflügeltes Wort geworden: "Aug um Aug und Zahn um Zahn", nicht nur bei den Juden im Alten Testament. Es steht dort im Buch Deuteronomium. Aus dem Bibelwort "Auge für Auge und Zahn für Zahn" ist in der ganzen Welt, nicht nur bei den Christen ein Schlagwort geworden. Die Felder, auf denen es praktiziert wird, sind unzählig viele und jeder kann sofort weitere Felder hinzufügen.
Wenn ich die Erstkommunionkinder in der Kirche erzählen lasse, wie es auf dem Pausenhof zugeht, dann könnte z.B. die Antwort kommen: Der Lehrer hat mich gefragt, warum ich dem den Ball weggenommen habe und ich habe darauf gesagt, "weil er mir ein Bein gestellt hat". Zur Rede gestellt hat sich der Betroffene sofort verteidigt, vielleicht sogar mit dem Satz: "Meine Eltern streiten ja auch immer mit den Nachbarn und sagen sogar zu uns: Die braucht ihr gar nicht mehr zu grüßen, sie grüßen uns ja auch nicht." Und um noch ein Beispiel hinzuzufügen aus der Politik, dann passen die Schlagworte: Wenn die rüsten, müssen wir auch rüsten, wenn die schießen, schießen wir zurück, wenn die Atomwaffen haben, dann ... Spätestens hier spüren wir, es kann nicht gutgehen, denn wir müssen bei all den aufgezählten Beispielen und bei den vielen denkbaren Beispielen feststellen: Vergeltung schafft keinen Frieden, Vergeltung garantiert keinen Frieden.
Politiker, die Streit und Auseinandersetzung haben, meinen: Es sei, was viele meinen, es sei eine gewisse Garantie, dass das Gleichgewicht des Schreckens uns das Schlimmste erspare.

Wir Christen fragen uns mit Recht, ob auf diesem Weg der Vergeltung der Friede unter Völkern oder auch der Friede in unserem kleinen Bereich des Alltags gefunden und gehalten werden kann. Der Satz "Auge für Auge und Zahn für Zahn" hat im alten Israel als gesetzliche Regelung gegen den Kreislauf eskalierender Gewalt und Vergeltung gegolten. Tat und Folge sollen in einem vernünftigen Verhältnis zueinander stehen: Wer einem ein Auge verletzt, der hat als Strafe höchstens sein eigenes Auge verwirkt - nicht aber sein ganzes Leben, wie blindwütiger Rachedurst es fordern würde. Die Rache sollte nicht ins Unermessliche gesteigert werden dürfen.

Im Evangelium setzt heute Jesus einen neuen Weg dagegen. Er setzt den Satz: "Auge für Auge und Zahn für Zahn" außer Kraft. Er muntert sogar auf, Dinge zu tun, die uns naiv vorkommen oder unvernünftig, wenn es da heißt: Jemanden auch noch die rechte Wange hinhalten, das Hemd und den Mantel wegnehmen lassen, der doch so wichtig ist gegen die nächtliche Kälte, mit jemanden noch ein Stück Weg zu gehen, obwohl man den doch gar nicht leiden kann und nicht mag. Den Feind zu lieben, statt ihm aus dem Weg zu gehen.

Die Einladung Jesu steht.

Diese Aufforderung hat Jesus nicht irgendwann so nebenbei erzählt, sondern er hat sie hineingenommen in seine Bergpredigt. Die Bergpredigt ist das Herzstück Jesu, eine Schlüsselstelle, ein Wendepunkt im neuen Testament. Die Einladung Jesu geht an jeden Christen, wohlwissend, wir werden die Höchstform dieser Forderung Jesu wohl nie erreichen. Doch mit dieser Einladung, den anderen, selbst den Feind, zu lieben, deutet ganz klar auf die höchste Stufe seiner Botschaft hin, gleichsam auf den Gipfel seiner Lehre.

Denn wer so handelt oder so zu handeln versucht, der verweigert sich dem Kreislauf von Rechthaberei, Macht und Gewalt.
Wer diese Worte versteht, dass nicht mehr Auge für Auge und Zahn für Zahn gelten soll, der ändert seinen Blick auf Mitmenschen.

Der andere, der Klassenkamerad, der Nachbar und auch die in einem anderen politischen Lager, sind nicht mehr Feind und Gegner, die mir etwas schulden. Jeder ist mein Nächster, selbst dann, wenn er mein Gegner und Feind war.
In dieser Art zu handeln, wie Jesus uns das heute vorstellt, scheint etwas zu sein vom Traum Jesu. Von einem Traum, den er vom Reich Gottes empfinden dürfte. Hier wird im Leben und Handeln Jesu besonders deutlich, dass er der Gesandte Gottes ist. Hier wird etwas deutlich vom gütigen und liebenden Gott.
Wer sich auf dieses Denken und Handeln einlässt, wer sich auf ein Umdenken einlässt, durchbricht tatsächlich den Lauf von Gewalt und Gegengewalt. Er hilft mit, dass sich in der Welt etwas ändert, in der Familie angefangen mit ihren alltäglichen Gegebenheiten bis hin zur großen Politik.

Nicht die Maxime "Aug um Aug und Zahn um Zahn" schafft neue Perspektiven, sondern das Denken im Sinne der Botschaft Jesu. Jesus zeigt einen anderen, einen neuen Weg. Es liegt an uns, ihn mitzugehen.


Amen.


zum Anfang der Predigt am 7. Sonntag im Jahreskreis 2011 (Bezug: Ev: Mt 5,38-48 / L1: Lev 19, 1-2.17-18)







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  Predigt am 4. Sonntag im JK, Diakon Christian Karmann (30. Jan. 2011, Mt 5,1-12a, 1 Kor 1,26-31)

Bedeutet Gott für Sie Leben und Glück?


Sind sie glücklich, also selig?


Wenn sie jemand das fragen würde, was würden Sie antworten? " Ja, ich bin zufrieden. Wenn ich so die Not und das Elend in der Welt sehe, dann kann ich ganz zufrieden sein, ich bin einigermaßen gesund, ich habe genug zu essen und ein Dach über dem Kopf, der Arbeitsplatz ist halbwegs sicher." Wenn Sie mir so antworten würden, würde ich Ihnen entgegnen: "Eigentlich habe ich sie nicht gefragt, ob Sie zufrieden sind. Ich habe sie gefragt, ob Sie glücklich sind. Glück hat etwas mit Freude oder innerer Freiheit und Weite oder mit geglückten Beziehungen zu tun. Haben Sie also Freude an ihrem Leben oder innere Freiheit und Weite oder geglückte Beziehungen in ihrem Leben? Wie würden Sie jetzt antworten?"

Wir neigen erstens fast alle zu der Haltung: es muss erst etwas Bestimmtes in meinem Leben geschehen und dann bin ich glücklich, dann bin ich selig. Erst wenn ich dieses oder jenes Ziel erreicht habe, dann geht's mir so richtig gut. Sie können jetzt gerne Ihren Gedanken für sich einsetzen, was bei Ihnen passieren müsste, damit Sie dann glücklich wären.

Das bedeutet nicht mehr und nicht weniger, dass wir Menschen fast immer unser Glück irgendwo in der Zukunft suchen, einer Zukunft, die heute in keiner Weise real ist, weil es die Zukunft einfach nicht gibt. Denn ich lebe heute, ich lebe Jetzt.
Wir neigen zweitens fast alle zu der Haltung: Es muss (fast immer) etwas außerhalb von mir geschehen, etwas, was von außen auf mich zukommt, damit mein Leben reicher, schöner, glücklicher wird, eine Erbschaft, Erfolg im Beruf, eine gelungene und erfüllende Partnerschaft. Und sind dann enttäuscht, wenn das nicht geschieht. Der größte Irrtum ist der, wenn ich in einer Beziehung von einem Menschen erwarte, dass er für mich Himmel auf Erden sein kann. Eine totale Überforderung.

Wir neigen also dazu, zu glauben, dass unsere Seligkeit in der Zukunft liegt und von außen wie ein Geschenk oder Ereignis, das auf mich zukommen wird, mein Leben in Richtung Glück verändern wird.

Und das ist ein kompletter Trugschluss! Zwar verschaffen uns manche Geschenke oder Ereignisse kurzzeitig Befriedigung unserer Sehnsüchte, letztlich aber zeitlich nur sehr begrenzt. Deshalb sind wir ganz individuell immer irgendwie auf der Jagd danach und geben uns, wenn wir ehrlich sind, letztlich mit ziemlich wenig zufrieden, der eine mehr, der andere weniger, je nach Bedürfnissen und Möglichkeiten.

Wenn mir das Glück nicht in der Zukunft und damit logischerweise auch nicht aus der Vergangenheit und auch nicht von außen entgegenkommt, gibt es nur noch eine Möglichkeit.

Die Quelle meiner Seligkeit muss in mir liegen und zwar jetzt in diesem Moment. Denken Sie an den Stephanstag nach Weihnachten, wo klar geworden ist, dass der Himmel im Menschen offen ist, zu jeder Zeit und immer in der Gegenwart. Und der Himmel ist immer zugänglich, wenn der Mensch sich selbst im Urvertrauen auf Gott hin loslässt, sich dazu traut.
Der Himmel ist immer zugänglich, wenn der Mensch immer mehr beginnt, dort die Realität seines Lebens zu suchen, sich mit dieser Realität Gottes in sich vertraut zu machen, indem er den inneren Blick in sich auf Gott immer mehr in seinem Fokus hält.

Wenn also der Mensch lernt, immer mehr aus dem Blick seines eigenen inneren Himmels in ihm zu leben, der sich in ihm, dem Sohn/der Tochter Gottes entfalten will.
Wenn der Mensch deshalb lernt, so immer freier zu werden in sich und von den Dingen dieser Welt und dann allmählich und immer öfter ihm der Durchbruch zur inneren Freude, Freiheit und Weite des Himmels geschenkt wird.
Dann wird der Mensch nicht mehr fragen: Was muss passieren, dass ich glücklich bin? Was muss der andere, der Partner für mich tun, damit ich glücklich bin?
Dann wird der innerlich befreite Mensch erkennen: die Freude und der Himmel meines Lebens, der Friede und die Quelle, die in mir sprudelt, ist Gott selbst.
Denn dann wird der freie und erfüllte Mensch fähig sein, seine Liebe, seine Freude in jede Beziehung, in alles Irdische absichtslos, ohne Erwartung hineinzugeben. Er wird die Freude in sich selbst und im andern sehen und dabei selbst wieder zum Beschenkten werden.

Eine gewagte Vision? Vielleicht!
Unrealistisch? Für die Weisen und Mächtigen, für die Macher dieser Welt mit Sicherheit, denn sie leben und gestalten nach einem anderen Programm, nach dem sich unsere Welt nicht gut entwickelt.
Und unrealistisch für mich? Es wird so sein, wie ich mich entscheide, wie ich jetzt sein kann und mich entwickeln möchte.

Aber diese Entscheidung wird Konsequenzen haben müssen: ich werde schnell oder allmählich lernen müssen, übliche Sichtweisen meines Lebens in die Frage zu stellen. Es gilt zu lernen, meine Ausrichtungen besser einzuschätzen und vielleicht manche lieb gewonnen alten Gewohnheiten und Verhältnisse aufzugeben, die nicht mit meiner inneren Blickrichtung übereinstimmen.
Und es wird nicht leicht sein, gegen den Strom zu schwimmen.
Hoffentlich hat man dann die Einsicht, das vordergründig Starke und Mächtige, Reiche und Weise als Illusion dieser Welt zu entlarven, weil Gott selbst deshalb das Eigentliche, aber für die Welt Törichte und Schwache gewählt hat.

Vielleicht bin ich dann in den Augen der anderen, arm, traurig, verfolgt, ausgegrenzt, wenn sie meine innere Seligkeit, die aus meiner Mitte und die in Gott ist, nicht wahrnehmen und die im Gegensatz zu den Glücks-Illusionen der Welt steht und deshalb von ihr nicht wahrgenommen werden kann.

Um es ganz klar zu sagen: wenn ich mich entscheide, dieser Vision Raum zu geben, dann ist es nicht meine Aufgabe, irgendwann ätherisch als Leuchtgestalt inneren Glücks, mich selbst in Gott vergessend davon zu schweben. Es ist vielmehr meine Aufgabe, mit beiden Beinen auf der Erde zu stehen und die Welt auf andere Weise mitzugestalten, auf eine Weise, die Leben fördert, anstatt des zu vermindern oder zu zerstören. Wir werden dann fähig, einander und die Welt zu heiligen und zwar in dem Maße, in dem sich Erlösung an uns zu zeigen beginnt.

Deshalb können wir die Seligpreisung vielleicht so verstehen:
  • Selig sind die, die arm sind vor Gott und ihn deshalb brauchen. Sie können das Geschenk der Liebe Gottes annehmen und deshalb glücklich sein.
  • Selig die Trauernden, denn sie sind in ihrer Trauer offen für Gott, der ihnen in ihrer Trauer nahe ist, sie trägt und trotzdem Freude in das Herz hinein strahlen möchte.
  • Selig, die keine Gewalt anwenden, denn durch den Weg der Gewaltlosigkeit machen sie sich mit Christus eins und sind deshalb fähig ihn in ihrem Leben zuzulassen.
  • Selig, die hungern und dürsten nach der Gerechtigkeit, wenn sie sich an Gott wenden und er ihren Hunger und Durst nach Liebe stillt.
  • Selig die Barmherzigen und die Friedensstifter, denn die, die Verständnis für andere Menschen haben und sich für sie einsetzen, können Gottes Barmherzigkeit und Liebe annehmen und deshalb glücklich werden.
  • Selig, die ein reines Herz haben, sie wissen sich im liebenden Blick Gottes und tragen deshalb die Freude in sich.
  • Selig, die um der Gerechtigkeit willen und wegen ihres Glaubens verfolgt werden und trotzdem zu ihm stehen. Sie wissen, dass Gott der Reichtum ihres Lebens ist und er für sie Leben und Glück bedeutet.



zum Anfang der Predigt am 4. Sonntag im Jahreskreis 2011 (Bezug: Mt 5,1-12a, 1 Kor 1,26-31)







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  Predigt am 2. Sonntag im JK, Diakon Christian Karmann (16. Jan. 2011, Joh 1,29-34)

Das Lamm Gottes schenkt sich mir, damit ich leichter leben kann.


"Seht, das Lamm Gottes, das die Sünde der Welt hinweg nimmt."
Das Lamm ist das Symbol der Geduld. Das Lamm schreit nicht, wo andere schreien, schimpfen und jammern; es läuft nicht davon, wo andere fliehen; es schlägt nicht zurück, wo andere sich wehren.
In Jesus zeigt sich die wohlmeinende Geduld des Vaters mit seinen Kindern, mit uns. In Jesus begegnet uns der Vater, der seinen Kinder, die oft so daneben sind, die an seiner Liebe vorbei leben, mit Freundlichkeit und Verständnis entgegentritt ohne uns zu beschuldigen, anzuklagen oder gar aufzugeben. Denn Gott möchte, dass wir ihn bewusst in unser Leben hinein lassen, ihn bewusst und aktiv in uns suchen und finden, damit wir erkennen, dass wir immer An-Teil von ihm sind und in seine Hand geschrieben sind, für immer. Er möchte, dass wir uns in aller Freiheit für ihn entscheiden. Gott ist die Liebe und die Liebe zwingt niemanden, nicht einmal zum ewigen Leben bei ihm.

  • Einerseits sehnen sich Viele von uns nach der Erfahrung dieser Gemeinschaft mit ihm.
  • Andererseits spüren wir aber, dass wir uns bei allem guten Willen durch unser nicht-gottmäßiges Verhalten immer wieder von ihm absondern, das heißt in die Sünde geraten.

  • Einerseits sehnen wir uns nach einer Welt, in der das Gute, der Friede, die Liebe siegen.
  • Andererseits leben wir in einer dualistischen Welt, wir leben in der Bandbreite zwischen gut und böse, zwischen hell und dunkel.

  • Einerseits gibt uns die Welt in ihrer Polarität die Möglichkeit alle Erfahrungen zu machen, die wir machen wollen oder machen sollen - wie könnten wir das Licht erfahren, wenn wir nicht von der Dunkelheit wüssten.
  • Andererseits dringt Jesus in unser durch unsere Sünde belastetes Menschsein ein, um die von innen her heilende Kraft bedingungsloser Liebe einzuimpfen.


Die "Sünde der Welt", d.h. die Abwendung von Gott in die innere Isolierung ist der Egoismus. In Angst, Hass und Verzweiflung, im Verlust von Frieden, Freude und Geborgenheit, in der Unfähigkeit zu lieben, wirkt sich die Sünde aus. Wir spüren Gott oft nicht mehr in uns, obwohl er nie aufgehört hat, in uns zu sein.

Gott nimmt unsere Sünde nicht von außen her hinweg; zu dieser Vorstellung könnte uns das Bild vom "Sündenbock" verleiten! Gott geht in unsere Sünde ein; er lässt sich vom Menschen hassen, schmähen, töten und ergreifen, damit der Mensch, von seiner Liebe innerlich überwältigt und ergriffen, sich bekehrt und heil und heilig wird.
Wer sich ergreifen und ertragen lässt von dieser Liebe, hat nicht nur keine Sünden mehr; er ist selbst kein Sünder mehr. Gott verwandelt unser Wesen; er vertraut darauf, dass wir uns irgendwann und immer wieder seiner Liebe öffnen und dann wissen, dass wir eigentlich mit leeren Händen vor ihm stehen.

Heute bei der Kommunion stehen wir wieder mit leeren Händen vor ihm, um alles von Gott zu empfangen, er selbst schenkt sich mir und damit alles, was ich zu meinem Leben und Glück je brauchen könnte. Die Frage ist nur: rechne ich damit, glaube ich daran, öffne ich mich dafür, erkenne ich, dass es so ist und wie ich das leben kann? Umso mehr ich dazu ja sagen kann, desto fähiger werden ich als Mensch, aus dieser Kraft Gottes zu leben.

Dann spüre ich: ich brauche vor Gott nicht zu leisten, mir etwas zu verdienen. Das Lamm Gottes schenkt sich mir im Sakrament, im Leib des Brotes, damit ich leichter leben kann, damit ich seine Nähe leibhaft spüren kann und lerne, seine Liebe und bedingungslose Nähe anzunehmen und ihn in die Welt zu tragen und zu bezeugen, wie Johannes es getan hat.


zum Anfang der Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis 2011 (Bezug: Joh 1,29-34)







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  Predigt am Fest Erscheinung des Herrn 2011 -  Mt 2,1-12, Pfarrer Franz Muck

Verkündet und lebt: Die Liebe Gottes gilt allen Menschen.


Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Die Sternsinger waren unterwegs. Kalte Hände, kalte Füße, Müdigkeit, sie haben sich nicht beirren lassen, die 45 Kinder und Jugendlichen und 19 Erwachsenen. Am Abend haben jeweils Ehrenamtliche für sie gekocht. 7 Personen haben sich dazu bereit erklärt. Insgesamt haben die Sternsinger 11.815.- € gesammelt, ein stolzes Ergebnis.

Sie brachten den Segen in die Wohnungen und mit dem Zeichen C+M+B. Als Erstes schrieben sie das C für Christus an die Türen und haben damit den Segen zugesagt, den sie dann mit M und B -mansionem benedicat weiter vermittelt haben.
Die Sternsinger erinnern an die Sterndeuter, an die weisen Männer, die aus dem Orient kamen. Für den Evangelisten Matthäus ist es sehr wichtig, dass sie von weit her kommen und es ist für ihn auch wichtig, dass sie bei den Mächtigen der Welt, dem Königshaus in Jerusalem anklopfen. Und es ist für ihn als Drittes auch wichtig, dass nicht nur König Herodes erschrickt, sondern die ganze Stadt Jerusalem. Die Botschaft soll alle bewegen. Die Antwort des Herodes ist die, dass er alle Gelehrten zusammenruft. Matthäus will in seinem Bericht den neuen König der Juden groß herausstellen.

Ob alle Gelehrten einer Meinung waren, darf bezweifelt werden, denn im Judentum war es üblich, dass Gelehrte unterschiedliche Auffassungen über die Auslegung der Schrift hatten. Doch der Evangelist Matthäus möchte Bedeutendes berichten mit den Weisen aus dem Morgenland und mit der Stadt Jerusalem, der David-Stadt. Er möchte die Stellung des Neugeborenen ganz besonders herausstellen und gleichsam untermauern, dass mit Christus das Christentum eine ganz besondere Bedeutung für die Welt hat. Jesus ist für die ganze Welt erschienen, nicht nur für das Volk Israel.
Daher soll das Christentum über das Judentum hinaus verbreitet werden. Als Vertreter der nicht-jüdischen Völker erkennen die Weisen aus dem Morgenland Jesus als Messias, als Christus an. Die Gemeinden des Matthäus in der Urkirche erfahren, dass das Christentum sich ausbreitet und nicht begrenzt auf das jüdische Volk bleibt. Er zitiert daher die Propheten: " Du, Bethelem im Gebiet von Juda, bist keineswegs die unbedeutendste unter den führenden Städten von Juda; denn aus dir wird ein Fürst hervorgehen, der Hirt meines Volkes".

Die Liebe Gottes, die in Jesus Christus Mensch geworden ist, gilt allen Menschen.

Während das Weihnachtsfest, das wir am 25.Dezember gefeiert haben, den Schwerpunkt auf die Menschwerdung des Gottes Sohnes legt, betont der 6. Januar - man könnte sagen, das 2. Weihnachtsfest - das Erscheinen Gottes vor allen Völkern.

Die Weisen aus dem Morgenland werden trotz ihres nur kurzen Auftrittes im Evangelium zur Herausforderung für alle Christen. Alle Christen der Welt sind eingeladen mit Wachsamkeit Gottes Wort zu hören und die Botschaft von Gott, der in dieser Welt erschienen ist, zu verkünden und zu leben.

Amen.


zum Anfang der Predigt am Fest Erscheinung des Herrn 2011







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  Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag Hl. Stephanus, Diakon Christian Karmann

Geschenk Gottes und zugleich Geschenk für Gott sein


Wenn manchen die Argumente ausgehen, werden sie gewalttätig. Solchen Menschen geht es nur darum, die eigene Position, eigene Bedürfnisse (auch religiöse) zu verteidigen und daran fest zu halten, unverrückbar. Sie sind nicht bereit, sich auf das Neue und Unerwartete einzulassen. Die darauf folgende Gewalt hat Stephanus am eigenen Leib erfahren müssen und ihn das Leben gekostet.

Stephanus hat von einer ganz anderen Ebene aus gelebt als die Vordergründigen und Fanatischen. Stephanus sah "den Himmel offen"; für ihn war der Himmel nicht mehr verschlossen. Der Himmel kann aber nur "über jemand aufgehen", wenn er sich selbst für den Himmel öffnet und sich für Gott entschließt. Eigentlich müsste man passender sagen: "Der Himmel geht in jemandem auf":
Gestern haben wir Weihnachten gefeiert. Wir haben gefeiert, dass Gott Mensch wird in Jesus. Weihnachten freuen wir uns darüber, dass Gott in die Welt gekommen ist, um uns das Leben zu schenken.

Natürlich ist das so, aber was steckt dahinter, welche Wirklichkeit steckt hinter diesen schönen Worten.

Sie kennen vielleicht die berühmt en Worte des großen Mystiker Angelus Silesius: "Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren und nicht in dir, du wärst doch ewiglich verloren."
Weihnachten bedeutet also, dass ich als Mensch vom göttlichen Wesen her gesehen derselbe Christus bin, wie Jesus vor 2000 Jahren, dass Gott mir genauso nahe ist wie dem Jesus von Nazareth. Dass er sich auch durch mich schöpferisch ausdrücken möchte, indem ich mein Leben gestalte, äußerlich und innerlich, materiell und ideell, individuell für mich und auch auf den anderen bezogen. Dass er mich auch mit Leben und Kraft ausstattet, um mein Leben schöpferisch aufbauend, in diesem Sinne kreativ und frei zu gestalten.
Jesus hat die Christusexistenz in sich erkannt und voll gelebt als der in Gott und auf Gott hin entfaltete Mensch. Er hat die Wirklichkeit Gottes in sich gewusst, hat daraus gelebt - und ist Gott in der Einheit des Sohnes mit dem Vater. Er hat als der gelebt, der er war und deshalb war der Himmel offen in ihm.

Das alles könnte man auch grundsätzlich über uns alle sagen: in dem Maß wie wir dieselbe Wirklichkeit, die Christusexistenz in uns erkennen, öffnet sich der Himmel in uns. In diesem Sinne ist Weihnachten also nicht nur die Geburt Jesu, des Christus, sondern immer wieder unsere eigene innere Geburt des Christus in uns.
Das zu erkennen und wieder zu lernen ist einer unserer wichtigsten Lebensprozesse. Fangen wir bitte an, das wirklich für bare Münze zu halten. Fangen wir an, damit zu rechnen, dass es wirklich so ist.
Denn, obwohl wir von Gott und auf Gott hin erschaffen sind, sind wir zunächst Gott und seiner göttlichen Präsenz in uns gegenüber verschlossen, zumindest in unserer eigenen Wahrnehmung. Sonst würden wir anders, auf jeden Fall froher und erfüllter leben.

Unser Rationalismus und unsere irdischen Einstellungen, nach denen wir unser Leben fast ausschließlich gestalten, verschließen uns zunächst den Zugang zu Gott. Erst die Wege der Erfahrung sind es, die uns den Himmel öffnen und Gott erschließen. Gott ist dem Maße in meinem Leben relevant, wie ich ihn in meinem Leben wahrnehme, wie ich ihn als Unter- oder Hintergrund meines Lebens erfahre, als den erfahre, der mein Leben durchdringt.

Aber auch der Erfahrungsbereich bleibt mir, was Gott betrifft, verschlossen, wenn ich mich nicht irgendwann "ent-schließe", aufschließe zum Glauben, heute besonders, dass Christus in mir zur Welt kommen möchte und dann und dadurch der Himmel in mir offen ist.

In jedem Menschen liegt die unstillbare Sehnsucht und Hoffnung nach Leben und Liebe, die irdisch keine dauernde Erfüllung finden kann und die ich auch nicht festhalten und konservieren kann. Und jeder Mensch, der das erkannt hat, ist fähig, sich auf jene grandiose Wirklichkeit auszurichten, die wir Gott nennen.
Wir dürfen das in dem Bewusstsein tun, dass wir gerade an Weihnachten und dem Tag danach selbst Geschenk Gottes sind: Sie sind ein Geschenk Gottes und sind deshalb wie Stephanus dazu berufen und auch fähig, den Himmel in sich selbst zu entdecken. Sie können das, indem Sie sich immer mehr, Augenblick für Augenblick, bei allem, was Sie gerade tun, innerlich auf Gott hin ausstrecken und jeden Moment, den Sie leben und erfahren, bewusst ihm hinhalten, ihm zum Geschenk machen und im gleichen Moment selbst zum Beschenkten zu werden.

Selbst Geschenk Gottes sein und zugleich Geschenk für Gott sein. Das ist der Dialog der Liebe. Sie werden merken, wie sehr dadurch die Sehnsucht nach Leben und Liebe, nach Freude und Friede immer mehr gestillt wird.
So ereignet sich Ihr Weihnachten, denn dann werden Sie sehen wie offen ihr Himmel ist.


zum Anfang der Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag 2010







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  Predigt an Weihnachten Nacht 2010  -  Jes 9, 1-6 / Lk 2, 1-14, Pfarrer Franz Muck

Schaut auf das Ereignis von Bethlehem: Menschen verändern sich!


Liebe Kinder, liebe Schwestern und Brüder!

Vielleicht haben sie dieses Evangelium heute schon bei ihrer Feier zuhause gelesen und sich wohl gefühlt dabei. In Bethlehem, der Stadt Davids, ist der Retter geboren, so hörten wir, hörten von Jesus, dem neugeborenen Kind, von Maria und Josef und die Schar der Engel, die Gott lobten. Wenn sie zuhause auch eine Krippe haben und diese vielleicht so liebevoll gerichtet haben wie sie bei uns in der Kirche gerichtet ist, dann ist das Wohlbefinden gesichert, dann ist es ein friedvolles Fest. Die Hirten haben sich dem großen Ereignis genähert und haben erst nach und nach begriffen, welch großes Ereignis sie haben erleben dürfen - in Bethlehem.

Bethlehem steht für den Beginn der Heilsgeschichte. Bethlehem ist dadurch wie schon die Schrift sagt, keine unbedeutende Stadt, bis zum heutigen Tag. Daher war natürlich bei der Reise einiger aus unserer Pfarrei anfangs September auch Bethlehem ein Ziel, vor allem die Geburtskirche, die indirekt für den Anfang des 2. Jahrhundert bezeugt ist. Dort ist als Erinnerung an das Ereignis der Geburt Jesu der bekannte Marmorstern zu sehen, zu dem alle Pilger hindrängen und daher von einer weihnachtlichen Stimmung und Besinnung kaum Platz ist.
Marmorstern in der Geburtskirche Christi

Die Stimmung aller nach Bethlehem Reisender ist zurzeit deprimierend; auch uns erging es bei unserer Fahrt so. Wir wurden von Grenzsoldaten kontrolliert. Vom Bus aus schauten wir auf die sehr hohen Mauern, die die besetzten Gebiete von Israel abgrenzen und spürten die Spannungen zwischen Menschen, die in ein und demselben Land leben und nicht zueinander dürfen.

Da und dort war in unseren Köpfen die Vorstellung, dass in einem Gebiet am Ortsrand von Bethlehem, das Hirtenfelder genannt wird, etwas von dem spürbar sein könnte, was wir mit den Hirten auf dem Feld verbinden, die da die Engel haben sagen hören, dass der Erlöser, der Heiland der Welt geboren sei und die vom Frieden sangen. Nur dort war die Enttäuschung noch größer: Wir blickten auf Grenzmauern, die übergehen in einen Grenzzaun, weil die Mauer noch nicht fertiggebaut ist.

Die Suche nach Frieden in der konkreten Situation im Heiligen Land ist ein Spiegelbild für viele Situationen in der heutigen Welt, wo Friede oft Mangelware ist. Es beginnt in Familien und geht hin bis hin zu Gemeinschaften aller Art und zu Völkern in der ganzen Welt. Bethlehem mahnt zum Frieden, zum Frieden im Kleinen und im Großen. In dieser Nacht wünschen wir uns mehr als sonst, dass die Gesinnung einkehrt, die die Geburt Jesu in Bethlehem bringen wollte.

Es ist schon ein besonderes Zeichen, das Gott uns mit der Geburt eines Kindes schenken wollte: im wehrlosen Kind, einem Kind ohne äußere Macht, ohne die Fähigkeit diplomatischer Winkelzüge und ohne Nachweis von Verhandlungserfolgen. Und doch gelingt es dem Kind in der Krippe, Menschen zu verändern. Die Machtlosigkeit im irdischen Sinn beginnt in der Krippe und setzt sich im Tod am Kreuz fort. Krippe und Kreuz bewirken, dass Menschen sich ändern. Sie ändern sich dann, wenn sie etwas spüren von der unermesslichen Liebe, die uns in Jesus geschenkt wurde und geschenkt wird. Gottes Liebe wird spürbarer für uns Menschen, denn Gott wird Mensch.
Auf diese Menschwerdung Gottes, auf dieses Erscheinen des Messias haben die Völker gewartet. In der ersten Lesung sind die Worte der Sehnsucht durch den Propheten Jesaia besonders schön und eindringlich formuliert wenn wir gehört haben: "Ein Volk, das im Dunkeln lebt, sieht ein helles Licht" und er setzt dann gleichsam im Einklang mit dem Gesang der Engel aus dem Evangelium seinen Bericht fort, wenn er vom Jubel und von der Freude berichtet, die aufbricht. Und er nennt ihn Fürst des Friedens, Ratgeber, starker Gott.
Starker Gott: damit werden wir erinnert an den Gott des Volkes Israel mit der gewaltigen Aussage über Gott: "Ich bin der ich bin, ich bin da." Wir werden erinnert an den Berg Sinai und die Begegnung des Mose mit Gott, der mit den 10 Geboten vom Berg herab kam.

Dieser Gott wollte den Menschen nahe kommen und hat uns in Jesus seinen Sohn gesandt, geboren aus Maria. Ein unerhörtes Ereignis und uns doch heute wieder so unermesslich nah.

Es bleibt noch eine konkrete Frage übrig für jeden von uns. Wie gehe ich mit dieser Zuwendung Gottes an mich, an uns um? Gott hat sich geoffenbart am Berg Sinai, hat sich uns in seinem Sohn Jesus Christus in Bethlehem geschenkt, es kann doch nicht alles beim Alten bleiben, nicht bei mir und nicht in der Welt.

Die Mauern und Grenzen in den sogenannten besetzen Zonen im heutigen Israel werden wohl nicht so schnell fallen, wobei man die Hoffnung nicht aufgeben darf, schon gar nicht wir in Deutschland, die wir an den Mauerfall haben nicht glauben wollen. Mauern und Grenzen gibt es nicht nur zwischen Ländern, sie verlaufen, angefangen in unseren Köpfen auch durch Familien und Partnerschaften, Nachbarschaften und Gruppierungen. Überall dort kommt auch Sehnsucht und Hoffnung auf. Überall dort wird nach Hilfe und Unterstützung gerufen.
Heute heißt die Einladung: Schaut auf das Ereignis von Bethlehem. Dort ist uns ein Zeichen gegeben. Gott wurde einer von uns und er möchte uns beschenken, nicht mit Vergänglichem, sondern mit Dauerhaftem, zum Beispiel mit seinem Frieden, mit seiner Liebe, mit seiner Freude. Von dieser Freude dürfen wir uns anstecken lassen, überall dort, wo wir beitragen zum friedlichen Miteinander. Frieden schaffen in dem Bereich, in dem wir leben und arbeiten, in der Familie, am Arbeitsplatz, in der Nachbarschaft. Wir sind eingeladen, um Frieden zu beten, wo wir keinen direkten Einfluss haben.

Amen.


zum Anfang der Predigt in der Christmette 2010







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  Predigt am 4. Adventsonntag LJ A: Mt 1,18-24, Diakon Christian Karmann

Mein Leben loslassen - frei werden in Gott


Es sind schon seltsame Umstände, die die Geburt Jesu begleiten. Jedenfalls hat sie der Evangelist Matthäus auch aus literarischen Gründen genau so geschildert. Matthäus ging es dabei weniger um genaue historische Abläufe. Ihm war besonders wichtig, die religiöse Wahrheit um die Geburt des Messias herum herauszuarbeiten. Und wir können das heute auch tun zusätzlich noch mit unserem heutigen eigenen äußeren und inneren Blick auf diese Situation um die Geburt Jesu herum.
Es ist von einer jungen Frau die Rede, die von Heiligen Geist schwanger ist. Dann wird von ihrem verlobten Mann, von Josef, erzählt, der plötzlich merkt, dass seine Geliebte ein Kind bekommt, aber nicht von ihm. Eine verworrene Geschichte.
Josef soll Vater werden für ein fremdes Kind. Bei allen von Menschen ungeplanten Kindern wird nach innen und nach außen hin die Frage drängend: "Wie konnte das geschehen?" Viele menschliche Beziehungen, die hoffnungsvoll und glückverheißend angefangen haben, scheitern jäh oft schon vor dem Zustandekommen. Der Traum vom großen Glück ist ausgeträumt. Die Wirklichkeit enttäuschter Hoffnung treibt mich grausam in Verzweiflung: Aussichtslos und ausweglos stehe ich Wirklichkeiten gegenüber, die mich innerlich und äußerlich zu vernichten drohen, die alle Träume vom großen Glück zunichte machen. Wie soll's weiter gehen?
Josef überlegt, was er tun soll. Mit einer Frau zusammen bleiben, die ihn vielleicht nicht liebt, weil sie ein Kind von einem andern hat? Außerdem, Maria hat ihm nichts davon erzählt, er hat das mit der Schwangerschaft selbst entdeckt. Seltsam. Ein Kommunikationproblem zwischen den beiden Menschen, die später zusammen mit Jesus als die Heilige Familie verehrt werden?
Josef überlegt hin und her, innerlich aufgewühlt, verzweifelt. Eigentlich hat er keine wirkliche Lösung für die Situation, eigentlich gibt es keine wirklich gute menschliche Lösung. Josef beschließt, sich in Stille zu trennen. Das scheint ihm das Beste zu sein. Er ist ein feiner Kerl, er will seine Frau nicht bloßstellen.

Josef träumt: Er träumt von Gott. In jeder Not ist ungewusst und unbewusst auch ihre Lösung schon enthalten. Im Traum von Gott tritt sie ins Bewusstsein. Durch den Glauben an die ewige Liebe kann das Unmögliche die ungeahnte Möglichkeit ergeben; das Ende wird ein neuer Anfang. Wenn ich von Gott träumen kann, kann ich auch vom Menschen wieder träumen: Traummann, Traumfrau, Traumvater, Traummutter und Traumkind - ich kann jeden Menschen annehmen.
Wenn der Mensch träumt, lässt er seine Gedanken, seine Gefühle los. Er läßt alles los, was er sonst im Alltag, in seinen Gedanken und Emotionen festhält. Die inneren Barrieren, die er im Wachbewußtseins in sich aufrecht erhält, weil er sich schützen muss, weil er sich hart machen muss, um Leistung zu bringen, weil er seine Gedanken und Gefühle vor anderen und vielleicht auch vor sich selbst, in sich verbergen muss. Im Traum wird der Mensch in dieser Weise in sich freier und dann fähiger, die tiefste Stimme, die immer in ihm gegenwärtig ist, zu hören oder zumindest besser zu hören, die Stimme Gottes. Der Mensch wird dazu fähiger, wenn im Schlaf, im Traum all das in ihm losgelassen ist, was sonst festgehalten, kontrolliert und zugedeckt ist.

Das was im Traum geschieht, könnte ich doch auch für tagsüber lernen und üben: ich meine das globale Thema "Loslassen".

Mein Leben loslassen, damit es freier auf mich zukommen darf und ich durch mein "Wollen- und Haben-Müssen" nicht andere und vielleicht bessere Lebensstränge abschneide oder unmöglich mache.
Mein "Immer machen müssen" loslassen, damit ich offener werde auch für unerwartete Lösungen, die sich erst dann zeigen werden.
Mein Leben auch in dem Sinn loslassen, weil ich vertrauen kann oder das lerne. Weil ich lerne, Gott mein Leben anzuvertrauen und ich mich dabei gehalten und geborgen fühle. Und auch weil ich ganz genau weiß, dass ich mich in den wesentlichen Dingen und auch Konflikten meines Lebens sowie nicht selbst am eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen kann. Wie schön und aufbauend ist es dann, sich mit einem Gott verbündet zu wissen, der auf meiner Seite steht, der mein Leben hält und in dessen Hand ich geschrieben bin.

Mein Leben loslassen, damit ich frei werde für das Leben, das für mich letztlich in Gott ist. Gott hat Raum, was immer geschieht und wie immer es geschieht. Die ganze Wirklichkeit ist ein Teil Gottes, auch wenn die Wirklichkeit wie bei Josef oder meinen eigenen Konflikten sehr umständlich und oft verworren erscheint und schwer oder gar nicht zu durchschauen ist. Gott hat Raum in allem. Er zeigt uns Wege, die unsere rein menschlich kalkulierbare und beherrschbare Ebene verlassen und daher für uns oft als eine Zumutung oder überraschend erscheinen und nur im Vertrauen und in der inneren Offenheit wahrgenommen und gegangen werden können. Die Wege des Vertrauens und des Loslassens auf Gott hin können uns aber dann auch wirklich weiterführen hin zum entfalteten Menschen, der frei und authentisch sein Leben ganz anders, viel weiter, klarer und erfüllter wahrnimmt und deshalb beginnt sich und die Welt zu heiligen. Dieser Weg ist für jeden von uns der Weg in unbegreifliche, lichterfüllte und grenzenlos freie Wirklichkeit des Himmels. Und dieser Weg beginnt JETZT!


zum Anfang der Predigt







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  Predigt am Christkönigssonntag LJ C: Lk 23,35-43, Diakon Christian Karmann

Königtum Gottes: Gott kommt zum Menschen, und der Mensch kommt zu Gott.


Das Kirchenjahr endet mit dem Blick auf Jesus Christus, den König. Man merkt dem Fest noch an, in welcher Zeit es entstanden ist: dass es einen bewussten Gegenpunkt setzen wollte in einer Zeit, als in der Folge des 1. Weltkrieges die meisten europäischen Monarchien untergingen - eine Staatsform, mit der sich die Kirche über Jahrhunderte identifiziert, aber ebenso häufig überworfen hatte. Vor diesem Hintergrund mag das Fest antiquiert und überholt erscheinen. Nur wenige Jahre nach seiner Einführung wurde dieses Fest allerdings zu einem Bekenntnisfest zu dem einen König Jesus Christus. Dieses Bekenntnis stand gegen die in Europa aufkeimenden ideologischen Diktaturen, die den neuen Menschen schaffen wollten und deren Führer sich wie Götter aufführten und Tod und unsägliches Leid über Europa brachten.

Christkönig steht nach wie vor sperrig gegen jede Form von Helden- und Königtum, auch wenn damit heute nicht mehr nur politische Gestalten gemeint sind, sondern auch solche der Medienwelt. Es steckt heute auch die Frage dahinter: An welchem König, Held oder Superstar orientieren sich Menschen? Und woran orientieren wir uns als Christen?
Ich denke, es geht immer wieder darum, diese Fragen nicht vordergründig, sondern von innen her zu beantworten. Dann geht es darum, auch von innen her zu wissen, was hinter meiner Antwort als Realität meines Lebens steckt/stecken könnte. Es geht also wieder mal darum, als Mensch, als Christ bewusster zu werden, wer Gott in meinem Leben ist und wer ich als Mensch in und vor Gott bin.
Viele von uns sehnen sich danach, dass dieses Wissen uns als innere Erfahrung geschenkt wird, die weit über gehörtes oder angelerntes Wissen hinausgeht. So haben es der eine "rechte" Verbrecher am Kreuz oder auch der heidnische Hauptmann erlebt. Beide haben plötzlich den inneren Durchblick gehabt, beide sind plötzlich dahinter gekommen, nicht weil man es ihnen gesagt hat, sondern weil sie es so und unmittelbar erlebt haben: "Dieser ist Gottes Sohn". In ihm zeigt sich auf völlig unerwartete Weise der königliche Christus, der Gott ist. Seine Macht ist die Liebe und nicht die Macht der Gewalt.

Wir Menschen, wir Christen versuchen seit Jahrtausenden hinter das Geheimnis zu kommen, wer Gott ist, wer Christus ist. Wenn wir das hilfreiche Bild des Königs dazu verwenden, denken wir zunächst natürlich daran, was einen vorbildlichen König ausmacht: Reichtum, Macht, Fülle, Würde, Kraft, Leben, Fürsorge, Souverenität usw..

Das alles ist der Christus:
Reichtum, weil er mit dem Schöpfer, der alles in allem ist, eins ist.
Macht, weil er durch die Kraft seiner Liebe im Vater alles ins Sein ruft und alles durchdringt,
Fülle, weil er in dem Maße gibt, wer er ist, nämlich unermesslich und sich selbst.
Würde und Souveränität, weil er weiß, dass er der Christus in Gott ist und deshalb Gott selbst ist.
Fürsorge, weil er sich mit allen Menschen zutiefst verbunden weiß, im innersten Raum, im Leben jedes Menschen gegenwärtig ist und ihm von innen her das göttliche Licht zeigen und sein möchte, um dem Menschen dadurch das Leben zu schenken, das in Gott ist, das Gott selbst ist.

Es tut gut von Gott das alles zu wissen, das gibt uns Hoffnung, Zuversicht, Freude, vielleicht sogar die innere Sicherheit und Vorfreude auf Himmel. Es fällt uns leichter so einen Gott anzubeten, der uns seine unbegrenzte Liebe in Christus gezeigt hat. Allerdings auch mit der Gefahr aus dem liebenden, machtvollen König, einen harmlosen lieben Gott zu machen, ohne Biss, ohne wirkliche Macht.
Und wir neigen dazu, eine Sichtweise von Gott, von Christus zu pflegen, wo er uns als ein Gott erscheint, der getrennt ist von unserer eigenen Person. Hier bin ich und dort ist Gott. Wir neigen dazu, all diese Attribute, all die Eigenschaften, die der König hat, getrennt von unserer Person zu denken, zu betrachten.

Wir stehen vor dem ersten Advent, einer Zeit, in der wir uns wieder bewusster werden können, dass Gott als der Christus auf die Welt, in die Welt kommt und dass das in jedem Menschen, in dir und mir geschehen soll. Weihnachten soll uns wieder nahe bringen, dass wir ein Stückchen mehr wiederentdecken können, dass Christus der König nicht nur niemals getrennt ist von jedem Menschen, sondern noch viel mehr jeder von uns dieser Christus von seiner Existenz her gesehen, vom seelischen her gesehen ist.

Von unserer tiefsten Seele her, von Gott her gesehen, haben wir nicht nur die Qualitäten eines Königs, einer Königin - Reichtum, Macht, Fülle, Würde, Kraft, Leben, Fürsorge, Souverentität usw.. Vielmehr noch: wir sind das in und vor Gott, weil wir Menschen auf der Augenhöhe des Vaters sind. In der Taufe wurden wir mit Chrisam gesalbt: in diesem Zeichen wird unsere Königswürde, die wir vor Gott haben, sichtbar. Also dürfen wir danach streben als die zu leben, die wir in Wirklichkeit sind. Wir dürfen danach streben uns selbst als die wiederzuerkennen, die wir sind.

Vor Gott sind wir Königskinder, deren besondere Würde und deren besonderer Dienst darin liegt, einander Liebe und Licht zu werden, zu sein.
Wer sich dessen bewusster wird, wird deshalb darauf achten, dass die königlichen Attribute und Eigenschaften des Christkönigs in ihm und aus ihm heraus immer deutlicher zu Tage treten. Es geht darum, den Christkönig in mir immer mehr durch mein Leben selbst zum Ausdruck zu bringen, durch mein Denken und Fühlen, durch mein Tun und Beten. Wenn ich weiß, wer ich im Tiefsten bin, kann ich als der leben, der ich bin.... wenn ich mich dazu immer wieder entscheide und meiner eigenen inneren Entwicklung diese Richtung geben will. Viele Menschen haben vergessen, dass sie Königskinder sind und leben deshalb nicht wie Königskinder.

Es geht eben darum, zu leben wer ich bin, und nicht, wer ich nicht bin. Als Mensch bin ich in meiner Seele: Liebe und nicht Angst oder Hass oder Gleichgültigkeit, bin ich gut und nicht böse, bin ich eins mit Gott und nie real getrennt von ihm, bin ich immer Leben und nie Tod, bin ich wie Christus, durch den sich Gott der Welt zeigt, schöpferisch und voll Kraft und Liebe.
Mit einem solchen Wissen ist also immer die Frage: Wie will ich also leben, welche Entscheidungen treffe ich, welche Entwicklungsrichtung schlage ich ein? Nur wenn ich im obigen Sinn zu mir selber finde, mich selber finde, in mir das Göttliche entdecken will, werde ich immer mehr ganz in mir, mir meiner immer bewusster und deshalb immer glücklicher.
In dem Maße wie ich mich in der Seele selbst erkenne, erkenne ich Gott. In dem Maße wie ich Gott erkenne, erkenne ich mich selbst.
Am Ende werden alle Menschen Gott schauen von Angesicht zu Angesicht; sie müssen aber auch sich selbst sehen so, wie sie sind in den Augen Gottes. Das Kommen des Gottesreiches bzw. die Herrschaft des Königtums Gottes geschieht gleichzeitig in zwei gegenläufigen Bewegungen: Gott kommt zum Menschen, und der Mensch kommt zu Gott.

Ob der Himmel zu uns kommt oder ob wir zum Himmel kommen - ob der Himmel über uns oder in uns aufgeht - es bleibt immer ein Doppelvorgang. Mit dem Glauben an die absolute Liebe haben wir auch die innere Gewissheit, dass am Ende alle Menschen und auf ihre Weise auch alle Geschöpfe in den Himmel kommen. Oder anders ausgedrückt:... dass am Ende der Himmel in allen Menschen aufgegangen ist.

Für uns ist wichtig, dass das Reich Gottes, der Himmel, durch die Liebe jetzt schon in uns sein kann und in uns ist.
Jesus sagt: "Das Königtum Gottes ist mitten unter euch". Es ist die einende Kraft, die uns verbindet.


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  Predigt am 32. Sonntag im Jahreskreis LJ C: Lk 20,27-38, Diakon Christian Karmann

Gott ist ein Gott der Lebenden, ein Gott meiner Person


Ich finde es schon interessant, dass Jesus auf so provozierende, dumme Fragen überhaupt reagiert. ("Wessen Frau wird sie nun bei der Auferstehung sein? Alle sieben haben sie doch zur Frau gehabt.") Jesus nimmt aber die dummen Fragen sehr ernst und gibt uns gewaltige Denkanstöße, die unsere Vorstellungen und Fragen im Hinblick auf Tod und Auferstehung sehr erhellen können.

Zunächst weist Jesus darauf hin, dass beim Tod alles Irdische und alle irdischen Probleme, die mit unserem körperlich-vergänglichen Dasein verbunden waren, zu Ende sind: "Nur in dieser Welt heiraten die Menschen". Nur die Liebe bleibt und ist wichtig für die Ewigkeit; nur die Liebe, die unser Leben geprägt hat bzw. das, was von unserem Leben von der Liebe geprägt wurde, nehmen wir mit in unserem Auferstehungsleib. Alles andere muss geheilt werden.

Um die Worte Jesu in der Tiefe auszuschöpfen, ist also die Unterscheidung von "Leib" und "Körper" sehr wichtig. Wir haben jetzt noch einen Körper; wir sind aber unser Leib, der beim Tod aus dem nun verwesenden Körper aufersteht.
Wenn ich z.B. das faltige, zerfurchte Gesicht eines alten Menschen anschaue, dann erkenne ich darin viel mehr als nur eine bestimmte Form von Haut, Fleisch und Knochen. In einem Gesicht, gerade in einem alt-gewordenen, spiegelt sich oft sehr viel von der Biographie eines Menschen wieder, mit ihrer ganzen Last und Lust.
Oder nehmen wir die Augen: in ihnen kann viel von der Freude und dem Leid, der Zufriedenheit oder der Unzufriedenheit, der Ehrlichkeit oder der Verlogenheit eines Menschen entdeckt werden. Das alles fällt unter den Begriff "Leib". Der biologische Organismus wäre dem gegenüber also der Körper. Der Leib dagegen erzählt durch den Körper vom Charakter und der Lebensgeschichte, von den Freuden und Leiden eines Menschen. In vergänglicher Hülle des Körpers wächst und reift, was ewig leben wird: mein Selbst, meine Person, meine Identität, mein Leib.

Jesus und Paulus geben uns eine Verstehenshilfe mit dem Symbol vom Weizenkorn: In sterblicher, verweslicher Hülle wächst und reift der Kern, bis er keimfähig ist und selbst aufgehen kann, das heißt, bis wir "würdig" sind, "an jener Welt und an der Auferstehung von den Toten" teilzuhaben. Mein toter Körper wird einmal die leere Schale meines Leibes und meiner selbst sein.

"Gott ist ein Gott der Lebenden". Er ist der Gott meiner Person - nicht meines toten Körpers. Er hat uns alle, die wir als Personen da sind, aufgebaut. Er ist der Ursprung aller Person, auch meiner Person. Gott bleibt verbunden mit meiner Person; darum ist meine Person verbunden mit seiner Ewigkeit. So ist es bei allen Menschen; darum sind "für Gott alle Menschen lebendig". Es fällt uns schwer, den Tod als Ort der Auferstehung und Auferweckung zu erkennen, weil für uns irdische Menschen zwischen Tod und Auferstehung die lange schmerzliche Phase der Trauer und der irdischen Ablösung besteht, die in der Kraft von Glaube, Hoffnung und Liebe bewältigt werden muss.

Durch die vielen kleinen und auch großen Tode, die wir selbst durchmachen und mit anderen mitmachen, kann es uns immer mehr gelingen, Tod und Auferstehung in eins zu sehen. Ganz wird es uns erst gelingen, wenn wir selbst auferstanden sind. Weil Gott sich also immer schon mit meiner Person oder genauer, er sich mit dem, der ich bin verbindet; darum bin ich verbunden mit seiner Ewigkeit. Und deshalb ist er für mich der Gott meines Lebens, dieses und des ewigen.

Zu diesem Thema noch eine Geschichte, wie schwer es uns fällt, uns die Realität des Lebens nach dem Tod vorzustellen:
Es geschah, dass in einem Schoß Zwillingsbrüder empfangen wurden. Die Wochen vergingen, und die Knaben wuchsen heran. In dem Maß, in dem ihr Bewusstsein wuchs, stieg ihre Freude. "Sag, ist es nicht großartig, dass wir empfangen wurden? Ist es nicht wunderbar, dass wir leben?!" Die Zwillinge begannen die Welt zu entdecken. Als sie aber die Schnur fanden, die sie mit ihrer Mutter verband und die ihnen die Nahrung gab, da sangen sie vor Freude: "Wie groß ist die Liebe unserer Mutter, dass sie ihr eigenes Leben mit uns teilt!" Als aber die Wochen vergingen und schließlich zu Monaten wurden, merkten sie plötzlich, wie sehr sie sich verändert hatten. "Was soll das heißen?" fragte der eine. "Das heißt", antwortete der andere, "dass unser Aufenthalt in dieser Welt bald seinem Ende zugeht". "Aber ich will gar nicht gehen", erwiderte der eine, "ich möchte für immer hier bleiben". "Wir haben keine andere Wahl", entgegnete der andere, "aber vielleicht gibt es ein Leben nach der Geburt!" "Wie könnte das sein?" fragte zweifelnd der erste, "wir werden unsere Lebensschnur verlieren, und wie sollten wir ohne sie leben können? Und außerdem haben andere vor uns diesen Schoß verlassen, und niemand von ihnen ist zurückgekommen und hat uns gesagt, dass es ein Leben nach der Geburt gibt. Nein, die Geburt ist das Ende!" So fiel der eine von ihnen in tiefen Kummer und sagte: "Wenn die Empfängnis mit der Geburt endet, welchen Sinn hat denn das Leben im Schoß. Es ist sinnlos. Womöglich gibt es gar keine Mutter hinter allem". "Aber sie muss doch existieren", protestierte der andere, "wie sollten wir sonst hierhergekommen sein. Und wie könnten wir am Leben bleiben?" "Hast du je unsere Mutter gesehen?" fragte der eine. "Womöglich lebt sie nur in unserer Vorstellung. Wir haben sie uns erdacht, weil wir dadurch unser Leben besser verstehen können". Und so waren die letzten Tage im Schoß der Mutter gefüllt mit vielen Fragen und großer Angst. Schließlich kam der Moment der Geburt. Als die Zwillinge ihre Welt verlassen hatten, öffneten sie ihre Augen. Was sie sahen, übertraf ihre kühnsten Träume.


zum Anfang der Predigt







v v zu den Predigten in St. Ulrich v v
  Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis LJ C: Lk 15,1-32 Tim 1,12-17; 2010-09-12, Diakon Christian Karmann

Jesus mutet uns die Bekehrung zum "neuen Menschen" zu

"Selig, wer an mir keinen Anstoß nimmt", sagt Jesus weiter vorne im Evangelium. Aber Jesus erregt Anstoß. Die Schriftgelehrten und Führer des Volkes sind empört, weil sich Jesus mit Sündern abgibt und sogar mit ihnen isst. Wer mit Sündern isst, hat Gemeinschaft mit ihnen und ist selbst ein Sünder. Jesus beschwichtigt die Schriftgelehrten nicht; er reizt sie noch mehr durch die drei Erzählungen von den Verlorenen, denen Gott nachgeht, die er sucht, bis er sie findet, oder auf die er wartet, bis sie heimkommen.

Die Schriftgelehrten haben sich ein menschlich stimmiges Gottesbild gemacht, wofür sie Argumente aus der Schrift und aus ihrer Glaubensgeschichte anführen können. In dieses Gottesbild passt Jesus mit seinem Gottesbild absolut nicht hinein. Ihre ganze menschliche und religiöse Identität wird durch Jesus in Frage gestellt: Wenn das Gott ist, was Jesus verkündet und tut, dann liegen wir alle falsch.
Das kann und das darf doch nicht sein! Deshalb "fassten sie, zusammen mit den Anhängern des Herodes, später den Beschluss, Jesus umzubringen".

Jesus ärgert die "frommen" und anständigen Menschen seiner Umgebung, und dann sagt er herausfordernd: Selig, wer sich an mir nicht ärgert. Wer sich über Jesus nicht mehr ärgern muss, ist von Jesus zu Jesus und zu seinem Gottesbild bekehrt. Wer sich zu Jesus bekehrt, kann sich auf sich selbst nichts mehr einbilden, und er kann die Sünder, mit denen Jesus isst, und die er nicht verdammt, auch nicht mehr verdammen. Das ist die Zumutung der Bekehrung, aus der der "neue Mensch" hervorgeht, der "aus Gott geboren ist".

Diese Situation hat sich bis heute nicht geändert. Wer den allbarmherzigen Gott verkündet, bewirkt Empörung bei allen, die an den strafenden Gott glauben und die Strafe und Rache Gottes androhen. Sie "müssen" mit Gott drohen; denn ihre Identität steht auf dem Spiel, und sie "müssten" sich bekehren.

Es ist tragisch, dass der strafende Gott den Menschen oft näher liegt als der barmherzige, obwohl der barmherzige unsere Rettung und Befreiung ist. Dies rührt wohl daher, dass die Vergeltung unserem angeborenen Denken plausibler erscheint als die Vergebung. Die drei Geschichten von den Verlorenen wollen uns bewegen zum Glauben an den barmherzigen Gott und damit zur Bekehrung, in der wir selbst barmherzig werden.

Die drei Geschichten wollen uns aber auch ermutigen, selbst zu leben und das Wagnis des Lebens einzugehen, selbst auf die Gefahr hin, dass wir "verloren" gehen und uns selbst und Gott verlieren. Gott verliert uns nie, auch wenn wir ihn verlieren. Dieses Wissen gibt uns die Sicherheit, die wir brauchen, um innerlich frei und gleichzeitig geborgen sozusagen nach vorne zu leben, mit Schwung und ohne Angst.

Das Bild vom suchenden Gott, der uns nachgeht bzw. auf uns wartet, macht uns darauf aufmerksam, dass sein Auge immer auf uns ruht, dass sein Auge alles sieht. Gott hat uns immer im Auge; aber er ist kein Aufpasser, der uns überall hin nachspioniert wie ein "big brother" mit seinen Fernsehkameras. Gott lässt uns völlige Freiheit bis hin zum Verlorengehen; er greift nicht ein, und trotzdem stehen wir immer in seiner Hand. Er wird uns suchen und immer wieder finden. Wer nie verloren geht, weiß nie, wie schön es ist, wiedergefunden zu werden. Das soll jetzt keine Aufforderung sein, verloren zu gehen. Aber wenn Gott mich findet, oder besser, ich mich von ihm finden lassen will, bin eigentlich ich es, der Gott findet, der immer schon in meiner Begrenztheit, Uneinsichtigkeit, Verlassenheit und Verlorenheit bei mir war. Und wenn ich das weiß, dann kann ich mein allzu begrenztes Leben immer auf ihn legen, in dem Vertrauen, er wird mich immer finden und heimführen.
Das alles bedeutet nicht, die Hände in den Schoß zu legen und das Leben so gut wie möglich abzuleben nach dem Motto: Wozu mich anstrengen, den Weg zu Gott zu suchen und zu gehen. Wozu die Mühe, wenn ich sowieso nicht verloren gehen kann und ich letztlich bei Gott geborgen bin.
Schauen wir ein wenig auf das Gleichnis vom verlorenen Sohn:

Der Sohn ist mit seinem Erbteil, das ihm der Vater ausgezahlt hat, von zuhause weg in die Fremde gegangen. Er hat das Weite gesucht. Er hat alle Beziehungen hinter sich abgebrochen: Ich kann es alleine besser, mein Leben funktioniert ohne die lästige Bindungen an die Familie, an Gott besser und schöner. Ich will meine Freiheit. Der Sohn hat alles durchgebracht und verschleudert. Er ist gezeichnet, er kehrt nach Hause zurück.

Als der Sohn mit leeren Händen zum Vater zurückkehrt, wartet dieser schon. Der Vater nimmt den Sohn auf, nicht herablassend, sondern herab neigend, voller Verständnis, voller Barmherzigkeit, voller Freude, voller Liebe. Er hat schon längst verziehen und der Sohn hat begriffen, dass er in der Beziehungslosigkeit zum Vater, die er fälschlicherweise als Freiheit und Leben gedeutet hat, keine Freiheit und kein Leben findet. Aber er hat diese Erfahrung gebraucht, sonst hätte er nicht erkannt.

Wenn ich dieses Gleichnis lese, taucht mein eigenes Leben vor meinem inneren Auge auf: Auf welchem Abschnitt meines Weges stehe ich gerade? Bin ich in der Fremde, weit weg vom Vater? Lebe ich momentan die Erfahrung, weit weg von Gott zu sein, vielleicht um zu begreifen, wie sehr ich seine Nähe brauche? Mache ich momentan die Erfahrung, dass ich mich im Leben ausgesetzt und verlassen fühle? Oder bin ich auf dem Weg nach Hause zum Vater? Oder bin ich schon innerlich zuhause, wo's mir gut geht, wo ich Frieden habe, wo mein Leben im Gleichgewicht ist? Kann ich zu meinem Gott sagen: hier bin ich, ich möchte bei dir sein? Ich möchte mich von dir anrühren lassen, von dir berühren lassen. Ich möchte aus dir heraus und mit dir und in dir mein Leben gestalten, mir mein Leben immer wieder neu schenken lassen.

Egal, wo ich stehe, egal, ob ich es wahrnehme, Gott ist immer mit mir. Egal, welche Erfahrungen ich jetzt gerade mache oder vielleicht machen muss, Gott versteht mich und er versteht, dass die Erfahrung der Dunkelheit notwendig ist, um die Schönheit und Lebendigkeit des Lichts zu schätzen und zu verstehen.
Gott ist mit jedem von uns, immer und unverlierbar und begleitet uns auf jeweils ganz individuelle Art und Weise, so wie es jeder braucht und entscheidet, auf den Wegen seines Lebens, das Anfang und Ende immer in ihm hat. Denn Gott ist das Leben.


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  Predigt am 18. Sonntag im Jahreskreis LJ C: Lk 12,13-21 Koh 1,2;2,21-23; 2010-08-01,
Diakon Christian Karmann

Innerlich frei werden, um das Leben zu haben


Mit dem heutigen Evangelium fühlt uns Jesus ganz schön auf den Zahn. Wir leben in einer Kultur, in der Wohlstand, Besitz, das, was ich habe, einen sehr hohen Stellenwert besitzen. Wir wenden enorme Anstrengungen auf, um uns auf diesem Niveau zu halten und wenn möglich sogar noch anzuheben. Sie alle kennen den Werbespot ".... mein Haus, mein Auto, mein Boot ....", wo zwei sich gegenseitig übertrumpfen möchten, was sie so alles besitzen. Zugegeben: dieser Spot ist ziemlich platt und vordergründig, aber er weist auf Symptome hin, auf die man überall trifft. Das zieht sich durch von der Ebene des Staats bis hinein in die einzelnen individuellen Lebensvollzüge.
Wir leben in einer Kultur, die materielles Wachstum als Credo ganz weit nach vorne schiebt. Wir leben in einer Kultur, wo das Haben-müssen und das, was einer hat, mit Glück, Sicherheit und Leben gleich gesetzt und verwechselt werden. Im Übrigen geht es beim haben-müssen nicht nur um materielle, sondern auch um immaterielle Dinge, z.B. um Beziehungen, wo ich einen Menschen "habe" oder dominiere oder ich mich in innere Abhängigkeiten begebe. Oft versteckt und unbewusst, aber nichtsdestoweniger sehr real.

Viele denken: Ich bin, was ich habe. Damit ich also wer bin, muss ich haben. Alles, was in diesem Sinne sein muss, wird zwanghaft und macht den Menschen in höchstem Maße in sich selbst unfrei, weil er davon abhängig wird, es wird zur Sucht, zur Habsucht. Der Habsüchtige muss alles haben und alles machen. Habsucht ist die "Ursünde" des Menschen, der das Leben machen und besitzen will, was ihm als Leben eigentlich anvertraut ist. Der glückliche Mensch darf die Dinge haben, die ihm helfen, sein Leben zu entfalten, der habsüchtige Mensch muss sie haben. Was für den einen Geschenk ist, wird für den anderen zum Zwang. Aus dem Zwang kommt die Angst, nicht zu haben, was ich haben muss, oder zu verlieren, was ich habe. Angst ist das Gegenteil von Liebe und damit auch von Gott.
Ich habe vorhin gesagt, dass uns Jesus mit dem heutigen Evangelium ganz schön auf den Zahl fühlt. Es ist nämlich außerordentlich wichtig, sehr wachsam und insbesondere sehr ehrlich zu sein gegenüber sich selbst: wo habe ich meine Unfreiheiten und Abhängigkeiten, wo klebe ich an Dingen oder bin in sie verliebt, das Haus, das Auto, den Urlaub, das Sparbuch. Wo habe ich diesbezüglich meine Schwachpunkte, die ich in den Blick nehmen soll und die ich oft nicht leicht anschauen und aushalten kann? Wo habe ich Abhängigkeiten oder Schwachpunkte, wenn ich immateriellen Dingen in meinem Leben anschaue, die sich vielleicht als Süchte zeigen, die Sucht nach dem nächsten Kick, die Sucht nach Glück, Haben-müssen in Beziehungen, alles in mir, was ich haben muss, weil ich es nicht loslassen kann.
Wie gesagt, es geht nicht darum, sich selbst auszuplündern, es geht um innere Unabhängigkeit von Dingen. Es geht darum, die Periphere nicht für das Eigentliche, das Zentrum zu halten. Es geht darum, zu unterscheiden, welche Dinge, welcher Besitz mir und anderen zum Leben verhelfen und entsprechend eingesetzt werden sollen und was demgegenüber das Leben selbst ist. Das Werkzeug, das Mittel ist nicht das Werk. Wer das Werkzeug, das Mittel, den Besitz für das Eigentliche hält, sitzt einer Illusion auf. Das ist alles Windhauch, sagt Kohlet, hat keine Substanz, ist flüchtig, ist nicht das Eigentliche, nicht das Bleibende, nicht das Leben, ist nicht mein Leben.
Es geht letztlich darum, nicht zu verwechseln, was ich habe, mit dem, wer ich bin. Deshalb ist nicht der Mensch glücklich, der viel hat, sondern der, der viel ist, von seinem Sein her gesehen. Der Mensch wird glücklich, der alles Glück, alles Leben in sich sucht, in sich wahrnimmt und weiß, dass Gott in ihm die Quelle ist.

Damit ich dieses Glück finden kann, muss ich zuerst alles hergeben. Oder genauer: muss ich innerlich frei sein, um alles herzugeben oder zur Verfügung zu stellen, wenn es denn dran ist. Ich werde in dem Maße Mut zu dieser Freiheit haben, wie ich die Sehnsucht, das innere Wissen und das Vertrauen in mir habe, dass das so entstandene innere Vakuum mit etwas Neuem, Größerem, Erfüllenderem, Tragenderem gefüllt wird. Dann erkenne ich den verborgenen Schatz im Acker, für den ich allen äußeren Besitz aufgeben kann, um dadurch noch viel reicher und lebendiger zu sein. Dann erkenne ich, dass alles Glück aus Gott kommt, der die Mitte von allem ist, also auch meine eigene Mitte. Erst in dieser Haltung werde ich fähig, die Dinge, die mir gegeben sind, unbeschwert bis in die Tiefe meiner Wahrnehmung und Erlebensfähigkeit wirklich zu genießen, in aller Freiheit von ihnen, ohne Haben-müssen, ohne Abhängigkeiten. Ich werde fähig, das, was ich habe, in den Dienst des Lebens zu stellen, meines Lebens und das der anderen, ich werde fähig zu teilen, zu schenken. Gott soll die Mitte meines Lebens sein, um die sich alles dreht, damit ich nicht ins Schleudern komme, sondern das Leben in Fülle habe.


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  Predigt am 17. Sonntag im Jahreskreis LJ C: Lk 11,1-13 ; 2010-07-25,
Diakon Christian Karmann

Richtig beten: Nicht Gott muss sich ändern, sondern wir!


Im heutigen Evangelium spricht Jesus ganz eindringlich über das Gebet und das Beten. Selbst die Jünger, die Jesus so nahe waren, wussten nicht wirklich, wie sie sich in ihrem Gebet Gott nähern sollten. Wenn wir über Gott und unser Verhältnis zu ihm nachdenken, muss uns klar sein, dass unser Bild von ihm immer irgendwie verfälscht und subjektiv gefärbt. Mit unseren unerleuchteten, "blinden" Augen sehen wir Gott so, wie wir ihn uns, nach unserem "Bild und Gleichnis", vorstellen, und nicht so, wie er ist. Unser Gottesbild ist also weit mehr Projektion als Realität. Nicht umsonst versuchen sich die Juden deshalb kein Bild von Gott zu machen. Der Mensch versucht Gott in seiner Vorstellung zu vermenschlichen. Jesus trägt unserer Problematik Rechnung; er "holt uns da ab, wo wir stehen" und ermuntert uns zum Beten, auch wenn wir Gott noch nicht kennen und verstehen.

Zunächst "lernt" er uns das Vaterunser, das Gebet aller Gebete, das wir beten können und beten sollen, auch wenn wir es nicht oder noch nicht verstehen. Das ist auch der pädagogische Grund, die Kinder das Vaterunser zu lehren, auch wenn sie es noch nicht verstehen. Wir lernen Gott nicht kennen, bevor wir zu ihm beten; erst wenn wir zu ihm beten, wenn wir uns mit ihm vor allem im Alltag beschäftigen, fangen wir an, ihn immer besser kennenzulernen.

Das Vaterunser ist wie ein Gerüst, das aufgestellt wird, bevor der Bau hochgezogen wird. Das Vaterunser ist geradezu eine vorgegebene religiöse "Lebensform", die im Laufe meines Lebens immer mehr erfüllt wird mit Lebens- und Gotteserfahrung. Vielleicht merken Sie selbst, wie im Laufe Ihres Lebens immer wieder andere Aussagen des Vaterunsers in den Vordergrund treten und ihre Konturen verändern. Vielleicht sehen Sie bestimmte Passagen immer wieder anders und neu, leichter oder schwieriger je nach Alter und Lebenssituation.

Mit zwei Beispielen aus unserer alltäglichen Erfahrung will uns Jesus zum "blinden Vertrauen" ermuntern. Wir können Gott erst sehen, wenn wir vertrauen.
Solange wir nicht vertrauen, bleiben wir blind. Erst das Vertrauen öffnet die Augen.

Darum wählt Jesus Beispiele für unsere blinden Augen:
Der Freund, der beim Freund um Brot bittet, erhält das Gewünschte nicht wegen der Freundschaft, sondern wegen seiner Zudringlichkeit. Die Konsequenz ist: Solange bitten, bis wir Gott "auf die Nerven gehen", bis er uns das gibt, was wir brauchen -oder genauer: bis uns aufgeht, dass wir genau das schon haben, was wir brauchen. Auch wenn wir es auf eine Weise haben, mit der wir nicht rechnen und vielleicht deshalb nicht erkennen. Und vielleicht das gar nicht brauchen, worum wir ihn gebeten haben.

Dieses Beispiel hat noch einen tieferen Sinn:
Das Brot, die Liebe, die ich brauche, um "freundlich" zu sein zu meinem Freund, muss ich bei meinem Freund, bei Gott, immer wieder erbitten. Aus mir selbst heraus habe ich viel zu wenig von der Liebe.

Das andere Beispiel vom Vater, der seinem Sohn keine Schlange gibt, soll unser Vertrauen stärken, dass Gott noch viel mehr als ein irdischer Vater, uns keine Schlangen, Skorpione und Steine statt Brot gibt.

Wir können und müssen so lange bitten, bis uns aufgeht, dass wir eigentlich gar nicht zu bitten brauchen. Nicht Gott muss sich ändern, sondern wir! Gott weiß schon längst, was wir brauchen. Aber: Bitten macht empfänglich. Wenn ich um das bitte, was ich schon habe, z.B. um das Essen, das schon aufgetragen ist, empfange ich es als Geschenk der Liebe Gottes. Wenn ich um etwas bitte, das ich nicht habe und auch nicht bekomme, kann ich vielleicht auch das Nicht-Haben irgendwann aus seiner Hand annehmen und werde deshalb vom Haben-müssen befreit. Wer um alles bittet, wird für alles empfänglich, auch für das, was er vordergründig nicht bekommt. Andererseits Gott, der Geber, ist immer unberechenbar, überraschend und immer anders, als wir ihn in unseren Bitten, Erwartungen und Bildern sehen wollen.

Ähnlich wie beim Bitten verhält es sich beim "Suchen" und "Anklopfen". Wer nicht aufhört, Gott zu suchen, wird nach vielen "Ver-suchungen" schließlich herausfinden, dass Gott immer schon da war, da ist und da sein wird,

Wer nicht aufhört anzuklopfen, dem wird irgendwann einmal das Schloss aufspringen, und er wird erkennen, dass nicht Gott, sondern er verschlossen war. Das Beten öffnet uns die Tür in die ewige Offenheit Gottes und wir werden als betende Menschen fähig, seine kraftvolle und freundlichen Gegenwart immer mehr als den eigentlichen Boden unseres Lebens zu erfahren. Das Resultat: das Leben gewinnt mehr an Leichtigkeit, Freude, Friede, Vertrauen und Offenheit für alle Wege, die er mit mir vor hat.


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  Predigt am 16. Sonntag im Jahreskreis LJ C: Lk 10,38-42 ; 2010-07-18,
Diakon Christian Karmann

Gesunde Balance zwischen ehrlicher Spiritualität und engagierter Aktion


Liebe Hausfrauen und Hausmänner,
wie würden Sie sich fühlen, wenn Sie von einem lieben Gast so etwas wie die Martha zu hören bekämen. Vielleicht würden Sie sich ungerecht behandelt fühlen. Vielleicht würden Sie den Impuls spüren, die ganze Arbeit einfach hin zu schmeißen, sich vielleicht beleidigt zurückziehen.

Schauen wir genauer hin auf die beiden völlig gegensätzlichen Frauen, die zwei völlig verschiedene Typen von Menschen charakterisieren. Vielleicht können Sie sich mit einer von den beiden Frauen besonders gut identifizieren und entdecken Parallelen zu sich selbst.

Treiben wir mal ein bisschen angewandte Psychologie:

Schauen wir uns zuerst die Martha an.
Menschen wie Martha sind in der Regel nicht sehr empfänglich für Lehre über geistliche Gaben oder Weisheit. In ihren Augen ist das viel zu theoretisch. Sie möchten, dass sich etwas bewegt, und sie gehören in der Regel zu denen, auf die man sich verlassen kann. Sie es war, die Jesus aufnahm und - ganz anders als ihre Schwester Maria - "sich viel zu schaffen" machte, "ihm zu dienen". Dies ist typisch für Leute wie sie. Ihre Stärke ist Engagement. Ohne die selbstlose Hingabe der "Marthas" dieser Welt müssten wir wahrscheinlich die meisten Gemeinden schließen. Dann würden die Menschen fehlen, die aktiv mit Engagement und Kraft Dinge bewegen, gestalten und vorantreiben.

Diese dienende Haltung ist Marthas große Stärke, und Jesus kritisierte diese Eigenschaft mit keinem Wort. Die heutige Geschichte zeigt uns aber auch Marthas Schwachpunkte:
"Martha aber war ganz davon in Anspruch genommen, für ihn zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir allein überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!"
Natürlich ist der Dienst der Martha zum Feiern unverzichtbar. Dies könnte allerdings dazu führen, dass sie sich zu wichtig nimmt und ihr notwendiger Dienst zum Selbstzweck wird und nicht mehr im Blick hat, dass sie eigentlich einer höheren Sache dienen möchte.
Wie so viele Menschen, die ihren Ausgangspunkt teilen, hatte sie keinen stark entwickelten Sinn für das rechte "timing", sie merkte nicht, dass jetzt in diesem Moment etwas anderes, für den Moment viel Wichtigeres dran war als zu schuften. Ihr fehlte diese Art von Weisheit, das zu erkennen, was jetzt in diesem Augenblick wichtig war.

Martha war damit beschäftigt zu dienen, Maria war damit beschäftigt, sich von Jesus beschenken zu lassen. Die Gefahr von Menschen wie Martha besteht nun darin, dass sie bei all ihren Aktivitäten Gelegenheiten geistlicher Salbung verpassen.

Jesu Reaktion auf Martha begann damit, dass er ihr selbstloses Engagement anerkannte: "Martha, Martha, du macht dir viel Sorgen und Mühe". Ohne Zweifel wusste Jesus diese Art des Dienens zu schätzen, er hat das bei anderen Begegnungen immer wieder deutlich gemacht. Als er das jedoch gesagt hatte, fügte er hinzu: "Aber nur eines ist notwendig. Maria hat das Bessere gewählt, das soll ihr nicht genommen werden". Mit diesen Worten redet Jesus keineswegs geringschätzig über Marthas Engagement. Aber indem er Marias Position verteidigte, half er Martha, einen Bereich zu entdecken, in dem sie dringend auf Wachstum angewiesen war.

Solche Menschen könnten in ihrem Dienst noch viel effektiver sein und ihnen gleichzeitig mehr Freude machen, wenn sie ihr tolles Engagement für Jesus und die Gemeinde sowohl mit Zeiten des persönlichen geistigen Auftankens als auch mit mehr Weisheit im Umgang mit ihren Mitchristen verbinden könnten.

Schauen wir jetzt auf Maria:
Für Leute wie Maria kommt es einzig und allein auf die geistliche Dimension an. Kein Wunder, dass die beiden Frauen Schwierigkeiten miteinander hatten!
Maria setzte sich Jesus zu Füßen und hörte ihm zu.
Diese Verhaltensweisen passen gut zu Leuten wie Maria. Sie haben ein stark ausgeprägtes Gespür für die geistliche Dimension (blaues Segment). Sie sind in der Lage, alles stehen und liegen zu lassen, alle Zurückhaltung aufzugeben. Leute wie Maria können exzessiv, verschwenderisch sein.
Es ist nur verständlich, dass Judas Maria im Johannesevangelium kritisierte, warum dieses Öl nicht für viel Geld verkauft worden ist, um es den Armen gegeben, anstatt Jesus damit zu salben. Leute wie Maria kümmert es nicht, wenn sie mit derartiger Kritik konfrontiert werden. Sie werden von der inneren Überzeugung angetrieben, dass sie geistlich im Recht sind. Während andere tätig sind, sich Gedanken machen und Vorbereitungen treffen, sitzen diese lediglich herum und "verschwenden" Zeit und Geld. Aber genau das ist ihre Stärke! Sie geben sich Raum, um sich im Geist Gottes spirituell zu entfalten.

Es ist nicht ganz einfach, Marias Verhalten zu kritisieren, da Jesus es klar ins Recht setzte. Was ist dann das Problem der "Übergeistlichen"? Das Problem war nicht Marias Verhalten in dieser Geschichte; die besondere Situation rechtfertigte es. Probleme entstehen aber dann, wenn "Übergeistliche" diese Haltung zu einem grundsätzlichen Verhaltensmuster machen. Sie gehören immer zu denen, die herumsitzen und "geistliche Dinge" aufsaugen, während sie die praktischen Dinge des Dienstes und alle Reflexion und Planung anderen Menschen überlassen. Es geht im Auftrag Jesus auch um die konkrete Sorge für die Armen und Schwachen. Maria vergisst das leicht in ihrer "Übergeistlichkeit".
Es ist ganz wichtig, dass solche Menschen keinen Zentimeter von z.B. ihrem Gebetsdienst zurückziehen - ganz im Gegenteil. Anstatt aber das Gebet und ihren spirituellen Einsatz gegen das konkrete Handeln auszuspielen, würde es sie geistlich weiterbringen, wenn sie die Bedeutung des praktischen und konkreten Dienstes schätzen lernte.

Die Spannung Martha - Maria ist letztlich die Spannung zwischen außen und innen, Verpackung und Inhalt, Schale und Kern. Natürlich schmeckt Kaffee aus einer Porzellantasse besser als aus einem Plastikbecher. Aber man trinkt den Kaffee und isst nicht die Tasse. Und natürlich tut es zur Not auch der Plastikbecher, aber die Tasse macht den Kaffee zum Fest.
Es macht keinen Sinn den Typ der Martha gegen den Typ der Maria auszuspielen. Innen und außen sind eine Einheit, die in unserer Geschichte auf zwei Frauen verteilt sind.

Der "gute" oder "bessere" Teil von diesem Ganzen ist der innere. Indem das Äußere dem Inneren dient, empfängt das Äußere von innen her seine Notwendigkeit und Güte.
Was wären unsere Feste ohne die äußeren Vorbereitungen! Aber andererseits: was ist oft aus unseren Festen geworden, weil das Äußere das Innere verdrängt hat?
Was wäre das Wort Gottes ohne den festlichen, persönlichen Rahmen, der es lebendig macht und zur Geltung bringt? Was wäre Gott, die Liebe und das Leben, wenn wir sie nicht immer wieder feiern könnten?

Und für unsere Gemeinde: es kommt eben immer auf die gesunde Balance zwischen außen und innen an, auf die gesunde Mischung zwischen tiefer, ehrlicher und echter Spiritualität und der daraus erwachsenden kraftvollen und engagierten Aktion, die das Leben in uns selbst und untereinander konkret und reich macht.


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  Predigt am Pfingstmontag, Apg 19,1b-6a; Joh 3,16-21; 2010-05-24,
in der Genezareth-Kirche Diakon Christian Karmann

Aufbruch: alles auf den Geist Gottes ausrichten


Von allen guten Geistern verlassen, vom guten Geist verlassen: so kommt einem manchmal die Welt vor. Es regieren die Geister des Materialismus, der Gier, der Macht- und Konsumbesessenheit, die Geister des Egoismus und der Selbstbezogenheit. Diesen Geistern wird so vieles geopfert: die Menschlichkeit, das Wohl und Auskommen Vieler, die Natur.

In der Tat scheint die Menschheit momentan "geist-los" dahin zu treiben. Und die Richtung des Weges scheint nach unten zu führen, immer steiler, immer schneller. Und der Ast, auf dem wir alle sitzen, wird immer dünner.

Sehr viele unserer Mitmenschen auf die Frage, wes Geistes Kind sie sind, würden vielleicht gar nicht verstehen, was Sie meinen. Wir haben noch nicht einmal gehört, dass es einen Geist, geschweige einen heiligen Geist gibt. Denken Sie an die Lesung.
Wer nicht mit dem Geist rechnet, wird auch nicht aus ihm leben können! Wer nicht vom Geist, der immer da ist, weiß, wird sich ihm nicht anvertrauen.

Es ist schon unsere Aufgabe als Christen, da ein massives Gegengewicht zu setzen. Es ist an uns, zu zeigen, dass es auch anders gehen kann, mehr noch, dass es anders gehen muss. Unser Überleben als Menschheit und damit auch als Einzelne hängt davon ab.

Der Ökumenische Kirchentag - viele von uns stehen noch unter dem Eindruck vieler positiver, befruchtender und motivierender Erlebnisse - war ein mächtiges Zeichen des gelebten guten Geistes für uns, für Deutschland und darüber hinaus. Wie wohl tuend für viele war der Geist der Verbundenheit, der Geist des Zusammenhalts, der Geist eines hoffentlich beherzten Weitergehens in Richtung Einheit, der Geist des gegenseitigen Verständnisses, der Geist der Freude.
Dieser Geist ist die Konsequenz der Liebe Gottes, die er uns in Jesus Christus schenkt. Durch diese Liebe möchte Gott den Menschen das Leben schenken, nicht ihn bestrafen, wie mancher aus dem heutigen Evangelium verstehen könnte. Gott rettet die Welt nicht durch ein Sühneopfer seines Sohnes, sondern durch seine absolute Liebe. Gott richtet die Welt nicht im Sinn von Verurteilung und Strafe, sondern im Sinne von "Richtigstellung". Der Glaubende ist richtig gestellt, er hat die richtige Einstellung, die aus Selbstvernichtung rettet und ins Leben führt.
Diese Einstellung auf Gott hin wird jeder von uns immer wieder und unaufhörlich im Blick haben müssen, denn sie ist die lebendige Beziehung zum ihm, aus der wir leben. Glaube ist so die freie, im Vertrauen auf Gott gelebte Beziehung zu ihm. Wer so lebt, öffnet sich auf die Erfahrung des Geistes hin, er erlaubt dem Geist, in ihm zuhause zu sein und durch ihn zu wirken, zu heilen, zu verbinden.

Die Beziehung zu Gott ist keine Einbahnstrasse, sie ist Dialog: in dem Maße wie ich mit ihm in Freiheit verbinde und aus ihm lebe, wird er sich mit mir verbinden und in mir und durch mich leben können. Gott wirkt durch den Menschen, der Mensch ist ein wichtiges Einfallstor Gottes und seines Geistes in die Welt.
Es kommt also auch und deshalb in besonderem Maße auf mich und meine Ausrichtung auf Gott an, wie Gott durch mich in die Welt hineinwirkt, wie er im Umfeld meines Lebens wirkt und heilt, wie durch mich die Welt heller wird, der Gute Geist, Gottes Geist die Welt verändert.

Im Evangelium wird der richtend-rettende Gott im Symbol des Lichtes dargestellt. Gott rettet primär nicht durch das, was er tut, sondern durch das, wer er ist: Licht, das strahlt, Liebe, die liebt, die begeistert, aber nicht zwingt. Die Tat Gottes besteht darin, dass er, durch das Licht, durch Jesus in die Welt kam.

Meine Sehnsucht und zugleich meine Herausforderung in diesem Leben bestehen darin, dieses Licht zu suchen, es immer wieder zu finden, in mir, im anderen, es zu einem Teil meiner selbst zu machen, indem ich es als Gnade, gratia, gratis, als Geschenk annehme und versuche, es dann in dem Maße wie ich es in meinem Leben verstanden habe, weiter zu schenken.
Und wieder: je mehr ich mir als Mensch dessen bewusst bin, bewusst werde, desto mehr wird der Geist Gottes in die Welt hineinwirken, sie verändern, sie heilen. Dabei bin ich gefragt als Einzelner, als Individuum. Es passiert nichts, wenn jeder auf jeden wartet, damit etwas Neues entsteht, damit Aufbruch geschieht.

Der ÖKT, die ganze Ökumene sind für mich in diesem Sinne ein wichtiges Zeichen, um gemeinsam in diese Richtung zu gehen, sich völlig unabhängig von Konfession, unabhängig von progressiver oder traditionaler Ausrichtung auf den alles und alle durchströmenden Geist Gottes auszurichten, dem alles Trennende fremd ist, da er der Geist der Einheit, der Geist der Freiheit und der Geist der Liebe ist.


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Predigt zum 5. Sonntag in der Osterzeit, Lesejahr C, 2010-05-02, Pfarrer Franz Muck

Die Mitte ist Jesus - er ist in der Kirche lebendig

Liebe Schwestern und Brüder,

der Blick in die Welt von heute sagt uns: "Macher sind gefragt". Macher in Wirtschaft und Politik, in der Gesellschaft, im kleinen und im großen. Auch dann, wenn etwas schief gelaufen ist- auch im großen Stil- sind Macher gefragt, bei Bankencrash, bei Krisen in der Welt, selbst in der Kriegsführung und im Management aller Art.
Manche meinen, dass auch in der gegenwärtigen Krise der Kirche Macher etwas bewirken könnten. Doch da bleibt die Gefahr, dass es sehr äußerlich, sehr funktional, zuweilen auch oberflächlich zugehen könnte, wenn das Vorgehen nicht vom Geist Jesu getragen wird.

Kirche als Gemeinschaft, als liebende Gemeinde ist heute das Thema des Evangeliums. Erkennungszeichen für Leute, die in der Kirche sind, ist laut Evangelium die Liebe, wörtlich zitiert: "Daran werden alle erkennen, dass ihr meine Jünger seid: wenn ihr einander liebt."
Es wird sehr schnell klar, dass dort keine Macher gefragt sind und dass die Kirche als Gemeinde und Gemeinschaft nicht voran gebracht werden kann nur mit menschlichen Überlegungen und Plänen, sondern mit einer von Jesu Geist getragenen Offenheit, Klarheit und Liebe.

Wenn wir das heutige Evangelium anschauen, dann wird es offensichtlich, dass in der Mitte Jesus steht. Es wird sehr schnell klar, dass es um den lebendigen Jesus geht, den Jesus Christus, der für uns da ist und der mit uns ist. Der "historische" Jesus, der damals unter den Menschen lebte und mit seinen Taten vielleicht da und dort bei seinen Zeitgenossen auch so auftrat, dass sie ihn für einen Macher gehalten haben, diese Sicht hat der Evangelist Johannes, der das Evangelium weit nach dem "historischen" Jesus geschrieben hat, nicht gesehen.

Die Stelle im heutigen Evangelium ist die sog. Abschiedsrede Jesu. In den12 vorausgegangenen Kapiteln hat auch Johannes vom historischen Jesus gesprochen. Jetzt in diesem Teil seines Evangeliums spricht er von Jesus, dem Mittelpunkt der Kirche, der Gemeinschaft von Glaubenden. Er erwähnt die Zeit, in der Jesus kurz davor stand, die Seinen zu verlassen. Darum schreibt er: "Nur noch kurze Zeit bin ich bei Euch".
Es entsteht der Eindruck, als würden sie die christliche Gemeinde, die sich gebildet hat, in den Mittelpunkt verlieren. Es heißt: Er geht zum Vater und dennoch dürfen sie weiterhin auf ihn vertrauen. Sie können mit der Aussage Jesu "Wohin ich gehe, das wisst Ihr" nicht sofort etwas anfangen. Denn es bleibt offen, wie es denn in der Gemeinde der Glaubenden weitergehen soll, wenn ihnen der Mittelpunkt genommen ist. Sie können als Gemeinde ohne diesen Mittelpunkt nicht leben, so wie wir als christliche Gemeinde ohne diesen Mittelpunkt nicht leben können. Wir können nicht Gemeinde Jesu sein ohne ihn. Wir hören auf, Christen zu sein, wenn wir glauben, ohne Christus auszukommen. Es ist wie mit einem Rad, dem die Nabe genommen wird. Die Mitte, um die sich alles dreht, das Zentrum, auf das die Kräfte zusammenlaufen.
Wenn das klar geworden ist, dann verstehen wir die Worte des heutigen Evangeliums besser, wenn es dort heißt: "Liebt einander, einer den andern". Das ist im Johannes-Evangelium das erste und wichtigste Vermächtnis für seine Jünger. "Wie ich Euch geliebt habe, so sollt auch Ihr einander lieben".
Und ferner "Wenn ich Euch die Füße gewaschen habe, habe ich Euch ein Beispiel gegeben, damit auch Ihr so handelt, wie ich an Euch gehandelt habe." Wer sich bückt wie Jesus bei der Fußwaschung, wer sich bückt zugunsten des anderen, der wird spüren, wie nahe ihm Jesus ist. Nicht umsonst wurde im Mittelalter die Fußwaschung als Sakrament angesehen, als wirksames Zeichen der Begegnung mit Jesus.

Bei Johannes gehören Glaube und Liebe innerlich zusammen. Im Evangelium des Johannes aber hat die Liebe Vorrang. Und mit Recht heißt es "daran werden alle erkennen, dass Ihr meine Jünger seid, weil Ihr einander annehmt, für einander da seid, einander liebt".

Kirche in unsere Zeit ist in Gefahr, zu sehr darauf zu schauen, ob nicht Änderungen von Strukturen, Vorschriften und Gewohnheiten, die Zukunft der Kirche neu gestalten könnten. Natürlich muss sich die Kirche ändern und neue Wege suchen und dann auch gehen. Viele Christen werden in diesem Bemühen auf die Probe gestellt. Und so mancher spürt Ungeduld, weil sich aus seiner Sicht zu wenig tut.

Egal welche Position jemand einnimmt, es bleibt für jeden die gleiche Voraussetzung: Er muss sich darauf besinnen, dass die Mitte jeder Gemeinschaft, ob in einer christlichen Familie oder Pfarrei, ob Diözese oder Weltkirche, Jesus ist.
Er muss sich auch darauf besinnen, dass er nicht in erster Linie denkt und handelt wie ein Macher, sondern dass er sich einlässt auf die Grundaussage des heutigen Evangeliums: Die Mitte ist Jesus Christus und seine Einladung zur echten und wahren Liebe. Diese drückt sich im Dienen und nicht im Herrschen und Rechthaben-Wollen aus.
Amen.


Texte dieses Sonntags: Lesung: Apostelgeschichte 13, 14.43b-52; Evangelium: Johannes 13,31-35


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Predigt zum 4. Sonntag in der Osterzeit, Lesejahr C, 2010-04-25, Pfarrer Franz Muck

Der Ton, das Wort und die Stimme

Liebe Schwestern und Brüder,

der Ton macht die Musik, sagen wir.
Wenn mich jemand in einem freundlichen Ton auf einen Fehler hinweist, höre ich anders zu, als wenn mich jemand abkanzelt. Wer einen arroganten Ton anschlägt, egal bei welcher Gelegenheit, wird abgelehnt, auch wenn er noch so Schlaues sagt.

Der Ton macht die Musik.

Das offene Wort:
Jeder wünscht es sich im privaten Bereich, bei Freunden, in der Zeit des Verliebt seins, der Partnerschaft, in der Familie.

Das offene Wort:
Jeder wünscht es sich in politischen Auseinandersetzungen, in krisenhaften Situationen, am Arbeitsplatz, in Verhandlungen, ob es um viel oder wenig geht.

Das offene Wort:
Wir wünschen es uns in der Kirche, angefangen in der Kurie in Rom, über die Bischöfe, den Pfarrern, den Hauptamtlichen und ehrenamtlichen Mitarbeitern in kirchlichen Bereichen.

Jeder leidet letztlich, wenn das offene Wort keine Chance hat, wenn Vertuschung, Täuschung und Lüge den Alltag beherrscht. Wenn kein Wort der Klärung, des Eingeständnisses, der Entschuldigung kommt.
Der Ton macht die Musik.

Wenn nicht offen geredet wird, haben wir im Deutschen ein schönes Wort, das da heißt: "Da stimmt was nicht!" Ein sehr treffendes Wort in unserer Sprache. Es stimmt nicht. Es gibt Misstöne, es stimmt nicht zusammen, es fehlt an Ehrlichkeit und an Wahrheit. Die Wahrheit aber muss stimmen und stimmt auch. Die Wahrheit hat also mit der Stimme, mit dem Ton, mit den Schwingungen und der Wellenlänge zu tun.

Meine Schafe hören auf meine Stimme, ich kenne sie und sie folgen mir, hörten wir heute im Johannes-Evangelium, gesprochen vom guten Hirten. Die Tiere hören die Stimme des Hirten und hören heraus, wenn er ruft und sie folgen einer anderen Stimme nicht. Nur seine Stimme stimmt. Es ist eine Stimme, die nicht einschüchtert, sondern ermutigt. Ermutigung in der derzeitigen Situation der Kirche ist nötig. Ermutigung gerade am heutigen Sonntag, der traditionell auch als Sonntag der pastoralen Berufe, der kirchlichen Berufe bekannt ist und als solcher begangen wird. Lassen sich in dieser Zeit noch Menschen, Frauen und Männer für den Dienst in der Kirche berufen?
Ändern nicht all die ihre Absicht, die mit dem Gedanken spielten, als pastorale Mitarbeiter zu arbeiten, hauptamtlich in der Kirche sich zu engagieren und dafür ein Studium zu beginnen? Wenn sie die Begründung für ihr Studium in der Situation der heutigen Kirche suchen, dann wäre dies verständlich. Doch die Begründung für einen kirchlichen Beruf kann und darf nicht die derzeitige Situation sein, sondern die Situation, die uns im Evangelium vorgestellt wurde. Die Stimme des Herrn gilt es herauszuhören, denn er ist der Rufende. Er ist es, dessen Stimme Menschen hören sollen. Denn es wird immer Menschen geben, die sich nach der Botschaft des Evangeliums sehnen. Und es wird immer Menschen geben, die diese Botschaft sagen und verkünden, haupt- und ehrenamtlich.

Heute bei der Taufe von Victoria haben wir sehr deutlich gehört, als es am Ende des Gebetes deutlich zum Ausdruck kam, was für jeden Getauften wichtig ist: "Der Herr öffnet dir Ohren und Mund, dass Du sein Wort vernimmst und den Glauben bekennst." Natürlich geschieht dies in sehr unterschiedlicher Form, doch die Verbindlichkeit bleibt, dass jeder einzelne von uns, Künder der frohen Botschaft ist und sich nach Kräften danach müht, sein Leben aus dem Glauben heraus zu gestalten.
Auch hier gilt: Der Ton macht die Musik. Freude schenkt uns die Musik, Freude schenkt uns die Stimme des Herrn, des Hirten.

Amen.


Texte dieses Sonntags: Apostelgeschichte 13,14-43 Evangelium: Johannes 10,27-30


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  Predigt am Ostersonntag, Joh 20,1-9; 2010-04-04,
  Diakon Christian Karmann

Mit Ostern wird Christus zur entscheidenden Realität unseres erlösten Lebens


Petrus und Johannes eilen zum Grab; es kann ihnen nicht schnell genug gehen, zum angeblich leeren Grab zu kommen. Der Jünger, "den Jesus liebte", erreicht zuerst das Grab, geht jedoch erst nach Petrus ins Grab hinein, ist aber dann doch wohl der erste, der glaubt.
Johannes ist die besondere Symbolgestalt für Liebe, - für die Jesusliebe. Liebe und Glaube sind wie die zwei Seiten einer Münze. Liebe und Glaube, Glaube und Liebe sind das "Material", aus dem Hoffnung und inneres Wissen entstehen und bestehen.

"Er sah und glaubte": Was bedeutet dieser Glaube? Ist Auferstehungsglaube so einfach? Als Petrus und Johannes in das Grab hineingingen, sahen sie das Grab nur leer und die Binden waren zusammengelegt. Bis zu dieser Stelle ist von keiner übernatürlichen Erscheinung die Rede. Erst ein paar Zeilen später im Evangelium wird die Begegnung von Maria mit dem Engel und Jesus geschildert.
Welchen Grund hatten also die beiden Jünger zu glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden sei? Einen Vernunftsgrund zu glauben gab es für die beiden im Moment jedenfalls nicht, zumindest ist keiner bis zu diesem Zeitpunkt als sie das Grab betreten, überliefert.

Jedenfalls muss vor allem Johannes gespürt haben: hier hat sich etwas Großartiges ereignet. Jesus ist nicht mehr da, sondern ganz woanders. Und das könnte der Grund für das Erwachen seines Auferstehungsglaubens sein. Denn wenn ein Mensch zu glauben beginnt, findet er dieses "ganz woanders" Jesus in sich selbst.

Wenn Weihnachten bedeutet, dass Christus im Menschen zur Welt kommt, dann bedeutet Ostern, dass Christus im Menschen auferstanden ist. Unser Auferstehungsglaube bedeutet für uns im Tiefsten, dass Christus im Menschen, in mir auferstanden ist. Dass jeder Mensch in diesen Christus und dessen ewiges Leben schon jetzt existentiell hineingenommen ist. Die Auferstehung ist deshalb für jeden von uns prinzipiell schon vollzogen. Und ab der Stunde Null, die immer wieder jetzt ist, soll sie beginnen, sich in unser konkretes weltliches Leben hineinzuentfalten, indem wir als anderer Christus zu leben beginnen und Gott sich durch diesen Christus in uns immer wieder neu zur Welt bringen darf.

Wenn Christus von den Toten auferstanden ist, sind wir es also auch. Für uns wird es Tod im Sinne von tot nicht geben, für uns wird es nur das Leben geben. Weil wir Kinder Gottes sind, ebenbildlich mit dem Vater, sind wir wesengleich mit Christus, sind wir ein anderer Christus, wenn auch noch auf dem Weg in die vollständige Christus-Entfaltung. Oder um mit Augustinus zu sprechen: "Wir sind nicht nur Christen geworden, sondern Christus selbst. Steh fest und staune voll Freude: Wir sind Christus geworden! Christus spricht in uns, betet in uns, leidet in uns, lebt in uns… Gott ist Mensch geworden, damit der Mensch Gott werde" und er ist in uns bereits schon auferstanden. "Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit", sagt Paulus. Und das ist bereits Realität, denn Christus ist als der Auferstandene an Ostern bereits offenbar geworden.

Deshalb stehen wir mit unserer ganzen Existenz schon längst im Licht des Auferstandenen, dem Christus, der wir auch selbst von unserem Wesen her sind, und dürfen von diesem Licht her unser Leben gestalten und lernen aus der Fülle Gottes zu leben. Als Mensch von dieser Christus-Realität, von der Realität der Auferstehung in uns zu wissen und aus ihr leben zu dürfen, unbeschränkt und unbegrenzt für immer und ewig, darin darf der tiefste Grund für eine überschwängliche Osterfreude liegen.

Jetzt könnten Sie sagen: wenn ich das so höre, ich freue mich schon an Ostern und das, was ich gerade gehört habe, weckt eine tiefe Sehnsucht in mir und klingt zugleich für mich wunderschön: diese Würde, die ich als Mensch bin, diese Zukunft, die mir zugesagt ist.
Das ist ja auch alles ganz wunderbar, aber irgendwie spüre ich in mir davon so wenig, im Alltag sowieso. Und natürlich sehne ich mich danach, das Göttliche in mir zu entdecken, die Freude und den Frieden, die von Gott kommen, innere Weite und innere Freiheit. Aber wie komme ich dahin, zumindest, wie finde ich die Richtung?

Paulus gibt uns im Kolosserbrief eine Vorgehensweise an die Hand, die uns dahin helfen kann: strebt nach dem, was im Himmel ist, richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische.

Wenn ich nach etwas strebe oder eine Sehnsucht in mir spüre, muss ich zuerst in mir das Bewusstsein und das innere Wissen haben, wonach ich strebe.
In welchem Bewusstsein lebe ich also? Bin ich mir dessen bewusst, weiß ich also in mir z.B. durch das Evangelium, dass in mir der Auferstandene lebt, weiß ich in mir, dass ich also im Tiefsten selbst auch schon ein Auferstandener bin, weiß ich, dass ich nie aus der Gemeinschaft mit Christus herausfallen kann, außer ich entscheide es anders, weiß ich, dass ich unverlierbar für die Ewigkeit geliebt bin, weiß ich, dass die Wirk-lichkeit des Himmels in mir aufscheinen will, dass der Himmel also in mir und durch mich wirken will. Weiß ich, dass Gott durch mich hindurch, durch mein Leben diese Welt heiligen und heilen möchte.

Wenn ich das noch nicht in mir weiß, ich mich aber danach sehne, dann darf ich mein Inneres zu Gott erheben, mich ihm hinhalten, loslassen und dann abwarten, was im Blick auf ihn in mir passiert. Der Glaube und das Bewusstsein um diese Wirklichkeit Gottes, in der ich als Mensch stehe und die mich durchdringt, werden wachsen. Und ich werde auch bemerken: als Mensch bin ich nicht vor allem ein materielles Wesen, das mit einem Schuss Spiritualität sein Leben würzen kann, sondern dass es genau anders herum ist, dass ich als Mensch ein spirituelles und geistiges Wesen bin, das in die Materie hineingestellt ist, um sich dort zu entfalten. Als Mensch bin ich ein Kind des Himmels.

Jetzt der zweite Schritt: Je mehr ich mir des Himmels, nach dem ich mich ausstrecke, bewusst werde, desto mehr werde ich die Erfahrung des Himmels suchen, als Erfahrung in mir, als Erfahrung zwischen mir, Gott und den anderen, als Erfahrung in meiner Mitwelt. "Richtet Euren Sinn auf das Himmlische", sagt Paulus. Entwickelt Euren Sinn, entwickelt neue, wachere Sinne für das Himmlische, richtet Eure Wahrnehmung auf das Himmlische, d.h. versucht in und hinter allem, was aus Euch kommt oder was von außen auf Euch zu kommt, die Ausstrahlung des Himmels zu erahnen, zu spüren, wahrzunehmen, in dem Wissen, dass Gott gegenwärtig ist. Konzentriert Euch immer wieder und in möglichst vielen Momenten Eures Lebens darauf, diese Gegenwart Gottes, des Himmels so intensiv wie es Euch im Moment gegeben ist, wahrzunehmen, wo auch immer, wie auch immer, sei es im Alltag, sei es in Gebet und Meditation, sei es in der Eucharistie.

Und dann in einem dritten Schritt: Beginnt daraus zu leben, beginnt von dort her zu leben, das Leben wahrzunehmen, zu gestalten, konkret zu handeln. Beginnt von der Perspektive des Himmels her zu leben, dann wird das Leben, dann wird der auferstandene Christus wie von selbst auf euch zukommen, er wird in euch zur entscheidenden Realität des Lebens. Das Leben wird sich sicherer, freier besonders freier von Angst, leichter und froher anfühlen also zuvor, eben erlöster. Ihr selbst und die Welt werden beginnen, sich zu verändern.

Drei Dinge also braucht der erlöste Mensch:
  • Das Bewusstsein und das Wissen um den Himmel
  • Die innere Wahrnehmung und die innere Erfahrung von Himmel
  • Das Gestalten des eigenen Lebens und der Mitwelt von der Perspektive des Himmels her.
Wir sind Erlöste, also dürfen wir beginnen, wie Erlöste zu leben, mit der großen Freude von Ostern, mit der großen Freude der Auferstehung, mit der großen Freude Christi im Herzen, der im Tiefsten auch jeder von uns ist.
Das wünschen wir Seelsorger Ihnen von ganzem Herzen. Ihnen allen ein frohes Osterfest.


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Predigt in der Osternacht, Lesejahr C, 2010-04-04, Pfarrer Franz Muck

"Das letzte Wort hat das Leben: Ostern"

Liebe Schwestern und Brüder,

Der Start in diese Nacht hat seine eigene Stimmung. Diese Stimmung ist vielfältig. Wer ins Feuer blickte, war gebannt von der Flamme. Wer mehr auf das Holz blickte, erlebte das Zusammenbrechen, das Verbrannt werden, das Zu-Ende-Gehen. Wer mehr die Nacht wahrnahm, hat trotz der Helle des Feuers feststellen können, dass sich die Dunkelheit nicht so leicht vertreiben lässt. Wer zudem noch, durch die Nacht angeregt, vielleicht an einen Menschen dachte, den er vor kurzem oder auch vor längerer Zeit durch Tod verloren hat, wurde sich bewusst: Es ist nicht leicht, Dunkelheit, Traurigkeit, Tod und Sterben in seinem Leben zu akzeptieren oder zu verarbeiten.

Im Evangelium heute akzeptieren die Frauen die Trauer um einen Freund, der gestorben ist. Mit ihm, mit Jesus, ist für sie auch alle Hoffnung gestorben. Was ihnen geblieben ist, wollen sie jetzt noch tun, sie wollen Gutes tun, indem sie den Leichnam salben. Wozu, fragen wir. Es ist vielleicht wie bei uns, wenn wir auf das Grab Blumen stellen: Der Verstorbene braucht diese Blumen nicht. Wir brauchen das Gefühl, dass es uns dann besser geht, wenn wir Blumen gebracht haben. Nochmal gesagt: Wir brauchen es, nicht der Tote.
Im Evangelium heute wird festgestellt: "Dann ist der Stein weggewälzt, das Grab ist offen". Zwei Männer sind im Grab. Was sollen sie von ihnen halten? Was sollen sie von der Botschaft halten, die diese beiden Männer ihnen sagen? Ihre Stimmung, ihre Verfassung ist eine ganz andere. Sie kommen in der Vorstellung: tot ist tot, tot ist eindeutig, nicht mehr tot macht den Frauen Angst und bringt Unsicherheit.
Die Männer beim Grab reden und erzählen von Worten, die Jesus gesagt hatte, als er noch unter ihnen war. Jetzt kommt bei den Frauen doch Hoffnung auf. Das, was Tod und Grab war, ist weg, verflogen und es kommt ein neuer entscheidender Schritt, der Hoffnung heißt. Hoffnung, die zur Gewissheit werden will. Hoffnung, die sie antreibt und ihnen hilft, die Dunkelheit zu überwinden und etwas von dem Feuer zu spüren, das in ihnen wieder anfängt zu lodern. Es ist eine Hoffnung, die nicht nur die Frauen am Grab brauchen, sondern eine Hoffnung nach der wir uns sehnen. Hoffnung, die viele Momente in dieser heiligen Nacht aufleuchten lässt. Menschen können ohne Hoffnung nicht leben.

Das hat uns auch die 1. Lesung heute Nacht gezeigt, in dem mächtigen Bild, wie das erwählte Volk Gottes voller Hoffnung auf die Rettung durch das Rote Meer gezogen ist und tatsächlich gerettet wurde.
Das hat die 2. Lesung gezeigt, die zeitlos gültig mit markanten Worten erzählt, dass alle kommen dürfen ohne Bezahlung, denn Gott ist es, der schenkt, der in seiner Güte alle mit seiner Hoffnung erfüllt.

In der 3. Lesung ist vom Propheten Jona ein Doppeltes ausgesagt: Jona überlebt, auch wenn er dem Fisch zum Fraß übergeben wurde und Jona wird dadurch zum Symbol für das dunkle Grab und zugleich zum Symbol der Auferstehung Jesu und für jeden von uns. Jesus ist es, der Hoffnung schenkt, die über den Tod hinaus reicht.
Die Geschichte der Auferstehung lässt uns nicht in Ruhe und hat auch die Aposteln und die Frauen am Grab nicht in Ruhe gelassen. Nur hatten die Frauen schon voller Hoffnung den Tod, die Nacht hinter sich gelassen, während die Jünger noch sehr skeptisch waren. Es ist ja nicht verkehrt, skeptisch zu sein. Es ist sehr verständlich, dass die Frauen bei den Aposteln mit ihrer Botschaft zunächst auf Ablehnung stoßen. Die Aposteln reagieren eher mit Hohn und Gelächter und meinen verständlicherweise: Wie soll ein Toter lebendig werden? Wer glaubt das schon? Zu eindrücklich waren die Erlebnisse, die sie offensichtlich aus der Ferne miterlebt haben und die für sie glaubhaft waren, wenn berichtet wurde, dass Jesus am Kreuz gestorben war.

Wenn wir den Blick auf uns richten und kritisch fragen, wie es uns ergeht mit dem Leben, dem Sterben und dem Glauben an die Auferstehung, dann erleben auch wir bei uns oft Skepsis. Wir können also die Skepsis der Jünger gut verstehen. Sie mag manchmal eher im Vordergrund stehen als die Hoffnung und Zuversicht, die uns im heutigen Evangelium die Frauen zeigen.

Der Blick im Evangelium sagt uns, dass der Erste von den Aposteln Petrus ist, der es genau wissen möchte. Er bricht auf, er geht los und will sich selbst ein Bild machen von dem, was die Frauen berichtet haben. Der Umschwung, der sich bei Petrus zeigt, ist ein Beispiel für unseren Glaubensweg. Er übernimmt die Hoffnung der Frauen. Er überwindet die Skepsis. Er sucht den Blick nach vorne, sucht nach dem Licht, gleichsam nach dem Licht des Feuers, das sowohl in den Frauen und dann auch allmählich in den Aposteln lodert. Er sieht gleichsam schon den Auferstandenen vor seinen geistigen Augen.

Das Evangelium endet offen. Es endet bei der Verwunderung und beim Staunen. Es lässt etwas spüren vom Glauben-Wollen und vom Doch-Nicht-Wissen.
Die Nacht, mit der heute die Feier begann, die Nacht, die uns nochmal Stimmung vom Karfreitag vor Augen geführt hat. Die Dunkelheit wurde durch das Feuer zeichenhaft verändert. Aber sie ist nicht zu Ende, nicht überwunden. Die Nacht lässt einen Spielraum offen und führt doch sehr eindeutig hin zum Licht, zur Hoffnung und zur Auferstehung. Was als Botschaft bleibt und diese Botschaft ist offen formuliert: Er der Auferstandene geht uns voran. Und diese Botschaft geht jeden von uns an.

Jede Nacht, alle Dunkelheit, auch die Dunkelheit, die zurzeit über der Kirche schwebt, wird im Letzten dann überwunden, wenn wir uns auf Jesus einlassen. Es geht immer darum, dass die Hoffnung stark genug ist, um die Skepsis, die Unsicherheit zu überwinden. Das letzte Wort hat das Leben und Leben heißt: Ostern, Auferstehung.
Amen


Texte dieser Nacht: Ex 14,15- 15,1 Jes.55,1-11 Jona 1,2 Röm.6,3-11 Lk. 24,1-12


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Predigt zum Gründonnerstag, Lesejahr C, 2010-03-31, Pfarrer Franz Muck

"Durch ihn und mit ihm und in ihm"

Liebe Schwestern und Brüder,

die Kirche steht oft in der Mitte. Zurzeit steht sie auch in der Mitte der Kritik, in der Mitte der Öffentlichkeit, in der Mitte der Diskussionen an verschiedenen Orten. Die Kirche steht aber auch in der Mitte, wenn es um Glaubensfragen geht, wenn es darum geht, sich in der Gemeinschaft von Christen zusammen zu finden.

Was steht aber in der Mitte der Kirche? Was macht die Kirche aus? Rom, und dort nicht nur der Papst, die Bischöfe, die Gläubigen? Steht in der Mitte der Kirche das, was auch in der Weltgeschichte passiert und was die Kirche für die Welt, für die Gesellschaft, für die Kultur und nicht zuletzt für die 3. Welt und für den Weltfrieden getan hat und tut? Eine Antwort, die plakativ und vielleicht zu kurz ist, die aber sehr tief geht, heißt: In der Mitte der Kirche steht Jesus Christus. Die Mitte ist Jesus Christus. Jesus Christus, so sagen wir, ist das Haupt der Kirche.

Es gibt keine Stelle in der Hl. Schrift, die genau sagen würde: Hier hat Christus die Kirche gegründet. Es gibt kein Dokument und keine Urkunde, keinen Ort oder Raum, von dem wir sagen könnten, dass Jesus die Kirche gegründet hätte. Aber es gibt eine Stelle, die deutlich einlädt, als Kirche zu handeln, wenn Jesus sagt: "Tut dies zu meinem Gedächtnis". Ja, das ist es, was wir Christen, was die Welt als Vermächtnis bekommen hat, zu tun, was er getan hat.

Im Abendmahlsaal hat er, wie wir eben im Evangelium gehört haben, den Aposteln und somit auch uns erläutert "das ist mein Leib, das ist mein Blut". Er hat hier vorweg genommen, was dann vor aller Augen sichtbar am Kreuz geschah. Er hat seinen Leib und sein Blut für die Welt dahingegeben. Im Abendmahlsaal war es erlebbar für einige Auserwählte, am Kreuz sichtbar für die ganze Welt.
Der Auftrag Jesu, zu seinem Gedächtnis, das Herrenmahl zu feiern, ist der entscheidende und kirchenstiftende Akt. Dementsprechend wird Kirche in jeder Feier der Eucharistie zum Ereignis. Im Geschehen des Abendmahls bündelt sich alles, was wir für uns erleben und was die Gemeinde für ihr Leben braucht.

Wer hier in St. Ulrich am Palmsonntag beim Familiengottesdienst dabei sein konnte, hat vielleicht noch im Ohr, was ein Jünger im Spiel der Kinder gesagt hat über das Abendmahl: "Er hat dann seltsame Worte gesprochen, dass Brot und Wein sein Leib und Blut seien". Vielleicht geht es manchen auch so, dass er sich eingestehen muss: Ich verstehe so manches nicht ganz. Dennoch lässt er sich auf das ein, was wir in der Eucharistie feiern. Mit Recht sagt der zelebrierende Priester oder der Diakon nach den Wandlungsworten:
" Geheimnis des Glaubens" und alle Mitfeiernden antworten: "deinen Tod o Herr verkünden wir und deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit".

Dieses Geheimnis des Glaubens, das wir mit den Lippen bekennen, mündet dann in die Einladung, Christus auch in Gestalt von Brot und Wein zu empfangen. Dies ist in einer besonderen Weise ein gemeinschaftsstiftendes Ereignis, das wir auch aus unserem Alltag kennen. Denn auch dort erleben wir, dass gemeinsames Essen und Trinken im Familienkreis bei besonderen Anlässen, wie z.B. Erstkommunion, Jubiläen oder Hochzeiten und selbst bei Beerdigungen, uns zusammenführt und verbindet. Viel tiefer gehen will das Mahl sein, das wir in der Eucharistie mit Christus feiern.
Der Bezug Gottes zu uns und unser Bezug zu Gott wird an einer Stelle der Hl. Messe in ganz kurzen Worten besonders deutlich. In der sogenannten Doxologie, im Gebet zum Abschluss des Hochgebetes. Es beginnt mit "durch ihn und mit ihm und in ihm" und endet damit, dass dem dreifaltigen Gott alle Ehre und Herrlichkeit zuteil wird.

Wenn wir in der 1. Aussage beten "durch ihn" bekennen wir, dass wir es alleine nicht schaffen, sondern nur durch ihn, nur durch die Vermittlung Jesu zum dreifaltigen Gott vordringen können.
Wir brauchen zum dreifaltigen Gott 2. nicht allein zu gehen, darum heißt es "mit ihm", d.h. er nimmt uns gleichsam an der Hand, führt uns.
Dies scheint noch zu wenig zu sein "durch ihn und mit ihm". Er lädt uns 3. ein, uns ganz auf ihn einzulassen und daher heißt es "in ihm", in Einheit mit Jesus Christus kommen wir zum dreifaltigen Gott, in dem alle Herrlichkeit und Ehre wohnt -ohne Ende- bis in Ewigkeit.

Wenn wir uns nochmal an das Evangelium von vorhin erinnern, wird deutlich, dass Lukas das Geschehen beim Abendmahl geschildert hat. In der 2. Lesung hatten wir die gleichlautenden Worte von Paulus gehört, der damit aussagt, dass die Gemeinde in Korinth bereits das getan hat, was Jesus aufgetragen hatte: "tut dies zu meinem Gedächtnis". Paulus beruft sich bereits auf die Überlieferung, er selbst war ja im Abendmahlsaal nicht dabei. Also haben schon die ersten Christen Eucharistie gefeiert.

Die Feier der Eucharistie hat offensichtlich die Kirche lebendig sein lassen durch alle Zeiten der Kirchengeschichte und selbst in Verfolgungszeiten wurde Eucharistie gefeiert in Katakomben und Konzentrationslagern, in Wüsten und Gefängnissen. Die Kirche hat durch den Auftrag Jesu "tut dies zu meinem Gedächtnis" eine Sicherheit bekommen, die bis zum heutigen Tag lebendig ist. Sie ist sehr wichtig, um in Zeiten der Unsicherheit, die die Kirche in diesen Tagen erlebt, Sicherheit zu bekommen.
Amen


Texte des Tages: Lesung 1 : Ex 12,1-8,11-14 Lesung 2: 1 Kor 11,23-26 Evangelium Lk. 22, 14-20


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Predigt zum 3. Fastensonntag, Lesejahr C, Lk 13,1-9; 2010-03-07, Diakon Christian Karmann

Jesus führt uns aus der Täter-Opfer-Denkweise

Was war geschehen? Ein Massaker und ein Unfall, bei dem "unschuldige" Menschen ums Leben kamen. Pilatus hat Galiläer hinrichten lassen. Beim Bau eines Turmes hat es Tote gegeben als dieser eingestürzt ist. Immer, wenn so etwas geschieht, beginnen Menschen nach Gott zu fragen. Damals wie heute verbinden die Menschen derartige Vorfälle mit der doppelten Gottesfrage: Was müssen diese Menschen verbrochen haben, dass sie so bestraft werden? Kann es einen gütigen Gott geben, wenn er so etwas zulässt?
Jesus reagiert gereizt:

"Ihr alle werdet genauso umkommen ..." Das heißt: Ihr mit eurem naiven Menschenbild und mit eurem menschengemachten Gottesbild vom strafenden Vergeltungsgott habt noch gar nichts verstanden - weder von Gott noch vom Menschen. Wenn Ihr nicht umkehrt, d.h. wenn ihr euch nicht auf den Weg macht, euer Gottesbild weg von strafenden Gott zu verändern, wenn ihr nicht aufhört, Gott in eure Vorstellungen zu pressen und das dann für die Wahrheit zu halten, dann werdet ihr Gott nicht finden. Dann werdet ihr nicht im Leben sein, denn im Leben ist der Mensch, der Gott jenseits aller einengenden Vorstellungen als Grund seines Lebens findet, annimmt und daraus lebt.

Gott straft nicht. Niemals.

Aber woher kommt dann der Gedanke nach Strafe? Woher kommt dann das Bedürfnis nach Bestrafung? Das alles hat mit dem Begriff Schuld zu tun. Schuld ist die innere "Spannung" zwischen dem, was sein soll und dem, was nicht sein soll. Wenn Menschen Schuld in sich spüren, dann deshalb, weil sie oder andere das Gefühl haben, hier ist etwas passiert, was nicht sein soll. Und das, was nicht sein soll, bzw. das, was sein soll, wird meistens von außen, also kollektiv, durch die Gesellschaft festgelegt, durch Gesetze, durch Normen, durch Moral. Wir eignen uns diese Dinge in der Erziehung als Konditionierungsmuster und Glaubenssätze an, machen sie so uns zu eigen, identifizieren uns über weite Strecken mit ihnen und bilden unser moralisches Gewissen daraus. Das ist auch richtig, wenn dadurch Menschen nicht beherrscht werden.

In dieser Spannung, zwischen dem, was sein soll und dem, was nicht sein soll, entsteht sowohl das Bedürfnis nach Vergeltung und Strafe als auch jede Art von "krimineller Energie". Beides sind wie die zwei Seiten einer Münze. Strafe entsteht also in der Schuld. Nur Menschen können schuldig sein; also "müssen" nur Menschen strafen, aber nicht Gott, der niemals schuldig wird. Im Grunde bestrafen sich die Menschen immer selbst: entweder gegenseitig oder einseitig: jeder sich selbst. Und beides kann man oft nicht voneinander unterscheiden.

Gott straft nicht - ganz im Gegenteil: Er will uns aus der aus Strafpraxis erlösen, die aus der Erfahrung der Schuld stammt . Gott tut dies durch das Ausgießen seines Erbarmens, d.h., indem er uns zeigt, dass wir frei sind, unser Leben am besten nach unseren höchsten Idealen zu gestalten. Er hat uns in Jesus Christus gezeigt, dass wir keine Angst vor Schuld haben müssen. "Du nimmst hinweg die Sünde der Welt", beten wir beispielsweise.

So lange aber unser Erlösungsprozess noch läuft, brauchen wir Justiz und Strafvollzug, um hier auf Erden zu überleben. Hier ist Strafe das kleinere Übel; das größere wäre Ausrottung und Selbstvernichtung.

Ich frage mich allerdings, ob wir uns nicht irgendwie aus diesem Schuld-Strafe/Opfer-Täter-Kreislauf befreien können. Zumindest in dem Bereich unseres individuellen Lebens, da, wo wir es selbst in der Hand haben könnten, da wo wir selbst unser Denken, Sprechen und Handeln entscheiden. Natürlich sind die Themen Schuld und Strafe keine einfachen Themen. Tatsächlich gehören sie zu den Themen, mit denen wir uns am Schwersten tun, die uns mit am meisten bewegen und das Leben unter Umständen ernsthaft lähmen können, wenn wir etwas schlimmes getan haben oder uns von einem anderen schlimmes angetan worden ist. Ich möchte gar keine Beispiele nennen, man braucht sich nur umzuschauen, man braucht nur ins eigene Leben hineinzuschauen, um zu erkennen, wo man sich als Täter, wo man sich als Opfer fühlt.
Im ersten Fall als Täter kann man sich selbst vielleicht nicht mehr ins Gesicht schauen, im zweiten Fall als Opfer hält einen der Schmerz gefangen. Beides ist buchstäblich teuflisch, weil es das Leben auf die Fixierungen des (vor allem) inneren Schmerzes reduziert. Man sitzt unter Umständen wie das Kaninchen vor der Schlage der Schuld und des Schmerzes. Es braucht oft viel Zeit bis man aus der akuten Phase herausfindet, bis man lernt, das zu akzeptieren, was geschehen ist. Viele, die sich als Opfer fühlen, werden erst dann fähig aus der Frage, auf die es fast nie Antwort gibt, aus der Frage nach dem "Warum?" auszusteigen, wenn sie innerlich bereit werden für die Frage nach dem "Wozu?". Die Frage nach dem Wozu hilft, aus der Opferrolle auszusteigen, hilft mir, Verletzungen aktiv zu überwinden, das Leben wieder nach vorne gestalten.

Wie kann das gehen? Es ist eine Frage meines Bewusstseins und der Entscheidung, die Situation, in der ich mich nun mal befinde, neu jetzt als Chance zu bewerten. Dann habe ich die Möglichkeit, aus dem Opfer- und Strafedenken herauszufinden. Die Chance kann darin bestehen, dass ich durch den Schmerz erkannt habe, dass das Leben mir eine Aufgabe stellt, dass z.B. etwas zu tun oder zu lernen ist. Wie viele, die z.B. sehr krank waren, haben für Viele Selbsthilfegruppen gegründet und darin ihre Berufung gefunden. Wie viele, die durch den Schmerz aus dem Gewohnten und Sicheren herauskatapultiert worden sind, haben gemerkt, dass sie im Leben eigentlich festgefahren waren und haben sich wieder neu orientiert und aufgemacht.

Auf manche wirkt das rückblickend so: "Ich musste die Erfahrung des Schmerzes machen, sonst wäre ich nicht weitergegangen, wäre im Leben stecken geblieben, hätte meine Aufgaben, die mich auch zu mir selbst führen, nicht erkannt, hätte mein Potential für mich und für andere nicht entfaltet. Danke für diese Erfahrung, auch wenn sie schwer war, auch wenn sie mich gefühlt an meinen persönlichen Abgrund geführt hat. Deshalb gibt es für mich weder etwas zu vergeben, noch muss ich mich durch Bestrafung rächen."
Und wie schön ist es, wenn dann jemand sagen kann: "Gott, du warst die ganz Zeit mit mir und hast in mir mehr Raum gefunden, der mich lebendiger werden ließ, freier, weiter, erfüllter und entfalteter." Wunderschön, wenn jemand das nach sehr schwierigen Lebenssituationen sagen kann. Aber was ist mit dem Alltag? Das, was da an gefühlter Schuld und Schmerz im Kleinen ablaufen, passiert ja viel häufiger als die Extremsituationen des Lebens. Was auf Dauer besonders zermürbend sein kann, sind die vielen kleinen Täter unseres Alltags, die uns mit ihren Stacheln beschießen. Und schon fühlen wir uns Tag für Tag in der Opferrolle, müssen aushalten, durchtragen.

Psychologen sagen: das, was mich am meisten vom andern wurmt oder verletzt, zeigt mir am deutlichsten, wo ich etwas in mir noch nicht auf die Reihe gebracht habe, wo noch etwas ganz werden darf, heilen kann. Und wenn ich dann meine Lern- und Heilungsaufgabe bewältigt habe, ändert sich meistens das Verhalten des anderen wie von selbst, ganz abgesehen davon, dass ich dann darüber stehen kann. Also auch wieder eine Chance, den Blickwinkel zu ändern und zu wachsen.

Es ist schon paradox: manchmal sind es genau die Täter, die wir brauchen, die uns helfen, um auf unser großes Ziel zuzugehen, auch wenn das furchtbar schmerzhaft sein kann.
Denken Sie an den Karfreitag, wo Jesus bewusst aus der Opferrolle ausgestiegen ist und sein furchtbares Leiden in souveräner Entscheidung "Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe" ganz angenommen hat für das große Ziel seines Lebens, das die Welt verändert. Als Zeichen dafür stellte er die Täter aus der Schuld heraus: "Vater vergib Ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun!" Die die Schuld auf sich laden, wissen vom Seelischen her nie, von Gott her eigentlich nie, was sie tun, sonst würden sie es nicht tun. Keine Seele fügt einer anderen bewusst Schaden zu, das machen nur die Egos.

Jesus hat uns gezeigt wie wir aus der Täter-Opfer-Denkweise herauskommen können. Es braucht die Entscheidung, es braucht die Bereitschaft, das, was mir im Leben entgegenkommt - ich meine dabei nicht nur das Schwierige und Schmerzhafte, sondern auch das Schöne -, alles, was ist, im Blick auf Gott wahrzunehmen, Gott hinzuhalten. Und dann kann mir bewusst werden: alles, was mir im Leben entgegenkommt, kann ich dazu nutzen, mein Leben zu entwickeln, meine Lebensaufgaben zu erkennen und darin weiter zu gehen. Je mehr mir es gelingt, eine schwere Lebenssituation, Leid, eine Krise nicht mehr vom Opfergedanken her bewerten zu müssen, desto weniger Schuld entsteht, einfach deshalb, weil ich einem Täter von innen her keine mehr zuweisen muss und desto weniger Bedürfnis nach Strafe des Täters habe ich. Darin liegt wahre Vergebung und die ist göttlich


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Predigt zum 2. Fastensonntag, Lesejahr C, 2010-02-28, Pfarrer Franz Muck

Verklärung Christi

Liebe Erstkommunionkinder,
Liebe Schwestern und Brüder,

die Verklärung Christi, wie wir das heutige Fest nennen, ist auf vielen Gemälden, auch auf Altarbildern festgehalten worden. Kinder im Religionsunterricht zeichnen Jesus vom Boden abgehoben, die drei schlafenden Jünger am Boden, im Hintergrund Moses und Elias und vielleicht noch angedeutet Hütten, die Petrus bauen möchte, aber dann nicht baut.

Machen wir uns die Geschichte noch einmal bewusst:
Es beginnt damit, dass Jesus aus der Schar seiner Jünger drei beiseite nimmt und mit ihnen auf einen Berg steigt. Immer schon waren Berge besondere Orte, auch in der Bibel.
Zum Beispiel hat Mose auf dem Berg Sinai die 10 Gebote empfangen. Elia ist auf dem Berg Horeb Gott begegnet. Es ist nicht verwunderlich, dass jetzt in dieser Geschichte der Verklärung Mose und Elia wieder auftauchen.

Wir fragen uns, was ist denn bei dieser Verklärung geschehen?
Jesus betet. Sein Gesicht verändert sich und sein Gewand wird leuchtend weiß und eben diese beiden Männer Mose und Elia, zwei biblische Urgestalten sind da. Beide reden mit Jesus. Mose als Vertreter der Tradition für das Gesetz, Elia als Vertreter der Propheten. Das Bedeutende ist bei dieser Geschichte, dass sie eine Stimme aus der Wolke hören. Wolke gilt in der Bibel immer auch als Zeichen des Geheimnisvollen, des Göttlichen. Somit ist auch die Stimme Gott zuzuordnen, wenn sie sagt: "Dies ist mein auserwählter Sohn, auf die sollt ihr hören."

Wenn ich jetzt die Erstkommunion-Kinder frage, was sie von Jesus besonders kennen und wissen, dann werden sie wohl am ehesten erzählen, dass er durch das Land gezogen ist mit seinen Freunden, dass er Wunder tat, dass er gefeiert hat, dass er von Gott erzählt hat, dass er am Kreuz starb, dass er auferstand. Ob sie die besonderen Stellen in der Bibel finden, in denen Jesus als Sohn Gottes bezeugt wird, ist offen.

Einige von Ihnen, liebe Schwestern und Brüder, werden sich vielleicht daran erinnern, dass ich am Fest Erscheinung des Herrn, am 6. Januar bereits darauf hingewiesen habe, dass die 3 Könige das Kind in der Krippe als den Sohn Gottes gepriesen haben. Sie kamen, um ihm zu huldigen.
Bei der Taufe Jesu am Jordan , wir haben das Fest gleich nach dem Fest der Erscheinung des Herrn gefeiert, wird Jesus durch eine Stimme aus der Wolke als Sohn Gottes bezeichnet, und heute gleichsam die Wiederholung, wenn es heißt:" Dies ist mein auserwählter Sohn, auf ihn sollt ihr hören."

Natürlich fragen wir uns, was ist wirklich auf diesem Berg geschehen. Jedenfalls etwas ganz großes, etwas Ungeheuerliches. Die Jünger, die geschlafen haben, wachen davon auf und es ist schwer zu beschreiben, was sie sehen. Es geht gar nicht mehr um Sehen, es geht um das Begreifen. Sie begreifen, dass Jesus nicht nur Mensch und Freund ist, nicht nur ein Verbündeter im Glauben, nein sie begreifen, dass er Sohn Gottes ist, von Gott selbst bezeugt und gesandt.

An sich ist es eine Art Sternstunde für die Apostel, die sie erleben durften. Es ist erneut die Möglichkeit, die Gottheit im Menschen Jesus Christus zu erfahren. Und beinahe hätten sie diese Chance verschlafen. Dass es dennoch so etwas wie eine Sternstunde für die Aposteln war, ist die Tatsache, dass Petrus überwältigt von dem, was er erlebt hat, gleich 3 Hütten bauen will. Das ist verständlich, denn er will die Gottesbegegnung auskosten und ausweiten. Doch das geht nicht. Es gibt keinen Hüttenbau und keine Bleibe. Es geht wieder hinab ins Tal.
Ein altes Sprichwort sagt:
" Das Leben wird in den Tälern gelebt, Gipfelwanderungen sind selten!"

Tatsächlich ist es so, dass es nach diesem Ereignis der Verklärung Jesu auf dem Berg im Leben Jesu bergab geht, wenn wir es menschlich betrachten. Die Bibel berichtet von der Bereitschaft Jesu, sich auf den Weg nach Jerusalem zu machen, um dort den Erlösungstod zu sterben und so den Auftrag seines Vaters zu erfüllen.

Somit fallen am heutigen Tag im Blick auf die Zukunft Jesu zwei Grundhaltungen unseres Lebens zusammen. Sternstunden, Lebenssituationen, die Glück bringen und das Bewusstsein, dass das Glück und die Sternstunden nicht immer bleiben können.
Vielleicht ergeht es dem einen oder anderen von uns auch manchmal so, dass er nicht nur im Glauben gute und wichtige Erfahrungen gemacht hat und sich glücklich schätzt und dann feststellen muss, dass manches daher kommt, was ihm schwer fällt, was Trauer bringt. In diesem Auf und Ab des Lebens sind wir eingeladen, den Mut nicht zu verlieren, sondern auf die Zusage Gottes zu vertrauen, dass er auch bei uns ist.

Auch wenn mit dem heutigen Sonntag der Karfreitag auf dem Berg Golgotha schon angedeutet wird, können wir darüber vorausschauen und darauf warten, dass die Erlösung in den Höhepunkt der Auferstehung - im übertragenen Sinn gleichsam auch ein Berg - geschehen wird.

Amen


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Predigt zum 6. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C *), 2010-02-14,
Diakon Christian Karmann

Kein Reicher im Reich Gottes?

So wie Lukas schreibt, haben die meisten von uns keine Chance auf das Reich Gottes. Wir sind die Reichen, wir haben alles, was wir brauchen und noch mehr, wir leben in Wohlstand und Überfluss. Wir müssen nicht hungern, meistens nicht weinen, sind in keiner Verfolgungssituation aufgrund unseres Glaubens. Wir gehören zu dem reichen Drittel der Menschheit.
Wenn man das Evangelium so wörtlich versteht, wie es da steht, dann ärgert das, dann ängstigt, verunsichert das, was Lukas schreibt:

Schauen wir hinter das Vordergründige:
Selig ihr Armen, denn euch gehört das Reich Gottes. Aber wehe euch, die ihr reich seid; denn ihr habt keinen Trost mehr zu erwarten.
Jesus geht es nie um die materielle Sichtweise. Jesus geht es nicht darum, ob einer Geld und Besitz hat oder nicht. Jesus geht es immer um die inneren Haltungen des Menschen, um das Bewußtsein über etwas, von etwas im Menschen. Es geht ihm immer darum, wes Geistes Kind der Mensch ist. Das Handeln, das konkrete Verhalten des Menschen ist dann in zweiter Linie die konkrete Folge davon.
Was bedeutet also die innere Haltung des Reichen. Ein Reicher ist der, der deshalb zufrieden ist, weil er hat, was er hat. Ein Reicher ist einer, der deshalb keinen Grund sieht, durch die Oberfläche des Vordergründigen hindurch auf die Wirklichkeit, die er als Mensch vor Gott ist, zu blicken. Ein Reicher ist einer, der den die Fülle des Himmels nicht interessiert, weil er sich mit der Illusion der Fülle im Materiellen zufrieden gibt. Jeder Mensch, sei er materiell reich oder arm, der sich in seinem Lebensglück von materiellen Dingen abhängig macht, ist im Sinne des Evangeliums ein Reicher. In dem Maße wie der Mensch seinen inneren Fokus, seine innere Ausrichtung, seine innere Wahrnehmung auf die Fülle der materiellen und weit mehr noch auf die Fülle der geistigen Welt richtet, wird sich ihm das Reich Gottes öffnen, wird er in immer höherem Maß Zugang zur einen Wirklichkeit haben, die Himmel und Erde umfasst. Darin liegt der "Trost", den nur der braucht und haben möchte und deshalb bekommt, der sich nach dieser Art von Reichtum sehnt.

Ähnlich ist das für die Menschen zu sehen, von denen Lukas sagt:
Selig, die ihr jetzt hungert, ihr werdet satt werden. Aber wehe euch, die ihr jetzt satt seid, ihr werdet hungern.
In unserer westlichen Kultur klagen wir vielfach über Übersättigung in allen Bereichen: bei der Ernährung, bei den Dingen, die ich haben muss, Übersättigung, was das Fernsehen, die Medien betrifft und bei dem, was so alles angeboten wird, was man erleben und konsumieren kann.
Wer übersatt ist, wird träge oder bleibt in seinem Kreislauf der äußeren Bedürfnisbefriedigung stecken, verliert seinen Elan oder wird überdreht, verliert seine Mitte, sich selbst. Das Leben findet immer mehr und ausschließlicher in dem Rahmen statt, den die eigene Bedürfnisbefriedigung vorgibt.
Der Mensch, der satt ist, wird immer mehr von außen fremdgesteuert und dominiert, auch wenn er das weit von sich weist, und lässt sich das gerne, weil einfach und bequem, gefallen.
Der Mensch, der in einer satten Haltung lebt, gibt die Suche nach sich selbst und nach seinen Wurzeln in Gott auf. Er hungert nicht mehr danach, zu verstehen, sich zu entwickeln, versäumt seine eigene Evolution auf Gott hin. Er wird erst dann wieder diesen Hunger, von dem Jesus spricht, spüren, wenn seine innere Übersättigung wieder abnimmt, am besten, weil ihm seine eigene Haltung gegen das eigene Leben bewusst geworden ist und er deshalb sein Leben ändert oder aber leider auch, weil er vom Leben vielleicht durch einen Schicksalsschlag, durch Krankheit, durch sozialen Absturz auf eine Art Konsumdiät gezwungen wird und dann innere Räume wieder frei werden. Und manchmal nutzen Mensch diese Phasen in ihrem Leben dazu, dem Hunger nach dem Leben wieder neu wahrzunehmen und nachzugehen und entdecken dabei hoffentlich die Fülle des Reichtums hinter dem Vordergründigen, die den Menschen auf erfüllende, befreiende, entfaltende Weise nicht "voll" sondern satt macht.

Selig, die ihr jetzt weint, denn ihr werdet lachen. Weh euch, die ihr jetzt lacht, denn ihr werdet klagen und weinen.
Wer weint, ist traurig oder empfindet inneren Schmerz. Das kann auch der Schmerz darüber sein, dass meine Sehnsucht nach Himmel, nach Leben, das gelingt, noch nicht gestillt ist. Jeder hat in sich die Sehnsucht, dass alles in einer Weise gut wird, die ihn gut ins Leben bringt. Wer in dieser Weise einen Mangel in seinem Leben fühlt, wird sich je nach seiner Sehnsucht, seinem Bewusstsein, seiner Entscheidung auf den Weg machen, etwas zu verändern. Er wird versuchen, aus einer Opferrolle, die mir einreden will: Ich kann nicht!, herauszufinden, in dem Bewusstsein: ich bin für mein Leben verantwortlich, ich treffe die Entscheidungen, wie mein Leben weitergeht, ich versuche aus den Erfahrungen und Impulsen zu lernen, die mir das Leben zur Verfügung stellt. Ich treffe die Entscheidung, meiner Sehnsucht nachzugehen, indem ich mich entscheide, den Himmel in mir und im andern zu suchen. Ich versuche, die Chance in einer schwierigen Lebenssituation wahrzunehmen, die mir vielleicht sagen möchte: lass das oder das los, trennen dich von dem, was dich hindert in deiner Entwicklung auf das Leben, auf Gott hin. Je mehr du spürst, wie reich dich das macht, wie froh und lebendig, desto mehr wird das Leben selbst aus dir heraus lachen. Nimm dein Leben auf deinem Weg in die gelebte Wirklichkeit Gottes in die Hand und lass dich bei diesem Prozess vom Leben, so wie es dir entgegenkommt, begleiten. Das Leben steht auf deiner Seite. Wer seine Leben- und Entwicklungsaufgaben ignoriert, kommt nicht wirklich zu sich selbst und zu Gott, kommt nur vordergründig vielleicht ins Leben und hat in letzter Konsequenz solange nichts zum Lachen, bis sein Entwicklungsprozess auf Gott hin vorwärtsschreitet.

Selig seid ihr, wenn euch die Menschen hassen und aus ihrer Gemeinschaft ausschließen, wenn sie euch beschimpfen und euch in Verruf bringen um des Menschensohnes willen.
Es ist in unserem Land eher die Ausnahme, dass jemand wegen seines Glaubens beschimpft wird. Andererseits gibt es schon die Erfahrung, dass jemand nicht für voll genommen wird, vielleicht sogar ausgegrenzt wird, wenn er mit seiner im Sinne des Glaubens bewussteren Lebensgestaltung sich vom Durchschnitt abhebt, wenn er nicht mit den Wölfen heult, sich nicht mit dem Vordergründigen zufrieden gibt, gegen den Strom schwimmt und entsprechend denkt, redet und handelt. Solche Menschen werden oft als Herausforderung empfunden, man fühlt, sie halten durch ihr So-Sein einem einen Spiegel vor und man interpretiert für sich aus dem Spiegelbild: "eigentlich müsste ich Vieles in meinem Leben neu überdenken und neu entscheiden". Und das reizt zum Widerstand.

Weh euch, wenn euch alle Menschen loben, denn ebenso haben es eure Väter mit den falschen Propheten gemacht.
Wenn jemand etwas gut gemacht hat, freut er sich, wenn er gelobt wird. Das ist schön, es bestärkt und baut den anderen auf. Besonders für Kinder ist das Lob absolut notwendig. Und wir Erwachsenen freuen uns auch darüber, wenn wir gelobt werden. Lob motiviert, baut auf
. Ungut wird das mit dem Lob dann, wenn jemand regelrecht davon abhängig wird, wenn er das Lob braucht, um sein Ego aufrecht zu erhalten. Wenn es am Ende vielleicht gar nicht mehr darum geht, mit seinen Fähigkeiten, seiner Zeit, seinen Möglichkeiten etwas Gutes, Positives zu bewirken, sondern Dinge immer mehr zur Bestätigung des eigenen Egos zu tun, Dann wird das gefährlich. Es gab in der Menschheitsgeschichte immer wieder Menschen, die sich in ihrem Sendungsbewusstsein Gott gleich gefühlt haben, andere in ihren Bann gezogen haben und dann eine Katastrophe verursacht haben.
Mit dem Wehe euch warnt uns Jesus vor dem, was uns kaputt macht, damit wir uns nicht selbst kaputt machen. Gott kann aber auch alles Kaputte richten. Sollte mein Leben scheitern und irdisch in Verzweiflung und Depression versinken, wird er es richten, wenn ich es in seine Reparatur gebe und sei es erst nach meinem Tod.

Jesus macht uns darauf aufmerksam, unsere Werte nicht aus den Haltungen des Egoismus heraus zu entwickeln, sondern aus der Liebe. In dem Maße wie uns das gelingt, wie wir uns immer wieder dazu entscheiden und auch bereit sind, das ins Leben hinein umzusetzen, in dem Maße werden wir selig, das heißt glücklich. Das Glück, das in der Liebe und Fülle Gottes wurzelt, ist an sich unanfechtbar, weil es ewig ist: es ist in dieser Welt, aber nicht von dieser Welt.


*) Liturgische Texte: Lk 6,17.20-26 1 Kor 15,12.16-20
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Predigt zum 4. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C *), 2010-01-31,
Diakon Christian Karmann

Chance des Wachstums und der Wandlung auf Gott hin

Jetzt schauen wir in einen Spiegel und erkennen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich durch und durch erkannt worden bin.*) Das ist unsere große Sehnsucht als Menschen, Gott zu erkennen, den Himmel zu erkennen, uns selbst zu erkennen, den anderen zu erkennen und erkannt werden in der Einheit mit allen. Weil jeder von uns diese Sehnsucht mehr oder weniger bewusst in sich spürt, macht er sich auf die Suche, macht er sich auf den Weg - Sie sind z.B. heute hier im Gottesdienst.
Warum aber bin ich als Mensch nicht von vornherein in diesem Bewusstsein des Himmels, nach dem ich mich so sehne? Das wäre doch viel einfacher und viel angenehmer. Warum fühle ich mich so oft so weit weg von dieser Wahrnehmung, von dieser Realität des Himmels? Warum wird mir zugemutet, mich mühsam Schritt für Schritt in diese Richtung zu kämpfen, oft mit dem Gefühl: "Dieses Leben ist ein elender Marathon, bei dem ich viel aushalten muss und oft zwei Schritte vor und einen Schritt zurückgehe oder sogar umgekehrt?" Warum ist das alles so und wie hängen die Dinge zusammen: das Leben, die Sehnsucht, das Erkennen?

Versuchen wir einen Weg:

Heute wurde der Tim getauft. Es ist ein großer Moment für ihn. In der Liturgie der Taufe sagt ihm Jesus: du bist ein Kind Gottes, du bist ein Königskind, du bist würdig, du bist erleuchtet, d.h. du bist ein Lichtmensch, du trägst den Himmel in dir.
Je näher die Kinder an der Geburt sind, je jünger sie sind, desto deutlicher spüren sie dieses Wissen von Himmel und von der Einheit mit Gott in sich. Wenn Sie schon einmal ein Neugeborenes im Arm gehalten haben, haben Sie vielleicht dieses Leuchten, diese besondere Ausstrahlung wahrgenommen, ein Wissen, eine Würde, die dieses Kind ausstrahlt, die einen Erwachsenen tief beeindrucken kann. Ich habe das bei meinen Kindern auch so erlebt.

Dazu eine wahre Geschichte eines Paares, das nach der Geburt ihres 2. Kindes aus der Klinik nach Hause kommt. Das Paar wusste, wie wichtig es war, die dreijährige Tochter in die Feier der Geburt des neuen Kindes einzubeziehen. Doch beide waren beunruhigt, als die Tochter darauf bestand, mit dem Neugeborenen alleine zu sein. Um ihrem Wunsch nachzukommen und trotzdem die Kontrolle zu behalten, schalteten sie das Babyfon ein. So konnten sie zumindest hören, was in dem Raum vor sich ging. Was sie dann hörten, erstaunte sie sehr. Das kleine Mädchen ging geradewegs zu dem Gitterbettchen und sagte zu dem Neugeborenen: "Baby, erzähl mir von Gott, ich vergesse es allmählich".

Die Geschichte und ähnliche Erfahrungen zeigen, dass wir eine innere Gewissheit über unsere Verbindung zu Gott haben und wie unsere Seele da hinein genommen ist und dabei nie von Gott getrennt ist. Und diese Erfahrungen zeigen uns, wie schnell sich der Schleier des Vergessens darüber legt, wenn wir in die materielle Körperlichkeit dieser Welt hineingeboren sind. Wir sind dann den Rest unseres Lebens damit befasst, die rätselhaften Umrisse, von denen Paulus spricht, Stück für Stück klarer zu bekommen. Unsere Sehnsucht ist unsere Triebfeder und unser Wegweiser.

Es gibt einen wichtigen Grund, dass dieser Schleier des Vergessens über uns gelegt wird. Wenn wir in diese Welt eintreten, dann deshalb, um die Erfahrung als Mensch zu machen, um Erfahrungen als Mensch zu machen, um als Menschen in dieser Welt zu leben. Das, was tief in uns als Wissen über die vollkommene Freude, Unendlichkeit und Liebe des Himmels präsent ist und was wir am Anfang unseres Lebens vordergründig vergessen, soll jetzt in diesem Leben als Erfahrung errungen und gewonnen werden, salopp ausgedrückt nach dem Motto: Wissen ist gut, Erfahrung ist besser. Erfahrung gibt dem Wissen Substanz. Nur wenn Wissen in Erfahrung umgesetzt ist, entsteht Leben, entfaltet sich Leben, wächst Leben. Wir sind Leben, Gott ist Leben. Und der Ort für Erfahrung ist diese Welt. Es geht darum, das, was meine Seele von Gott und vom Leben weiß, als Erfahrung zu entdecken.
Unsere Motivation, unsere Sehnsucht Gott in der Erfahrung unseres Lebens zu suchen, ihn immer deutlicher zu finden, braucht zunächst die Erfahrung, von ihm getrennt zu sein, sonst würden wir ihn nicht suchen. Deshalb vergessen wir, sonst wüssten wir von vornherein, dass alle Trennung von Gott nur Illusion ist und würden uns dann schwer tun, uns auf den Weg der Erfahrung zu begeben. Und auch, wenn wir das alles nun vom Verstand her wissen, werden wir mit unserer Suche nach Gott in unserem Leben nicht aufhören, bis wir die Nähe, den Frieden, die Freude und das Leben, das Gott ist, als Erfahrung in uns wissen. "Deine Seele ist unruhig, bis sie Ruhe findet in mir."
Je mehr Erfahrungen der göttlichen Wirklichkeit wir in unserem Leben machen, je mehr Glaubenserfahrung unser Leben durchdringt, desto mehr wird der Schleier des Vergessens gelüftet. Und je mehr dieser Schleier gelüftet wird, desto präsenter spüren wir das Wissen von Gott in uns, desto mehr sind wir in Kontakt mit unserer Seele, mit dem, wer wir sind, als Mensch und vor Gott. Dann erlebt der Mensch dieses Wissen als Erfahrung: Ich bin nie von Gott und vom andern getrennt. Oder wie Jesus: Ich und der Vater sind eins. Was ihr dem geringsten meiner Brüder getan habt, habt ihr mir getan. Wer diese Erfahrung macht, weiß: alle zuvor gedachte oder gefühlte Trennung von Gott entpuppt sich als Illusion. Ich war nie von Gott getrennt und werde es nie sein. Wissen und Erfahrung verschmelzen zu etwas Neuem, Größeren als zuvor. Und das bin ich, der Mensch vor und in Gott.
Es geht um Entwicklung, es geht um Reifung, es geht um spirituelle Evolution. Paulus deutet als Beispiel die Erfahrung und Erkenntnis als Kind, als Mann und dann über dieses Leben hinaus an.

Um in diesem Leben auf der Erde wachsen und reifen zu können, braucht es die Möglichkeit gegensätzlicher Erfahrungen und diese Erfahrungen machen wir nur, wenn das Wissen um die absolute Wirklichkeit Gottes hinter dem Schleier des vorübergehenden Vergessens verborgen ist. Nur wenn es die Erfahrung der Dunkelheit gibt, begreife ich als Erfahrung das Licht. Nur wenn es die Erfahrung von Angst oder von Gleichgültigkeit gibt, begreife ich Liebe, nur wenn es die Erfahrung von Enge und Bedrängnis gibt, mache ich mich auf in die Erfahrung von Freiheit. Nur aus der Erfahrung der Begrenztheit und Einsamkeit mache ich mich auf die Suche nach der Erfahrung der Unendlichkeit. Nur durch die Erfahrung des Todes werde ich fähig zur umfassenden und absoluten Erfahrung des Lebens.
Überall dort, wo wir zur Erfahrung des Positiven und Guten, die entgegengesetzte Erfahrung benötigen, wird sie uns, in dem Maße wie wir sie benötigen, vom Leben zur Verfügung gestellt. Und in dem Maße, wie wir begreifen, dass in allen Erfahrungen des Lebens die Aufforderung und die Chance des Wachstums und der Wandlung auf Gott hin enthalten ist. in dem Maße, wie wir begreifen, dass keiner von uns in diesem Sinne Opfer von Umständen ist, werden wir begreifen, dass das Leben eine Art "Verschwörung" zu unseren Gunsten ist, von Gott begleitet und getragen. Deshalb ist jeder von uns aufgefordert und ermutigt, unabhängig von der Lebenssituation, in der er steht, sei sie leicht oder schwierig, als Schöpfer und Mitschöpfer seines eigenen Lebensweges, sein Leben immer wieder in die Hand zu nehmen und nach den Möglichkeiten, die sich jetzt bieten, zu gestalten in dem Wissen: Gott ist die Liebe, die alles trägt, die allem standhält, die langmütig und gütig ist, die nichts nachträgt und alles hofft und glaubt, die Liebe, die Leben schafft und zur Entfaltung bringt.


*) Liturgische Texte: Lk 4,21-30, 1 Kor 13,4-13
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Predigt zum 2. Sonntag im Jahreskreis, Lesejahr C, 2010-01-17,
Pfarrer Franz Muck

Unsere Wandlung: "Siehe, ich mache alles neu."

Liebe Schwestern und Brüder,
bald nach dem 2. Vatikanischen Konzil, das am 8.Dez.1965 endete, haben die Bischöfe der deutschsprachigen Länder Kirchenmusiker, Liturgiker und sonstige Fachleute beauftragt, ein neues Gebet, vor allem aber ein Gesangsbuch, zu erarbeiten.

Jede Diözese hatte bisher ein eigenes Gesangsbuch, jetzt wurde für Deutschland, Österreich, Schweiz und Luxemburg das Gotteslob, aus dem Sie heute schon Lieder gesungen haben, aus der Taufe gehoben. Schön war damals, dass auch neuere Lieder Eingang gefunden haben und vor allem auch zeitgenössische Texter und Komponisten zum Zug kamen.

Ein "Gedicht" von Pfarrer Lothar Zenetti, von dem auch einige Liedtexte verfasst wurden, heißt folgendermaßen:
Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Kirche, sie werden antworten: Die Messe.
Frag hundert Katholiken, was das Wichtigste ist in der Messe, sie werden antworten: Die Wandlung.
Sag hundert Katholiken, dass das Wichtigste in der Kirche die Wandlung ist,
sie werden empört sein: Nein, alles soll so bleiben, wie es ist.
Sicherlich wollte der Autor die Kirche und die Gläubigen aufrütteln.
Eines gilt für alle Menschen: Wandlungen, Veränderungen auch wenn sie uns als gut erscheinen, lösen Ängste aus und bedeuten Unsicherheit.

Hätte es bei der Hochzeit von Kana die Wandlung nicht gegeben, wäre die Hochzeitsfeier geplatzt und die Brautleute hätten die Schande gehabt.
Vom Himmel fiel das Wunder nicht. Bei der Wundererzählung geht es auch nicht um Hokuspokus. Es geht um das reale Leben. Da ist die Rede von Krügen, die gefüllt werden sollen mit Wasser und da ist von Maria die Rede, die einfach und mit Nachdruck sagt: Was er Euch sagt, das tut. Es geht um uns. Wenn wir uns auf Jesus einlassen, dann kann ein Wunder geschehen.

Da sind die Krüge unseres Lebens, zerbrechlich wie Tonkrüge. Krüge, die gefüllt werden mit unserem Leben, die gefüllt werden mit dem, was wir einbringen können mit allem was uns gehört, was uns glückt oder schiefgeht. Alles darf dazugehören.
Wir füllen unsere Krüge
mit frischem Wasser der Freude,
mit dem bitteren Wasser des Leidens,
mit dem salzigen Wasser unserer Tränen.
Dieses Wasser bringen wir dann zu Jesus.
Was macht Jesus mit den so gefüllten Krügen? Er will, dass wir uns auf ihn einlassen, will, dass wir ihn in uns und mit uns wirken lassen.
Wir aber sind unsicher, weil wir sagen:
Was soll er denn schon ändern? Geschehen ist geschehen, vergangen ist vergangen. Werden mit der Zeit nicht Freuden und Leiden einfach vergessen? Auch der Tod eines lieben Menschen? Man sagt ja, dass nach 2 Jahren auch eine noch so tiefe Trauer um einen lieben Menschen in der Regel verfliege.

Nicht immer ist es so. Es beschäftigt uns doch immer wieder, kommt uns in den Sinn, drückt uns und belastet uns. Die Krüge, die gefüllt werden, bleiben uns.

In einem Kirchenlied heißt es an einer Stelle: "Du kannst sie wandeln lieber Gott, denn Du bist groß und gut." Die große Frage heute ist die: Bringen wir heute das Vertrauen auf, dass Jesus unser Leben verwandeln kann? Nicht irgendwo und irgendwann, sondern jetzt. Dass er jetzt schon damit beginnt.

Das Wasser unseres vergänglichen Lebens macht er zum Wein des ewigen Lebens. Nein, es ist nicht leicht an Verwandlung und Wandlung zu glauben. Nein, es ist nicht leicht daran zu glauben, dass Jesus wirklich alles zum Guten wendet. Doch es gibt die Zusage Jesu:
"Siehe, ich mache alles neu." Soll es gut werden, dann brauchen wir den richtigen Wandel und die Bereitschaft, uns wandeln zu lassen. Dieser Wandel gilt auch für die Kirche.

Als 1962 das 2. Vatikanische Konzil begann, haben Verantwortliche schon Jahre vorher gespürt, dass sich in der Kirche etwas ändern muss, und es hat sich seitdem viel geändert. Nicht nur neue Lieder in einem neuen Gotteslob.
Die Kirche hat begonnen, sich von den klerikalen Strukturen in ganz kleinen Schritten zu verabschieden und sich hin zu entwickeln zu einer Kirche für alle Christen. Auch die Gläubigen mussten sich in dieser Zeit bereit erklären zur Wandlung, zum Sich-Wandeln. Dieses Wandeln in der Kirche ist ein Spiegelbild des Wandelns von Wasser in Wein, von dem wir heute im Evangelium gehört haben.

Denn im Wunder von Kana, im Wandeln von Wasser zu Wein wird deutlich: Gott wendet sich den Menschen zu.
Das Wunder geschieht aber nicht ohne den Menschen. Es wird deutlich in der Einladung, die Maria ausspricht mit den Worten: "Was er Euch sagt, das tut."
Im Wandel von Strukturen in der Kirche, z.B. in dem schon zitierten 2. vatikanischen Konzil wendet sich Gott dem Menschen zu und die Menschen werden ermutigt, diese Wandlung in der Kirche voranzutreiben. Nicht an allen Orten ist dieser Geist vom Konzil noch lebendig genug.
Wandel ist zurzeit angesagt, da in der Erzdiözese München und Freising und nicht nur da große Seelsorgeeinheiten geschaffen werden. So mancher wünscht sich, dass der Wandel dort begänne, wo die Zulassungsbestimmungen zum Priester verändert würden, um einer Neuordnung anders begegnen zu können. Auch hier spüren viele Christen mit Recht Unsicherheit.

In der Wandlung bei mir selbst wird deutlich, dass diese Wandlung nur geschehen kann, wenn ich mich auf Gott einlasse und tue, was er sagt. Dann geschieht bei jedem, der bereit ist, Wandlung. Ähnlich wie Wandlung geschah bei der Hochzeit in Kana, da Wasser zu Wein wurde. So kann in unserem/in meinem Leben so
manche Trauer in Freude sich wandeln,
manche Ablehnung in Annehmen,
manche Trennung wieder zur Versöhnung.
Amen.






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Predigt zum Sonntag "Taufe des Herrn", Lesejahr C, 2010-01-10,
Diakon Christian Karmann

Jesus als Vorbild nehmen, wie er sich selbst gefunden hat

Es ist schon bemerkenswert, dass Jesus erst mit Anfang 30 öffentlich zu wirken begonnen hat. Es ist nicht von der Hand zu weisen, dass er als der Sohn Gottes, als der Messias doch schon viel früher mit seinem Wirken hätte anfangen können, um vielleicht noch mehr zu heilen, um noch mehr Menschen für Gott und seine Sache zu gewinnen, um noch mehr für die Menschen seiner Zeit da zu sein. Jesus startet sein Wirken immerhin erst im letzten Drittel der damaligen durchschnittlichen Lebenszeit.

Und es ist auch bemerkenswert, dass der Startschuss für seinen Auftrag mit der Taufe am Jordan gefallen ist. Was ist da passiert?
Jesus, der sich zuvor wohl der Täuferbewegung angeschlossen hat, lässt sich von Johannes taufen ... und erfährt ein Offenbarungserlebnis: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!"
Bei diesem Schlüsselerlebnis wird für Jesus in absoluter Deutlichkeit klar, wer er ist. Gewusst hat er das wohl immer schon, irgendwie und irgendwo in sich - denken Sie an die Szene des12-jährigen Jesus im Tempel, wo er von Haus seines Vaters spricht. Aber in seiner ganzen Tiefe bewusst geworden ist ihm das wohl erst bei seiner Taufe im Jordan. Und in dem Moment, als ihm das bewusst wird, öffnet sich ihm der Himmel in einer Deutlichkeit und Intensität, die er vermutlich niemals zuvor in seinem Leben so erlebt hat: "Du bist mein geliebter Sohn, an dir habe ich Gefallen gefunden!". Erst als in ihm dieses Wissen, wer er eigentlich ist, freigelegt worden ist und ihn nun ganz und gar durchdringt, ihm also klar wird: "Ich bin der Sohn Gottes", wird er fähig als der zu handeln, der er ist, wird er fähig, darin seinen Auftrag für die Menschen zu erkennen, zu erfassen und umzusetzen. Deshalb gibt es vor der Taufe Jesu auch kein öffentliches Wirken, keine Auftritte.
Nur in dem Bewusstsein, wer er ist, kann Jesus sein, der er ist. Nur in dem Bewusstsein, ich bin Sohn Gottes, oder später: ich bin Weg, ich bin Wahrheit, ich bin Leben, kann Jesus für uns alle, für alle Menschen, die jemals gelebt haben, leben und leben werden, Sohn Gottes, Weg, Wahrheit und Leben sein. Wäre sich Jesus dessen, wer er ist, nicht bewusst geworden, könnte er all das nicht sein, für keinen einzigen Menschen.

Sie merken also, wie wichtig es ist, zu wissen, wer man ist, denn sonst kann man nicht als der leben, der man ist. Sonst lebt man an sich selbst vorbei und damit am Nächsten und an Gott. Das ist bei Jesus so, das ist bei jedem Menschen so. Es geht in unserem Glauben, in unserem Fragen nach uns selbst und nach Gott immer wieder und ganz zentral darum, sich immer und immer wieder, sich immer und immer mehr dessen bewusst zu werden: "Wer bin ich denn eigentlich als Mensch, umfassend in mir, in all den Facetten, die mich ausmachen, in all dem Reichtum, all der Fülle, die mir mit meinem Leben geschenkt ist?"

Ich möchte Sie ganz ausdrücklich ermutigen, dieser Frage ganz oft nachzugehen, sie zu meditieren, sie auf sich wirken zu lassen, sich auf ihren ureigenen inneren und äußeren Weg zur Wahrnehmung Ihrer selbst zu begeben. Denn diese Frage ist die Mensch-lichste aller Fragen, die den Menschen auf direktem Weg zu sich selbst führt, vom Bewusst-werden-wollen zum Bewusst-sein.
Sie merken, im Laufe des Kirchenjahres kommen wir immer wieder auf die "Wer-Bin-Ich-Frage" zurück, weil sie so zentral und vielschichtig ist und auch unglaublich mit der Frage nach Gott und dem eigenen Leben zusammen hängt. Blättern Sie ruhig mal die Evangelien durch, wie oft Jesus diese "Ich bin"-Aussagen über sich selbst macht und dann als Folge seines Gewahr seins über sich selbst als der Erlöser, als der Messias auftreten kann und auch auftritt.

Und für uns selbst: je mehr wir die Antworten auf diese Frage in uns finden, je mehr wir diesem Wissen über uns selbst auf die Spur kommen, desto mehr Friede, Freude, Freiheit, Liebe, Entfaltung, Leben usw. wird es in unserem Leben geben, desto mehr werden wir fähig sein, das zu leben, wer wir sind. Wir haben Friede, Freude, Freiheit, Liebe, Entfaltung, Leben usw. nämlich in dem Masse, in dem wir das auch repräsentieren und damit sind. Wir haben nur das, wer wir sind. Wir können mit anderen Menschen nur teilen, was wir haben und damit wieder wer wir sind. Und das hat direkt mit dem Grad unserer erlebten Erlösung zu tun. Eben mit unserem Leben und wie wir es wahrnehmen und erfahren.

Also: wie entdecke ich diese Art von Wissen in mir, das auch Jesus in sich entdeckt hat und dadurch das sein konnte, wer er war, der Erlöser, der Messias, der Sohn Gottes, damit auch ich das sein kann, wer ich bin. Wie komme ich dahin und welche Konsequenzen hat das für mein Leben?
Da es dabei um mich als ganzen Menschen geht, geht es um ein umfassendes Wissen in mir, also um Verstandeswissen, Gefühlswissen, Herzenswissen, Erfahrungswissen, Beziehungswissen, Seelenwissen .. vielleicht fallen Ihnen noch eine Reihe weiterer Kategorien ein. Es geht um menschliche Ganzheitlichkeit, den ganzen Menschen. Wenn Sie jetzt also einige konkrete Schritte erfahren, können Sie darüber nachdenken, sich hinein fühlen, ihr Herz dabei beobachten, Ihre Lebenserfahrungen, Ihre Beziehungen mit hineinnehmen, in Ihrem Innersten, in Ihrer Seele wahrnehmen, darüber meditieren.


Aber jetzt konkret:
1.
Arbeiten Sie in Ihrem Leben und in Ihrem persönlichen Glauben darauf hin, dass alle Gedanken einer möglichen Trennung von Gott aufhören!
Denken Sie an Jesus, der mit seinem Vater eins ist. Wenn Gott unendlich und unbegrenzt ist, wenn er das Leben ist und jeder Mensch Anteil an diesem Leben ist, ist jeder Mensch mit Gott untrennbar eins. Keiner kann aus dieser Einheit heraus fallen. Es gibt von Gott her weder Trennung noch Strafe. Wenn der Mensch sich gestraft oder getrennt fühlt, ist das eine Sache seines Bewußtseins, die nicht real ist. "Ich bin ein Kind Gottes" und kann deshalb ohne Angst und innerlich frei mein Leben gestalten und formen. "Ich bin Ebenbild Gottes" und darf mich selbst als Geschenk und Freude begreifen lernen. Meditieren und leben Sie das, es wird Ihr Leben auf ein neues Fundament stellen.
2.
Vergessen Sie nie, wer Sie sind und entscheiden Sie sich immer wieder, wer Sie sein wollen!
Denken Sie an Jesus, der deshalb das tun konnte, was er getan hat.
Erinnern Sie sich immer daran, was Sie im vorigen Punkt gehört haben, dass Sie "Kind Gottes", "Ebenbild Gottes" sind. Das bedeutet, dass sich Gott durch Sie ausdrücken und erfahren möchte. Nur wenn Sie dieses Wissen in Ihr Leben integrieren, werden Sie immer mehr "Wer Sie Sind" und so immer fähiger, sich zu entscheiden, wer Sie sein wollen und das eigene Leben immer wieder neu zu erschaffen . Und denken Sie daran, dass jeder Mensch diese Würde hat.
3.
Leben Sie immer konzentrierter und präsenter im Hier und Jetzt!
Denken Sie an Jesus, der immer in allem, was er tat und sprach, vollständig präsent war und deshalb aus der Fülle des Himmels lebte.
Alles Leben, alle Kraft sind nur Jetzt! in dieser Sekunde, in der ich lebe, erfahrbar und nutzbar. Die Vergangenheit ist vorbei, auch wenn sie mich zu oft festhalten möchte, die Zukunft wird erst noch entstehen. Alles Glück, alle Freude, alles Bemühen, alle Fülle, die Sie selbst in sich tragen, können Sie nur Jetzt! erfahren, auch Gott und seine Liebe.
4.
Gewähren Sie anderen, was Sie selbst möchten!
Denken Sie an Jesus, der den Himmel, seinen Vater in sich gewusst hat und ihn den Menschen gebracht hat.
Was immer Sie erfahren möchten, was immer Sie über sich selbst entdecken möchten, lassen Sie es zuerst andere erfahren. Der Reichtum, den Sie offenen und ehrlichen Herzens anderen zugänglich machen, wird unweigerlich zu Ihnen zurück kommen. Wenn Sie erfahren möchten: "Ich bin Liebe", sorgen Sie dafür, dass ein anderer geliebt wird. Wenn Sie erfahren möchten: "Ich bin Weisheit", sorgen Sie dafür, dass ein anderer das wird. Wenn Sie erfahren möchten: "Ich bin Freude", sorgen Sie dafür, dass Sie zuerst für andere Freude sind oder dass die Freude zuerst zum anderen kommt. Und wenn Sie sich dazu nicht fähig fühlen, tun Sie so, versuchen Sie es in dem Bewusstsein zu tun, als ob Sie darin schon perfekt wären.
Es gäbe noch viel mehr zu diesem Thema zu sagen. Eines ist vielleicht klar geworden: Am Fest der Taufe Jesu dürfen wir uns wieder neu Jesus als Vorbild nehmen, wie er sich selbst gefunden hat, wie er sich seiner selbst auf neue, umfassendere Art und Weise bewusst geworden ist. Und wie das von uns, jeder Mensch auch für sich entdecken darf, um ganz und gar zu sich selber zu finden: "Wer ich bin!", in mir selbst, in Gott, in der Mitwelt.






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Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag Fest des Hl. Stephanus, 2009-12-26,
Diakon Christian Karmann

Jeder Mensch ist in seinem Innersten Kind des Geistes Gottes.

In schwierigen Lebenssituationen und bei großen Problemen braucht man Schlagfertigkeit und gute Einfälle. Aber die Einfälle, die ich brauche kann ich nicht erzwingen, sie nicht auf Knopfdruck abrufen. Meine "Einfälle" kommen "von selbst". Und je mehr ich versuche, sie dadurch zu erzwingen, dass ich wie der Hamster im Rad nicht aufhören kann, unentwegt über mein Problem, meine Situation zu grübeln, desto weniger blicke ich durch und komme zu Lösungen. Sie kennen solche Situationen.

Andererseits, wenn es einem gelingt, das Problem, die schwierige Situation mal loszulassen, sie mal innerlich beiseite zu legen, weil ich jetzt sowieso nichts ändern kann, dann werde ich freier für kreative Problemlösungen, dann weitet sich mein Blick, dann werde ich fähig, vielleicht auch unerwartete Lösungen zu erkennen, dann werde ich vielleicht fähig, mich dem Geist, mich Gott hinzuhalten.
Also: Ich kann Einfälle haben, aber nicht machen; sie stammen aus dem Bereich des Geistes.

Ein geisterfüllter, ein "be - geist - erter" Mensch braucht nicht lange zu überlegen, was er sagen oder tun soll; er kann aus dem Vollen schöpfen. Denn ein geisterfüllter Mensch, weiß sich wie "ein Fisch im Wasser" von überallher von der Fülle umgeben, aus der heraus er sein Leben gestaltet, aus der heraus er sein Wissen von Gott, dem Universum, den letzten Wahrheiten hat, so wie sie einem Menschen nur zugänglich sein können.

Ein von Gott begeisterter Mensch wird deshalb begeistert und begeisternd von Gott reden. Die Zuhörer spüren, dass eigentlich nicht er von Gott redet, sondern dass Gott durch ihn spricht. Und Gott kommt beim Menschen an.
Gott möchte durch Sie bei Ihrem Gegenüber ankommen, zu jeder Zeit und immer wieder. Das kann er, wenn er zuerst bei Ihnen, in Ihrem Leben ankommen durfte. Gestern haben wir Weihnachten gefeiert. Und gleich nach der Ankunft des Herrn kommt die Herausforderung. Heute denken wir in diesem Zusammenhang ja an Stephanus.

Es geht heute also schon wieder um die Wahrnehmung, dessen, was ist - Stephanus nimmt das Unverständnis seiner Mitwelt war und sein Offensein auf Gott hin. Es geht also schon wieder um die Entscheidung, dessen, was zu tun ist, die auch Stephanus in der für ihn gefährlichen Situation treffen musste.
Es geht also schon wieder darum, das zu tun, was entschieden worden ist, mit den Konsequenzen, die damit verbunden sein können. Stephanus ist uns ein Vorbild. Wer Glaube so konsequent lebt, ist glaubwürdig.

Nicht jeder Einfall und jeder "Geistesblitz" ist eine Eingebung des Heiligen Geistes. Es gibt gute und schlechte Einfälle; auch der "Ungeist" kann begeistern. So provoziert das begeisterte Reden von Gott den Ungeist und die Menschen, die von den "Ungeistern" - von Angst, Hass und Rache - besessen sind. Stephanus hat das erlebt an der Reaktion derer, denen er von Gott erzählt hat.

Meine Einfälle entstehen nicht unabhängig von mir. Meine Einstellung und Gesinnung spielen eine Rolle. Genauso meine Sehnsüchte und Wünsche. Sie sind der Raum, in dem meine Einfälle entstehen.
Wer will ich also sein? Licht für andere? Oder nur für mich selbst? Reichtum für andere? Oder nur für mich selbst? Was ist meine höchste Idee von mir selber? Wer will ich in meinem Leben sein, vor mir selbst, vor Gott? Wenn ich davon in mir einen Einfall, eine Idee, eine Sehnsucht spüre, dann werde ich den entsprechenden Weg wählen. Als Christ wähle ich den Weg des Lebens und der Fülle, ...wenn ich ihn wähle.

Meine Einfälle und dann nachfolgend meine Entscheidungen und mein Handeln bringen zum Ausdruck, "wes Geistes Kind" ich bin. In Stephanus ist deshalb der Himmel sichtbar, er ist das Kind des Geistes Gottes. Jeder Mensch ist das in seinem Innersten auch, sogar dann, wenn er es vergessen hat und nicht mehr danach lebt: Kind des Geistes Gottes. Denn dazu wir alle berufen: dass sich der Himmel in uns öffnet und dass wir merken: "Der Himmel ist längst in uns, weil Gott in der Welt ist und in jedem Menschen gegenwärtig ist." Machen wir uns also immer bewusster auf den Weg und helfen uns dabei, die Wirklichkeit neu zu entdecken, die Gott ist und die alle Einsamkeit, alle Trennung, alle Angst, allen Tod in Freude, Licht und Leben verwandelt. Amen.






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Predigt in der Christmette 2009-12-24, Pfarrer Franz Muck

(1. L:. JJes 9, 1-6 / 2. L.: Tit 2, 11-14 / Ev.: Lk 2, 1-14)

Liebe Schwestern und Brüder,

ich kann jetzt nicht jeden fragen, warum er zu diesem Gottesdienst mitten in der Nacht kam. Ich kann aber die eine oder andere Vermutung äußern, zum Beispiel sagt dann jemand, weil's bei mir seit meiner Kindheit dazugehört, in die Mette zu gehen und es in mir eine schöne Kindheitserinnerung wachruft; weil ich's wieder einmal erleben möchte, diese schöne Feier um Mitternacht; weil mich die Feier mit den vielen Leuten um diesen Christbaum innerlich berührt; weil ich seit meiner Ministrantenzeit in St. Ulrich die Mette hier besonders liebe und jedes Jahr dabei sein möchte, auch anschließend beim traditionellen Punschtrinken vor der Kirche mit den Leuten aus St. Ulrich und den Gästen.

Aussagen, die den Kern von dieser Feier der Weihnacht nicht treffen.
Die Kernaussage in dieser Nacht ist eindeutig die: Gott wurde Mensch, einer von uns. Diese Aussage, diese Wahrheit, dass Gott eine menschliche Natur angenommen hat, gilt es zu feiern.
Sie sind auf einem guten Weg, wenn sie in der Familie oder im Freundeskreis bereits gefeiert haben und jetzt bei der festlich gestalteten Eucharistiefeier als Mittelpunkt unseres Christ seins dabei sind. Natürlich darf die Krippe und der Christbaum und die Geschenke die Freude und das Wohlbefinden stärken. Klar ist, dass die Kernaussage von Weihnachten nicht der Bericht von Krippe, Stall, Hirten und Königen sein kann, sondern das Eintreten Jesu in diese Welt.

Vom Weihnachtsgeschehen, von der Geburt Jesu in Bethlehem berichten nur zwei von den vier Evangelisten. Der Evangelist Markus, der das 1. Evangelium schrieb, erwähnt die Geburt Jesu mit keinem Wort. Er beginnt sein Evangelium mit dem Wirken Johannes des Täufers und mit der Erzählung, dass Jesus mit der Taufe im Jordan sein öffentliches Wirken begonnen hat.
Der Evangelist Johannes spricht über das Kommen Jesu in diese Welt mit den wohl allen bekannten Sätzen, die unter anderem am 1.Weihnachtstag beim Festgottesdienst vorgetragen werden:" Am Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und das Wort war Gott ." Nur die Evangelisten Matthäus und Lukas berichten von der Geburt Jesu. Wir haben jetzt gerade die Stelle aus dem Lukasevangelium gehört.
Alle 4 Evangelisten jedoch berichten ausführlich und detailliert vom Leben Jesu, von seinem heilenden und heilbringenden Wirken, von seinem Sterben und vor allem von der Auferstehung und damit von einem neuen Leben ganz anderer Art, das er für die ganze Welt errungen hat.

Es darf auch heute - am Weihnachtstag- festgestellt werden:
Ostern, das Fest der Auferstehung ist das höchste Fest für uns Christen.Wenn ich dies in der Schule als Religionslehrer gesagt habe, dann war so manches Mal die Antwort der Kinder: Aber Weihnachten ist das schönere Fest und sie fügten noch dazu: Da bekommt man auch mehr geschenkt. Wenige werden beim Kaufen und Verschenken daran denken, dass das Schenken auch ein Zeichen der Freude darüber ist, dass der Menschheit Jesus geschenkt wurde und dass dadurch Freude in alle Welt gekommen ist.

Trotz dieser Abgrenzung gegenüber der Bedeutung der Auferstehung bleibt natürlich die Geburt des Erlösers ein heilsgeschichtliches Ereignis, ja es ist die Heilstat Gottes an uns Menschen, es ist der Höhepunkt in der Menschheitsgeschichte, dass Gott in die Welt kam, ersehnt und erwartet seit Jahrhunderten.
Wie groß die Sehnsucht der Menschheit war, wurde in der ersten Lesung heute deutlich, wenn dort im Buch Jesaja von der Dunkelheit berichtet wird. Die Völker waren erfüllt von der Sehnsucht nach dem Licht, dem Licht, das nur ein Erlöser bringen kann. Viele Stellen im Alten Testament berichten von der Zeit des Wartens auf den Erlöser, von der Sehnsucht, von der Unruhe und von der Frage, wann er denn endlich kommt. Er kam als Kind in die Welt..
Es liegt uns Menschen natürlich nahe, den Anfang des Lebens Jesu in dieser Welt besonders zu feiern. Es darf und soll gefeiert werden, wie ja auch die Geburt eines Kindes in jeder Familie gefeiert wird. Und wie in jeder Familie bei der Geburt, bei Christen noch deutlicher bei der Taufe, schon der Blick auf das weitere Leben des Kindes gerichtet wird und Glückwünsche für das ganze Leben ausgesprochen werden, so muss auch für uns an Weihnachten der Blick auf das ganze Leben geöffnet werden. Weihnachten ist kein punktuelles Fest, so sehr wir es jetzt in dieser Stunde als punktuelles und erfreuliches Fest feiern.

Wir dürfen dabei nicht vergessen, dass Weihnachten uns den Blick auf die Kernaussage öffnen möchte: Jesus wurde einer von uns. Er will, dass wir etwas von dem verwirklichen, was er gebracht hat: Friede und Heil, Licht und Zuversicht .Er will in mir ankommen und mich zu einem "Christus-Menschen" machen. Ich bin durch ihn auserwählt, darf jede und jeder für sich wahrnehmen.

In dieser Nacht fällt ein neues, stärkendes Licht auf jeden von uns, das jeden einlädt, großherzig von uns und von anderen zu denken. Das Licht dieser Heiligen Nacht sagt von einem jeden von uns: Du bist schon von deiner Geburt an viel mehr wert als Menschen voneinander denken können. Du bist nicht nur das Kind und der Jugendliche, nicht nur Mutter und Vater, nicht nur der Angestellte oder der Arbeiter, nicht allein, alt oder krank, klug oder nicht. Mensch bist du, ein Mensch der für immer zu Gott gehört; in dieser Nacht legt er auch in dich seinen Himmel, will in dir geboren werden.

Es geschieht also Begegnung mit Gott auf der Stufe, die wir uns leichter vorstellen können, die Begegnung in einem Kind, im göttlichen Kind. Ist damit nicht ein neues Angebot gemacht auf meine anfangs gestellte Frage: warum bist du, sind sie, in diesen Gottesdienst mitten in der Nacht gekommen? Um Gott im Kind zu begegnen! Um Gott zu erfahren!

Amen.






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Predigt am 4. Adventsonntag, 2009-12-20, Diakon Christian Karmann

(Lesejahr C - Evangelium: Lk 1,39-45)

"Ich bin selbst Licht im Licht Gottes...ich bin geheiligt."

Es ist ein ganz besonderer Moment, wenn ein Kind getauft wird. Alle, die da sind, sind sich dessen bewusst. In der Taufe kommt Gott dem Menschen auf ganz besondere Weise sehr, sehr nahe. Und die Kinder, wenn sie nicht von Hunger oder sonst irgendeinem Schmerz abgelenkt sind und sie ganz wach bei der Sache sind, die spüren das. Wenn man sie vom Seelischen her anschaut, kommt mir oft vor, als ob eine Art inneres Leuchten über das Kind geht, wenn ich das Wasser übergieße. Es ist für mich immer wieder ein sehr bewegender Moment. Die Kinder wissen tief in sich ganz genau, da bin ich mir ganz sicher, dass Gott in diesem Moment ihnen ganz nah kommt, ganz sanft, ganz zart. Kinder sind ganz offen für diese Art der Wahrnehmung.

Auch das Ungeborene von Elisabeth spürt das ganz intensiv. Auch das Ungeborene der Elisabeth hat diese Wahrnehmung, dass jemand ganz besonderer zu ihm kommt, der Gott ausstrahlt, der das ist, was er ausstrahlt, Christus. Ein Moment großer Freude, denn Gott ist Freude für jeden, der ihn aufnimmt, annimmt und aus ihm lebt.
Das Kind hüpft vor Freude im Mutterleib, heißt es. Und die Mutter, die mit ihrem Kind eins ist, weiß sofort warum. Sie ist sogleich offen für die Gottwirklichkeit und wird vom Geist erfüllt, d.h. sie nimmt den Geist Gottes in ihrem Leben wahr, den Geist, der immer da und mit ihr ist.

Es geht in diesem Evangelium also zu allererst um Wahrnehmung, dass Gott zu mir kommt, dass er eigentlich schon längst immer da ist und es geht um die Entscheidung, um die Bereitschaft, sich dieser Wirklichkeit, die Gott ist, zu öffnen. Dann wird der Mensch bereit, die Fülle anzunehmen, in der er immer steht. Er lebt im Geist Gottes.
Aber andererseits: Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Wer bin ich im Jahr 2009, dass ich eine solche Gotteserfahrung machen darf, die so intensiv, so überwältigend ist, so unglaublich ist, dass sie mir den Atem raubt. Diese Art von Erfahrung ist doch, wenn überhaupt, nur heiligmäßigen Menschen zugänglich, einem Franz von Assisi, einer Theresia von Avila. Ich fühle mich alles andere als heilig.

Aber Sie sind doch heilig, denn Sie sind geheiligt. Wir haben es doch gerade in der Lesung gelesen: "Aufgrund des Willens Gottes sind wir durch die Opfergabe des Leibes Jesu Christi ein für allemal geheiligt." Sie sind also heilig. Können Sie das für sich sagen? "Ich bin heilig"!
Vielleicht antworten Sie mir dann: "Aber ich habe nicht das Gefühl, dass ich heilig bin und außerdem verhalte ich mich keineswegs heilig, handle nicht immer richtig, meine Gedanken sind oft boshaft und meine Gefühle enthalten auch nicht immer die reine Nächstenliebe. Es wäre also eine Anmaßung, wenn ich sagen würde, ich bin heilig."

Wenn Sie mir so antworten würden, würde ich Ihnen sagen: "Jetzt verwechseln Sie etwas. Sie verwechseln das, was Sie sind, mit dem, was Sie tun, denken und fühlen." Ich gebe Ihnen Recht: wir alle leben sehr oft nicht das, was wir sind. Man könnte auch sagen: wir sind nicht mit uns identisch oder nicht authentisch. Wir sind im tiefsten Inneren heilig, aber wir bringen diese innere Wirklichkeit oft nicht zum Ausdruck, indem wir nicht die Heiligkeit leben, die wir sind. Bei Jesus ist das anders: er hat gelebt und lebt, was er ist und bringt deshalb Freude und Leben hervor. Es ist also keine Anmaßung zu sagen: "Ich bin heilig." Denn es ist keine Anmaßung zu sagen, was ist, was ich zutiefst bin als Mensch. Es ist eben wie es ist und jeder von Ihnen ist heilig. Und das ist die reine Wahrheit, die in der Heiligen Schrift steht.

Was ist also unser Problem? Unser Problem ist, dass wir irgendwie "vergessen" haben, dass wir heilig sind. Und wenn wir uns nicht wirklich dessen bewusst sind, wer wir sind, können wir auch nicht wirklich leben, wer wir sind, können wir nicht wirklich heilig leben.
Und jetzt kommt uns einer entgegen, der uns hilft, der uns aufmerksam macht, uns selbst zu erkennen, was wir nicht mehr über uns wissen. Der uns hilft zu erkennen, dass wir, wie es in der Taufe heißt, Kinder des Lichtes sind, Kinder Gottes sind, heilig sind vor Gott.
Durch sein Licht an Weihnachten, das er uns in die Dunkelheit unseres Nicht-Wissens dessen, wer wir vor ihm sind, schenkt, entfacht er in uns selbst das Licht, die Liebe, die Freude. In dem Maße, wie der Mensch das zu entdecken beginnt. In dem Maße, wie der Mensch beginnt sich aus der weihnachtlichen Nähe Gottes zu erfahren: ich bin heilig, ich bin gut, ich bin Freude, ich bin selbst Licht im Licht Gottes, in dem Maße wird er fähig, das zu leben und zu erfahren, wer er vor sich selbst und vor Gott in Wirklichkeit ist und mit ihm alle Menschen um ihn herum: ich bin geheiligt. Wenn ich bereit bin, mich für dieses Wissen zu entscheiden, dass das die Wahrheit meines Lebens ist, dann werde ich auch durch mein Denken, Fühlen und Tun der, der ich vor Gott und in mir schon längst bin: heilig. Dann stimmen Sein und Tun wieder zusammen.

An Weihnachten kommt uns Gott in Christus entgegen. Er kommt uns mit Licht und Freude entgegen, damit wir den Mut und die Bereitschaft finden, uns der Wirklichkeit, die Gott ist und die wir zutiefst sind, zu öffnen. Er kommt uns so entgegen, damit jeder Mensch den Mut und die Bereitschaft findet, in sich selbst das Licht und die Freude Gottes, die Liebe und das Leben zu entdecken.
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.
Selig sind Sie, wenn Sie glauben, dass sich erfüllt, was der Herr Ihnen jede Sekunde Ihres Lebens sagt. Und dann leben, was Sie wieder neu hören und jetzt von innen her wissen.
Du bist meine Freude, Du bist selbst Licht, du bist meine Liebe, Du bist mein liebes Kind, Du bist heilig.

Amen.






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Predigt am 30. Sonntag im Jahreskreis, 2009-10-25, Pfarrer Franz Muck

(Lesejahr B - Evangelium: Markus 10,46-52 - Bartimäus)

Mit den Augen des Glaubens sehen

Liebe Schwestern und Brüder,

in diesem Kirchenjahr, das sich dem Ende zuneigt, stand in den Sonntagsevangelien der Evangelist Markus im Mittelpunkt. Er schreibt bekanntlich das kürzeste Evangelium und es gliedert sich in drei Abschnitte.

Im ersten Teil wirkt Jesus überwiegend in Galliläa und am See Genezareth – er lehrt das Volk. Im zweiten Teil ist Jesus unterwegs nach Jerusalem – er lehrt vor allem die Jünger und kündigt mehrfach an, dass er bald sterben werde. Sie verstehen nicht, sie reden sogar einmal darüber, wer in seinem Reich der Größte sein werde.

Im dritten Teil ist Jesus in Jerusalem. Hier sind die Gegner Jesu seine Gesprächspartner; in der Passion und Auferstehung wendet er sich an das Volk, an die Jünger und an alle seine Gegner.

Am Ende des zweiten Teiles, unmittelbar vor dem Einzug in Jerusalem, gleichsam als Übergangserzählung zur Passionsgeschichte steht die Heilung des Blindgeborenen. Diese Geschichte kennen wir auch bei Lukas, dort wird der Blinde nicht beim Namen genannt und diese Geschichte kennen wir auch bei Matthäus, der von zwei Blinden spricht. Bei Markus hat der Blinde einen Namen, nämlich Bartimäus und ist der Sohn des Timäus. Die Geschichte vom Blindgeborenen ist sicherlich heute auch eine interessante Geschichte beim Kindergottesdienst und beim Bibelgespräch. Sie gehört zu den beliebtesten Geschichten auch in Religionsstunden und oft wird sie auch schon im Kindergarten erzählt. Bei aller Bekanntheit lässt diese Geschichte aber auch Erwachsene nicht in Ruhe.

Der Ort, wo das Heilungswunder geschieht, ist Jericho, unweit vom Toten Meer im Jordangraben gelegen. Schon im Alten Testament wird diese Stadt Palmenstadt genannt und Herodes der Große hat diese Stadt Jericho als Winterresidenz sehr geschätzt. Jesus ist auf dem Weg von Cäsaräa Philippi nach Jerusalem. Somit ist Jericho der Ort, an dem Jesus sein letztes Wunder vollbracht hat.

Der Blinde ruft nach Jesus mit den Worten: „Sohn Davids“. Er ist damit ganz im jüdischen Glauben eingebunden. Er anerkennt Jesus als den davidischen Messias, ganz im Sinne der Tradition, die zurückreicht bis auf König David. Denn auch von David wurde die Befreiung des Volkes Israel erwartet und es wurde von ihm ein Heilswirken für ganz Israel erwartet. Der blinde Bartimäus gebraucht einen Bittruf, der auch in vielen Psalmen vorkommt „Hab Erbarmen“ oder „Herr, erbarme Dich“. In der Liturgie hat sich dieser Ruf bis zum heutigen Tag durchgesetzt in den Kyrierufen zu Beginn der Hl. Messe.

„Hab Erbarmen“, ruft der Blinde, die Umstehenden rufen: „Sei still“. Jesus hingegen erwidert: „Ruft ihn her“. Die Umstehenden, die vorher gerufen hatten „Sei still“, machen ihm plötzlich Mut und sagen: „Er ruft Dich, steh auf“. Der Blinde steht auf, wirft den Mantel weg, doch dieses Wegwerfen des Mantels ist nicht ein einfaches Wegwerfen, nein, es hat tiefe Bedeutung: Er wirft mit dem Mantel gleichsam auch sein Ausgestoßensein aus der Gesellschaft weg. Er musste nämlich aufgrund seines Blindseins, seiner körperlichen Behinderung, als äußeres Zeichen den Mantel tragen. Zudem galt in Israel und im Umkreis von Israel Blindheit allgemein als eine verdiente Strafe Gottes. Es ging dabei auch um die Vorstellung von innerer Blindheit, von Verstocktheit und von Verhärtung Gott gegenüber.

Der Wunsch des Bartimäus wieder sehen zu können bezieht sich nicht nur auf das Augenlicht, sondern auch auf das rechte Erkennen der Person Jesu. Seine Bitte, sehen zu können, hat also eine doppelte Bedeutung und mit Recht fragt Jesus: „Was willst Du, dass ich Dir tun soll?“. Jesus bezieht den Wunsch des Blinden auch darauf, dass er neben der Blindheit vor allem auch den Glauben des Blinden wahrnehme und achte.


Der so im doppelten Sinne Geheilte verfällt gleichsam diesem Jesus und folgt ihm auf seinem Weg, heißt es dann im Evangelium. Sein Weg - und deshalb habe ich erwähnt, dass Markus im 3. Teil die Leidensgeschichte und die Auferstehung schildert und dass Jesus an Bartimäus sein letztes Wunder gewirkt hat – ist der Weg mit Jesus nach Jerusalem.
In Jerusalem endet der Weg Jesu im Tod und in Jerusalem beginnt der neue Weg Jesu in der Auferstehung. Bartimäus ist als Glaubender, als Sehender gleichsam für uns alle stellvertretend dabei.

Die Erzählung der Blindenheilung des Bartimäus hat in der Glaubensgeschichte seit jeher eine bedeutende und bleibende Rolle gespielt, denn sie zeigt sehr deutlich, dass wir mit offenen Augen durch die Welt gehen müssen und mit einem glaubenden Herzen.
Auf uns selbst übertragen, können wir feststellen: Wir meinen mit offenen Augen durch diese Welt zu gehen und Mitmenschen und die Welt zu durchschauen. Dabei nehmen wir vieles oft nur oberflächlich wahr. Als Sehfähige sind wir oft blind für das Wirken Gottes in der Schöpfung, übersehen die Not des Nächsten, sehen so manches falsch. An Bartimäus können wir abschauen, was es heißt, mit den Augen des Glaubens die Welt wahrzunehmen. Er hat sich an Jesus gewandt, sich ihm geöffnet und wurde dadurch sehend. Lernen wir von ihm, Sehende zu werden.

Amen.






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Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis, 2009-09-13, Diakon Christian Karmann

(Lesejahr B - Evangelium: Mk 8, 27-35 Lesung : Jak 2, 14-18)

"Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach"
Wer Jesus nachfolgen will, muss einerseits ganz selbständig und kreativ werden und andererseits sich selbst verleugnen: Aber irgendwie klingt das wie ein Widerspruch in sich. Wie kann ich mich auf der einen Seite selbstständig und kreativ als Mensch entfalten und andererseits mich verleugnen und mein Kreuz tragen. Und was, wenn ich zum Verleugnen und Kreuztragen keine Lust habe. Und irgendwie könnte ich auch das Gefühl bekommen, dass das mit dem Verleugnen und Kreuztragen lebensfeindlich ist, mir das Leben sauer macht. Jeder normale Mensch will sich ja gerade nicht selbst verleugnen und jeder versucht seinen Kreuzen und Belastungen aus dem Weg zu gehen oder so schnell wie möglich los zu werden. Natürlich, wer sich entscheidet, ich pointiere jetzt - das Leben als möglichst ununterbrochene Folge von Wohlfühlsituationen anzustreben, wer sich entscheidet, das Leben mit möglichst viel Genuss und Sicherheit abzuleben - Schlüsselworte sind da Konsum, Geld, Macht - wird keinen Gedanken daran verschwenden, was Jesus mit seinen Worten meint, wird sich vermutlich sogar darüber ärgern.
Ganz anders aber, wer sich entscheidet, sein Leben durch diese Oberfläche des Lebens hindurch zu gestalten, um das Leben lebendiger wahrzunehmen.
Ganz anders, wer sich entscheidet, das zu erkennen und zu entdecken, was und wer er als Mensch, als Gott ebenbildliches "ICH BIN" in seiner tiefsten Dimension vom Wesen her ist, und darin die Freude, Fülle und Dichte des Lebens zu erfahren, die er als Mensch ist. Das ist ein unvergleichliches Abenteuer.
Ganz anders, wer sich entscheidet, den höchsten Gedanken von sich selbst zu leben und zu entfalten. Welche Entscheidung treffe ich also, wer ich bin und als wer lebe ich. Was ist mein höchster Gedanke von mir selbst. Treffe ich für mich also beispielsweise die Entscheidung: Ich bin gut und lebe es, ich bin Freiheit und lebe es, ich bin Liebe und lebe es, ich bin Weg oder Vorbild für andere und lebe es usw.

Wer sich also ganz anders als der Zeitgeist entscheidet, wird diese Worte Jesu bzgl. der Selbstverleugnung und des Kreuzes ein wenig genauer unter die Lupe nehmen wollen und wird darin das Leben entdecken.

Aber wie hängen diese Dinge jetzt zusammen?
Zunächst, was meint Selbstverleugnung?

Es dreht sich erst einmal wieder alles um das Ego-Ich. Das Ego-Ich will sich behaupten, will stark sein, auch auf Kosten anderer, wenn es sein muss. Wenn z.B. die Toleranz fehlt, muss der andere verurteilt und irgendwie ausgeschaltet werden, weil sonst die eigene Identität verloren geht. Dem Ego geht es um Konsum, Macht, Geld, Gelten-Müssen, Haben-Wollen. Das Ego sagt: "Ich bin, was ich habe" und "je mehr ich habe, desto mehr bin ich". Ich pointiere jetzt wieder: Das Ego identifiziert sich mit dem, was es nach außen gilt und von außen hat, auch das eigene Bild von sich selbst. Auf diese Weise strebt man in unserer Kultur üblicherweise nach Glück, ein Fass ohne Boden, man kommt nie ans Ziel. Das Ego, das eigentlich die wichtige Aufgabe hat, dem Menschen bei seiner Entfaltung im Lebensraum dieser Welt zu helfen, hat sich verselbstständigt und zum Herren aufgeschwungen. In unserer Welt hat das Ego-Ich das Sagen. Wir sehen es an allen Orten.
Selbstverleugnung dagegen bedeutet, diese seltsame Denke, die schädlichen Identifikationen des Ego aufzugeben und in mir aufzulösen: denn, fast alle Menschen identifizieren sich mit dem, was sie haben, Besitz, Macht, Geld, Ansehen, Wissen, denn das macht das Ego ja stark und gibt uns die unsichere Illusion von Glück.
Aber ich bin nicht der Besitz, den ich habe, ich bin nicht die Macht, die ich habe, ich bin nicht das, was andere mir an Geltung und Selbstbewusstsein zukommen lassen. Ich bin nicht einmal das, was ich denke oder fühle. Ich habe Gedanken und Gefühle und kann beides wunderbar genießen und mir nutzbar machen, aber ich bin es halt nicht.

Das alles, was ich habe und womit ich mich identifiziert habe, macht nicht mein Wesen, die tiefste Wirklichkeit meiner selbst, mein Leben, mein ICH BIN vor Gott aus, vielmehr verbaut es den Blick darauf, manchmal total. Denn nur wenn ich im konkreten Leben der werde, der ICH BIN, bin ich glücklich. Es ist wunderschön, wenn Menschen entdecken: Ich bin Kraft und das auch leben, ich bin Wahrhaftigkeit und das auch leben, ich bin Liebe und das auch leben usw.

Nach dem, was Sie gehört haben, ist jetzt ein guter Zeitpunkt, innerlich einen Schritt zurück zutreten, um sich selbst besser in den Blick zu bekommen, sich sozusagen aus der eigenen Distanz heraus zu betrachten und sich selbst zu fragen: Wo bin ich unfrei in meinem Ego, wo binden mich innerlich und äußerlich Dinge, die ich nicht loslassen kann? Wo identifiziere ich mich als Person mit Dingen und Menschen, woraus ich mein Selbstbewusstsein ziehe. Wo gibt es Beziehungen oder Dinge, ohne die ich nicht leben kann oder das zumindest glaube? Wir alle werden eine Menge Dinge finden, die unser Ego braucht und aufbaut.
Den ersten Schritt zur Selbstverleugnung im Sinne Jesu, zur Befreiung meiner selbst haben wir also getan: ich werde zum Beobachter meiner selbst und werde mir bewusst, wo ich in meinem Ego frei oder unfrei bin, wo ich das "ich habe etwas" von dem, was ich bin unterscheiden lerne. Dabei werde ich konzentriert sehr präsent, sehr gegenwärtig. Und jetzt werde ich fähig die Gottwirklichkeit in meinem Leben immer klarer und wahrhaftiger zu erspüren. Je freier ich von meinem Ego bin, je mehr mein ICH BIN der Herr im Haus meines Lebens ist, desto offener und bereiter werde ich für die ganz und gar glückerfüllte Begegnung mit Gott. Und je öfter, je ehrlicher, je konzentrierter und konsequenter ich das versuche, desto bewusster werde ich mir über mein Leben.

Jetzt zum Kreuz, jedenfalls zu einem Aspekt davon:
Denn in einem zweiten Schritt geht es darum, zunächst das anzunehmen, was mir bewusst wird über mich selber. Mir selbst ins Gesicht zu schauen, nichts zu beschönigen, die Dinge und Gegebenheiten, die sind, anzuerkennen, nicht zu verurteilen, sondern sie anzunehmen, am besten in dem Bewusstsein, dass auch Gott sie annimmt und sie, egal wie sehr sie uns belasten oder verunsichern, immer in seinem Licht sind.
Es erfordert viel Mut sich selbst so immer wieder anzuschauen und das, was ich in meinem Ego festhalte, Gott hinzuhalten und mich davon innerlich zu trennen.
Sie kennen die Haltung: Ich bin mir selbst mein schwierigstes Kreuz. Denn das Kreuz auf sich nehmen, bedeutet Hingabe. Hingabe bedeutet, das anzunehmen und loszulassen, was ist. Und wenn ich annehme, was ist, werde ich innerlich davon frei. Ich gebe den inneren Widerstand gegen das, was ist auf und finde dadurch zu meiner Freiheit, auch zu meiner Freiheit vom Ego.
Zu den eher schwer anzunehmenden Kreuzen gehört z.B. eine schwere Krankheit. Jeder versucht natürlich alles dazu zu tun, um gesund zu werden, das ist ganz klar und ganz richtig. Aber wenn ich die Krankheit nun mal jetzt in diesem Moment habe und in diesem Moment nicht auskomme, ist es völlig sinnlos, dem Widerstand entgegenzusetzen, was jetzt in diesem Moment ist - denn es ist ja, ob ich will oder nicht - und dabei meine innere Kraft zu verpulvern, die ich besser für die Genesung einsetzen sollte. Wenn es also gelingt meine äußere und innere Situation Moment für Moment loszulassen, anzunehmen in dem Bewusstsein: ich habe diese Krankheit, aber ich bin nicht diese Krankheit und das ist meistens ein wahnsinnig harter Kampf gegen mein Ego, das sich mit Händen und Füßen sträubt, seine Macht in mir aufzugeben. Wenn ich also in die Haltung der Hingabe hineinfinde, dann werde ich in mir immer mehr meine innere Freiheit entdecken und die Weite und das Leuchten des Himmels in mir wahrnehmen. Ich werde dann wissen, dass das alles umfassende Glück aus meinem Inneren kommt und nie woanders her. Ich werde dann fähig, das was ich so bin, weiter zu schenken, mich selbst zu schenken.
Und auf das ganze Leben gesehen: Ich erliege nicht mehr der Illusion, dass äußere Umstände dafür verantwortlich sind, ob ich mich glücklich oder unglücklich weiß. Ich entlarve dann mein Ego-Glück letztendlich als ziemlich kurzlebige Illusion, bin andererseits erst dann wirklich fähig, meine Beziehungen, in denen ich in aller Freiheit lebe, die Dinge, die ich in aller Freiheit besitze, zu genießen ohne dass ich mich innerlich von Beziehungen und Besitz, von Macht und von Konsum versklaven lasse. Ich brauche all das dann nicht mehr, um in und aus meiner Tiefe, wo Gott gegenwärtig ist, glücklich zu sein und kann gleichzeitig alles in einer Haltung des Loslassens bis zum Boden auskosten und weiter geben. Und weiß mich reich und beschenkt.
Vielleicht, eine Vision. Aber sicher die Erfahrung vieler Menschen, die den Weg der Heiligkeit suchen und gehen: Wer sein Leben so trainiert, wird zwar viel von seinem Ego-Ich-Leben verlieren, vielleicht sogar alles, aber er wird das gewinnen, was das eigentliche Leben bedeutet, er wird das wieder finden, was sein ICH BIN Leben bedeutet, seine Existenz in Gott für jetzt und ewig. Und dieses Leben ist unendlich und voll Glück, Friede und Freiheit, denn es ist untrennbar mit Gott verbunden, der die Liebe ist.






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Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis, 2009-06-21, Diakon Karmann

Lesejahr B Mk 4,35-41

"Meister, kümmert es dich nicht, dass wir zugrunde gehen?"
Der verzweifelte Aufschrei der Jünger hallt über den See Gennesaret. Es ist ein Angstschrei in höchster Not. Sie schreien nach Hilfe, nach Rettung aus der akuten Lebensgefahr. Schuldlos sind sie in einen fürchterlichen Seesturm geraten. Wie eine Nussschale schaukelt ihr Boot in den tosenden Wogen und droht mit Mann und Maus unterzugehen. Voller Angst fragen sich die Jünger: "Kommen wir da je wieder heil und unversehrt heraus?"

Schwere Schicksalsschläge, die wie fürchterliche "Stürme" über unser Leben hereinbrechen, machen vor keinem Menschen Halt. Mit dem Unglück kommt die Angst, den Boden unter den Füßen zu verlieren und in der Not unterzugehen. Angst hat viele schreckliche Gesichter.
"Geht nicht auseinander, bitte!", weint tränenverschmiert das Kind, wenn es erfährt, dass sich seine Eltern scheiden lassen.
"Wie komme ich nur über die Runden?", klagt kopfschüttelnd der Hartz-IV-Empfänger, der erschreckt feststellt, dass sein Geld wieder nicht bis zum Monatsende reicht. "Muss ich bald sterben?", stammelt traurig die schwerkranke Frau, wenn sie nachts schlaflos und grübelnd in ihrem Bett liegt.

Beispiele voller Angst, die zeigen, wie mächtig die Angst sein kann - und wie ohnmächtig wir Menschen ihr oft gegenüberstehen. Vielleicht haben Sie sich in manchem Beispiel wieder erkannt? Wovor hatten oder haben Sie Angst?

Sie wissen, welch gewaltige Macht die Angst über uns Menschen haben kann. Sie kann uns ganz und gar gefangen nehmen und lähmen - so stark, dass wir zu nichts mehr fähig sind. Wie können oder sollen wir auf unsere Angst reagieren? Vielleicht wie Jesus, der auf die Angst der Jünger reagierte:
Er stand auf, drohte dem Wind und sagte zu dem See: "Schweig, sei still!" Und der Wind legte sich, und es trat völlige Stille ein.

Aufstehen - drohen - reden. Kann uns das weiter helfen als konkrete Schritte zum Umgang mit unseren Ängsten.

"Jesus stand auf." Wer Angst hat, ist oft mutlos und wie gelähmt. Sogar die Gedanken sind oft wie gelähmt, starr und einseitig negativ. Man kommt sich vor wie im Hamsterrad der Gefühle und Gedanken, wie in einem Strudel.

Auch wenn es viel Kraft kostet: Versuchen wir trotzdem aufzustehen, wenn wir Angst haben und wenn es nur äußerlich ist. Da Körper und Geist eine Einheit sind, kann beispielsweise äußere Bewegung, kann Sport treiben an der frischen Luft helfen, auf neue, positivere Gedanken zu kommen. Aktiv werden, etwas unternehmen. Und wenn das äußere Aufstehen gelingt, vielleicht wird dann auch das innere Aufstehen einfacher. Sich innerlich straffen, den Mut finden, sich gegen die Angst zu stellen, sich auf die schwierige Lebenssituation einzustellen, sich mit ihr auseinander zu setzen und vor allem sie jetzt in diesem Augenblick anzunehmen. Denn wenn ich aus einer Situation nicht herauskomme, kann ich sie in diesem Moment nur annehmen. Es ist zwar emotional verständlich, aber kraftraubend und sinnlos, Widerstand gegen etwas zu entwickelt, was jetzt gerade ist. Denn jetzt in diesem Moment ist das, was ist. Aufstehen bedeutet also in diesem Sinne auch, die Situation anzunehmen, um freier und offener zu werden für das Leben, das dann in diesem Moment wieder neu auf mich zukommt und mich weiter trägt. Dann bietet mir das Leben vielleicht innere oder äußere Lösungen an, die ich sonst nicht sehen würde. Dann kann ich gegebenenfalls und wenn möglich zielgerichtet aktiv werde und nicht planlos handeln muss und dann, wenn es möglich ist, den Weg aus meiner schwierigen Lebenssituation herausfinden.

"Jesus drohte dem Wind." Wer Angst hat, hat oft auch Angst vor der Angst. Das ist besonders gefährlich. Denn dadurch kann die Angst ins Unendliche wachsen und immer bedrohlicher werden.
Auch wenn es viel Kraft kostet: Stellen wir uns Fragen, wie: Wovor habe ich Angst? Ist diese Angst berechtigt oder übertrieben? Ist die Angst angemessen oder macht sie meine Situation noch schlimmer? Es ist also wichtig, der Angst ins Gesicht zu schauen. Unsere Angst bekommt ein Gesicht und verliert viel von ihrer Bedrohung oder schmilzt auf ein erträgliches Maß zurück. Es geht darum, quasi zum Beobachter der Angst zu werden und ihr damit nicht zu erlauben, mich als Person zu vereinnahmen. Ich habe Angst, aber ich bin nicht die Angst, identifiziere mich also nicht mit der Angst und werde so in innerer Klarheit fähig, das Beste aus dieser Notsituation machen können. Denn ausschlaggebend ist nicht das, was uns passiert, sondern wie wir mit dem Geschehenen umgehen. Mit Geduld, Gelassenheit und Ruhe weisen wir unsere Angst in die Schranken und machen ihr deutlich, dass wir nicht bereit sind, aufzugeben und das Spielfeld unseres Lebens ihr allein zu überlassen.

Jesus sagte zu dem See: "Schweig, sei still!" Mit der Angst reden, über die Angst reden, macht vieles leichter.
Auch wenn es viel Kraft kostet: Haben Sie den Mut, mit einem befreundeten Menschen oder einem Seelsorger Ihres Vertrauens über Ihre Not und Ihre Angst zu reden. Angst zu haben ist keine Schande und auch nicht schlimm. Viel schlimmer ist es, wenn ich nicht den Mut habe, mit anderen über meine Ängste zu reden. Es ist befreiend, seine Ängste auszusprechen.

Noch ein anderer Aspekt: Nachdem sich der Sturm gelegt hat, sagt Jesus zu seinen Jüngern: "Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr noch keinen Glauben?" und ich ergänze: an euch selbst, an Gott. Jesus hat diesen Glauben und er wirft seinen Glauben mit seiner ganzen Person in dieses "Schweig, sei still !" hinein. Und er erschafft die Wirklichkeit der Ruhe und Stille. Als Menschen oder besser als Kinder Gottes, als Brüder und Schwestern Jesu haben wir prinzipiell dieselben Möglichkeiten. Unser Wort, unser Handeln schafft Wirklichkeit, unsere eigene Lebenswirklichkeit und kann sie verändern. Wer aus seiner Angst aufsteht, wird fähig zu handeln, wer das nicht tut, wird behandelt. Es ist nicht notwendig, sich aufgrund irgendwelcher Umstände, aufgrund von Angst in eine Opferrolle zu begeben und darin starr zu verharren. Auch wenn wir manchmal unsere äußeren Lebensumstände nicht verändern können, die inneren Lebensumstände und unsere Haltung dazu können ausschließlich wir selbst verändern. Wir haben dazu schließlich einen Gott des Lebens auf unserer Seite, der uns begleitet und uns in jeder Finsternis unbegreifbar nahe ist und sie, wenn wir loslassen und es zulassen, in Licht und Leben verwandelt.

Ich wünsche uns allen den Mut, dass wir uns unseren Lebensängsten stellen können. Ich wünsche uns, dass wir neben und in der Not auch den Glauben an sich und an Gott (neu) entdecken.







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Predigt am Pfingstmontag 2009 (2. Timoteus 1,6)
von Pfarrerin Karin Kittlaus

2. Timoteus 1,6
Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, daß du die Gabe Gottes, die in dir ist, wachrufst durch die Auflegung meiner Hände.


Liebe Gemeinde,
der erste große Wendepunkt im Leben der Freunde Jesu war ihre Begegnung mit ihm, die sie zu seinen Jüngern machte. Der zweite große Wendepunkt geschah Ostern, als sei entdeckten, dass Jesus nicht mehr in seinem Grab lag, sondern den Tod überwunden hatte.
Der dritte Wendepunkt in ihrem Leben, geschieht nun am Pfingstfest, als der Heilige Geist die Jünger aus ihrer Zurückgezogenheit, ihrer Isolation herausholt und sie beginnen von Jesus zu erzählen und Menschen zu taufen.

Da wird zu Pfingsten plötzlich etwas offen gelegt und wie aus der Versenkung hervorgeholt. Es kommt da etwas ans Licht, das zuvor verschüttet schien, zunächst nach Karfreitag von Trauer und Enttäuschung, später nach Ostern immer noch von Unsicherheit und diffusen Befürchtungen, die sie daran hinderten nach außen zu gehen - trotz aller Freude über die Auferstehung. Es beginnt da etwas Neues und Dynamisches. Es kommt etwas in Bewegung.

Das, was da Pfingsten zum Vorschein kam, das steckte die Jünger Jesu und andere an. Es half ihnen, mit ihrem Leben von neuem etwas anzufangen. Es half ihnen, ihr Leben mit anderen Augen zu sehen und an das anzuknüpfen, was Jesus ihnen bedeutet hatte und es fortzuführen. Das, was sie entdeckt hatten, hatte neu gezündet.

"Glut unter der Asche". Unter diesem Titel gab es vor etlichen Jahren eine Filmserie. Da wurde auf 2000 Jahre Christentum zurück geblickt und nach der Zukunft der christlichen Religion gefragt. Das Titelbild: die feurige Masse eines Lavastromes auf einem Abhang, oben darüber eine bereits grau verglühte Schicht. Ob diese Glut unter der Asche noch weiterfließt oder schon stehen geblieben, am Erstarren ist? Es bleibt auf diesem Bild offen. Aber es lässt uns darüber nachdenken, welche Kraft die Ursprungsgeschichte, die einmal ganze Landschaften und Zivilisationen prägte heute noch hat. Damals an Pfingsten hatte es neu gezündet.

Was bedeutet das heute?

Ich möchte diesem Bild "Glut unter der Asche" noch ein wenig nachspüren: Glut unter der Asche, das kann heißen: Vom Feuer ist nicht mehr viel zu sehen. Asche und Schlacken überdecken alles. Wer weiß, vielleicht ist das Feuer schon ausgebrannt.
Dieses Bild beschreibt auch eine menschliche Erfahrung. Wir können es bei anderen beobachten und auch in uns selbst spüren, wie "das Feuer, die Begeisterung von einst" ersticken und ausbrennen kann. Statt hellem Glühen hat es sich im Alltag abgekühlt, verbraucht und ist im Grau in Grau der Enttäuschung untergegangen. Das gibt es auch in unseren Kirchen und Gemeinden. Immer wieder entstehen gute Ideen, neue Projekte werden ins Leben gerufen. Für eine gewisse Zeit bringen sie wieder Schwung in das Gemeindeleben und dann haben sie sich verbraucht. Die Zeitspanne, in der eine neue Idee auch neues Feuer entfacht und am Brennen hält, ist in den letzten Jahren - so scheint es mir - immer kürzer geworden. Auch das Leben in den Kirchengemeinden ist immer schneller geworden und verlangt ständig nach Neuem.

So ähnlich ist es für mich auch mit der Ökumene. Immer wieder hat es in den vergangenen Jahrzehnten neue Aufbrüche gegeben und alles war voller Leben und Hoffnung auf neue Formen der Gemeinschaft. Aber immer wieder hat sich die Hoffnung auch verbraucht, wurden die Möglichkeiten wieder eingeschränkt, flaute das Interesse auch wieder ab.

Oder ich denke an die Aufbruchsstimmung der Kirchentage, der Katholikentage und der ökumenischen Kirchentage, die jeweils 100.000sende begeistern und deren Begeisterung im Gemeindealltag dann doch nicht von Dauer ist. Und vermutlich auch nicht von Dauer sein kann. Es gibt keine Glut, ohne dass auch Asche entsteht.

Und dann ist der Ofen manchmal wie ausgegangen. So ähnlich werden die Gefährten Jesu den Karfreitag und die darauf folgenden Tage damals erlebt haben. Leer und traurig, keine Glut mehr unter der Asche. Ostern hat dann sicher wieder in ihnen das Feuer entzündet, aber es doch noch nicht wieder zur hellen leuchtenden Flamme werden lassen, die nach außen strahlte - die Unsicherheit war noch zu groß.

Glut unter der Asche kann auch bedeuten: Trotz aller Schichten darüber glüht und brennt es noch immer. Und jeden Augenblick kann es aufflammen als weithin sichtbares Feuer. Bei einem Vulkan kühlt die Lava außerdem nicht nur ab, sie kann sogar fruchtbar werden.

Solche Glut war damals mit einem Mal wieder entdeckt worden und griff über. Seine, Jesu Jünger fanden zu Ostern heraus, dass das Leben Jesu und das, was es ihnen bedeutete von keinem Tod bedroht war. Zu Pfingsten begannen sie dann selbst zu glühen für das, wofür er lebte, trugen seine Botschaft weiter und ließen so auch andere aufleben.

Aber was bedeutet das für uns heute?
Für unsere Kirchen, für unseren Glauben?
Für die Ökumene?

Im Grab eines Pharao wurden vor einigen Jahren 5000 Jahre alte Weizenkörner entdeckt. Befeuchtet, begann ein Samenkorn nach dem anderen aufzugehen, zu sprießen und Wurzel zu schlagen, zu wachsen. Eben noch vertrocknet und ohne Leben, reifte es zur Frucht, die noch heute Menschen satt machen kann.
Wenn so etwas möglich ist, sollten wir uns dann immer wieder mehr von der Aussichtslosigkeit der Asche leiten lassen, als von der Glut, dem Feuer darunter?

Dabei brauchen wir gar nicht auf Zufälle zu warten. Im 2. Timoteus 1,6 wird - einiges nach Christus - einer so angeschrieben: Aus diesem Grund erinnere ich dich daran, daß du die Gabe Gottes, die in dir ist, wachrufst durch die Auflegung meiner Hände.
So wird Thimoteus daran erinnert, dass seine Mutter Eunike und seine Großmutter Lois ihm den Glauben nahe gebracht und ihn in ihm enzündet hatten.
Vielleicht hatte sich dann im Lauf der Zeit eine Schickt Patina darüber gelegt. Deshalb die Erinnerung: Geh tiefer und lass aufflammen, was als Begabung von Gott her schon längst in dir glüht. Lateinisch klingt dieses Wort Begabung noch ungewöhnlicher: Bring die Grazie Gottes in dir zum Glühen und Blühen: die Anmut, die Gnade, die Freude und die Liebe Gottes.
Diese Begabung äußert sich nicht im Geist der Mutlosigkeit, des Versteckens und der Zurückhaltung, sondern sie zeigt sich (nach 1. Tim. 1,7) im Geist der Kraft und der Lebensenergie und sie kommt im Geist der Liebe und Klugheit unverwechselbar zum Ausdruck und zum Brennen.

Glut unter der Asche, ich meine, das ist auch etwas, das langsam und ausdauernd brennt. 2000 Jahre Christentum und das Feuer des Heiligen Geistes brennt noch immer, beharrlich und ohne zu verlöschen.
Vielleicht sind wir oft zu ungeduldig und wünschen uns die hellen Flammen der Begeisterung, die die Welt verändern können zu schnell. Es gibt sie ja auch immer wieder. Sie flammen plötzlich und unvermutet auf und bringen neue Einsichten und Blickwinkel. Aber sie sind immer auch das Werk des Heiligen Geistes.

Inzwischen aber, sollten wir uns mit Timotheus daran erinnern, dass diese Glut da ist, beharrlich brennt und dass wir sie in unserem Glauben erfahren, ja dass wir sie als Begabung schon haben und immer von neuem davon leben können.
Amen.






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Predigt am Pfingstsonntag (Lesejahr B , Ev: Joh 20, 19-23)
von Diakon Christian Karmann

Die Luft steht im Raum. Es ist sehr stickig. Die Fenster sind verschlossen. Und die Herzen auch. Hoffnungslos, innerlich wie ausgebrannt. Jesus ist fort. Aus Angst vor den Juden sitzen die Jünger mit Maria isoliert und abgeschottet von der Außenwelt im Haus.

Und plötzlich völlig unerwartet dreht sich die Situation. Alles kommt buchstäblich in Bewegung. Aus Stillstand wird Bewegung. Vom Himmel her kommt es wie ein Brausen über die Menschen in dem Haus. Das, was innerlich und äußerlich stickig war, mündet in eine erfrischende und belebende Erfahrung der inneren Bewegung. Das, was vorher innerlich ausgebrannt und hoffnungslos war, wird voll innerem Feuer und Begeisterung, voll Energie. Mehr noch: alle, die diese Kraft empfangen, wachsen über sich und ihre Fähigkeiten weit hinaus, sind fähig, spontan in fremden Sprachen zu sprechen, werden fähig zu heilen, Dämonen auszutreiben, vollmächtig Sünden zu vergeben, das Evangelium zu verkünden, Jesus nachzufolgen. Erfahrungen durch und Fähigkeiten von dem Heiligen Geist geschenkt in seiner Freiheit.

Die Menschen, die den Heiligen Geist empfangen, werden von ihm bewegt und daher fähig sich selbst zu bewegen. So wird der Mensch er "selbst", wenn er angerührt und belebt wird. Wir können diese Erfahrung bei den Jüngern und bei Maria entdecken. Sie verwirklichen sich ganz und gar selbst, indem sie so erfüllt vom Geist Gottes Jesus mit ihrem Leben für andere Menschen sichtbar machen.

Uns geht die Erfahrung der Fülle durch den Heiligen Geist zumindest in dieser Intensität weitgehend ab. Wir erleben den Heiligen Geist, wenn überhaupt, kaum wahrnehmbar an der Schwelle unserer inneren Sinne eher so wie der Elia, der Gott nicht im Sturm und im Feuer, sondern im leisen Säuseln entdeckt. So gesehen passt das Wort Jesu, in dem er uns den Heiligen Geist als Beistand ankündigt, viel besser in unsere Erfahrungswelt hinein als die Erfahrung der Jünger am Pfingsttag.

Wir alle sehnen uns nach jemandem, der uns bei Entscheidungen, in Konflikten bei-steht, wir alle sehnen uns nach jemandem, der uns hilft, das Leben zu bewältigen, auf dem richtigen Weg zu gehen und zu bleiben, die Kraft und Liebe zu finden für mich selbst und die anderen.

Aber wo konkret ist denn der Heilige Geist in meinem Leben, in meinen Stunden und Minuten präsent und wie kann er mir Beistand sein?

Wenn mir jemand beistehen will, steht er bei mir. Wenn ich aber den, der bei mir steht, ignoriere, wenn ich keinen Bezug zu ihm habe oder nicht um ihn weiß, wenn ich seine Hand nicht ergreife, wird er mir in der Regel nicht beistehen oder beistehen können. Und Vertrauen gehört auch dazu: wenn ich mich ihm nicht an-vertraue, wenn ich Zweifel habe, dass er es bedingungslos gut mit mir meint, wird der Beistand auch da-neben gehen, weil ich ihn dann nicht annehme.
Deshalb ist es wichtig, um den Heiligen Geist zu beten, ihn zu erbitten, sich ihm anzuvertrauen, das heißt, ihm die Freiheit zu gewähren, in meinem Leben wirksam werden zu dürfen. Dabei geht es nicht um irgendwelche periphere Dinge meines Lebens. Da geht es durch und durch zutiefst um mich selbst. Es geht darum ihm mein Leben, mich selbst ihm anzuvertrauen, zu schenken: in aller Freiheit und ohne Angst.

Aber wie erleben Menschen nun den Heiligen Geist?
Den Heiligen Geist, der Kraft und Liebe ist, erkennt man an seiner Wirkung. Kraft und Liebe erkennt man immer an der Wirkung.
  • Überall dort, wo Sie Gutes tun, sich auf Menschen einlassen, für sie da sind, wird der Heilige Geist seine Wirkung durch Sie entfalten.
  • Überall dort, wo Sie Gott in Ihr Leben hinein nehmen, sich auf ihn einstellen, ihm Platz geben, wird der Heilige Geist seine Wirkung durch Sie entfalten.
  • Überall dort, wo Sie ehrlichen Herzens und selbstlos versuchen, Frieden zu stiften, bei Konflikten zu helfen: der Geist Gottes wird wirken.
  • Überall dort, wo es Ihnen geschenkt wird oder gelingt, Christus in den kleinen und großen Dingen des Lebens nachzugehen, dort ist der Geist Gottes in unserem Leben wirksam.
Vielleicht erfahren wir das nicht im Brausen des Sturmes, sondern im sanften Säuseln des Geistes. Umso wichtiger ist es, mit ihm zu rechnen, nach ihm zu suchen und ihn willkommen zu heißen, wenn wir ihn wahrnehmen.

Der Geist weht, wo er will. Aber wir können das unsere dazu beitragen, dass unser Lebenshaus geistoffen ist, dass der Geist Gottes uns in aller Freiheit mit seiner Kraft erfüllen kann, wenn er es will.






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Predigt am Ostermontag (Lesejahr B , Ev: Lk 24, 13-35)
von Diakon Christian Karmann

Die Jünger auf dem Weg nach Emmaus sind enttäuscht, ihre Lebensperspektive, ihre Hoffnung auf den Messias zerbrochen, Jesus ist tot. Alles, was die letzten Jahre getragen hat, ist weg. Wie wird es weiter gehen, jetzt, wo es keine Perspektive mehr gibt. Schmerz, Orientierungslosigkeit

Ich vermute, jeder von uns, besonders die Älteren kennen solche Situationen, wo man den Boden unter den Füßen zu verlieren glaubt, wo man enttäuscht ist, wo die Täuschung, vielleicht die Illusion, in der man gelebt hat, der klaren Wahrnehmung, dessen, was jetzt ist, gewichen ist. Das, was getragen hat, ist nicht mehr, das, was wichtig, vielleicht sogar ein Lebenstraum gewesen ist, existiert nicht mehr. Beispiele dafür gibt es genug:
Man hat sich jahrelang für die Firma aufgearbeitet und jetzt wird man mit einer Abfindung in die Arbeitslosigkeit entlassen. Man ist ja zu alt, zu teuer, zu unflexibel. Ich habe immer gesund gelebt und viel Sport gemacht, und jetzt ein Herzinfarkt, der meine Lebensgestaltung zu Schutt und Asche werden lässt. Die Kinder, für die man viele Jahre alles gegeben hat, und nun fällt man ihnen zur Last. Der Ehepartner, bei dem man vor vielen Jahren die große Liebe gesehen hat und nun hält man es kaum mehr miteinander aus oder die Ehe zerbricht. Ich denke, jeder von uns hat so seine großen und kleinen Enttäuschungen, mit denen er fertig werden muss. Und oft fragt man sich: Warum muss mir das passieren? Und es gibt fast nie eine befriedigende Antwort auf diese Frage. Abgesehen davon, würde auch die Antwort auf das Warum in der Regel wenig ändern.

Aber es gibt eine Frage, die weitaus mehr Sinn macht als die Frage nach dem Warum. Es ist die Frage nach dem Wozu. Die Frage nach dem Warum schaut nach hinten, die Frage nach dem Wozu zeigt nach vorne, zeigt ins Jetzt.
Ich habe mir für mein Leben angewöhnt, den Begriff Krise mit dem Wort Chance zu übersetzen. Wie kann mich die schwere Erfahrung, die ich jetzt mache, weiter bringen, wo begegnet mir in dieser Schmerzsituation eine Herausforderung oder eine Aufgabe, zu lernen, zu wachsen, auch wenn ich das Ziel im Moment nicht sehen kann und das Leben jetzt einfach nur weh tut.

Eines ist jedenfalls klar: Auch wenn ich gerne davon laufen möchte, es macht eigentlich keinen Sinn, einen inneren Widerstand gegen Dinge, die ich nicht ändern kann, in mir aufzubauen. Denn egal, wie sehr ich mit einer Situation hadere und dabei in mir nur noch mehr Schmerz aufbaue, das, was ist, ist. Es kann in mir nur heilen, wenn ich beginne, das anzunehmen, was ist. Das ist Hingabe. Jesus hat es uns extremst am Kreuz vorgelebt. Annehmen, loslassen, Hingabe habt immer etwas mit Sterben zu tun, sei das Sterben groß oder klein.
Auch in den Jüngern, ist durch den Tod Jesu etwas gestorben. Es fällt ihnen schwer, das anzunehmen, was ist, so wie es auch uns schwer fällt, das anzunehmen, was ist.

Und dann geschieht das Unerwartete. Dort, wo es in den Jüngern am dunkelsten ist, begleitet Christus die Jünger und sie merken es nicht. Während sie zusammen ihren Weg gehen, geht Jesus mit ihnen gleichzeitig einen inneren Weg, sie lernen das äußere lebensvernichtende Geschehen, den Tod Jesu, zu durchschauen, hin auf die Auferstehungs-, Lebens- und Lichtwirklichkeit Jesu, auf die Gottwirklichkeit Jesu. Die Jünger werden von innen her verändert, transformiert. Sie verstehen. Sie sind jetzt fähig, den Lebensbruch Jesu und den eigenen Lebensbruch zu durch-schauen und erkennen: Ich bin auch zu diesem neuen Leben in Fülle, in Gott berufen und werde fähig, das durch mein vordergründiges Lebensgeschehen hindurch wahrzunehmen. Hier geschieht Erlösung. Hier geschieht Auferstehung von innen her.
Dafür hat Jesus sich am Kreuz brechen lassen und ist durch den Tod hindurch ins Leben gegangen. Und jetzt in der Emmausgeschichte: Jesus bricht das Brot und die Jünger erkennen die Wirklichkeit des Lebens. Damit das möglich ist, mussten sie zunächst vom Leben enttäuscht werden, sonst wären sie nicht bereit und fähig gewesen, die Täuschung des Vordergründigen, die Sichtweise der Welt loszulassen. Und Jesus hilft durch seine Gegenwart und sein Handeln.

Wir sind wie diese Jünger, die nach Emmaus unterwegs sind. Sind auf unserem eigenen Weg des Lernens, des Begreifens, des Verstehens, des Durchschauens unterwegs. Und Christus begleitet uns, ist uns unglaublich nahe.

Unsere Ausweglosigkeiten, Leiden und Lebensbrüche, wenn sie nun schon mal da sind, können uns helfen, das Vordergründige loszulassen, in Hingabe das anzunehmen, was ist und nicht geändert werden kann, und so freier und offener zu werden, für die großartige Wirklichkeit Gottes in uns.
Erlösung und Auferstehung bedeuten eben auch, durch alle Täuschungen, Enttäuschungen des Lebens hindurch offen und frei zu werden für den göttlichen Weg, mit dem Christus an unserer Seite, unserem eigenen Ostern entgegen, zu dem jeder berufen ist und das schon jetzt beginnen kann.



Fürbitten Ostermontag:

Jesus, du Christus, du begleitest die Jünger nach Emmaus und öffnest ihnen die Augen und die Herzen. Wir bitten dich:
  1. Begleite alle Menschen, die vom Leben enttäuscht sind.
    Jesus, du auferstandener Christus: Wir bitten dich, erhöre uns
  2. Begleite alle Menschen, die im Vordergründigen ihres Lebens stecken bleiben.
    Jesus, du auferstandener Christus: Wir bitten dich, erhöre uns
  3. Begleite alle Menschen, die dich in ihrem Leben suchen.
    Jesus, du auferstandener Christus: Wir bitten dich, erhöre uns
  4. Begleite unsere Kommunionkinder und Firmlinge, damit sie dir näher kommen.
    Jesus, du auferstandener Christus: Wir bitten dich, erhöre uns
  5. Begleite alle Sterbenden, damit sie den inneren Weg in ihre Erlösung finden.
    Jesus, du auferstandener Christus: Wir bitten dich, erhöre uns
Jesus Christus, du gehst alle unsere Wege mit und hilfst uns, das Leben immer mehr auf Gott hin zu entfalten. Sei du das Licht unserer Lebenswege und hilf uns, die Wirklichkeit des Himmels in uns und zwischen uns zu entdecken und immer mehr zu leben. Das bitten wir dich, denn du bist der auferstandene Christus, jetzt und in Ewigkeit.






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Faschingspredigt 2009 von PA Rita Perl

Liebe Gemeinde,
den Gottesdienst wir feiern heute
am Faschingssonntag liebe Leute.
Das ist der Tag an dem sich viele wild maskieren,
um tanzend, singend, johlend durch die Straßen zu spazieren.

Auch unsre Jugend will dabei auf keinen Falle fehlen,
drum fuhren sie im Faschingszug - habt ihr sie denn gesehen?
Nach Affen zu suchen half heuer nichts- denn dieses Mal warn sie Enten,
die hoch zu Ross mit ihren bunten Federn glänzten.

Doch dieser große Faschings-Trubel-Masken-Ball,
der kann den Menschen - ist er Prediger, dann auf jeden Fall -
auf allerlei Gedankenwege leiten
und diese Gedanken will ich nun ausbreiten.
Vor vielen braven frommen Seelen
und damit die Gemüter ölen.

Oh je, so geht´s mir durch den Kopf, am Faschingssonntag wird das schwer.
Die Leute kamen sicher, des Nachts von einer Feier her.
Die Augen haben Ränder, die Nacht war gar nicht prüde.
Der Sekt der sie gestern lustig machte, macht sie heute müde.

Drum muss ich meinen wichtgen theologischen Erguss
So kunstvoll heut in Worte packen, dass er wird zum Genuss.
Ob´s wohl schon einer merkte, von denen die mich hören,
dass ich mit gut gereimten Worten, alle will betören?



Zum Glück oder sag ich lieber Gott sei Dank
hat das Evangelium einen spektakulären Handlungsstrang.
Von einem gelähmten Mann ist da die Red
Der sich mit seinen Freunden macht auf den Weg.
Ihr Glaube bringt ihnen in den Sinn,
dass sie unbedingt zu Jesus wollen hin.
Von der Menschenmenge wird ihnen der Weg versperrt,
dennoch machen sie noch lange nicht gleich kehrt!
Sie steigen aufs Dach mit der Bahre in der Hand
decken es ab und seilen ab den Gelähmten mit einem Band.
Ihr Starker Wille wird belohnt,
der Gelähmte wird befreit von aller seiner Fron.

Das ist die Handlung, die wir vor Augen sehen,
doch ich möchte euch zeigen, welche Aussagen dahinter stehen.
Die Menschen, die den Weg zu Jesus versperren
sind auch Schriftgelehrte und Pharisäer-Herren.
Ihre Buchhaltermentalität lässt eine Gottessuche nur dann zählen,
wenn wir den Weg der vorgegebenen Gesetze wählen.

Hab ich's geträumt oder wurde es mir berichtet?
Dass sich so manch ein Bischof in unserm Land auch danach richtet?

Damals wie heute wird es nicht leicht,
wenn der Weg von den üblichen Gesetzen abweicht.
Gesetze sind´s die den Priestermangel verstärken
katastrophale Folgen für Katholiken wollen Kirchenoberen nicht bemerken.

Leider wollen diese nicht achten, worauf Jesus schon immer besteht,
dass der Mensch über dem Gesetze steht.

Was kann das Evangelium uns heute noch lehren,
dass das Kreativsein uns bewahrt vorm umkehren.
Die Freunde des Gelähmten nehmen einen Weg sehr originell
und kommen zu Jesus zum Ziel ganz schnell!

Wir dürfen drauf vertrauen: Gott lässt uns nicht alleine stehn.
Der Geist Gottes gibt uns ein, die notwendigen Ideen.



Noch ein weiterer Aspekt ist zu bedenken,
darauf möchte ich den Blick jetzt lenken.

An diesem Aufsehen erregenden Durchbrechen,
lässt sich das unbändige Vertrauen in die Heilskraft Jesu bemessen.

Doch wessen Vertrauen ist hier besonders gemeint?
Des Gelähmten? der Freunde? - beider wie mir scheint!
Für den Gelähmten - Jesus als letzter Rettungsanker zählt
doch nichts würde er ihm helfen wär´ er auf sich allein gestellt.
Was hätte der Gelähmte ohne den Glauben seiner Freunde getan?
Niemals hätte er Heilung und Vergebung von Jesu erfahrn.

In der Bibel steht es geschrieben: Jesus sah i h r e n Glauben.
Darauf liebe Gemeinde müssen wir schauen.

Auch wir sind als gläubige Christen aufeinander verwiesen.
Im Alleingang geraten wir viel schneller in Krisen.

Ich will euch ein Beispiel zeigen
Und kurz nach Österreich weisen.

Die gläubigen Linzer haben es schnell kapiert
Dass nur, wenn sie gemeinsam agieren, etwas passiert.
Gemeinsam haben die Christen ein Zeichen gesetzt,
so dass letztlich der konservativen Bischof wird "abgesetzt".

Eins will ich euch heute besonders sagen
Ihr müsst im Leben Dinge gemeinsam wagen.
Seid kreativ und im Denken flexibel
Dann werdet ihr belohnt wie der Gelähmte heute in der Bibel.
Und bittet Jesus, dass er möge euch Kraft dazu geben,
dann werdet ihr in seinem Segen leben.

Und damit ich es nicht mache wie ein Seelsorger der sagt:
"Liebe deinen Nächsten" und die Gemeinde plagt,
mit viel zu langen Predigten in Gottes Namen.
Mach ich jetzt Schluss und sage: Amen






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Predigt zum 5. Sonntag im Jahreskreis (Mk 1,29-39, Ijob 7,1-4.6-7)
von Diakon Christian Karmann

"Wie kann mir nur das passieren, warum gerade ich? Ich habe doch immer als anständiger Mensch gelebt, ich habe doch nichts Böses getan, ich habe keinem Menschen etwas zu Leide getan. Ich bin doch immer in die Kirche gegangen und habe immer viel gebetet, habe viel Gutes getan. Warum, Gott, mutest du mir das zu? Wofür willst du mich bestrafen, Gott?
Wenn Sie einmal einen schweren Schicksalsschlag, eine Krankheit, Schmerzen, einen zerbrochenen Lebenstraum aushalten und damit fertig werden mussten, dann haben Sie das vielleicht voller Verzweiflung, Angst oder Trauer ihrem Gott entgegen geschrien.
Für den Hiob muss ich das wohl ganz genauso angefüllt haben. Obwohl er ein gutes, Gott gefälliges Leben gelebt hat, ist ein Schicksalsschlag nach dem anderen daher gekommen: erst hat er seinen ganzen Besitz verloren, dann seine Familie und am Schluss seine Gesundheit. Sein Leben fühlt sich ganz erbärmlich an, es geht ihm schlecht, er findet Tag und Nacht keine Ruhe, sein Leid ist zu einem Dauerzustand geworden. Das Leben ist eine einzige Plackerei.

Im alten Judentum war man der Meinung: Gott belohnt die Guten mit Reichtum Gesundheit, Kindern usw. und Gott bestraft die Schlechten mit Armut, Krankheit, Kinderlosigkeit usw.. Und genau deswegen versteht Ijob Gott nicht mehr: ich habe doch als guter, gottesfürchtiger Mensch gelebt und warum passiert dann das mir? Warum all dieses Leid mir? Irgendwie passt alles nicht zusammen. Das was mein Glaube und meine Tradition mir sagen, stimmt für mich irgendwie nicht mehr. Ich muss mich wohl aus alten, verkrusteten Denkweisen lösen. Irgendwie tragen sie mich nicht mehr. Vielleicht muss ich sogar mein Bild von Gott, von mir, vom Leben verändern. Leid und Schmerz im Leben sind oft die größte Motivation, in seinem Leben etwas zu verändern, neue Wege zu wagen, den Schritt ins Unbekannte zu tun. Die Frage nach dem Leid und die Sehnsucht nach Heil und Heilung sind so alt wie die Menschheit.

Die Antwort darauf wird in Christus sichtbar. Wir haben heute im Evangelium eine Heilungsgeschichte gehört. Jesus durchbricht bei seinen Heilungen die ursprünglichen Denk- und Deutungsmuster von Leid und Krankheit. Er sprengt die traditionelle Vorstellung, das Leid nur diejenigen trifft, die vor Gott etwas auf dem Kerbholz haben und geht unmittelbar auf den betroffenen Menschen zu. Er heilt sogar illegal am geheiligten Sabbat. Wenn Jesus mit einem leidenden Menschen konfrontiert wird, sieht er ganz unmittelbar voll Liebe auf den Menschen, der vom Leid betroffen ist und heilt. Aber was passiert da, was macht Jesus da?

Wenn Jesus heilt, macht er das ganz oft mit seiner Hand. Schauen wir da mal näher hin:
Das Wort "Hand" ist ein "Urwort". In unzähligen Redewendungen ist "Hand" das Symbol für den ganzen Menschen, der sich durch seine Handlungen ausdrückt und sich selbst verwirklicht. Die guten und die bösen Kräfte des Menschen, Liebe und Hass, liegen in seiner Hand.
Ein guter Händedruck kann viel bedeuten und viel bewirken:
Ich spüre die Herzlichkeit des anderen, seine Anteilnahme an meinem Leben; indem er meine Hand hält, fühle ich mich gehalten von ihm.
Wenn wir uns beim Friedensgruß die Hände geben, geben wir die gute Behandlung Gottes weiter, die wir Menschen durch Jesus erfahren haben. Oder denken Sie an die Hand, die uns festhält und uns vor dem Sturz bewahrt, die Hand, die uns aufhilft, wenn wir gefallen sind.

Denken Sie auch an die Hand, die berührt, die streichelt. Zunächst ist der äußere Kontakt da, wenn meine Hand einen Menschen berührt. Mit der äußeren Berührung findet aber auch eine innere Berührung des andern statt. Wenn Sie ein Kind streicheln, fühlt sich das Kind deshalb z.B. geborgen, beschützt, getröstet, ermutigt, lieb gehabt. Wenn ich mit meiner Hand also einen Menschen liebevoll äußerlich berühre, wird er von mir auch innerlich berührt und es fließt dabei ganz oft Kraft von mir zu ihm. Und oft gibt mir das auch wieder selbst Kraft.

Es ist bei Kinder ganz erstaunlich: wenn sie sich z.B. das Knie aufgeschlagen haben und der Schmerz riesengroß ist. Sie gehen zur Mama oder zum Papa. Die Eltern versorgen die Wunde, legen die Hand drauf und dem Kind geht es besser.
Wenn Sie ihrem Kind oder einem anderen Menschen, die Hand auflegen, geht von Ihnen Kraft aus für diesen Menschen, wenn Sie einem kranken Menschen, die Hand auflegen, spürt er in diesem Moment ganz oft Erleichterung.

Jesus fasst die fieberkranke Schwiegermutter des Petrus an der Hand und richtet sie auf; da weicht das Fieber von ihr.
Jesus legt Menschen mit allen möglichen Krankheiten die Hände auf und überträgt ihnen die Kraft, die an Leib und Seele heilt. Durch die Handauflegung weiß ich mich angenommen, gestärkt und bestätigt.

"Heil" sein ist allerdings mehr als "gesund" sein. Heil und geheilt ist ein Mensch, wenn er sich und seine Situation so annehmen kann, wie sie ist, auch wenn er vom äußeren Leid nicht befreit wird. Annehmen und das berühmte Loslassen sind für uns oft sehr sehr schwer, denn dazu müssten wir uns überwinden, Jesus mehr zu vertrauen, uns ihm wirklich anzuvertrauen. In unserem Bemühen Jesus zu vertrauen liegt schon ein wichtiger Beginn unseres eigenen Heilungsweges, Heilsweges.

Jesus heilt von innen her, von der Seele her, die er von Angst befreit und ins Urvertrauen zurückholt.
Die Sehnsucht nach der Berührung Jesu, die Sehnsucht, dass er uns die Hand auflegt bringen wir in jeder Eucharistiefeier zum Ausdruck: "Herr, ich bin nicht würdig, dass du eingehst unter mein Dach, aber sprich nur ein Wort, so wird meine Seele gesund". Das Wort, das Jesus uns zusprechen soll, ist seine innere Handauflegung in uns, damit wir von innen her gesund werden.

Wer sich von Gott behandeln lässt, wer in diesen Berührungen, die liebende, heilende und rettende Kraft Gottes erspürt, der wird selber fähig, die Kraft Gottes in seinen Handlungen und Berührungen weiterzugeben. Seine Hände werden zum "Segen", zum Zeichen für die Hand Gottes. Die irdischen Hände Jesu sind längst nicht mehr da. Aber durch die Hände derer, die an ihn glauben und ihn lieben, handelt und behandelt er weiter. "Gott hat keine anderen Hände als die deinen."






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Pfarrer Thomas Lotz: Predigt am Pfingstmontag, 12. Mai,
zum Ökumenischen Gottesdienst in St. Ulrich
über Apostelgeschichte 2, 22-23; 32-33; 36-39

Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.

Liebe Schwestern, liebe Brüder,
Sieger Köder: Pfingsten
In der Predigt soll es heute um ein Stück aus der Pfingstgeschichte gehen, wie sie im 2. Kapitel der Apostelgeschichte festgehalten ist. Die Apostel haben gerade in Jerusalem den Heiligen Geist empfangen, die Umstehenden wundern sich, manche spotten auch, und so sieht sich Petrus veranlaßt, eine lange, ausführliche Rede zu halten. Und aus dieser Rede des Petrus hören wir nun einen Ausschnitt:
22 Ihr Männer von Israel, hört diese Worte: Jesus von Nazareth, von Gott unter euch ausgewiesen durch Taten und Wunder und Zeichen, die Gott durch ihn in eurer Mitte getan hat, wie ihr selbst wisst -
23 diesen Mann, der durch Gottes Ratschluss und Vorsehung dahingegeben war, habt ihr durch die Hand der Heiden ans Kreuz geschlagen und umgebracht.
32 Diesen Jesus hat Gott auferweckt; dessen sind wir alle Zeugen.
33 Da er nun durch die rechte Hand Gottes erhöht ist und empfangen hat den verheißenen Heiligen Geist vom Vater, hat er diesen ausgegossen, wie ihr hier seht und hört.
36 So wisse nun das ganze Haus Israel gewiss, dass Gott diesen Jesus, den ihr gekreuzigt habt, zum Herrn und Christus gemacht hat.
37 Als sie aber das hörten, ging's ihnen durchs Herz und sie sprachen zu Petrus und den andern Aposteln: Ihr Männer, liebe Brüder, was sollen wir tun?
38 Petrus sprach zu ihnen: Tut Buße und jeder von euch lasse sich taufen auf den Namen Jesu Christi zur Vergebung eurer Sünden, so werdet ihr empfangen die Gabe des Heiligen Geistes.
39 Denn euch und euren Kindern gilt diese Verheißung und allen, die fern sind, so viele der Herr, unser Gott, herzurufen wird.
Liebe Gemeinde,
wenn wir diese Worte des Petrus auf uns wirken lassen und auch die gesamte Situation bedenken, in der sie gesprochen werden, und das dann mit unserer Situation vergleichen, dann liegt da so einiges in der Luft. Was mich bei diesen Worten des Petrus bewegt, möchte ich nun einmal so fassen, dass ich es dem Petrus mitteile, also ihm einen Brief schreibe. Dieser Brief könnte ungefähr so lauten:
Lieber Petrus,
ich möchte dir zum Thema Pfingsten und Heiliger Geist etwas schreiben, deshalb dieser Brief. Ich bin nämlich tief beeindruckt von deiner Rede am Pfingsttag in Jerusalem. Nicht nur, dass du den Kern der christlichen Botschaft so knapp und genau auf den Punkt gebracht hast - nein, vor allem die Wirkung deiner Rede beschäftigt mich sehr. Du sagst diesen Zuhörern, dass dieser Jesus von Nazareth, der da vor ein paar Wochen gekreuzigt worden war, in engster Beziehung mit Gott steht, ja dass durch ihn hindurch Gott unter uns Menschen gewirkt hat - und schon sind sie ganz aufmerksam, ja noch viel mehr: sie fühlen sich davon unmittelbar und ganz persönlich betroffen. So sehr betroffen, dass sie merken, dass sie bisher ganz falsch gelebt und geglaubt haben, so sehr, dass sie dich dann fragen: Was sollen wir tun? Und das heißt ja, sie möchten - auf deine Rede hin - unverzüglich etwas tun, du hast sie aufgerüttelt, du hast sie in Bewegung versetzt. Und am Ende dieses Tages haben sich 3000 Leute taufen lassen, nur auf diese Rede hin! Unglaublich!

Lieber Petrus, ich beneide dich darum, dass du solche Zuhörer gehabt hast, damals in Jerusalem. Und ich frage mich schon: Wie hast du das gemacht? Da fällt mir allerdings schon auf, dass zu deiner Zeit die Botschaft von Jesus noch etwas ganz Neues war. Heute hat jeder in unserem Kulturkreis schon mal irgendwas von Jesus gehört, er hat meist schon seine Meinung dazu, und will davon auch nicht abgebracht werden, bloß weil wir meinen, es wäre gut, wenn er mal noch mehr über Jesus erfahren würde als das, was einmal im Jahr kurz vor Weihnachten im SPIEGEL steht, oder was man in unseren Buchhandlungen in dem Regal finden und kaufen kann, auf dem steht: Religion, Schrägstrich Esoterik. Weißt du, Petrus, bei uns winken viele Leute einfach ab, wenn wir anfangen, ihnen von unserem Glauben an Jesus erzählen. Ok, dass er ein guter Mensch war, das würden uns die meisten sofort zugestehen. Aber alles das mit Gott, was du da in Jerusalem gesagt hast, auch dass Gott Jesus zum "Herrn und Christus gemacht hat" - das interessiert heute kaum jemanden. Ich habe wirklich den Eindruck, die Botschaft von Jesus Christus ist bei uns zu bekannt, als dass sie noch für jemanden interessant sein könnte.

Aber auch die Menschen haben sich ja geändert; sie haben gar nicht mehr so viel eigenes Interesse daran, Gott nahe zu sein und nach Gottes Willen zu leben, wie diese Leute, die dir damals zuhörten. Du konntest deine Zuhörer richtig damit erschrecken, dass sie dabei waren, als die Menge "Kreuzige ihn!" dem Pilatus zurief, und dass sie damit Schuld auf sich geladen haben, weil sie an der Hinrichtung dessen mitgewirkt hatten, der Gott am Allernächsten steht. Wen kann man damit heute noch erschrecken? Viele begnügen sich damit, einmal als Baby getauft zu sein, und leben bloß so dahin. Da kümmert es einen dann nicht großartig, was Gott von einem hält. Ach Petrus, du hast es wirklich schön einfach gehabt: Du hast Jesus noch persönlich gekannt, auch ist dir der Auferstandene selbst begegnet, und dann hast du den Heiligen Geist bekommen, ganz frisch und kraftvoll. All das fehlt uns doch heute. Sag, Petrus, hast du einen guten Rat für uns? Wir Christen anno 2008 wären so gern genauso erfolgreich beim Verkündigen der frohen Botschaft wie du damals in Jerusalem. Viele Grüße, Thomas aus Unterschleißheim
Nun könnte man sich ja jetzt mal vorstellen, Petrus würde auf diesen Brief antworten. Ich versuche mir vorzustellen, wie eine Antwort von Petrus aussehen könnte. Vielleicht so?
Lieber Thomas aus Unterschleißheim,
vielen Dank für deinen Brief. Es war für mich sehr interessant zu lesen, wie es euch Christen zur Zeit ergeht. Aber, wenn ich ehrlich sein darf, ich glaube, du hast diese Geschichte an Pfingsten in Jerusalem nicht ganz richtig verstanden. Oder zumindest schaust du da ganz anders drauf als wir, die wir das selbst erlebt haben.

Du beneidest mich um die Wirkung meiner Rede. Ja, das war schon unglaublich, diese Betroffenheit der Leute an diesem Tag in Jerusalem, und ihre Bereitschaft, daraufhin wirklich etwas zu ändern in ihrem Denken und ihrem Leben. Aber das war ja auch dringend nötig! Stell dir vor, wir Jünger wären noch länger trübsinnig zusammen gesessen und hätten den schönen Zeiten nachgetrauert, als Jesus noch bei uns war und wir ihn begleiten durften, wenn er durchs Land zog, predigte und heilte. Ja, ich muss dir sagen, wir waren gerade soweit, dass unsere Gemeinschaft auseinanderzubrechen drohte, weil wir keinen Sinn mehr sahen in unserem Dasein als Jünger. Nur das Warten auf den Heiligen Geist hielt uns noch zusammen, denn den hatte Jesus uns versprochen, auch wenn wir uns darunter nicht viel vorstellen konnten.

Was ich sagen will: Der Heilige Geist war unsere einzige Chance, dass wir über diese tiefe Trauer um die vergangenen Zeiten mit Jesus irgendwie hinwegkommen konnten. Du machst dir ja keine Vorstellung davon, wie schwierig das war, denn vorher war Jesus ja immer vorangegangen, und wir Jünger mußten ihm bloß folgen. Jetzt mußten wir auf einmal selbst alles in die Hand nehmen! Und dieser Missionserfolg am Pfingsttag war nötig, damit wir überhaupt den Mut fassen konnten, uns auf ein Leben als Missionare einzulassen! Das hat uns den nötigen Schub gegeben, dann loszuziehen und uns in die Städte und Dörfer Palästinas zu verteilen, um über all die frohe Botschaft von Jesus zu verbreiten.

Glaub ja nicht, dass das immer so einfach war! Auch wir haben mehr als genug Mißerfolge erlebt, schon unter den Juden, die ja immerhin den Gottesglauben hatten, den auch Jesus hatte, und eine Messiashoffnung, an die wir bei der Verkündigung anknüpfen konnten. Und erst recht dann unter den Heiden - du weißt, da hat vor allem Paulus Pionierarbeit geleistet -, die kapierten ja oft überhaupt schon gar nicht, was es heißt, an einen Gott zu glauben, der noch dazu unsichtbar ist, und nicht mehr an allerlei Götter, wie sie sie in ihren Tempeln stehen hatten. Die Vertreter dieser Religionen waren ja dann öfter auch alles als zimperlich, wenn sie uns als Konkurrenz witterten. Und, vergiss das bitte nicht, wir mußten das alles unter den misstrauischen Augen der römischen Behörden tun, und der Druck von daher wurde immer größer, je erfolgreicher wir mit unserer Mission waren. Da mußte man durchaus um sein Leben fürchten und bereit sein, auch mal ins Gefängnis zu gehen.

Und jetzt, lieber Thomas, schaue ich mal auf euch, und ich hoffe, du nimmst es mir nicht übel, wenn ich den direkten Vergleich mit unserer Situation ziehe. Schau dich doch mal um in dieser Kirche, in der du gerade stehst. Was für ein großartiger Bau, ja, dass ihr Christen 2008 überhaupt ein Dach über dem Kopf habt, wo ihr euch als Gemeinde versammeln und in Ruhe eure Gottesdienste feiern könnt, das war für uns schon gar nicht selbstverständlich. Ihr habt heute einen ganzen Tag arbeitsfrei, weil ein christlicher Feiertag ist, das gab's bei uns auch nicht, wir mußten das alles nach Feierabend organisieren. Auch weil wir nicht hauptamtlich tätig sein konnten, so viel Geld war da nie da, sondern wir mußten immer auch unseren Lebensunterhalt verdienen, und die Zeit dafür fehlte uns natürlich für die Verkündigung. Da habt es ihr doch viel besser!

Ich finde ja auch, dass die Voraussetzungen für die Verkündigung bei den Menschen in eurer Gesellschaft gar nicht so schlecht sind. Gut, sie haben vielleicht bloß ein Halbwissen vom christlichen Glauben, aber immerhin weiß bei euch jedes Kind, wer Jesus Christus war; ja, ihr habt sogar kirchliche Kindergärten und dürft in die Schulen gehen, um Religion zu unterrichten, es gibt kirchliche Sendungen im Radio und im Fernsehen - traumhaft, was glaubst du, wie schwer es für uns war, gerade auch die jungen Leute anzusprechen?! Auch eure Stellung in der Öffentlichkeit finde ich beneidenswert. Jeder weiß, wo eure Kirchen stehen, jeder kann euch finden, wenn er etwas über den christlichen Glauben erfahren will. Ihr müßt keine Angst haben vor der Ausgrenzung durch eure andersgläubigen Nachbarn, und wenn einer von denen zur Polizei ginge, um euch als Christen zu denunzieren, würden die am Verstand des Denunzianten zweifeln, nicht so wie bei uns, wo man dann etwas zu befürchten hatte, weil man zu einer winzigen Minderheit gehörte, die noch dazu im Verdacht stand, Anhänger eines hingerichteten Aufrührers zu sein. Ja, überhaupt habt ihr es doch viel einfacher mit eurer Obrigkeit: Euer Bundespräsident und eure Bundeskanzlerin sind getaufte Christen und gehören zu deiner Kirche, lieber Thomas, und der Bürgermeister eurer Stadt obendrein.

Also, ich muss schon sagen, ich verstehe überhaupt nicht, warum ihr euch so beklagt oder gar neidisch seid auf unsere Verhältnisse damals. Ihr habt doch beste Voraussetzungen für die Verkündigung der frohen Botschaft von Jesus Christus! Vielleicht habt ihr euch so daran gewöhnt, dass ihr gar nicht mehr merkt, wie gut es geht als Christen in eurer Zeit. Natürlich habt ihr nicht diese großen Missionserfolge wie ich damals, aber ehrlich gesagt, genauso wie bei euch nicht alle, die getauft sind, das mit christlichen Glauben so wirklich ernst nehmen, so war es doch bei uns auch. Nicht alle, die am Pfingsttag in der ersten Betroffenheit sagten, Petrus, was sollen wir tun, blieben dann auch dabei, als der Alltag in der Gemeinde einkehrte.

Vielleicht, lieber Thomas, ist es für euch ein bißchen irreführend, unsere Pfingstgeschichte als Maßstab für eure Gemeinden zu nehmen. Ich bin überzeugt, auch bei euch wirkt der Heilige Geist, aber er wirkt anders als bei uns damals, weil eure Situation eine ganz andere ist. Nehmt doch nicht meine 3000 Getauften als Maßstab, sondern sucht nach dem Heiligen Geist, wie er bei euch wirkt und auch sinnvoll wirken kann. Und hört auf mit dieser Verklärung der alten Zeiten, als alles noch einfacher war. Ihr habt in Wirklichkeit sehr, sehr gute Rahmenbedingungen für euren Glauben. Ihr müßtet nur ein bißchen mutiger werden, ach ich mag gar nicht von Mut reden, denn was braucht es bei euch schon groß an Mut, seinem Nachbarn oder seinem Arbeitskollegen zu erzählen, dass man Christ ist und in die Kirche geht und sich vielleicht in der Gemeinde engagiert? Das kann doch jeder von euch tun, und die ferner Stehenden mal einladen, dass sie etwas mehr aus ihrer Taufe machen, etwas tiefer in den Glauben eindringen - schließlich wißt ihr doch, dass der Glaube gut tut und einem eine Hilfe ist im Leben, oder? Das könnt ihr doch dem Nachbarn oder dem Kollegen auch sagen, was ist da viel dabei?

Aber jetzt hab ich mich so reingesteigert, dass ich fast schon wieder eine Pfingstpredigt gehalten habe. Dabei wißt ihr Christen in Unterschleißheim doch viel besser, wo ihr den Heiligen Geist bei euch findet, und was ihr alles mit ihm anfangen könnt.

Also, lieber Thomas, grüß mir schön die Christen in Unterschleißheim, ich wünsche ihnen ein schönes Pfingstfest, an dem sie den Heiligen Geist in ihrem Leben und in ihren Gemeinden entdecken und Ideen bekommen, was man daraus machen kann, jeder in seiner Gemeinde, und alle Christen in Unterschleißheim zusammen! Viele Grüße, Dein Petrus.






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PA Rita Perl: Predigt am 26.Dezember zum Fest des HI. Stephanus


Liebe Schwestern liebe Brüder,
Rote Christbaumkugel ich habe vom Christbaum eine rote Kugel mitgebracht. Wovon erzählt sie? Sie dekoriert und schmückt den Weihnachtsbaum; sie weiß etwas vom schönen Weihnachtsfest zuhause: Weihnachten ist für viele Menschen ein Fest des Friedens. Die Sehnsucht nach Frieden, Harmonie und Gemeinschaft sind vermutlich auch der gemeinsame Nenner für viele, die mit dem Fest der Geburt Jesu Christi im religiösen Sinn nur wenig anfangen können.


Christbaumkugeln sind aber nicht nur reine Dekoration, sie hängen am Christbaum als Symbol für das, was wir durch die Geburt Jesu neu Erfahren. Jesus der in unser Leben kommt…
  • um unser Leben zum Guten zu führen;
  • um uns mit der frohen Botschaft vertraut zu machen;
  • um uns zu erlösen.
Die Christbaumkugeln sind nämlich ein Symbol für die Früchte des Paradieses, das Leben nach dem Tod, das uns erwartet. Das Weihnachtsfest bringt Neues in die Welt, mit Jesus kommt der Anfang vom guten Ende.

Aber der heutige Tag steht unter anderen Vorzeichen - sollte ich heute nicht passenderweise eher einen Stein in die Hand nehmen, mit dem Stephanus brutal niedergeschlagen wurde? Der zweite Weihnachtsfeiertag ist dem heiligen Stephanus gewidmet.
Die Lesung dieses Festtages erinnert an den Diakon Stephanus, der laut den Überlieferungen ein begnadeter Redner und Theologe war. Mit feurigem Eifer verteidigte er den neuen Weg mit der Frohbotschaft - dem Guten Ende für die Menschen - den Jesus gebahnt, verkündet und vorgelebt hat. Aber der Konflikt blieb nicht aus. Für Stephanus endete seine Nachfolge Jesu tödlich.

Mit dem Geburtsfest Jesu feiern wir das Neue, das durch Jesus in die Welt gekommen ist. Neues kommt selten ohne Brüche in unsere Welt hinein. Dies gilt besonders für religiöse Erneuerung. Auch für Jesus galt, was wir bei den meisten Kindern beobachten können:
Aus putzigen kleinen Kindern werden früher oder später Jugendliche, die um ihren eigenen Weg kämpfen, ihre eigenen Wertorientierungen suchen und die gegen die Einengungen "der Alten" aufbegehren.

Jesus brach alte unumgängliche Traditionen auf.
Er wagte im Tempel den Aufstand gegen alle, die es sich mit den religiösen Traditionen gut eingerichtet hatten und damit gut verdienten. Immer wieder wird er von Pharisäern und Schriftgelehrten in Streitgespräche hineingezogen, bis sie ihn schließlich ans Kreuz bringen.

Die Apostel und Stephanus setzten fort, was Jesus begonnen hat. Saulus bekehrte sich zum Paulus und wurde ein begnadeter Prediger des Evangeliums, bis er selbst unterm Schwert umkam.
Das Neue das Jesus in die Welt brachte, sich um Menschen zu kümmern und nicht um Gesetze, kostete vielen Menschen das Leben, doch es veränderte, seit dem Altertum, die religiöse und die politische Welt.

Immer wieder ließen sich Menschen von der Botschaft dieses Jesus begeistern. Auch in Zeiten, wo das Christentum selbst schon feste Traditionen begründete und verteidigte forderten sie, nicht ohne Widerspruch, den ursprünglichen Geist des neuen Weges ein, eckten an und führten einen meistens unblutigen Kampf gegen das überlebte Alte.

Als Beispiel kann die wiederholte innerkirchliche Kritik und kraftvolle Reform durch die Mönchsbewegungen gelten: im 6. Jahrhundert durch Benedikt von Nursia, im 13. Jahrhundert durch Franz von Assisi und im 16. Jahrhundert durch Teresa von Avila.

Und heute?
  • Es gibt einige Dinge in der Kirchenpolitik, die im Argen liegen - reagieren wir darauf?
  • Es gibt in unserem Lebensumfeld Menschen, die meine Hilfe brauchen - wie oft reagiere ich darauf?
  • Ich werde als Christ angefragt, muss Partei beziehen für meinen Glauben - bin ich stark genug dafür?
Die Jugend unserer Pfarrei hat vom 12. bis 15. Juli 07 im Rahmen der Aktion „3 Tage Zeit für Helden“ für den Kindergarten freiwillig handwerkliche Arbeit geleistet; 2008 wird sie sich am Fastenlauf "40 Tage um 40 verschiedene Kirchen" beteiligen. Sie will damit auf die Situation sozial benachteiligter Kinder- und Jugendlicher aufmerksam machen, nicht irgendwo, sondern hier in unserer Diözese. Gleichzeitig werden 3 Projekte der Caritas, die eben solche Kinder und Jugendliche unterstützen, konkret finanziell unterstützt, denn sie bekommen den Wetterlös.

Wir werden von Jesus ermutigt seinen Weg zu gehen, den Anfang vom Guten Ende. Wir standen an der Krippe, von der dieses Licht ausgeht. Wir werden von diesem Licht erhellt und das ist gut - deshalb sind wir da, wir wollen Jesus in unser Leben lassen, wir wollen von Jesus erfahren.

Aber wir können nicht immer an der Krippe stehen bleiben.
Wo Licht ist, da ist auch Schatten. Wenn von der Krippe das Licht ausgeht und wir davon erleuchtet werden, werfen auch wir einen Schatten hinter uns. Wir müssen uns umdrehen und uns auch der Welt öffnen mit dem Licht, der Liebe, das wir von Jesus bekommen haben.

Amen.


(Tagestexte: Apg 6,8-10;7,54-59, Mt 7,10-22)






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  Christus ist mit uns:
"Ich bin das Brot des Lebens"
Festgottesdienst an Fronleichnam vor St. Ulrich  Pfarrer Muck predigt zu Fronleichnam am 7. Juni 07 (Jesus zeigt uns den Weg und das Ziel: er will für seine Schwestern und Brüder das Brot des Lebens sein, das unserem Leben letzten Sinn gibt, worauf wir uns verlassen können, das wir an Fronleichnam öffentlich ehren - Evangelium nach Johannes 6, 24-35 und Lesung aus dem 1.Brief des Apostels Paulus an die Korinther 11,23-26):

Fronleichnam 2007

Liebe Schwestern und Brüder,

auf dem Weg sein, sich auf den Weg machen, mit anderen einen Weg gehen, das sind alltägliche Erfahrungen. Oft kennen wir die Wege, die zu einem gewünschten Ziel führen.
Im Blick auf die vergangenen Wochen und Monate in den Pfarreien St. Korbinian und St. Ulrich erinnern wir uns daran, dass viele Erstkommunionkinder sich mit Begleitung durch Schule und Gruppen in den Pfarreien auf den Weg gemacht haben, um sich darauf vorzubereiten, in Würde den Erstkommuniontag zu feiern.

Am Karfreitag haben sich, wie jedes Jahr seit fast 30 Jahren, Jugendliche und Erwachsene nicht nur aus den beiden Pfarreien, sondern aus dem ganzen Dekanat auf den Weg zum Karmel nach Dachau gemacht. Bei diesem Kreuzweg haben sich die Teilnehmer an all das Schweren erinnert, das sie selbst und andere auf ihrem Lebensweg zu tragen haben.

Der Mensch macht sich auf den Weg, um etwas zu erreichen und sei es selbst der Mond. Weg und Ziel sind innerlich eng verbunden und doch manchmal verschieden.
Der Weg ist das Ziel sagen manchmal Wanderer zum Hl. Jakobus in Santiago de Compostella und freuen sich doch, wenn sie am Ziel ankommen.
Der Weg ist das Ziel sagen Bergwanderer und sind doch froh, wenn sie eine Hütte, einen Gasthof oder auch den Gipfel erreichen.

Der Weg und das Ziel am Fronleichnamstag ist Jesus Christus, wenn wir uns an seine Aussage erinnern: "Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben." Als seine Jüngerinnen und Jünger machen wir uns auf den Weg und ehren den, der für uns Weg sein will.

Die katholische Kirche ist die einzige unter den christlichen Kirchen, die mit einer Prozession die Speise des letzten Abendmahles ehrt. Und was geschieht dabei? Ich zitiere einige Zeilen aus einem Text des früheren Pfarrers von Heinsberg, der da schreibt:
"Da ging unter einem Traghimmel ein Mann, der trug ein goldenes Gefäß mit einem Strahlenkranz und in dem goldenen Gefäß ein kleines weißes Scheibchen Brot. Ich fragte die Leute, was ist das? Da sagte einer: 'Das ist ein Stückchen Brot, hinter dem ungeheuer viel steckt.' Ich war betroffen, von dem Ausdruck seiner Stimme und fragte weiter: 'Was denn, was steckt dahinter, sagt es mir.' Da sagte eine alte Frau, sie war einfach gekleidet, ganz einfach, eine nicht einfach gekleidete Frau hätte so etwas gar nicht sagen können, sie sagte nämlich: 'Hinter diesem Stückchen Brot steckt meine letzte Hoffnung, dass ich doch einmal gesättigt werde. Ich habe eine gute Rente,' sagte die alte Frau 'und kann mir viel Brot kaufen und kann jeden Tag ins Cafe gehen. Aber das will ich ihnen sagen, ich habe noch kein Brot gefunden, das mich satt macht. Aber dieses weiße Scheibchen ist meine Hoffnung, denn da steckt ungeheuer viel dahinter: ein Mann, ein Mensch wie wir, der hat sich selber weggegeben, er wurde selbst Brot. Wissen sie,' sagte die alte Frau, 'so einer, der sich selbst weggibt, so einer, ist meine letzte Hoffnung.' "
Soweit der gekürzte Text des Pfarrers von Heinsberg.

Bei unserem Unterwegssein in einer Prozession durch die Stadt Unterschleißheim tragen wir Christus mit uns, der in diesem Brot gegenwärtig ist. Wir zeigen, was und wer unsere Nahrung, unsere Energiequelle, unser innerer Motor auf der Wanderschaft unseres Lebens ist. Wir tragen ein Stück Brot mit uns, hinter dem sich uns der zur Verfügung stellt, der ohnmächtig war, wie der niedrigste Mensch und der sich zugleich geborgen wusste im allmächtigen Gott. Wir zeigen in dieser Prozession, wovon wir letztlich leben, wer unserem Leben letzten Sinn gibt, worauf wir uns verlassen können.

Wir verlassen uns auf das, was wir im Evangelium heute gehört haben.

"Ich bin das Brot des Lebens; wer zu mir kommt, wird nie mehr hungern, und wer an mich glaubt, wird nie mehr Durst haben." Er will also Brot sein für uns und uns am Leben erhalten. Als lebendiges Brot will er sich uns schenken, damit wir sicher an seiner Hand durchs Leben gehen können.

Amen

Tagestexte:
Ev. Joh 6,24-35 (Lesejahr B 18. Sonntag)/L. 1 Kor 11,23-26 (Fronleichnam Lesejahr C)











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 Die Kraft des Heiligen Geistes bringt uns weiter
Dein Geist komme 
Pfarrer Muck predigt zum Evangelium des Pfingstfests ( Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch: Empfangt den Heiligen Geist - Evangelium nach Johannes 20, 19-23) am 27. Mai 07:

         Pfingsten 2007

Liebe Schwestern und Brüder,
die heutige Lesung hat uns vom Pfingsttag in Jerusalem berichtet, vom heftigen Sturm und vom Brausen, von Feuerzungen und vor allem vom Heiligen Geist, der über die Apostel gekommen war. Als Augen- und Ohrenzeugen werden Völker genannt wie Parther, Meder und Elamiter, Bewohner von Mesopotamien und Judäa, von Pontus und Asien, von Ägypten und von Kreta, um nur einige zu nennen.
Auch wir in St. Ulrich feiern heute die Erinnerung an dieses Pfingstereignis. Zugleich bitten wir um die Gaben des Heiligen Geistes. Es ist heute hier ähnlich wie damals: Zum Fest in Jerusalem waren Einheimische und viele Gäste da. Wir Einheimischen freuen uns über die Gäste aus Les Cres in Frankreich, die eine jahrelange Städtepartnerschaft mit Unterschleißheim verbindet. Wir freuen uns über unsere Gäste aus Harare in Zimbabwe, die seit dem Weltjugendtag eng mit dem Dekanat Feldmoching verbunden sind und enge persönliche Verbindungen zu Jugendlichen und deren Familien, gerade aus St. Ulrich haben. Diese beiden Gästegruppen bereichern unsere Feier des Pfingstfestes. Damit wird an Pfingsten auch bei uns die Weltweite des Christentums sichtbar.

Viele der 6000 Katholiken von St. Ulrich repräsentieren die Weltweite des Christentums noch auf eine andere Weise. Über Jahrzehnte hinweg kamen nach Unterschleißheim auch viele Katholiken aus Rumänien und Ungarn, aus dem ehemaligen Jugoslawien oder aus Tschechien und Polen hierher. Manche haben deutschsprachigen Hintergrund, manche nicht. Viele von ihnen zählen zu den treuen Gottesdienstbesuchern. Viele von ihnen sagen mir sie haben gerade durch das kirchliche Leben eine neue Beheimatung gefunden. Ähnlich ergeht es auch Christen, die aus persönlichen oder beruflichen Gründen aus Chile, Brasilien und Italien, um nur einige zu nennen, die zu uns kamen und sich hier in der Pfarrgemeinde wohl fühlen. Sie alle, wir alle hören die frohe Botschaft
  • in der Sprache, die das Herz versteht,
  • in der Sprache, die uns emotional verbindet und
  • in der Sprache die uns bewusst macht, der Glaube an Gott ist aus unserem Leben als Christ nicht wegdenkbar.
Vielleicht war ja gerade die Zeit seit Ostern dazu angetan, Hoffnung und Zuversicht aus dem Ereignis der Auferstehung Jesu zu schöpfen. Heute an Pfingsten dürfen wir alle erfahren: Gottes Geist will jeden einzelnen, egal aus welcher Richtung der Welt er kommt, ermutigen und stärken. Wir in unseren Breiten können sehr leicht unseren Alltag aus dem Glauben heraus gestalten. Wir schätzen diese Freiheit oft nicht genügend, sind dafür zu wenig dankbar. Unsere Gäste aus Harare könnten uns viel erzählen darüber. Ihr Leben und das Leben anderer ist oftmals bedroht, vielleicht auch deshalb, weil sie Christen sind. Sie können und dürfen nichts oder nicht viel davon erzählen. Doch wer von uns die Presse seit Wochen verfolgt, ahnt die unglaublich harte Situation der Menschen in Zimbabwe, die durch eine rücksichtslose Politik hervorgerufen wird, unter der alle leiden. Unsere Gäste und alle Christen in Zimbabwe brauchen Kraft, Mut und Ausdauer.

An Pfingsten ist der rechte Zeitpunkt, dass wir um die Gaben des Heiligen Geistes bitten. Unser gemeinsames Bitten und Beten kann mithelfen, die Welt ein wenig zu verändern, pfingstlicher zu machen.

Bitten wir um die Gaben des Heiligen Geistes. Sie werden benannt als Weisheit und Einsicht, Rat und Stärke, Erkenntnis und Gottesfurcht und die Gabe der Frömmigkeit.
In Ahnlehnung an diese Aufzählung der Gaben des Heiligen Geistes wird deutlich:
  • wo sich Menschen weise verhalten, sich auf einen guten Rat einlassen und danach suchen, dort wird Heiliger Geist sichtbar
  • wo Menschen sich nach Gott ausrichten und ihn zu erkennen suchen, dort wird Heiliger Geist sichtbar
  • wo Menschen sich um Frömmigkeit mühen, die ausdrückt, dass sie sich um eine enge Beziehung zu Gott bemühen, dort wird Heiliger Geist sichtbar.
Pfingsten ist jedes Jahr die besondere Einladung, mit mehr Mut und mit mehr Engagement unser Christsein zu leben. Was hindert uns daran, uns von ihm begeistern zu lassen,
  • egal wo wir sind, in der Pfarrei St. Ulrich in der Stadt Unterschleißheim, in Bayern, in Zimbabwe, in Frankreich.
  • Es ist egal, ob wir im kirchlichen oder im öffentlichen Leben unseren besonderen Interessenschwerpunkt haben,
  • ob wir an unsere Familien denken, an unser soziales Umfeld, an die Kirche, an die Welt.
Ohne die Kraft des Heiligen Geistes geht nichts voran.

Die Apostel sind nicht hinter den verschlossenen Türen geblieben. Sie haben alles eingesetzt für die frohe Botschaft. Lassen wir uns doch von ihrem Vorbild anstecken. Amen.

Tagestexte: L1: Apg 2,1-11; Ev: Joh 20,19-23





 
Dein Geist komme 
Translation of the Lecture: Pfarrer Muck predigt zum Evangelium des Pfingstfests ( Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch: Empfangt den Heiligen Geist - Evangelium nach Johannes 20, 19-23) am 27. Mai 07:

Die Kraft des Heiligen Geistes bringt uns weiter

         Pentecost 2007

Dear sisters and brothers,
the reading today has told us about the Pentecost in Jerusalem, the mighty wind and heavy storm, about tongues of fire and especially about the Holy Spirit, that came to the apostles. People like Parthians, Medes, Elamites and people from Mesopotamia, Judea, Pontus and Asia, from Egypt and Crete came to witness this.
We the people of St. Ulrich also celebrate the memory of the Pentecost today. At the same time we ask for the gift of the Holy Spirit. Today it is similar to the past: At the celebration in Jerusalem there were citizens but also many guests. We, the citizens here, are excited about our guests from Le Crés in France which has been the sister city of Unterschleißheim for a long time. We are also excited about our guests from Harare in Zimbabwe, who worked with the district of Feldmoching since the World Youth Day, and who have close relationship with the young people and families, especially in St. Ulrich. These two groups of guests enrich our celebration of Pentecost. Therefore the worldwide appearance of Christianity can also be seen at this Pentecost Day.
Many of the sixthousand catholics of St. Ulrich represent the worldwide appearance of Christianity in a different way as well. For decades many catholics from Rumania, Hungary, the former Jugoslavia, the Czech Republic and Poland came to Unterschleißheim. Some had a German background, others did not. A lot of them count as the loyal visitors of our services. A lot of them tell me that they have found a new home through the life as a Christian. This is similar to the Christians, that came to us from Chile, Brasil and Italy due to personal and professional reasons and felt welcomed in our Church community.
All of them and all of us hear the message
  • in the lanuage that is understood by the heart,
  • in the language that connects us emotionally,
  • in the language that shows us that our faith in God is essential in our lives as Christians.
Maybe the time since Easter allowed us to gain hope and confidence from Jesus resurrection. Today on Pentecost we all can learn:
God´s Spirit wants to stengthen and encourage each individual no matter which part of the world one comes from. For all of us in this location, it is easy to establish our day to day-life, based on our faith. We don´t appreciate this freedom enough and should be more thankful for this freedom.
Our guests from Harare could teach us a lot about that. Their lives and the lives of others are often threatened, sometimes just because they are Christians. They are not allowed to talk a lot about it. Those who followed the news the past few weeks, know about the unbelievably difficult situation the people of Zimbabwe are in. This situation has been caused by harsh politics. Our guests and all Christians in Zimbabwe need strength, courage and endurance. On Pentecost it is the right time to ask for the gift of the Holy Spirit.
Our collective petitions and prayers can help to change the world a little bit and make it more like Pentecost. Let´s ask for the gifts of the Holy Spirit:

Wisdom and understanding, advice and strength, awareness and Godliness and piety.
According to this list of gifts of the Holy Spirit it becomes evident that
  • where people act wisely and where they listen to and look for a good advice, that´s where the Holy Spirit appears.
  • when people strive for piety, which shows that they are trying to achieve a close relationship with God, that´s when the Holy Spirit appears
  • where people are devoted to God and search to recognize him, that´s where the Holy Spirit appears.
Every year Pentecost is a special invitation to Christians to live with more courage and commitment. What keeps us from being inspired
  • no matter where we are in the parish of St. Ulrich , the city of Unterschleißheim in Bavaria, in Zimbabwe or in France?
  • It is not important if we have our special interests in spiritual and public life,
  • if we think of our family of our social environment or of the church or the world.
Without the stength of the Holy Spirit nothing progresses.

The apostles did not stay behind closed doors. They tried everything to deliver the good word.
Let us be inspired by their example. Amen

Texts of the Day: L1: Acts 2,1-11; Ev: John 20,19-23
in english





 
Dein Geist komme 
Traduction en francais de l'Homélie: Pfarrer Muck predigt zum Evangelium des Pfingstfests ( Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch: Empfangt den Heiligen Geist - Evangelium nach Johannes 20, 19-23) am 27. Mai 07:

         Pentecôte 2007

Chers frères et soeurs, chers amis du Crès,
la lecture d' aujourd'hui nous informe sur ce qui s'est passé le jour de la Pentecôte à Jérusalem: un violent coup de vent, un feu qui se partageait en diverses langues, l'apparition du Saint-Esprit sur les apôtres.
Les Parthes, les Mèdes et les Elamites, habitants de la Mésopotamie, et d'autres peoples sont les témoins. Nous aussi, dans la paroisse de Saint Ulrich, nous fêtons aujourd'hui l'èvènement de la Pentecote. Et nous prions les dons du Saint Esprit. Aujourd'hui, à Unterschleißheim la situation est semblable à celle de Jérusalem.
Nous sommes heureux d'accueillir nos amis du Crès et les jeunes de Harare du pays de Zimbabwe, qui sont en contact étroit avec des familles de notre paroisse Saint Ulrich depuis le Jour mondial de la jeunesse en 2005. Ces gens, qui viennent de l' Etranger sont un symbole de l'immensité du monde des Chrétiens.

Parmi les 6000 catholiques de la paroisse, on compte de nombreux catholiques originaires de Roumanie, d'Hongrie, des pays de la Yougoslavie, de la République Tchèque et de la Pologne, du Chilie, de Brésil et d'Italie. Tous se sentent intégrés au sein de la communauté.
Nous tous entendons le message de Dieu
,
  • dans la langue que le Coeur connait
  • dans la langue qui nous unit par les emotions
  • dans la langue qui nous fait comprendre, que la foi en Dieu est indispensable dans notre Vie chrétienne.
Le temps après les Pâques est peut-être approprié pour prendre espoir et confiance après l' évènement de la Résurrection de Jésus.
Aujourd' hui à la Pentecôte, nous devons tous savoir ceci :
L' Esprit de Dieu veut donner à chacun d' entre nous, peu importe d' où il vient, du courage et des forces. Grâce à la foi nous pouvons avoir la vie plus facile. Souvent, nous ne savons pas estimer cette liberté et sommes peu reconnaissants. Nos amis de Zimbabwe aimeraient en dire long sur ce sujet. Leur vie et celle de leurs confrères sont souvent menacées, même parfois parce qu' ils sont chrétiens. Ils n'ont malheureusement pas le droit de tout raconter à ce propos. Celui qui suit les nouvelles de la presse depuis des semaines, connaît la condition de vie difficile des gens de Zimbabwe, qui sont sous l' emprise d'une politique impitoyable dans leur pays. Nos amis et tous les chrétiens de Zimbabwe ont besoin de force, de courage et de patience.

La fête de la Pentecôte nous donne l' occasion de prier les dons de l' Esprit-Saint. En priant ensemble, nous pouvons aider le monde à changer un peu et à le rendre plus chaleureux.
Prions pour les dons de l' Esprit-Saint ! Ils sont définis comme sagesse et compréhension, conseil et force, jugement et crainte en Dieu, dons de piété.

L' énumération des dons de l' Esprit-Saint définit clairement que :
  • Quand les hommes recherchent un comportement juste et sont ouverts aux bons conseils, L' Esprit-Saint est présent dans leur cœur.
  • Quand les hommes se remettent à Dieu et essaient de le reconnaître, L' Esprit-Saint est présent dans leur cœur.
  • Quand les hommes font preuve de piété et s'efforcent de préserver la relation avec Dieu, L' Esprit-Saint est présent dans leur cœur.
A la Pentecôte, nous sommes invités à mener notre vie de chrétien avec plus de courage et d' engagement.
  • Qu' est-ce qui nous empêche de nous laisser convaincre par L' Esprit-Saint, peu importe si nous vivons à Unterschleißheim, à Zimbabwe ou au Crès ?
  • Peu importe si nos intérêts sont dans la vie spirituelle ou dans la vie publique,
  • si nous pensons à nos familles, au monde de la société, à l'Eglise ou au monde entier.
Sans la force de l' Esprit-Saint, rien ne réussit. Les Apôtres ne sont pas restés derrière les portes fermées. Ils ont fait tout leur possible pour annoncer la Bonne Nouvelle.
Je vous invite à prendre exemple sur eux. Amen.

Homélie du prêtre, Monsieur Muck, traduite par Irmgard Hering et Véronique Sellinger



Textes du jour en français: L1: Ac 2,1-11; Ev: Jn 20,19-23




 
Jesus verzeiht 
Anne Kunstmann, Diözesanbeauftragte für Behindertenseelsorge, predigte zum Evangelium des 3. Sonntags in der Osterzeit (Lesejahr C "Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch" aus dem Evangelium nach Johannes 21, 1-19) am 22. April 07:


Gott will mit meinem Leben zu tun haben

Ostern ist vorbei - die Ferien, der Urlaub, die Festtagsstimmung ist vorüber - der Alltag ist wieder eingekehrt.
Die Wege, die wir jetzt wieder gehen, sind uns vertraut. Wie oft schon haben wir die gleichen Verrichtungen getan, sind wir den Weg in die Arbeit, zum Einkaufen, in die Schule gegangen….
Das alles tun wir ohne große Aufregung, wir sind ihn gewohnt - unseren Alltag. Bisweilen ist er langweilig, vielleicht monoton, von Zeit zu Zeit ist er gute Routine…
All das Gewohnte tun wir manchmal mit mehr und manchmal mit weniger Erfolg….

Hier begegnen wir den Jüngern des Evangeliums. Sie sind nach den aufregenden Ereignissen der Vergangenheit wieder bei ihrer Alltagsarbeit angekommen - dem Fischen.
In dieser Nacht allerdings ohne Erfolg.
Und im mühsamen Alltags-Geschäft steht da dieser Fremde. Er spricht sie an: Habt ihr etwas zu essen?
- Niemand von ihnen rechnet mit Jesus.
Der Fremde braucht offensichtlich die Jünger - sie öffnen sich für sein Anliegen und lassen sich noch einmal hinausschicken. Sie tun es für einen Menschen, der sie braucht.
Die Erfahrung sagt: das kann nicht gehen, es ist schon Morgen. Doch das Wunder geschieht - Fische in Hülle und Fülle.
Die Jünger lassen sich ein auf Fremdes - mitten in ihrem Alltag - und werden durch den reichen Fischfang beschenkt und überrascht. Sie beginnen zu ahnen - da ist mehr im Spiel.

Manchmal wird auch mein, Ihr Alltag unterbrochen - eine unvorhergesehene Begegnung; eine Situation, die zum Handeln nötigt; ein Mensch, den ich in ganz neuer Weise wahrnehme; jemand, der mich braucht...
Rechne ich eigentlich damit, dass Christus selbst es sein kann, der mir - mitten im Alltag - begegnen will?
Lasse ich mich überhaupt - mitten im Alltag - von Ungewohntem ansprechen und aus der Routine bringen? Reagiere ich auf die Einladung des scheinbar "Fremden" und versuchen es noch einmal? Rechne ich eigentlich mit dem Anspruch Gottes in meinem Leben?
Die nachösterliche Begegnung der Jünger mit dem Auferstandenen lädt uns ein und motiviert: rechne mit dem Anspruch Gottes, mit der Gegenwart Christi in Deinem Alltag! Lass Dich auch von "Fremdem" herausfordern! Trau Dich, ungewohnte Wege zu gehen!
So können sich - in der Begegnung - "Wunder" ereignen:
  • Es ist wunderbar, wenn Menschen zusammenfinden: der Punk, der zur schwer behinderten Rollstuhlfahrerin eine Freundschaft entwickelt, weil keiner von beiden sein Vorurteil pflegt.
  • Es ist wunderbar, wenn die kluge Theologin von der Schlichtheit eines geistig behinderten Mädchens lernt, weil sie in einen Sonnenstrahl völlig versunken sein kann.
  • Es ist wunderbar, wenn eine Gemeinde voller Freude einen Gottesdienst mit behinderten und nicht behinderten Menschen feiert, weil sie alle wissen: es ist ganz normal, verschieden zu sein…
Das stiftet Gemeinschaft - und Christus ist mitten da bei uns.
Dann feiern wir, manchmal mitten am Tag, ein Fest der Auferstehung….
Nähe Gottes ist spürbar, Jesus Christus ist gegenwärtig in unserer Begegnung.

Im Evangelium lädt nun der Fremde selbst die Jünger zum Essen ein. Sie bekommen von ihm geschenkt, was sie zum Leben brauchen. Brot und Fisch. Beim Brechen des Brotes wird schließlich zur Gewissheit: der auferstandene Jesus selbst ist es, der einlädt: Kommt her und esst!
Diese Einladung Jesu gilt uns gleichermaßen: Er selbst lädt uns ein: Kommt her und esst. Kommt, aus euren Häusern, aus eurem Alltag. Lasst euch von Gottes Nähe berühren, lasst euch zu einer Gemeinschaft zusammen führen. Entdeckt, welche Wunder in eurem Alltag stecken. Genießt, wie es ist, gebraucht zu werden und scheut euch nicht, einen anderen zu brauchen.
Gott will mit meinem Leben zu tun haben - so die Botschaft von Jesus, wenn er sich im Zeichen von Brot und Wein in unserer Gemeinschaft offenbart; wenn er erfahrbar ist in den alltäglichen Begegnungen meines Lebens.

Amen

Tagestexte: L1: Apg 5, 27b-32.40b-41; L2: Offb 5, 11-14; Ev: Joh 21, 1-19











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Jesus verzeiht 
Diakon Werner Schmidt predigt zur 2. Lesung des 5. Fastensonntags im Jahreskreis (Lesejahr C "Ich strebe danach, es zu ergreifen" aus dem Brief des Apostels Paulus an die Philipper, Phil 3,8-14), am 24./25. Mrz. 2007:


Rückblick, Umkehr, Zukunft
Liebe Gemeinde!

Jeder von uns, die wir zusammen Eucharistie feiern, hat eine Woche seines Lebens hinter sich und gleichsam Ereignisse dieser Woche mit hierher gebracht. Was ich in den vergangenen acht Tagen erlebt habe, kenne ich. Was Sie erlebt haben, kennen nur Sie.
War es eine erfolgreiche Woche für Sie?
Gab es Schwierigkeiten in der Familie, im Beruf?
Waren Sie zufrieden mit Ihrer Gesundheit?
Viele einzelne Ereignisse, Erfahrungen, Erlebnisse kennzeichnen die Vergangenheit dieser Tage. Und ähnliche Ereignisse, Erfahrungen und Erlebnisse werden die kommende Woche bestimmen. Vielleicht aber sind es auch ganz andere, neue. Heute stehen wir noch vor ihnen; nächsten Sonntag kennen wir sie, weil wir sie erlebt haben. Nun können wir hergehen und die Ereignisse dieser letzten Woche analysieren.
Was ist uns gelungen?
Wo haben wir versagt?
Warum hat es schon wieder Streit mit einem bestimmten Menschen gegeben?
Warum ist es so schwierig, ehrlich zu sein?
Warum fällt es uns so schwer, ab und zu an Gott zu denken?
Eine solche Rückschau ist wichtig und hat Ihren Wert.

Wie sonst könnten wir uns immer wieder verändern, könnten die vergangenen Fehler zukünftig vermeiden? Der Mensch braucht neue Vorsätze, er muss aus seinen Fehlern und Schwächen lernen. Aber man kann auch übertreiben. Sie kennen sicherlich Leute, die nur in der Vergangenheit leben. Immer denken sie an das, was einmal war, und meistens verklärt sich die Vergangenheit dann zur "guten alten Zeit". Dabei ist es ganz gut, dass wir vergessen können. Wenn wir ständig all unsere Niederlagen vor Augen hätten, bekämen wir kein Bein mehr auf den Boden.

Stellen Sie sich einmal vor, was passiert wäre, wenn Petrus nur noch an seinen Verrat im Hof des Pilatus gedacht hätte! Er hätte gar keine Kraft mehr gehabt, Fels der Kirche zu sein. Und was wäre passiert, wenn Paulus nur noch daran gedacht hätte, mit welchem Eifer er die Christen verfolgt hatte, um sie vor Gericht zu bringen? Sein Leben hätte nicht ausgereicht, um in Buße zu versinken und vor Schande unfähig zu jeder Aktivität zu werden. Nochmal, Rückblick im Leben muss sein, Umkehr muss sein, um sein Leben und das des Nächsten besser und verantwortlicher gestalten zu können.

Aber es muss auch eine Zukunft geben, ohne dass die kommende Zeit zur ewigen Vergangenheit wird. Bleiben wir bei Paulus. Was tat Paulus? Er sagt: "Es ist passiert, ich schäme mich dafür, es tut mir leid. Aber jetzt schaue ich nach vorne. Vor mir liegt eine Aufgabe, die ich zu erfüllen habe. Und die wird jetzt mit ganzer Kraft und Energie angegangen." Sicherlich habe ich jetzt ein wenig Phantasie spielen lassen, wenn ich Paulus so zitiere. Aber was meint er denn anderes, wenn er sagt: "Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist … Nicht so, dass ich es schon erreicht hätte. Aber ich strebe danach, es zu ergreifen."
Paulus sieht also seine Situation zwischen einem Gestern, das vorbei ist, das er so akzeptiert, wie es war, und einem Morgen, nach dem er sich ausstreckt.

Wir stehen auch zwischen einem Gestern, das vorbei ist, und einem Morgen, dem wir entgegengehen. Was gestern war, kennen wir. Wir wissen aber nicht, was morgen auf uns zukommt. Und deswegen schauen wir manchmal mit Bangen auf die Zukunft.
Was bringt der morgige Tag, die kommende Woche, das nächste Jahr?
Wie schaut dann der Rest meines Lebens aus?
Wir möchten es gerne wissen und haben Angst davor.

Nun wird der übrige Text wichtig, den Paulus in diesem Zusammenhang geschrieben hat. Er geht ja einem genau bestimmbaren Schicksal entgegen. Auch wir gehen einem erklärbaren Ziel entgegen: Christus, dem Ziel des Lebens. Gott, unser Vater, hat uns in ihm gerufen, be-rufen.

Paulus sagt: "Ich jage diesem Ziel nach." Nachjagen bedeutet Kraft einsetzen, Mühe aufwenden. Von "nachschleichen" oder "nachschlendern" ist nicht die Rede. Jesus sagt einmal: "Keiner, der die Hand an den Pflug gelegt hat und noch mal zurückblickt, taugt für das Reich Gottes." Erwartet wird also von uns, dass wir unsere Kraft einsetzen für das Kommende. Kraft in die Vergangenheit zu investieren hieße, sie für die Zukunft nicht mehr zur Verfügung zu haben.
Paulus gibt keine Einzelziele an, sondern das Hauptziel: zur Auferstehung von den Toten zu gelangen, das heißt zum ewigen Leben. Dieses Ziel ist es wert, alle Kraft einzusetzen und allen übrigen Dingen den ihnen gemäßen Stellenwert zuzuordnen. Paulus ist da ganz radikal: er hält alles für schlecht, was ihn an der Erkenntnis Christi hindert.
Ganz so entschieden und radikal werden wir es nicht fertig bringen können, aber es bleibt auch für uns die Aufgabe, entschieden unsere Kraft einzusetzen für unser Ziel: Christus. Das erspart uns andererseits jedoch eine Menge Sorge und Beunruhigung, sowohl was die Vergangenheit anbetrifft, aber auch, was die Zukunft angeht.
Ich gebe zu, das Gesagte klingt wie eine Jahresabschlusspredigt. Ich meine aber, dass es auch mitten im Jahr ganz gut ist, wenn wir uns solche Gedanken machen. Vor allem jetzt in der österlichen Bußzeit, in der wir "umkehren", d.h. unser Leben wieder neu ausrichten wollen. Es ist ja die Vorbereitungszeit auf das Fest, das uns ganz besonders das Ziel unseres Lebens vor Augen stellt: Christus ist auferstanden - wir werden auferstehen.

Auf dieses Ziel hin setzen wir unsere Kraft ein.

Tagestexte: L1: Jes 43,16-21; L2: Phil 3,8-14; Ev: Joh 8,1-11











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Barmherziger Vater 
Pater Dr. Jan Bernd Elpert, ofm cap, predigt zum Evangelium des 4. Fastensonntags im Jahreskreis (Lesejahr C Gleichnis vom barmherzigen Vater Lk 15,11-32), am 17./18. Mrz. 2007:


Herausfinden aus dem "Gib und Mach"

Liebe Gemeinde!
Welch großartiges Evangelium wird uns geschenkt am heutigen 4. Sonntag in der Fastenzeit. Das Gleichnis vom "verlorenen Sohn" oder wie es auch vielleicht besser heißt: das Gleichnis vom "barmherzigen Vater". Es braucht nicht viel Phantasie, sich in dieses Gleichnis hineinzudenken und gar mancher sagte bereits: wenn wir alle Evangelien durch widrige Umstände verloren hätten und nur dieses kleine Fragment übrig geblieben wäre, wir hätten die ganze Botschaft Jesu konzentriert vor uns und wären dem Wesen des Christentums und dem Gottesbild, das Jesus verkündet hatte, nahe gekommen.
Und dennoch es besteht eine Gefahr darin. Das Evangelium geht uns zu glatt herunter, irgendwie, weil wir es schon so gut kennen, wir es schon so oft gehört haben und wir weiden uns vielleicht am sanften und barmherzigen Gottesbild. Es besteht die Gefahr, dass es uns recht schnell zu wohlig wird dabei. Sicherlich, so ist Gott: unermesslich in seiner Güte, Gnade, Barmherzigkeit, in seiner Freiheit schenkenden Liebe, die in Freiheit entlässt und doch nur mit der einen Sorge, dass wir doch den Weg fänden zur Erfüllung, zum Glück, zur Seligkeit - wenn auch manchmal mit Um- und Irrwegen.
Dem soll nichts hinweg genommen werden hier, aber weil wir das Evangelium schon so gut kennen, sei es auch einmal gestattet, dieses Evangelium gegen den Strich zu bürsten, um vielleicht so eine weitere Nuance dieses Evangeliums zu entdecken.

Das ist also ein Mann, der hatte zwei Söhne. Man lebt so recht und schlecht vor sich hin, es scheint aber, das Leben geht nicht reibungslose von statten, jeder lebt am Ende doch sein eigenes Leben, lebt so vor sich. Dem Jüngeren wird das zu eng, zu muffig. Es reicht ihm. Gut, sagt er sich, wenn das so ist, dass wir nicht zusammen leben können, dann lass uns die Güter trennen, jeder soll von nun an von seiner eigenen Substanz leben, was brauchen wir einander. GIB mir, was mir zusteht, was mein Recht ist. So werden die Güter getrennt. Es geht rasch, kurz und schmerzlos, jeder bekommt das, was ihm zusteht. Aber das geht doch alles ein wenig rasch und hurtig. War das wirklich so gedacht vom jüngeren Sohn? Hatte er damit gerechnet? Der Vater sagt nicht: gut, ich weiß, unser Zusammenleben ist bisweilen nicht konfliktfrei, lass uns zusammen sitzen und schauen, wie wir einen Weg als Familie finden können. Nichts dergleichen, es ist einfacher, die Güter zu teilen, dann gibt's Ruhe! Fast möchte man meinen, der jüngere Sohn ist genauso überrascht wie Vater und Bruder über das schnelle Übereinkommen und die Trennung. Manchmal setzt man ja auch bewusst provokante Punkte, um überhaupt auf sich und ein Problem aufmerksam zu machen, ohne damit zu rechnen, dass man gleich beim Wort genommen wird, sondern in der zaghaften Hoffnung, es käme doch vom Gegenüber ein Liebeserweis, ein offenes Ohr, eine Schulter, an die man sich anlehnen dürfte. Aber nein, es geht 'ratzfatz', mit einem Schlag getrennt. Wir haben uns auseinander gelebt, heißt es dann, es ist besser, jeder geht seinen eigenen Weg. Mit Verlaub, ich habe den Verdacht, in dieser Familie stimmt es hinten und vorne nicht. GIB heißt es nur noch und jeder geht dann seine Wege. In dieser Familie da geht etwas grundlegend schief.
Die Trennung scheint beide - Vater und Sohn - zum Nachdenken zu bringen. Der Vater sitzt grübelnd daheim, der Sohn lässt es sich gut gehen, besser nicht Nachdenken, erst einmal Freiheit und Leben genießen, Tapetenwechsel. Der Tapetenwechsel wird schnell zur neuen Einöde, am Ende ist die Substanz des Lebens verbraucht, jetzt sitzt er im Dreck, im wahrsten Sinne des Wortes, und nun überlegt er eine neue Strategie. Das "GIB mir" ward nicht das verheißene Glück, die Änderung heißt nun: "MACH", "Mach mich zu einem deiner Tagelöhner".
Dem Vater ist daheim bereits aufgegangen, wir haben alle miteinander einen großen Fehler begangen, es war nicht so, dass jeder nur von seiner eigenen Substanz leben kann, es zählt nicht nur das, was einem zusteht, was einem von Rechts wegen zukommt. Nein - so geht ihm auf - wir gehören zusammen, wir brauchen einander: was mein ist, ist dein, was dein ist, ist mein, so überlegt er es sich und bewahrt sich diese Herzenserkenntnis für den Tag auf, sollte gegen jede Erwartung der Sohn doch noch einmal zurückkommen.
Der Sohn hat noch einen weiteren Schritt erst zurückzulegen. Denn sein Vorsatz war ja, "Mach mich!" Bislang hat er wenig gegeben, er hatte immer nur genommen: erst "Gib", jetzt "mach". Erst unterwegs geht ihm auf, es zählt weder "gib" noch "mach", denn als er heimkommt, hören wir nichts mehr von "mach", weder "gib", noch "mach". Was war die Sünde, in die sich die ganze Familie verstrickt hatte? Es war nicht das Weggehen des Sohnes, es war nicht das Verlangen des Erbteiles, der große Fehler war, dass jeder nur für sich selbst leben wollte, jeder wollte nur von seiner eigenen Substanz leben, jeder hatte nur im Kopf: ich bin nur für mich da. Keiner daheim konnte den Teufelskreis des Egoismus und des Um-sich-selber-kreisens verlassen. Jeder lebte nur von diesem "Gib" und "Mach".

Es geht einem ans Herz, als der Sohn daheim angekommen war. Zwei nachdenkliche Menschen begegnen sich, es braucht keine Worte, es genügt die glückselige, wärmende Umarmung. Beide hatten sich auf den Weg gemacht, denn vom Vater heißt es, er kam ihm schon von weitem entgegen. Jeder hat seine Haltung des "Gib" und "Mach" verlassen. Nun ist in deren Dialog nichts mehr davon zu finden. Der Sohn sagt nur noch: "Vater ich habe gegen dich gesündigt, ich bin es nicht wert, dein Sohn zu heißen." Leise darf man das Echo des Vaters vernehmen: oh hätte ich dich doch nie ziehen lassen. Es hagelt keine Vorwürfe, auf keiner Seite fallen sie, es herrschen nur noch Trauer und Freude zugleich. Trauer, dass jeder in diesem "Gib und Mach" gefangen ward, Freude, dass man doch wieder zueinander gefunden hat. Es geht nicht um Recht oder Unrecht, sondern allein um die Liebe. Die Liebe, die fern ist vom Rechtsdenken, fern vom Kalkül. Was mein ist, ist dein, das beste Kleid deshalb, den Ring, das Mastkalb für alle gemeinsam.
Der ältere Bruder, er hinkt ein wenig nach, er ist immer noch gefangen in diesem "Gib und Mach", wir können nur hoffend erahnen, dass er ebenso aus diesem Teufelskreis herausfindet, um dann doch noch mitzufeiern.

Sicherlich, die Fastenzeit ruft uns zur Umkehr, zum Neuanfang, zum Sich-auf-den-Weg-erneut-machen, ruft zur Hinwendung zu Gott, der mit Langmut, Barmherzigkeit, Liebe und Milde auf uns wartet. Jedoch - und das kann uns das Gleichnis ebenso sagen - unser Gottesverhältnis kann nur stimmig sein, wenn unser Verhältnis zum Mitmenschen stimmt. Wie wollen wir Gott lieben, den wir nicht sehen, wenn wir nicht unseren Bruder - unsere Schwester lieben, die wir sehen (cf. 1Joh 4,20). Der Weg zu Gott, er führt über den Mitmenschen allein, denn was immer ihr einem der Geringsten neben euch getan habt, das habt ihr mir getan (cf. Mt 25,31-40).
Eintracht, Verständnis, das gegenseitige Sich-annehmen, das Aufeinander-angewiesen-sein, es fällt bisweilen schwer. Und doch können wir uns nur ertragen, miteinander leben, einander zum Segen werden, wenn einer des anderen Last trägt, wenn wir uns bemühen, so gut es geht, einer Gesinnung zu sein, wenn wir verzeihen, wenn wir uns mitteilen, unsere Talente und Substanzen teilen, wenn wir an uns halten, wenn wir nicht vorschnell urteilen und auch uns in Geduld miteinander und mit einem selbst üben (cf. Röm 12,9-21; 15,1-7). Dann sind wir auf dem Weg eines Sinnes zu werden. Nicht vielleicht in einer unmittelbaren Atmosphäre und Welle der Sympathie, aber mindestens in einer Atmosphäre des Eines-Sinnes-seins in christlicher Geduld, wo einer des anderen Last barmherzig mitträgt (cf. Gal 6,1-5).

Und übrigens: wir nennen das Gleichnis oftmals das Gleichnis vom barmherzigen Vater. Das Wort Barmherzigkeit meint hebräisch den Mutterschoß. Wenn von Gott gesagt wird, er sei barmherzig, dann schwingt dabei mit das Bild der Mutter, in deren Schoß wir geborgen sind. Am Anfang des Lebens steht die Geborgenheit, unter dem Herzen wird man getragen, unter dem Herzen sind wir getragen von Gott, dort wächst Glück, dort kann Leben gedeihen, wenn wir uns aufmachen und zum Segen werden füreinander, füreinander da zu sein, den Weg zu gehen, den Weg der Liebe, wo am Ende Leben allein menschenwürdig ist.

Tagestexte: L1: Jos 5,9a.10-12 2 ; L2: Kor 5,17-21 ; Ev: Lk 15,1-3.11-32











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Weingärtner 
Monika Lillig predigt zur Lesung des 3. Fastensonntags im Jahreskreis (Lesejahr C), am 10./11. Mrz. 2007:

"Gottes Name - Gottes Zusage"

Liebe Gemeinde!
Viele kennen die Versuche, Namen von ihren ursprünglichen Bedeutungen her zu übersetzen, so heißt "Felix - der Glückliche", "Isabel - die Schöne", "Peter - der Fels". Der Name Johanna z.B. erinnert daran, dass Gott gnädig ist. Jeder Name lässt sich deuten und übersetzen. Auch Gott hat Namen. Einen Namen haben wir in der heutigen Lesung aus dem Buch Exodus erfahren.
Die Erzählung aus dem Alten Testament berichtet von der Berufung des Mose und seiner Begegnung mit Gott.
In der Geschichte weidet Mose die Viehherde seines Schwiegervaters Jitro und kommt dabei zum Gottesberg Horeb. Dort wird er von einem brennenden Dornbusch angelockt. Als er sich dem unvorstellbaren Naturschauspiel nähert, ruft Gott ihn zunächst mit dessen Namen an: "Mose", d.h. übersetzt "Gott hat ihn geboren". Anschließend offenbart sich Gott dann selbst: "Ich bin Jahwe, der Gott deines Vaters, der Gott Abrahams, der Gott Isaaks und der Gott Jakobs." "Jahwe", das heißt "Ich-bin-da" - Warum eigentlich gerade dieser Name? Wir kennen verschiedene Namen für Gott: Elohim, Jehova, Adonai, Theos, Herr oder auch Vater. Warum also ausgerechnet dieser Name? Was will Gott Mose und uns mit dem Namen "Ich-bin-da" sagen?
Gott begegnet in Form des brennenden Dornbuschs, der aber nicht verbrennt, dem Mose und damit auch den Menschen und Generationen danach. Gottes Selbstoffenbarung geht sogar so weit, dass er ein Stück seines Wesens, ein Stück von sich selbst mitteilt, seinen Namen. Schon die alten Römer sagten: "Nomen est omen". Dieser Ausspruch meint, dass der Name eines Menschen etwas über den Charakter dessen aussagt.
"Ich-bin-da" - das klingt zunächst umständlich. Gott gibt aber durch diese Offenbarung seines Namens sein innerstes Wesen preis und zeigt sich so, wie er ist: Gott ist da für sein Volk, er verlässt es nicht, er hält ihm die Treue und er geht mit den Menschen durch die Zeit. Gott steht seinem Volk zur Seite. Der Name "Ich-bin-da" ist eine bedingungslose Zusage: Ich, dein Gott, werde da sein, als der ich da sein werde, denn ich bin der "Ich-bin-da".
Das ist das Gottesbild des Alten Testaments. Wir haben darüber hinaus Zugang zu Gott über Jesus Christus. Gottes Aussage "Ich-bin-da" bleibt endlos durch die Zeit bestehen. Ihr Inhalt erscheint im Neuen Testament in der Person des mensch- und fleischgewordenen Jesus Christus. In ihm offenbart Gott sein Wesen noch tiefer. Jesus wird als Immanuel bezeichnet, als der "Gott-mit-uns". An der Person des Jesus und an seinem Verhalten wird Gott für uns erfahrbar - in allen Lebenslagen, in Freud und Leid. So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat (vgl. Joh 3,16).

"Ich-bin-da":
  • Ist diese Aussage auch heute noch relevant im Zeitalter der Technik und des Fortschritts?
  • Ist Gott nicht überflüssig?
  • Ist Gottes Gegenwart überhaupt erwünscht - heutzutage, wo der Mensch sich gerne in vielen Bereichen seines Lebens als Herrscher über Leben und Tod sehen würde und sieht?
  • Stößt der Mensch mit seinem vermeintlich unbezwingbaren Fortschritt nicht aber auch an seine Grenzen?
Gerade in Situationen des Leides, der Ausweglosigkeit, der Verlassenheit und letztendlich des Todes spürt der Mensch trotz der fortschreitenden technischen Möglichkeiten heute mehr denn je seine Begrenztheit und Schwäche.
"Ich bin da" - Hoffnung in der Ohnmacht,
"Ich bin da" - Lichtblick in der Verlassenheit,
"Ich bin da" - Zuflucht in der Einsamkeit,
"Ich bin da" - Rettung aus Todesangst!

"Ich bin da" - Gottes Name - Gottes Zusage - jetzt und alle Zeit.

Amen

Tagestexte: Ex, 3,1-8a.13-15 / 1 Kor 10, 1-6.10-12 / Lk 13, 1-9






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Am 2. Fastensonntags hörten wir den Fastenhirtenbrief des Erzbischofs und Apostolischen Administrators von München und Freising, Friedrich Kardinal Wetter













 
Netze auswerfen 
Pfarrer Franz Muck predigt zum Evangelium des 1. Fastensonntags im Jahreskreis (Lesejahr C), am 24./25. Feb. 2007:

"Versuchungen"

Liebe Schwestern und Brüder,
"Ganz Paris träumt von der Liebe!" Keine Angst, ich weiß, Fasching ist vorbei und ich weiß, es ist kein Kirchenlied. "Ganz Paris träumt von der Liebe" mit diesem Satz hat das "Wort zum Sonntag" begonnen, nachdem im Januar dieses Jahres in Frankreich Abbe Pierre verstorben war. Er hatte sich mit seinem Einsatz für die Ärmsten der Armen nicht nur in Paris Gehör verschafft. Er wurde in einer Pressemitteilung als bekanntester Franzose bezeichnet. Sein Werk lebt weiter in der Organisation Emmaus, die sich um Menschen kümmert, die auf der Straße leben. Was er geschaffen hat, das darf nicht im Sande verlaufen. Nicht sterben darf die Liebe im Sinne von Abbe Pierre in Paris und nicht sterben darf die Liebe in der Welt. Wir in St. Ulrich singen von dieser Liebe immer dann, wenn wir unser Jahresmotto "ubi caritas et amor deus ibi est" anstimmen, so wie wir es heute nach jeder Fürbitte tun werden.

Wo ist die Liebe? Wo ist sie denn in unserem Leben? Als Christen fragen wir uns dies öfters und in der Fastenzeit besonders oft. Treffend führt uns das Evangelium des heutigen ersten Fastensonntags in die Mitte von Fragen, die zu unserem Jahresmotto passen. Wo ist die Liebe durch Versuchungen gefährdet?

Als Erstes steht die Versuchung, immer "satt sein zu wollen". Ich denke vor allem an das "Satt sein wollen" im übertragenen Sinn. Wo investiere ich Liebe in meinem manchmal ungestümen Streben satt zu sein, in meinem Suchen Bedürfnisse und Wünsche zu erfüllen. Wir gehen soweit, dass wir manchmal denken, auch Unmögliches müsste manchmal gehen. Warum soll nicht auch mal in meinem Leben aus Steinen Brot werden? Warum kann sich nicht mal auch bei mir was ganz Außergewöhnliches ereignen? Mit dieser Haltung gehen wir doch zuweilen an Dinge des Alltags heran. Vorstellungen und Wirklichkeit fallen dann leicht auseinander. Schnell sind wir im Alltag bei der Frage: was bringt es mir denn? Erst beim zweiten Nachdenken, wenn wir über den Tellerrand hinausschauen, fragen wir, was bringt es dem Anderen, was bringt es meinem Nächsten?

Den Blick dafür öffnet der Satz aus dem Evangelium: "Der Mensch lebt nicht vom Brot allein." Seit Aschermittwoch bedenken wir als Christen vielleicht ernsthafter als sonst, was es zum Beispiel heißt, Verzicht zu üben. Das Leben gelingt nicht nur dort, wo alle Bedürfnisse befriedigt werden, sondern es wird uns bewusst, Leben braucht auch Verzicht. Es geht um den freiwilligen Verzicht, um nicht abhängig zu werden. Verzicht nicht dort, wo er sein muss, nein freiwillig. Freiwillig auf Gewohntes und Vertrautes zu verzichten und das nicht, um etwas madig zu machen, sondern um seinen Wert zu erkennen und seine innere Freiheit zu bewahren. Schön hat dies am Aschermittwoch beim Familiengottesdienst ein Kind ausgedrückt in einer selbst formulierten Fürbitte: "Herr, hilf mir, dass ich die Süßigkeitenschublade in der nächsten Zeit einfach einmal zulasse."
Auf die erste Seite unseres Kirchenzettels habe ich drei Versuchungen unserer Tage schreiben lassen: das Sattwerden, Machthaben und bedient werden wollen. Es sind Ableitungen aus den Versuchungen, von denen wir im Evangelium gehört haben.
Nach der Versuchung, nicht genug zu bekommen nun die zweite Versuchung "Machthaben wollen". An dieser Versuchung leiden viele in der Welt. Wo erleben wir nicht immer wieder, dass jemand seine eigene Macht steigern möchte. Dies geschieht in der Regel nicht in plumper Form. Oft treffen wir auf eine raffinierte Verschleierungstaktik, der wir uns auch selbst oft nicht entziehen können. Wir reden dann von Selbstverwirklichung oder vom Recht auf entsprechende Ehrerbietung. Worte wie: "Das kann man doch mit Recht erwarten", oder "so kann es doch nicht gehen, dass der mich ganz beiseite schiebt, mich nicht sieht oder übergeht." Die Palette ist zuweilen recht groß, sogar das Krankenbett kann dann mal zum Feldherrnhügel werden. Dabei können wir beide Rollen nacheinander innehaben, die des Pflegenden und die des gepflegt werden Wollenden. Hier wird dann Hilfsbedürftigkeit zur Verschleierung von Macht. Machtstreben kennen wir aus vielen Bereichen. Sie ist auch in kirchlichen Kreisen durchaus zu Hause, von der gesellschaftlichen und politischen Ebene ganz zu schweigen. Die Zurückweisung Jesu im heutigen Evangelium passt auf alle Formen der Versuchung Macht zu missbrauchen. Die Antwort Jesu im heutigen Evangelium gilt für alle Zeit: "Deinem Gott allein sollst du dienen." Das ist der Gegenpol zum Machthaben.
Als dritte Versuchung unserer Tage steht auf dem Kirchenzettel nach Sattsein und Machthaben "bedient werden wollen". Im Evangeliumstext heißt es: "Sie werden dich auf Händen tragen, damit dein Fuß nicht an einen Stein stößt" zuvor heißt es, "wenn du Gottes Sohn bist".
Diese Versuchung will Gott vereinnahmen, um das eigene Selbstwertgefühl zu stärken. Man könnte nun fragen, warum darf sich sogar im Bereich des Glaubens der Teufel als Versucher tummeln? Weil Gott uns sein Reich als Einladung anbietet. Es ist klar, Gott lädt uns ein, Gott zitiert uns nicht! In dieser Freiheit dürfen wir unser gesamtes Leben gestalten und wir können die Einladung ernsthaft annehmen. Im Reich Gottes gibt es nur Freie und Freiwillige. Würden wir keine Wahlmöglichkeit besitzen, so sagt Ehrenfried Schulz, so wäre der Himmel nur ein "Gefängnis von Guten". Die Versuchung Gott für die eigenen Zwecke zu missbrauchen bleibt, für jeden Einzelnen, für die Gemeinschaft und für Völker. Wie oft berufen wir uns auf Gott und haben eigene Interessen im Hintergrund. Wie viele Kriege wurden geführt, angeblich im Namen Gottes. Ich denke an Kreuzzüge, an den Nordirlandkonflikt, an Religionskriege in vielen Ländern. Diese Versuchung ist offensichtlich in jeder Religion lebendig, der eine verteufelt den andern, ein Volk führt Krieg mit dem anderen und setzt dann Gott zum eigenen Richter ein. Die Gegenseite wird verteufelt, verurteilt und es kann sein, dass die Behauptung im Raume steht, es geschehe alles im Namen Gottes. Bei diesen Haltungen wird deutlich, der Mensch möchte im Mittelpunkt stehen und er möchte bedient werden.
Wir haben drei Arten von Versuchungen näher betrachtet. Wie tiefgreifend diese Thematik ist, deutet auch die Tatsache an, dass diese Bitten Eingang in das Vaterunser gefunden hat, wenn wir dort beten "und führe uns nicht in Versuchung". Wir schließen das Gebet ab mit "Dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit" und wir können hinzufügen "dein ist die Liebe".

Hier schließt sich der Kreis. Wir träumen nicht nur von der Liebe in Paris, in St. Ulrich oder irgendwo in der Welt. Wir dürfen sie erleben, tagtäglich von Gott geschenkt. Lassen wir in der Fastenzeit unser Jahresmotto besonders deutlich werden durch unser Zutun. Denn wir werden noch tiefer erfahren dürfen: "Wo die Liebe ist, da ist Gott".
Amen

Tagesevangelium: Lukas 4, 1-13






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Netze auswerfen 
Pfarrer Franz Muck predigt, zum Evangelium des 5. Sonntags im Jahreskreis (Lesejahr C), am 4. Feb. 2007:

"Auf dein Wort hin"

Liebe Schwestern und Brüder,
hier habe ich eine Tageszeitung von diesem Wochenende mit Stellenanzeigen. Gesucht werden Menschen mit verschiedenen Fähigkeiten für unterschiedlichste Aufgaben.
Da geht es einerseits um verschiedene Anforderungen, z. B. Fremdsprachenkenntnisse, Berufserfahrung, Kontaktfreudigkeit usw. Und da werden andererseits natürlich auch zugesichert: Gutes Gehalt, interessanter Arbeitsplatz, angenehmes Arbeitsklima.

Das heutige Evangelium spricht auch von einer Art Stellenvergabe. Jesus bietet diese Stellen an. Petrus und die beiden Brüder Jakobus und Johannes sind an diesem Angebot interessiert. Wohlgemerkt, dieses Angebot geht nicht an Arbeitslose oder Arbeitssuchende.
Am See Genezareth Fischer zu sein, ist ein Beruf, der offensichtlich eine Familie ernähren kann. Vor allem dann, wenn die Fischer tüchtig sind. Diese Fischer, wird uns berichtet, sind tüchtig. Sie haben die ganze Nacht gearbeitet, allerdings ohne Erfolg, aber sie sind ordentlich und fleißig. Über den Misserfolg in dieser Nacht sind sie offensichtlich nicht verärgert, denn sie waschen ihre Netze, um wieder neu ans Werk gehen zu können, wenn es Zeit ist. Sie sind auch hilfsbereit, sie lassen Jesus ins Boot steigen und fahren ein Stück vom Land weg, so wie er es wünscht. Jesus predigt vom See aus. Leider erfahren wir an dieser Stelle nicht, was er sagt. Es heißt, sofort, als er seine Rede beendet hat, bittet er Petrus, fahr noch weiter hinaus.

Hier beginnt es spannend zu werden.
Die fitten Fischer werden von einem Nichtfischer beauftragt, etwas zu tun, was sie selber als Unsinn einschätzen. Vorsichtig sagen sie: "Nachts geht man zum Fischen. Wir haben dies getan, wir hatten heute keinen Erfolg. Und jetzt sagst du, wir sollen zu einer unpassenden Zeit fischen."
In der Stellenausschreibung, die Jesus gleichsam aufgibt, stehen andere Erwartungen und Bedingungen und auch andere Zusicherungen. Erste Bedingung, gleichsam die Voraussetzung, ist - das erwartet Jesus von seinen Jüngern und auch von uns - dass wir auf ihn hören. Dass die Apostel auf ihn hören, steht im heutigen Text des Evangeliums so übersetzt "doch wenn du es sagst". Andere Übersetzungen dieser Stelle drücken die Bereitschaft der Apostel deutlicher aus, auf die Ausschreibung Jesu einzugehen. Es heißt dort: "Auf dein Wort hin".

Diese mitten im Leben stehenden Fischer, die mit ihrer Hände Arbeit für andere sorgen, erkennen: Es gibt für unser Handeln noch einen viel tieferen Sinn, wenn wir uns auf Jesus einlassen, der uns in seinem Stellenangebot zusichert, wir brauchen für die Zukunft keine Angst zu haben. Es geht bei Jesu Angebot um etwas ganz Neues. Im Vers 10 des Evangeliums sagt er zu Simon: "Fürchte dich nicht, von jetzt an wirst du Menschen fangen." Und der letzte Satz des Evangeliums macht uns deutlich, es kommt gleichsam zu einem Vertragsabschluss, denn das Evangelium endet mit der Feststellung: Sie zogen die Boote ans Land, sie ließen alles zurück und sie folgten ihm nach.

Ich kann gut verstehen, wenn jemand sagt, das war doch gewagt, alles liegen und stehen zu lassen und ihm nachzufolgen. Andererseits haben sie erlebt, dass er etwas für sie als Fischer nicht Verständliches hat tun lassen, nämlich bei Tag zu fischen . Sie mussten feststellen, wir haben Erfolg, wenn wir Jesus nachfolgen. Es passiert etwas total Unerwartetes. Dieses Unerwartete hat dann noch ein Ausmaß, das über das Normale und Gewohnte hinausgeht. Sie stellen fest, es lohnt sich, Jesus zu folgen.
Und noch etwas ganz anderes können wir aus der heutigen Erzählung des Evangeliums herauslesen. Es besteht offensichtlich eine Grundsatzentscheidung Jesu, die da heißt, ich will es nicht alleine machen. Er nimmt Menschen hinein in seine Sendung, er sucht Gefährtinnen und Gefährten. Wie wir aus den Berichten des Lukasevangeliums öfters in diesem Jahr hören werden, sind ihm viele nachgefolgt und haben so mit ihm gelebt, als wären sie eine große Familie. Aus dieser Familie hat sich die Urgemeinde nach dem Tod Jesu entwickelt und daraus entstand die Kirche. Die Kirche hat immer dann Blütezeiten erlebt, wenn die Christen im Glauben und in der Nächstenliebe zueinander standen und einander und anderen halfen. Werfen wir noch einen kurzen Blick auf uns hier in der Pfarrei St. Ulrich. Diese Stelle aus der Heiligen Schrift passt hervorragend zum Dankeschönabend für Ehrenamtliche, den wir vergangenen Donnerstag begangen haben. Viele von denen, die sich ehrenamtlich bei uns betätigen, können sagen, wir haben auch sonst viel zu tun, in der Familie, in der Wohnung oder im Haus, an ihrer Arbeitsstelle, bei der Pflege oder Sorge um altgewordene Eltern und Verwandte, doch ich engagiere mich auch in der Kirche, in der Pfarrgemeinde. Das Motiv hat letztlich auch seinen Ursprung in dem Satz des Evangeliums von heute: "Auf dein Wort hin." Ich bin sicher, wenn's einer oder einem mal zu viel wird, hilft dieser Bezug. Dieser Bezug hilft auch allen, die mit großem Interesse das Pfarrleben begleiten und gerade durch ihr Beten und Mitfeiern die Gemeinde mit aufbauen. Alle gehören zu St. Ulrich. Wir sind von Jesus Christus Geladene. Stellenangebote ganz im Sinne Jesu sind zum Beispiel: Auf ihn hören., sein eigenes Leben ins Gebet nehmen und sein Leben zum Gebet machen, seinen Alltag in Schule, Familie und Arbeitsplatz, kurz im ganzen Alltag, aus christlicher Grundhaltung heraus gestalten.

Die Zusicherungen, die Jesus gibt sind: Ich bin bei euch alle Tage, ich schenke euch meine Kraft, auch in Tagen der Not, Krankheit und Einsamkeit, ich schenke euch ein erfülltes Leben.
Amen

Tagesevangelium: Lukas 5,1-11






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Pfarrer Muck predigt zum Requiem für Dr. Wilhelm Müller
am 11.Jan.07 in St. Ulrich
 


Evangelium: Lk 11, 1-13: Jesus betete einmal an einem Ort; und als er das Gebet beendet hatte, sagte einer seiner Jünger zu ihm: Herr, lehre uns beten, wie schon Johannes seine Jünger beten gelehrt hat. Da sagte er zu ihnen: Wenn ihr betet, so sprecht: Vater, dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen. Und erlass uns unsere Sünden; denn auch wir erlassen jedem, was er uns schuldig ist. Und führe uns nicht in Versuchung. Dann sagte er zu ihnen: Wenn einer von euch einen Freund hat und um Mitternacht zu ihm geht und sagt: Freund, leih mir drei Brote; denn einer meiner Freunde, der auf Reisen ist, ist zu mir gekommen, und ich habe ihm nichts anzubieten!, wird dann etwa der Mann drinnen antworten: Lass mich in Ruhe, die Tür ist schon verschlossen, und meine Kinder schlafen bei mir; ich kann nicht aufstehen und dir etwas geben? Ich sage euch: Wenn er schon nicht deswegen aufsteht und ihm seine Bitte erfüllt, weil er sein Freund ist, so wird er doch wegen seiner Zudringlichkeit aufstehen und ihm geben, was er braucht. Darum sage ich euch; Bittet, dann wird euch gegeben; sucht, dann werdet ihr finden; klopft an, dann wird euch geöffnet; wer sucht, der findet; und wer anklopft, dem wird geöffnet. Oder ist unter euch ein Vater, der seinem Sohn eine Schlange gibt, wenn er um einen Fisch bittet, oder einen Skorpion, wenn er um ein Ei bittet? Wenn nun schon ihr, die ihr böse seid, euren Kindern gebt, was gut ist, wie viel mehr wird der Vater im Himmel den Heiligen Geist denen geben, die ihn bitten.

Liebe Frau Müller, Gattin des Verstorbenen, liebe Frau Krebbers, Schwester des Verstorbenen mit allen Angehörigen, liebe Schwestern und Brüder,

ich bin mir sicher, das, was über das Leben des Verstorbenen zu sagen wäre, kann ich in dieser Ansprache nicht annähernd in Worte fassen. Zu vielfältig, zu weit verbreitet in räumlicher und ideeller Weise war sein Leben. Seine Kontakte in unterschiedliche Wirkungsbereiche waren immer von besonderer Art. Schon wenn ich die Orte aufzähle, werden ein Stück Unruhe und ein Stück Vielfalt deutlich, die sein Leben durchzogen haben. In Krefeld Uerdingen geboren und aufgewachsen, hat er in Bonn studiert und sich für die Laufbahn eines Forschers im Bereich Atomphysik und Chemie entschieden. Für die verschiedenen Wirkungsstätten nenne ich für Belgien nur Brüssel, für Frankreich nur Paris, für Deutschland nur München. Überall war seine Tätigkeit davon geprägt, etwas zu ergründen, etwas zu erforschen, etwas nachzuweisen. Nur, sich mit dem Erreichten zufrieden zu geben, das war für ihn selten möglich.

Ich kann mir aus den Erzählungen von ihm selber und von anderen vorstellen, dass er ein unruhiger Geist war, beruflich und auch in seiner Lebenshaltung und seiner Lebens-philosophie. Tieferen Zusammenhängen nachgehen, bei etwas nach einem tieferen Grund suchen, mit dem Gefundenen nicht zufrieden sein, haben ihn wohl auch über die Jahre hin in seiner religiösen Grundhaltung geprägt. Ob er über seine wissenschaftlichen Betätigungen und Forschungen zu religiösen Fragestellungen gekommen ist, weiß ich nicht, ich kann es mir aber durchaus vorstellen. Anders als viele Wissenschaftler und Forscher sonst hat er zum Glauben gefunden. Diesen Glauben hat er auch auf seine oft sehr eigene Art gelebt. Am religiösen Leben einer Gemeinde hat er mal so mal so teilgenommen, kritisch, zuweilen ausgrenzend und ausgegrenzt.

Wenn ich mit dieser Einschätzung Recht habe, dann habe ich wohl eine passende Stelle aus der Heiligen Schrift ausgewählt, die Herr Diakon Wirth eben aus dem Lukasevangelium vorgetragen hat. An dieser Stelle möchte ich Herrn Diakon Wirth als Präses des Kolpingvereins Oberschleißheim vorstellen. Er kam, weil Dr. Müller Kolpingmitglied war. Deshalb sehen Sie hier auch die Vereinsfahne. Zurück zum Evangelium: dort hat es im 9.Vers geheißen, sucht, dann werdet ihr finden, klopft an, dann wird euch geöffnet. Natürlich ist diese Stelle in Verbindung gesetzt mit dem Gebet des Vater unser und mit der Tatsache, dass wir uns in unserem Suchen und Anklopfen als Christen an Gott wenden dürfen. Dies hat der Verstorbene oft getan, im Gebet, im Gottesdienst, in Gesprächen.

Diese Grundhaltung des Suchens und Anklopfens war ihm wohl auf den Leib geschrieben.
Wie er im Beruf an Versuchen, auch Monate und Jahre, daran geblieben ist, wie er Wege der Forschung als falsch hat einschätzen müssen, so hat er dies wohl auch in seiner kirchlichen und religiösen Haltung gelegentlich erleben müssen. Er hat um kirchliche Positionen gekämpft und sich zur rechten Zeit gewehrt, wenn er in seiner Meinung als nicht richtig liegend eingestuft wurde. Nachgeben war nicht das Seine, wohl aber blieb er ein Suchender und Anklopfender und hat auch das erfahren, was im Evangelium heute steht, wer sucht, der findet, wer anklopft, dem wird geöffnet.

Wer bei ihm angeklopft hat und um finanzielle Unterstützung gebeten hat, dem hat er geholfen, je weiter weg, desto eher. Für sich selbst und seine Frau, die seit Jahrzehnten gesundheitlich sehr angeschlagen ist, war er bescheiden. Um seine Frau hat er sich immer sehr gekümmert. Viele Menschen in Not, hier in Europa und in der Dritten Welt hat er finanziell unterstützt. Er musste nicht erst, wie der Mann im Evangelium heute, bedrängt werden, Gutes zu tun, er musste nicht erst aufgeweckt werden, wie es das Beispiel in der Heiligen Schrift erzählt, sondern er hat gerne Spenden gegeben, mit heutigen Worten ausgedrückt, Daueraufträge an Hilfsorganisationen unterschrieben. Ihm waren die großen Spannungen, die in der Welt sind, bewusst. Er konnte mit den letzten Sätzen des Evangeliums durchaus leben, wenn es dort heißt, dass die Welt böse sein kann, dass sie aber von denen, die sich vom Heiligen Geist leiten lassen, auf einen guten Weg geführt werden kann.

Vom letzten Satz des Evangeliums zurück zum Anfang, da uns das Gebet des Herrn, das Vater unser gelehrt wird. Dieses Vater unser und viele andere Gebete hat der Verstorbene als Richtschnur für sein Leben gefunden, bis hinein in seine letzten Tage und Wochen. Dies konnten alle die erfahren, die mit ihm am Krankenbett gebetet oder gesungen haben, dass er gottergeben sein Leben in die Hände seines Schöpfers zurückgegeben hat. Vielleicht hat dies ihm auch das Sterben letztlich leicht gemacht. Jedenfalls hatten ich und andere, die ihn in Freising und in Markt Indersdorf in der Klinik, wo er auch verstarb, besucht haben, diesen Eindruck. Gestärkt mit dem Sakrament der Krankensalbung ist er friedlich gestorben. Er möge nach einer Zeit des Suchens und Klopfens in Frieden ruhen.
Amen







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Pfarrer Muck predigt zum Jahresmotto "Wo die Liebe ist, da ist Gott."
in St. Ulrich am Wochenende des 1. Adventsonntags 2./ 3. Dezember 06
 


"Wo die Liebe ist, da ist Gott."

Liebe Schwestern und Brüder!


„Wo die Liebe ist, da ist Gott.“ Das haben wir in der Pfarrei St. Ulrich als Motto für das neue Kirchenjahr gewählt. Es wird uns begleiten: den Einzelnen, wenn er in Stille nachsinnt, was das für ihn bedeutet „Wo die Liebe ist, da ist Gott.“; für die Gemeinde wenn wir z.B. wie heute nach der ersten Lesung singen “ubi caritas et amor, deus ibi est.“ In diesem Lied wird Liebe mit zwei Wörtern ausgedrückt: mit caritas und mit amor. Das Wort Caritas erinnert uns natürlich an die Enzyklika Papst Benedikt XVI, mit dem Titel „ Deus caritas est“, Gott ist die Liebe. Bei der Suche nach einem Motto für St. Ulrich stand dieser Titel natürlich Pate.

Der Heilige Vater schreibt gleich im ersten Teil „die Liebe Gottes zu uns ist eine Grundfrage des Lebens und wirft entscheidende Fragen danach auf, wer Gott ist und wer wir selber sind“. Mit Recht spricht er dann davon, dass das Wort Liebe heute zu einem der meistgebrauchten und auch missbrauchten Wörtern geworden ist, mit dem wir völlig verschiedene Bedeutungen verbinden. Jetzt nicht Zeit und Raum gegeben, um alle Bereiche zu erörtern.
Ich kann nur einige Facetten andeuten, z.B.
  • die Liebe zwischen Mann und Frau,
  • die Liebe zwischen Eltern und ihren Kindern,
  • die Liebe zum Mitmenschen, ob er nah oder fern ist,
  • die Liebe zu Gott, eine Liebe, die jedes menschliche Handeln durchdringen möchte.
Mit der Vielschichtigkeit des Wortes Liebe befasst sich auch die Enzyklika des Papstes und erwähnt drei Begriffe für Liebe nämlich Eros, Agape und Caritas. Wenn wir diese Begriffe im Einzelnen uns näher ansehen, wird die Vielfalt deutlich, zu der uns unser Jahresmotto führen kann.


Da steht für Liebe das Wort Eros.
Schon die Griechen haben das Wort Eros auf die Liebe zwischen Frau und Mann bezogen. Eros, eine Liebe, die nicht aus dem Denken und Wollen kommt, sondern den Menschen gleichsam übermächtigt. Damit tat sich die Kirche über lange Jahre hinweg sehr schwer und dem Christentum wurde in der Vergangenheit vielfach, oft mit Recht, Leibfeindlichkeit vorgeworfen. Diese Leibfeindlichkeit nennt auch die Enzyklika und es steht dann dort zu lesen „wenn der Mensch nur Geist sein will und den Leib sozusagen als bloß animalisches Erbe abtun möchte, verlieren Geist und Leib ihre Würde.“

Da steht für Liebe das Wort Agape.
Wir sind in diesem Jahr auch eingeladen, über Liebe nachzusinnen, wenn wir diese mit dem Wort Agape übersetzen und damit kurz gesagt die schenkende Liebe meinen. Zu leicht wurde in der Kirche die schenkende Liebe, die Agape, in den Vordergrund gestellt. Jedem wird immer wieder die Tatsache begegnen, dass jeder der Liebe schenken will, auch selbst mit Liebe beschenkt werden muss. Den hohen Anspruch dieser Liebe drückt der Papst in „Deus est Caritas“ so aus „Im Gegensatz zu der noch suchenden Liebe ist im Wort Agape die Erfahrung der Liebe ausgedrückt, die nun wirklich Entdeckung des anderen ist. Liebe wird nun zur Sorge um den andern und für den andern.“ Und kurz darauf heißt es dann „Die Liebe umfasst das Ganze der Existenz. Liebe zielt auf Ewigkeit. Liebe ist Ekstase, ist Freigabe des Ich, Hingabe und Findung Gottes“.

Da steht für Liebe das Wort Caritas.
Papst Benedikt XVI stellt neben das Wort „deus“ das Wort „caritas“. In diesem Wort „caritas“ sieht er im Hintergrund das Schriftwort, das von der Liebe zu Gott spricht und von der Liebe zum Nächsten, die sich an der Liebe zu sich selbst orientiert. In diesem Liebesgebot liegt die tiefste Begründung für unser Christ sein.

Ich möchte einen anderen Aspekt herausgreifen, den wir mit dem Wort Caritas oft verbinden. Das Wort Caritas hat nicht nur in Deutschland, sondern in vielen Teilen der Welt die Bedeutung gefunden, die mit professioneller Hilfe zu Menschen in Not gemeint ist. Vom Caritasverband angefangen bis hin zu Caritas-International. Wir in St. Ulrich haben ja die Caritas-Sozialstation direkt in der Pfarrei angesiedelt und wir alle spüren, wie sehr Caritas-Sammlungen – hier sei den Sammlerinnen und Sammlern eigens gedankt – den Menschen nah und fern aus materieller Not heraus hilft. In diesem Zusammenhang macht ein Satz Mut, den es auch auf Spruchkarten gibt, der unter anderem sagt:
  • Gott hat keine anderen Hände als deine Hände,
  • Gott hat keine anderen Füße als deine Füße,
  • Gott hat keine andere Stimme als deine Stimme,
  • Gott hat kein anderes Herz als dein Herz.
Gerade mit Herz verbinden wir die Mitte unseres Menschseins mit Liebe. Dass es viele Menschen gibt, die das in ihrem Alltag nicht erleben dürfen, haben wir Hauptamtlichen von St. Ulrich im Leitartikel der „Brücke“, dem neuen Pfarrbrief für die Advent und Weihnachtszeit, der in diesen Tagen in ihren Briefkästen gelandet ist, geschrieben. Ich darf daraus einige Zeilen zitieren:
„Wo die Liebe ist da ist Gott, diesem Satz werden wohl die meisten Menschen auf Anhieb zustimmen. Erst recht, wen sie in ihrem eigenen Leben die Kälte einer lieblosen und damit letztlich gottlosen Welt schon einmal erfahren haben. Wenn ihnen gekündigt wurde, obwohl das Unternehmen hohe Gewinne erzielt. Wenn die eigene Lebensleistung sich am Ende des Lebens nicht auszahlt und die Rente nur für das Allernötigste reicht. Wenn der Kinderreichtum eine Familie an die Grenzen ihrer finanziellen Möglichkeiten bringt. Wenn sie als ausländische Mitbürgerinnen und Mitbürger als Menschen zweiter Klasse behandelt werden. Immer wieder erleben Menschen eine lieblose, kalte Welt. Immer wieder fühlen sich Menschen in dieser Welt verloren.“
„Wo die Liebe ist, da ist Gott.“ Dieses Motto ermuntert uns und will uns stärken, dass wir alles tun, damit diese oft lieblose und kalte Welt nicht so bleibt, vor allem auch nicht in unserer unmittelbaren Umgebung.

Heute in der zweiten Lesung spricht der Apostel Paulus einen Wunsch aus, der auch uns gilt: „Damit euer Herz gefestigt wird.“ Wir können auch sagen, damit unsere Liebe gefestigt wird. Paulus lädt gleichsam zum Handeln ein, wenn er in der Lesung weiter schreibt „der Herr lasse euch wachsen und reich werden in Liebe zueinander und zu allen“. Ist dies nicht eine Einladung sich unser Jahresmotto zu Herzen zu nehmen?
Amen


1. Adventsonntag im Lesejahr C
1.Les:Jer.33,14-16; 2.Les.1 Thess. 3,12-4,2; / Ev. Lk. 21 25-28, 28.34-36






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Ruth Huber predigte in der Christmette St. Ulrich 2006
"Fürchtet euch nicht. Denn heute ist euch der Retter geboren."

Manchmal, liebe Gemeinde, manchmal könnte einem angst und bange werden.
Da berichten die Zeitungen fast wöchentlich über Kinder, die zu Hause in unvorstellbarer Einsamkeit leben, ja geschlagen werden und verhungern.

Manchmal könnte einem angst und bange werden.
Da wird die Notsituation vieler Menschen auch in unserem Land, immer größer, können sich immer mehr immer weniger leisten, auch kein Festessen an Weihnachten und schon gar keine Geschenke, weil das Geld hinten und vorne nicht reicht.

Manchmal könnte einem angst und bange werden.
Da hört man von Menschen, die in ihrem beruflichen Dasein und wohl nicht nur dort nur auf ihren eigenen Vorteil sehen. Denen das eigene Wohl über das der Firma und der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Firma geht. Die große Gehälter haben und dennoch nie genug bekommen können.

Manchmal könnte einem angst und bange werden.

In diese Angst, in dieses bange Gefühl hinein, dann diese Botschaft, viel tausend mal in dieser heiligen Nacht in den westlichen christlichen Kirchen dieser Welt verkündet:
Fürchtet euch nicht. Denn heute ist euch der Retter geboren. Christus der Herr.

Kann diese Botschaft das bange Gefühl vertreiben? Kann es die Angst vertreiben?
Kann diese Botschaft die Welt und die Menschen die auf ihr leben verändern. Die Menschen, mit denen wir leben? Ja, kann sie uns selbst?

Ich sage ja, sie kann und ich sage mehr noch, sie hat schon verändert.
Warum ich mir da so sicher bin?
Aus mindestens drei Gründen.

Der erste Grund liegt in der Bibel.
Wie dort erzählt wird über den, dessen Geburtstag wir heute feiern. Wie dieses göttliche Kind, zum Mann geworden, durch sein Leben und Handeln zeigt, was denn eigentlich die frohe Botschaft dieser Nacht ist:
Gott selbst hat ein Gesicht bekommen, eine Stimme und fängt in dieser Welt zu handeln an. Mitten unter den Menschen und direkt an den Menschen.

Wer Erzählungen über Jesus Christus aufmerksam liest, wird feststellen, ja das sind ja Geschichten, die mit meinem Leben zu tun haben. Die habe ihre Aktualität behalten bis heute. Die eröffnen Möglichkeiten, das Leben noch einmal ganz anders zu betrachten, ja vielleicht sogar es ganz anders zu leben.

Was ich damit meine?

Nun zum Beispiel die Erzählung über diese rücksichtslosen Erwachsenen im ….?. Die selbst dem Jesus ganz nahe sein wollen. Weil sie ihm gerne zuhören, weil sie sich von ihm mehr Lebensqualität versprechen. Dabei aber sind ihnen die Kinder im Weg. Vielleicht zu lebendig. Vielleicht zu laut. Auf jeden Fall im Weg.

Jesus Christus, der menschgewordene Gott, aber macht ihnen einen Strich durch die Rechnung. Er geht über die Bedürfnisse der Erwachsenen hinweg. Er sieht die Kleinen, die an den Rand gedrängten. Die keine Chance haben zum ihm zu kommen, außer er selbst bahnt den Kindern einen Weg.
Und so sagt er Sätze, die bis heute in der Bibel überliefert werden: Lasset die Kinder zu mir kommen, denn Menschen wie ihnen gehört das Himmelreich.
Zeigt durch seine Worte: So und nicht anders begegnet der menschgewordene Gott der Unmenschlichkeit unserer Welt. So und nicht anders stellt sich Gott menschliches Handeln vor.

Es ist nicht das einzige biblische Beispiel, das aktuell geblieben ist. Da ist zum Beispiel jener Mann im Lukasevangelium, der seine Position als Zöllner dazu ausnutzte, die anderen geschäftlich über den Tisch zu ziehen. Es steht nirgends geschrieben in der Bibel, wie viele Existenzen er vernichtet hat, weil er selbst den Hals nicht voll bekam und viel zu viel Steuern verlangte. Als er, dieser unehrliche Geschäftsmann auf diesen Jesus trifft, da trifft ihn dessen Botschaft tief: Jesus Christus, der menschgewordene Gott sagt zu ihm. Heute noch will ich in deinem Haus zu Gast sein. Mit dir will ich zusammen sitzen und essen. Und zwar aus einem einzigen Grund: Weil ich weiß, dass du auch ganz anders sein kannst. Weil ich an das Gute in dir glaube. Und nach dieser Erfahrung gab Zachäus denen ihr Eigentum zurück, die er bestohlen hatte. So und nicht anders stellt sich Gott menschliches Handeln vor.

Vielen Menschen, die mit Jesus gelebt hatten, war seine Botschaft zu anstrengend, zu schwierig. Sie wandten sich ab von ihm, lächelten über ihn, um sich mit seiner Botschaft nicht wirklich auseinander setzen zu müssen, nannten ihn, so steht es in der Bibel einen Säufer und Spinner, gingen ihre eigenen Wege, ohne sich auf den Mensch gewordenen Gott wirklich einzulassen.

Manche aber ließen sich anstecken von seiner anderen Art zu leben und zu handeln. Weil sie erkannten: Es gibt keinen besseren Weg, das Leben zu leben, als den, den dieser Jesus Christus geht.
Es gibt keine menschlichere Art des Umgangs miteinander, als die, die dieser menschgewordene Gott vorlebt.
Seit mehr als 2000 Jahren ist diese Erkenntnis für viele Menschen die Richtschnur für ihr Leben.
Bis heute.

Das ist der zweite Grund, warum ich so sicher bin, dass die Botschaft von der Geburt des Retters, der Angst und Furcht vertreibt, die Welt und die Menschen verändert hat. Weil es seit seiner Geburt Abertausende von Menschen gab, die dem menschgewordenen Gott nun ihrerseits ein Gesicht, eine Stimme gaben, ihn in dieser Welt handeln ließen. Und sie taten und tun es, indem sie ihr Leben am Leben von Jesus Christus ausrichten, seinen Fußspuren folgen.


Und der dritte Grund?
Der dritte Grund sind sie, liebe Gemeinde.
Ich schaue in ihre Gesichter und ich sehe Gesichter, durch die die Liebe Gottes sichtbar wird.
Ich sehe in die Gesichter von Menschen, die Gottes Vorstellungen von einem menschlichen Miteinander eine Stimme geben, ich sehe Menschen, die ihr Handeln am Handeln von Jesus Christus ausrichten.
Gesichter von Menschen, die sich täglich, im Alltag Mühe geben, menschlich zu handeln.
Die ihren Kindern Liebe schenken, so gut es eben geht und bei vielen geht es sehr gut.
Gesichter von Menschen, die auch streiten miteinander, die aber dennoch danach versuchen, wieder aufeinander zuzugehen, sich auszusöhnen.
Gesichter von Menschen, denen die soziale Not ihrer Mitmenschen unter die Haut geht, die die einsame Nachbarin an Hl. Abend zu sich nach Hause einladen, die täglich den schwer kranken Vater pflegen.
Gesichter von Menschen, die als Arbeitgeber ehrlich mit ihren Kunden und Mitarbeitern umgehen.
Gesichter von Menschen, die ihr Herz geöffnet haben, für die Botschaft dieser Nacht. Fürchtet euch nicht, denn heute ist euch der Retter geboren.
Die Offenheit ihrer Herzen zeigt sich nicht nur daran, dass sie sich spät nachts noch auf den Weg hierher gemacht haben. Nein, die Offenheit ihrer Herzen zeigt sich daran, dass sie täglich in ihrem Leben umzusetzen suchen, was in dieser Nacht verkündet wird: Dass Gott jeden Menschen aus seiner Furcht retten will.

Das ist der dritte Grund, warum ich mir sicher bin, dass diese Botschaft die Welt verändert hat und weiter verändern wird.

Schauen sie sich ruhig auch um. Schauen sie in die Gesichter von Menschen in deren Herz die Botschaft der Engel angekommen ist: Fürchtet euch nicht, denn ich verkünde euch eine große Freude, die dem ganzen Volk zuteil werden soll: Heute ist euch in der Stadt Davids der Retter geboren, er ist der Messias, der Herr.

Muss es einem da noch angst noch bange werden?
Mir auf jeden Fall nicht.

Amen




Hier zu allen Texten der Christmette 2006






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Predigten in St. Ulrich (Verzeichnis)



Predigt am 4. Somntag im Jahreskreis, 2012-01-29, Pfarrer Muck
Predigt am 3. Somntag im Jahreskreis, 2012-01-22, Diakon Karmann
Predigt zum Fest Taufe des Herrn, 2012-01-08, Diakon Karmann
Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag Hl. Stephanus, 2011-12-26, Diakon Karmann
Predigt zur Firmung 2011, 2011-11-26, Domkapitular Wolfgang Huber
Predigt am 32. Somntag im Jahreskreis, 2011-11-06, Diakon Karmann
Predigt an Allerheiligen, 2011-11-01, Diakon Karmann
Predigt am 28. Somntag im Jahreskreis, 2011-10-09, Diakon Karmann
Predigt am 22. Somntag im Jahreskreis, 2011-08-28, Diakon Karmann
Predigt an Fronleichnam, 2011-06-23, Pfarrer Muck
Predigt am Pfingstmontag 2011, Pfarrerin Kittlaus
Predigt am Pfingstsonntag 2011, Diakon Karmann
Predigt beim Requiem Friedrich Spängler, 2011-03-18, Pfarrer Muck
Predigt am 9. Somntag im Jahreskreis, 2011-03-06, Diakon Karmann
Predigt am 7. Somntag im Jahreskreis, 2011-02-20, Pfarrer Muck
Predigt am 4. Somntag im Jahreskreis, 2011-01-30, Diakon Karmann
Predigt am 2. Somntag im Jahreskreis, 2011-01-16, Diakon Karmann
Predigt an Dreikönig (Erscheinung des Herrn), 2011-01-06, Pfarrer Muck
Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag Hl. Stephanus, 2010-12-26, Diakon Karmann
Predigt in den Christmette Weihnachten Nacht, 2010-12-24, Pfarrer Muck
Predigt am 4. Adventssonntag, 2010-12-19, Diakon Karmann
Predigt am Christkönigssonntag, 2010-11-21, Diakon Karmann
Predigt am 32. Somntag im Jahreskreis, 2010-11-07, Diakon Karmann
Predigt am 24. Somntag im Jahreskreis, 2010-09-12, Diakon Karmann
Predigt am 18. Somntag im Jahreskreis, 2010-08-01, Diakon Karmann
Predigt am 17. Somntag im Jahreskreis, 2010-07-25, Diakon Karmann
Predigt am 16. Somntag im Jahreskreis, 2010-07-18, Diakon Karmann
Predigt am Pfingstmontag, 2010-05-24, Diakon Karmann
Predigt am 5. Sonntag in der Osterzeit, 2010-05-02, Pfarrer Muck
Predigt am 4. Sonntag in der Osterzeit, 2010-04-25, Pfarrer Muck
Predigt am Ostersonntag, 2010-04-04, Diakon Karmann
Predigt in der Osternacht, 2010-04-04, Pfarrer Muck
Predigt am Gründonnerstag, 2010-03-31, Pfarrer Muck
Predigt am 3. Fastensonntag, 2010-03-07, Diakon Karmann
Predigt am 2. Fastensonntag, 2010-02-28, Pfarrer Muck
Predigt am 6. Sonntag im Jahreskreis, 2010-02-14, Diakon Karmann
Predigt am 4. Sonntag im Jahreskreis, 2010-01-31, Diakon Karmann
Predigt am 2. Sonntag im Jahreskreis, 2010-01-17, Pfarrer Muck
Predigt am Sonntag "Taufe des Herrn", 2010-01-10, Diakon Karmann
Predigt am 2. Weihnachtsfeiertag, Hl. Stephanus, 2009-12-26, Diakon Karmann
Predigt in der Christmette, 2009-12-24, Pfarrer Muck
Predigt am 4. Adventsonntag im Jahreskreis, 2009-12-20, Diakon Karmann
Predigt am 30. Sonntag im Jahreskreis, 2009-10-25, Pfarrer Muck
Predigt am 24. Sonntag im Jahreskreis, 2009-09-13, Diakon Karmann
Predigt am 12. Sonntag im Jahreskreis, 2009-06-21, Diakon Karmann
Predigt am Pfingstmontag 2009, Pfarrerin Kittlaus
Predigt am Pfingstsonntag 2009, Diakon Karmann
Predigt am Ostermontag 2009, Diakon Karmann
Predigt am Faschingssonntag 2009, PA Rita Perl
Predigt zum 5. Sonntag im Jk., Diakon Karmann
Predigt am Pfingstmontag, Pfarrer Thomas Lotz
Predigt am Stephani-Tag, PA Rita Perl
Predigt an Fronleichnam, Pfarrer Muck
Predigt an Pfingsten (deutsch), Pfarrer Muck
Predigt an Pfingsten (in english), Pfarrer Muck
Predigt an Pfingsten (en français), Pfarrer Muck
Predigt im "Gemeinsamen Gottesdienst" von Menschen mit und ohne Behinderung, Anne Kunstmann, Diözesanbeauftragte für Behindertenseelsorge
Fastenhirtenbrief 2007, verlesen am 2. Fastensonntag
Predigt am 1. Fastensonntag, Pfarrer Muck
Predigt am 3. Fastensonntag, Monika Lillig
Predigt am 4. Fastensonntag, Pater Jan Bernd
Predigt am 5. Fastensonntag, Diakon Werner Schmidt




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  Auszüge aus: Joseph Ratzinger/Benedikt XVI: Jesus von Nazareth:
Das Gleichnis vom reichen Prasser und vom armen Lazarus
(Lukas 16,19–31)


In dieser Geschichte stehen zwei einander kontrastierende Gestalten vor uns: der Reiche, der in seinem Wohlleben schwelgt, und der Arme, der nicht einmal die Brocken erhaschen kann, die die reichen Schlemmer vom Tisch werfen – nach damaliger Sitte Brotstücke, mit denen sie sich die Hände reinigten und die sie dann wegwarfen.

Als Hintergrund, der uns das Verstehen dieser Erzählung öffnet, müssen wir jene Reihe von Psalmen ansehen, in denen vor Gott die Klage des Armen aufsteigt, der im Glauben an Gott und im Gehorsam gegen seine Gebote lebt, aber nur Unglück erfährt, während die Zyniker, die Gott verachten, von Erfolg zu Erfolg gehen und alles Glück der Erde genießen. Lazarus gehört zu den Armen, deren Stimme wir zum Beispiel im Psalm 44 hören: »Du machst uns zum Spottlied der Völker; die Heiden zeigen uns nichts als Verachtung… Um deinetwillen werden wir getötet, Tag für Tag, behandelt wie Schafe, die man zum Schlachten bestimmt hat« (v. 15–23; vgl. Römer 8,36). Die frühe Weisheit Israels war davon ausgegangen, dass Gott den Gerechten belohnt und den Sünder bestraft, dass also der Sünde das Unglück und der Gerechtigkeit das Glück entspricht. Spätestens seit dem Exil war diese Weisheit in die Krise geraten. Nicht nur dass Israel als Volk im Ganzen mehr litt als die umliegenden Völker, die es ins Exil führten und unterdrückten – auch im privaten Bereich zeigte sich immer mehr, dass der Zynismus sich lohnt und dass der Gerechte in dieser Welt zum Leidenden wird. In den Psalmen und in der späten Weisheitsliteratur sehen wir das Ringen um diesen Widerspruch, einen neuen Versuch, »weise« zu werden – das Leben recht zu verstehen, Gott, den scheinbar Ungerechten oder überhaupt Abwesenden, neu zu finden und zu begreifen.

Einen der eindringlichsten Texte dieses Ringens, den Psalm 73, darf man in gewisser Hinsicht als geistigen Hintergrund unseres Gleichnisses betrachten. Da sehen wir die Gestalt des reichen Prassers förmlich vor uns, über den der Betende – Lazarus – klagt: »Ich habe mich über die Prahler ereifert, als ich sah, dass es diesen Frevlern so gut geht. Sie leiden ja keine Qual, ihr Leib ist gesund und wohlgenährt. Sie kennen nicht die Mühsal der Sterblichen… darum ist Hochmut ihr Halsschmuck… Sie sehen kaum aus den Augen vor Fett… Sie reißen ihr Maul bis zum Himmel auf… Darum wendet sich das Volk ihnen zu und schlürft ihre Worte in vollen Zügen. Sie sagen: Wie sollte Gott das merken? Wie kann der Höchste das wissen?« (Psalm 73, 3–11).
Der leidende Gerechte, der dies alles sieht, ist in Gefahr, an seinem Glauben irre zu werden. Sieht Gott wirklich nicht? Hört er nicht? Kümmert ihn das Schicksal der Menschen nicht? »Also hielt ich umsonst mein Herz rein… Und doch war ich alle Tage geplagt und wurde jeden Morgen gezüchtigt. Mein Herz war verbittert« (Psalm 73,13ff). Der Umschwung kommt, als der leidende Gerechte im Heiligtum auf Gott hinschaut und im Hinsehen auf Gott seine Perspektive weitet. Jetzt sieht er, dass die scheinbare Klugheit der erfolgreichen Zyniker bei Licht besehen Dummheit ist: Diese Art Weisheit bedeutet »töricht und ohne Verstand sein, wie ein Stück Vieh« (Psalm 73,22). Sie bleiben in der Perspektive der Tiere und haben die Perspektive des Menschen verloren, die über das Materielle hinausreicht: zu Gott hin und zum ewigen Leben.
Ein anderer Psalm mag uns an dieser Stelle einfallen, in dem ein Verfolgter am Ende sagt: »Fülle ruhig ihren Leib mit Gütern; ihre Söhne werden noch satt… Ich aber will in Gerechtigkeit dein Angesicht schauen; mich sattsehen an deiner Gestalt, wenn ich erwache« (Psalm 17,14f). Zweierlei Sättigung steht sich hier gegenüber: die Sättigung mit den materiellen Gütern und das Sattwerden am Hinschauen auf »deine Gestalt« – die Sättigung des Herzens durch die Begegnung mit der unendlichen Liebe. »Wenn ich erwache« – das verweist zutiefst auf das Erwachen ins neue, ewige Leben hinein; aber es spricht auch schon von einem tieferen »Erwachen« in dieser Welt: das Wachwerden für die Wahrheit, das dem Menschen schon jetzt eine neue Sättigung schenkt.
Von diesem Wachwerden im Gebet spricht der Psalm 73. Denn nun sieht der Beter, dass das so beneidete Glück der Zyniker nur »wie ein Traum ist, der beim Erwachen verblasst, dessen Bild man vergisst, wenn man aufsteht« (Psalm 73,20). Und nun erkennt der Beter das wirkliche Glück: »Ich aber bleibe immer bei dir, du hältst mich an meiner Rechten… Was habe ich im Himmel außer dir? Neben dir erfreut mich nichts auf der Erde… Gott nahe zu sein, ist mein Glück…« (Psalm 73,23.25.28). Das ist nicht Vertröstung auf das Jenseits, sondern Wachwerden für die wahre Größe des Menschseins, zu der freilich auch die Berufung zum ewigen Leben gehört.

Nur scheinbar haben wir uns damit von unserem Gleichnis entfernt. In Wirklichkeit will uns der Herr mit dieser Geschichte gerade in den Vorgang des »Erwachens« hineinführen, der in den Psalmen sich niedergeschlagen hat. Es geht nicht um eine billige, aus dem Neid geborene Verdammung des Reichtums und der Reichen. In den Psalmen, die wir kurz bedacht haben, ist aller Neid überwunden: Dem Beter wird gerade sichtbar, dass Neid um diese Art von Reichtum töricht ist, weil er das wirkliche Gut erkannt hat. Nach der Kreuzigung Jesu begegnen uns zwei wohlhabende Männer – Nikodemus und Josef von Arimathäa –, die den Herrn gefunden haben und »Erwachende« sind. Der Herr will uns von einer törichten Klugheit zur wahren Weisheit führen, das wirkliche Gut erkennen lehren. Und so dürfen wir, auch wenn das im Text nicht steht, von den Psalmen her wohl sagen, dass der reiche Prasser auch in dieser Welt schon ein Mann des leeren Herzens war, der in seiner Schwelgerei nur die Leere ersticken wollte, die in ihm war: Im Jenseits kommt nur die Wahrheit zum Vorschein, die auch im Diesseits schon bestand. Natürlich ist dieses Gleichnis, indem es uns aufweckt, zugleich ein Ruf zur Liebe und zur Verantwortung, die wir jetzt unseren armen Brüdern zuzuwenden haben – im großen Maßstab der Weltgesellschaft wie im kleinen unseres Alltags.

Der Wohlhabende war ein Mann des leeren Herzens
Bei der Schilderung des Jenseits, die im Gleichnis nun folgt, hält sich Jesus an die Vorstellungen, die im Judentum seiner Zeit Geltung hatten. Insofern darf man diesen Teil des Textes nicht pressen: Jesus übernimmt die vorgegebenen Bildelemente, ohne sie damit förmlich zu seiner Lehre über das Jenseits zu erheben. Die Substanz der Bilder freilich bejaht er ganz eindeutig. Insofern ist es doch nicht unwichtig, dass Jesus hier die Vorstellungen vom Zwischenzustand zwischen Tod und Auferstehung aufgreift, die inzwischen Allgemeingut jüdischen Glaubens geworden waren. Der Reiche befindet sich im Hades als einem vorläufigen Ort, nicht in der »Gehenna« (Hölle), die der Name des Endzustandes ist (Jeremias, a. a. O., S. 152). Eine »Auferstehung im Tod« kennt Jesus nicht. Aber das ist, wie gesagt, nicht die eigentliche Lehre, die der Herr uns mit diesem Gleichnis erteilen will. Es geht vielmehr, wie Jeremias überzeugend dargestellt hat, in einem zweiten Gipfel des Gleichnisses um die Zeichenforderung.

Das Zeichen Gottes für die Menschen ist der Menschensohn, ist Jesus selbst
Der reiche Mann sagt vom Hades herauf zu Abraham, was so viele Menschen damals wie heute zu Gott sagen oder sagen möchten: Wenn du schon willst, dass wir dir glauben und unser Leben nach dem Offenbarungswort der Bibel einrichten, dann musst du deutlicher werden. Schick uns jemand aus dem Jenseits, der uns sagen kann, dass es wirklich so ist. Das Problem der Zeichenforderung, der Forderung nach größerer Evidenz der Offenbarung durchzieht das ganze Evangelium. Die Antwort Abrahams wie die Antwort Jesu auf die Zeichenforderung seiner Zeitgenossen außerhalb des Gleichnisses ist klar: Wer dem Wort der Schrift nicht glaubt, der wird auch einem vom Jenseits Kommenden nicht glauben. Die höchsten Wahrheiten können nicht in die gleiche empirische Evidenz gezwungen werden, die eben nur dem Materiellen eigen ist.
Abraham kann den Lazarus nicht ins Vaterhaus des reichen Mannes schicken. Aber da fällt uns etwas auf. Wir denken an die Auferweckung des Lazarus von Bethanien, von der das Johannes-Evangelium berichtet. Was geschieht? »Viele von den Juden… glaubten an ihn«, erzählt uns der Evangelist. Sie gehen zu den Pharisäern und berichten von dem Geschehenen, worauf sich das Synedrium versammelt, um zu beraten. Dort sieht man die Sache unter politischem Gesichtspunkt: Eine so entstehende Volksbewegung könnte die Römer auf den Plan rufen und eine gefährliche Situation herbeiführen. So beschließt man, Jesus zu töten: Das Wunder führt nicht zum Glauben, sondern zur Verhärtung (Johannes 11,45–53).

Aber unsere Gedanken werden noch weiter gehen. Erkennen wir nicht hinter der Gestalt des Lazarus, der bedeckt von Wunden vor der Tür des reichen Mannes liegt, das Geheimnis Jesu, der »außerhalb der Stadtmauern litt« (Der Brief an die Hebräer 13,12) und nackt ausgespannt am Kreuz dem Spott und der Verachtung der Menge preisgegeben war, sein Leib »voll Blut und Wunden«? – »Ich aber bin wie ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet« (Psalm 22,7).
Dieser wirkliche Lazarus ist auferstanden – er ist gekommen, um es uns zu sagen. Wenn wir so in der Lazarus-Geschichte Jesu Antwort auf die Zeichenforderung seiner Generation sehen, finden wir uns im Einklang mit der zentralen Antwort, die Jesus auf diese Forderung gegeben hat. Bei Matthäus lautet sie: »Diese böse und treulose Generation fordert ein Zeichen. Aber es wird ihr kein anderes gegeben werden als das Zeichen des Propheten Jona. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird auch der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Inneren der Erde sein« (Matthäus 12,39f). Bei Lukas lesen wir: »Diese Generation ist böse. Sie fordert ein Zeichen; aber es wird ihr kein anderes gegeben als das Zeichen des Jona. Denn wie Jona für die Einwohner von Ninive ein Zeichen war, so wird es auch der Menschensohn für diese Generation sein« (Lukas 11,29f).

Wir brauchen hier nicht die Unterschiede dieser beiden Versionen zu analysieren. Eines ist klar: Das Zeichen Gottes für die Menschen ist der Menschensohn, ist Jesus selbst. Und er ist es zutiefst in seinem Pascha-Mysterium, im Geheimnis von Tod und Auferstehung. Er selbst ist »das Zeichen des Jona«. Er, der Gekreuzigte und Auferstandene, ist der wahre Lazarus: Ihm, diesem großen Gotteszeichen, zu glauben und zu folgen, lädt das Gleichnis uns ein, das mehr ist als ein Gleichnis. Es spricht von Wirklichkeit, von der entscheidenden Wirklichkeit der Geschichte überhaupt.







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Rom, 15. April 2007  
Predigt Papst Benedikt des XVI. anlässlich seines 80. Geburtstages:
„Ich danke Gott”

In einer sehr persönlichen Predigt hat Papst Benedikt XVI. am Sonntag, dem 15. April 2007, in Rom anlässlich seines 80. Geburtstages über seine Sicht des barmherzigen Gottes gesprochen und ihm für Familie, Freunde, Helfer und die Gemeinschaft der Kirche gedankt. Hier der volle Wortlaut der Predigt:

"Der heutige Sonntag heißt nach alter Überlieferung „Weißer Sonntag": Noch einmal trugen an diesem Tag die Neugetauften der Osternacht ihr weißes Kleid, Sinnbild des Lichts, das der Herr ihnen in der Taufe geschenkt hatte. Das weiße Kleid werden sie dann ablegen, aber die neue Helligkeit, die ihnen mitgeteilt wurde, die sollen sie in den Alltag hineinnehmen; die leise Flamme der Wahrheit und des Guten, die der Herr in ihnen angezündet hatte, die sollten sie sorgsam hüten und so etwas von Gottes Helligkeit und Güte in diese unsere Welt tragen.

Der Heilige Vater Papst Johannes Paul II. hat gewollt, daß dieser Sonntag als Fest der göttlichen Barmherzigkeit begangen werde: In dem Wort Barmherzigkeit fand er das ganze Erlösungsgeheimnis zusammengefaßt und für unsere Zeit neu ausgelegt. Er hat in zwei Diktaturen, in der Begegnung mit Armut, Not und Gewalt die Macht der Finsternis tief erfahren, von der die Welt gerade auch in dieser Stunde bedrängt ist. Aber er hat nicht weniger tief erfahren, daß Gott mit seiner ganz anderen, göttlichen Macht all diesen Gewalten entgegentritt: mit der Macht seines Erbarmens. Sie ist es, die dem Bösen eine Schranke setzt. In ihr drückt sich das ganz eigene Wesen Gottes aus – seine Heiligkeit, die Macht der Wahrheit und der Liebe. Nach der ersten Vesper dieses Sonntags ist er vor zwei Jahren heimgegangen, hineingestorben in die göttliche Barmherzigkeit, von der er so über den Tod hinaus und von Gott her neu zu uns spricht: Vertraut dem göttlichen Erbarmen! Werdet Menschen seines Erbarmens Tag um Tag! Das Erbarmen ist das Lichtgewand, das der Herr uns in der Taufe geschenkt hat. Dieses Licht dürfen wir nicht verlöschen lassen; es soll im Gegenteil Tag um Tag wachsen in uns und so der Welt von Gott Kunde bringen.

Es fügt sich, daß ich gerade in diesen vom Licht der göttlichen Barmherzigkeit besonders durchleuchteten Tagen auf 80 Jahre Leben zurückblicken darf. Ich begrüße alle, die gekommen sind, um mit mir diesen Jahrestag zu feiern. Vor allem grüße ich die Herren Kardinäle, mit einem besonderen Dank an den Dekan des Kardinalskollegiums, Kardinal Angelo Sodano, der im Namen aller das Wort an mich gerichtet hat. Ich begrüße die Erzbischöfe und Bischöfe, darunter die Weihbischöfe der Diözese Rom, meiner Diözese; ferner begrüße ich die Prälaten und die anderen Mitglieder des Klerus, die Ordensleute und alle Gläubigen, die hier zugegen sind. Einen dankbaren Willkommensgruß richte ich auch an die Persönlichkeiten aus der Politik und an die Mitglieder des diplomatischen Korps, die mich durch ihre Anwesenheit ehren. Schließlich begrüße ich mit brüderlicher Zuneigung den persönlichen Gesandten des ökumenischen Patriarchen Bartholomäus I., Seine Eminenz Ioannis, den Metropoliten von Pergamon. Mit dem Ausdruck meiner Wertschätzung für die freundliche Geste verbinde ich den Wunsch, daß der theologische katholisch-orthodoxe Dialog mit neuer Kraft fortgeführt werde.

Wir sind hier versammelt im Gedanken an die Vollendung eines langen Abschnittes meines Lebens. Natürlich darf die Liturgie nicht dazu dienen, vom eigenen Ich, von sich selber zu reden. Aber das eigene Leben darf dazu dienen, Gottes Barmherzigkeit zu verkünden. „Alle, die ihr Gott fürchtet, kommt und hört, was Gott meiner Seele getan hat", sagt ein Psalm (65 [66], 16). Ich habe es immer als ein großes Geschenk der göttlichen Barmherzigkeit betrachtet, daß mir Geburt und Wiedergeburt am selben Tag, im Zeichen des anfangenden Osterfestes geschenkt worden sind. So wurde ich zugleich in meine eigene Familie und in die große Familie Gottes hineingeboren. Ja, ich danke Gott, daß ich erleben durfte, was Familie bedeutet. Daß ich erfahren durfte, was Vaterschaft heißt und daß so das Wort von Gott dem Vater von innen her verständlich wurde, von der menschlichen Erfahrung her mir sich der Zugang öffnete zu dem großen und gütigen Vater im Himmel. Vor ihm tragen wir Verantwortung, aber er schenkt uns zugleich Vertrauen, weil in seiner Gerechtigkeit die Barmherzigkeit immer durchleuchtet und die Güte, mit der er auch unsere Schwachheit annimmt und uns aufhilft, um langsam den aufrechten Gang zu lernen. Ich danke Gott, daß ich tief erfahren durfte, was mütterliche Güte bedeutet, zu der die Zuflucht immer offensteht und die mir gerade so Freiheit gibt. Ich danke Gott für meine Geschwister, die mir ein Leben lang treu und helfend zur Seite standen und stehen. Ich danke Gott für die Weggefährten, Freunde und Helfer, die er mir geschenkt hat. Ich danke ganz besonders auch dafür, daß ich vom ersten Tag an in die große Gemeinschaft der Glaubenden hineinwachsen durfte, in der die Grenze zwischen Leben und Tod, zwischen Himmel und Erde aufgerissen ist; daß ich aus der Weisheit dieser Gemeinschaft lernen durfte, in der nicht nur die Erfahrungen der Menschheit von ihren frühesten Zeiten eingeborgen sind: Ihre Weisheit ist nicht bloß Menschenweisheit, sondern in ihr rührt uns die Weisheit Gottes selber an – die ewige Weisheit.

In der ersten Lesung dieses Sonntags wird uns erzählt, daß die Menschen in der Morgenstunde der werdenden Kirche die Leidenden an eine Stelle trugen, auf die der Schatten Petri fiel: Diesem Schatten wurde heilende Kraft zugeschrieben. Denn dieser Schatten kam vom Licht Christi und trug daher etwas von der Macht seiner göttlichen Güte in sich. Der Schatten Petri ist durch die Gemeinschaft der katholischen Kirche von Anfang an auf mein Leben gefallen, und ich habe gelernt, daß es ein guter Schatten ist – ein heilender Schatten, eben weil er letztlich von Christus selber kommt. Petrus war ein Mensch mit allen Schwächen eines Menschen, aber er war vor allem ein Mensch voll leidenschaftlichen Glaubens an Christus und voller Liebe zu ihm. Von seinem Glauben und seiner Liebe her kam mitten in all seiner Schwachheit die heilende Kraft Christi zu den Menschen, seine vereinigende Kraft. Suchen wir auch heute den Schatten Petri, um im Licht Christi zu sein.

Geburt und Wiedergeburt; irdische Familie und die große Familie Gottes – dies ist das große Geschenk der Erbarmungen Gottes, auf dessen Grund wir stehen. In meinem Weg ins Leben hinein kam ein neues forderndes Geschenk auf mich zu: die Berufung zum priesterlichen Dienst. Als wir – mehr als 40 Weggefährten – am Peter- und Paultag 1951 im Freisinger Dom am Boden hingestreckt lagen und über uns alle Heiligen angerufen wurden, kam mir die Armseligkeit meiner eigenen Existenz angesichts dieses Auftrags bedrängend zum Bewußtsein. Ja, es war tröstlich, daß der Schutz der Heiligen Gottes, der Lebenden und der Toten auf uns herabgerufen wurde. Daß ich nicht allein sein würde. Und welche Zuversicht ging von den Worten Jesu aus, die wir dann in der Weiheliturgie aus dem Mund des Bischofs hören durften: „Nicht mehr Knechte nenne ich euch, sondern Freunde." Ich habe es tief erfahren dürfen: Er, der Herr, ist nicht nur Herr, sondern Freund. Er hat seine Hand auf mich gelegt und wird mich nicht verlassen. Diese Worte wurden damals gesprochen im Zusammenhang der Zuteilung der Vollmacht, das Bußsakrament zu spenden und so im Namen Christi Sünden zu vergeben. Es ist das Gleiche, was wir heute im Evangelium hören: Der Herr haucht seine Jünger an. Er gibt ihnen seinen Geist – den Heiligen Geist: „Welchen ihr die Sünden nachlassen werdet, denen sind sie nachgelassen…" Der Geist Jesu Christi ist Macht der Vergebung. Er ist Macht der göttlichen Barmherzigkeit. Er ermöglicht einen neuen Anfang – immer wieder. Die Freundschaft mit Jesus Christus ist Freundschaft mit dem, der uns zu Menschen des Vergebens macht und der uns auch selbst vergibt, uns immer wieder aufhebt aus unserer Schwachheit und uns gerade so erzieht, uns die innere Verpflichtung der Liebe einsenkt, seinem Vertrauen mit unserer Treue zu antworten.

Im heutigen Evangelium erfahren wir auch von der Begegnung des Apostels Thomas mit dem auferstandenen Herrn: Der Apostel darf seine Wundmale berühren, und so erkennt er ihn – erkennt ihn über die menschliche Identität dieses Jesus von Nazareth hinaus in seiner wahren und tiefsten Identität: „Mein Herr und mein Gott" (Joh 20, 28). Der Herr hat seine Wundmale in die Ewigkeit mitgenommen. Er ist ein verwundeter Gott; von der Liebe zu uns hat er sich verwunden lassen. Die Wundmale sind uns Zeichen, daß er uns versteht und daß er sich von der Liebe zu uns verwunden läßt. Diese seine Wundmale – wie können wir sie in der Geschichte unserer Zeit anrühren, da er sich immer wieder für uns verwunden läßt. Wie sind sie uns Gewißheit und Trost seines Erbarmens! Und wie sehr sind sie auch für uns Gewißheit dessen, wer er ist: „Mein Herr und mein Gott." Und wie sehr sind sie uns Verpflichtung, uns für ihn verwunden zu lassen.

Gottes Erbarmungen begleiten uns Tag um Tag. Wenn wir nur wachen Herzens sind, können wir sie wahrnehmen. Allzusehr sind wir geneigt, bloß die tägliche Mühsal zu empfinden, die uns als Kindern Adams auferlegt ist. Aber wenn wir unser Herz öffnen, dann können wir mitten darin auch immer wieder sehen, wie gut Gott mit uns ist; wie er gerade im Kleinen unser gedenkt und uns so zum Großen hilft. Mit der größer gewordenen Last der Verantwortung hat der Herr auch neue Hilfe in mein Leben gebracht: Immer wieder erfahre ich mit dankbarer Freude, wie groß die Schar derer ist, die mich mit ihrem Gebet mittragen; die mir mit ihrem Glauben und ihrer Liebe helfen, meinen Dienst zu tun; die mit meiner Schwachheit Nachsicht haben und auch im Schatten Petri das gütige Licht Jesu Christi erkennen. Dafür möchte ich in dieser Stunde dem Herrn und Euch allen von ganzem Herzen danken. An den Schluß dieser Predigt möchte ich das Gebet des heiligen Papstes Leo des Großen stellen, das ich vor genau 30 Jahren auf das Gedenkbild meiner Bischofsweihe geschrieben habe: „Betet zu unserem gütigen Gott, daß er in unseren Tagen den Glauben festigen, die Liebe vervielfältigen und den Frieden mehren wolle. Mich, seinen armseligen Knecht, möge er zulänglich machen für seine Aufgabe sowie nützlich für eure Auferbauung und die Spanne meines Dienstes so gewähren, daß mit der geschenkten Zeit die Hingabe wächst.

Amen."







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